Start Blog Seite 3021

Hiob

0
Früher nannte er sich V-Mann und war auf Privatpartys in ganz Berlin ein gefürchteter ungebetener Gast. Heute heißt er Hiob und hat die ganz wilden Zeiten hinter sich gelassen – jedenfalls, was das Sprengen von Partys angeht. Was Rapmusik betrifft ist er hingegen produktiv wie nie zuvor. Seitdem er mit Morlockk Dilemma zusammenarbeitet ist sein Output ins geradezu unermessliche gestiegen. Die beiden Brüder im Geiste schufen mit "Hang zur Dramatik", "Apocalypse Jetzt" und dessem Nachfolger "Postapocalypse Jetzt" drei rohe, ungeschliffene Untergrund-Klassiker. Nun legt Hiob sein erstes Soloalbum vor, "Drama Konkret", den Track "Zement" könnt ihr euch hier anhören. Ein Gespräch mit einem MC, der auf aktuelle Trends einen Scheiß gibt, aber genausowenig in Ehrfurcht vor der Golden Era erstarrt. Willkommen in der Welt von Hiob.

rap.de: "Drama Konkret" ist dein erstes richtiges Soloalbum.

Hiob: Das erste offizielle, ja.

rap.de: Du machst es also umgekehrt wie die anderen, die mit einem Soloalbum anfangen und erst dann irgendwelche Projekte machen.

Hiob: Naja, eigentlich habe ich mit Tapes angefangen. Die Motivation dabei war auch nie, wir machen jetzt einen Release. Man hat einfach Musik gemacht. Was daraus wurde, hat sich ergeben. Und "Fragmente" ist zwar vielleicht kein Album, sondern eher eine Track-Sammlung, aber eigentlich war das trotzdem mein erstes Soloding. Aber offiziell ist "Drama Konkret" das erste richtige Solo-Release.

rap.de: "Drama Konkret" hat ja auch einen roten Faden, es gibt einen Spannungsbogen. Also hast du dir vorher dieses Mal schon einen Kopf gemacht?

Hiob: Also, das Konzept war anfangs noch wesentlicher düsterer gewesen. Ab einem bestimmten Punkt dachte ich mir, ich will es nicht wieder so verkopft machen, nicht immer dieses durchgeplante Storytelling. Und dann haben sich einfach viele Sachen ergeben, ich hatte einfach Bock, auf diesen Beat zu rappen und dabei nichts großartiges erzählen zu müssen oder die Welt erklären. So sind viele Tracks spontan entstanden, gerade die, die sich in diesem Battle-Rahmen bewegen, diese Wir-rappen-über-Rap-Dinger. Die thematischen Sachen sind eher aus der Anfangsphase. Ich hatte auch noch wesentlich mehr Kram von der Sorte. Aber das wäre mir dann zu trocken zu geworden. Der rote Faden ist in diesem Fall einfach meine Sampleauswahl und die Art und Weise, wie ich die Beats gemacht habe.

rap.de: Deine Themensongs sind ja meistens Kiezgeschichten, Alltagsschilderungen, Stories, die das Leben schreibt. Sind die alle echt oder dramatisierst du da auch viel?

Hiob: Ich bin gar kein Freund von so einer 1:1-Erzählweise, dieses: ich erzähle aus meinem Leben und habe dabei große Emotionen. Jeder Rapper hat ja mittlerweile ein Lied über seine Mutter, und dann noch eins über einen verstorbenen Freund. Solche Themen gibt es auch in meinem Leben, weißte, aber die sind mir dann zu wichtig, da habe ich zu viel Respekt vor, um das 1:1 zu übernehmen. Es ist viel echt, aber die Sachen, die mir zu nahe gehen, versuche ich zu kodieren. Es setzt sich aus vielen verschiedenen Geschichten zusammen, wie ein Puzzle. Natürlich ist es auch oft überspitzt oder mal einfach weitergesponnen, was wäre passiert, wenn…? Aber der Grundtenor und viele Details, die vorkommen, sind schon so passiert.
 

B-Tight, Shizoe und Achim Petry

0
Ein ganz normaler Abend in der rap.de-Redaktion. Wie immer sitzen alle eifrig vor ihren Rechnern oder hängen am Telefon, um den Rapfans da draußen die neusten News nahe zu bringen. Auf einmal geht die Türe auf und drei junge Männer stehen im Raum. Es sind B-Tight, den man niemandem mehr groß vorstellen muss, Shizoe, aus Aggro-Zeiten durchaus auch bekannt und Achim Petry, Sohn des berühmten Schlagerbarden Wolfgang Petry. Seit zwei Jahren geben diese drei gemeinsame Konzerte, was bei manchen Fans die wildesten Spekulationen über Schlager-Rap und dergleichen unsinniges Zeug mehr ausgelöst hat. rap.de hingegen geht ganz ruhig der Frage nach, was an den Gerüchten dran ist und wie es überhaupt zu dieser nicht unbedingt erwartbaren Zusammenarbeit kam.
 
rap.de: So…

B-Tight: So ist übrigens das meistgesagte Wort in Deutschland.

rap.de: So?

B-Tight: Weiß nicht, behaupte ich jetzt einfach mal (Gelächter).

rap.de: Seit zwei Jahren seid ihr drei gemeinsam unterwegs. Wie kam es überhaupt dazu?

B-Tight: Das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt wissen wir das selber nicht, weil wir eigentlich ständig im Vollrausch sind (Gelächter). Es muss auf jeden Fall beim Saufen passiert sein. Ich glaube, es ging von unserer Managerin aus, Wilma, die viel mit Achim unterwegs ist,  Shizoe und ich kennen uns ja schon ein bisschen länger. Wilma meinte, es wäre eine gute Idee, mal was zusammen zu machen. Es war auch tatsächlich eine coole Idee, denn Achim ist mit einer kompletten Band unterwegs, er ist ein cooler Typ und man hat sich direkt gut verstanden. Ich spiele bei den Auftritten ja einfach meine Songs, das finde ich cool – bei einem Achim Petry-Konzert. Shizoe genauso. Es ist also nicht so, dass wir einen auf Schlager machen würden. Sondern Achim guckt gerne über den Tellerrand, nicht wahr?

Achim Petry: Also, meine Welt ist nicht so heil, wie in Schlagersongs immer gern erzählt wird. Und seine Welt ist nicht so kaputt, wie auch immer gerne in HipHop-Songs erzählt wird. Oder?

B-Tight: Irgendwie passt es jedenfalls zusammen. Achim ist Atze, wir sind alle cool drauf.

rap.de: Waren denn beide Seiten von Anfang an einverstanden?

Shizoe: Nee (Gelächter). Als ich das erste Mal auf einen Achim-Gig gehen sollte, war mir schon ziemlich mulmig zumute. Ich kam da dann auch an, da war dann eine riesige Schlagerparade, Durchschnittsalter 55. Das war auf irgendeinem Dorf, im August 2009. Alle saßen brav am Tisch und hatten ihr Bierchen bestellt und gewartet, bis der Auftritt los geht. Da war auch nichts mit Stehen oder Pogen, wie wir das kennen. Vor dem Auftritt kam Achims Band auch zu mir und meinte, hey Shizoe, willste wirklich hier auftreten? Kannste dir ja nochmal überlegen, wir sind dir auch nicht böse, wennde jetzt absagst. Aber ich meinte, nee, ich bin jetzt hier und ich mach das auch. Es war dann schon eine Überraschung, denn wie bei allen folgenden Konzerten habe ich mein Ding gemacht, Bobby hat sein Ding gemacht und am Ende hatten alle Spaß und haben sich gefreut, dass es passiert ist. Auch, wenn sie am Anfang vielleicht ein bisschen skeptisch waren.

B-Tight: Wir haben ja auch einen Song alle drei zusammen gemacht, den wir immer als Zugabe spielen. Von daher passt das alles auch irgendwie zusammen. Wir sind einfach drei übercoole Typen, die sich selber feiern.

rap.de: Wie heißt denn euer gemeinsamer Song?

B-Tight: "Stunde der Sieger", den hat Beatzarre produziert. Den feiern wir extrem und die Leute auch. Es ist ein sehr leichter Song, in dem es halt um die Sieger geht, die sich einfach selber feiern, so wie wir.
 

Chimperator wächst weiter

0
Das Stuttgarter Vorzeige-Indielabel Chimperator vergrößert sich weiter. Nachdem bereits ein Majordeal für die Orsons eingetütet wurde (rap.de berichtete) und die vier Jungs zudem als Vorgruppe auf Herbert Grönemeyers nächster Tour unterbrachte (rap.de berichtete), ging Chimperator nun zwei Kooperationen mit größeren Firmen ein.

Gemeinsam mit 0711 Entertainment gründet man ab Januar 2012 die Booking-Agentur Chimperator Live, die fortan den kompletten Live-Bereich, sprich Bookings und Events sowie das Sponsoring betreuen soll. Für die Orsons wiederum wird man in Zukunft beim Booking mit Four Artists kooperieren.

Noch vor einigen Jahren hätte man im Deutschrap angesichts solcher Businessmoves sofort reflexartig von Markt-, ach was, Weltübernahme gesprochen, Sebastian Schweizer nimmt solche großen Worte aber lieber nicht in den Mund. "Wir haben von Anfang an versucht, alles bei und zu behalten und selbst zu machen", erklärt der Chimperator-Chef in einem exklusiven Statement gegenüber rap.de. "Deswegen gehen wir auch Kooperationen ein, bei denen wir nicht einfach alles weggeben. Genau wie bei dem Universal-Deal für die Orsons – die hätten wir ja auch komplett abgeben können, wir sind aber lieber eine Kooperation eigegangen."

Dass man mit 0711 und Four Artists jeweils mit Firmen zusammenarbeitet, die zumindest ihre Wurzeln ebenfalls in der baden-württembergischen Landeshauptstadt haben, ist natürlich kein Zufall. "Das ist mehr oder weniger zusammengewachsen", befindet Schweizer. "Strachi von 0711 kennen wir schon sehr lange als Stuttgarter HipHop-Paten, der hat uns auch schon immer mal wieder Tipps gegeben. Außerdem arbeitet unser Booker parallel auch bei 0711, also lag es nahe, sich mal zusammenzusetzen."

Four Artists wiederum biete das beste Gesamtpaket und habe in den letzten Jahren bewiesen, dass sie es verstünden, einen Live-Act konsequent aufzubauen. Dieser Einschätzung kann man sich mit Blick auf etwa Marteria, Clueso oder Peter Fox bedenkenlos anschließen.

Fler – Frei im Kopf

0
Ein Shisha-Café im Süden Berlins. Draußen regnet es in Strömen. Fler sitzt an einem der Tische, scherzt mit dem Inhaber und berät mit einem Kumpel, ob er heute mit zum Sport kommen soll – Boxen steht auf dem Programm. Der Kumpel ist übrigens einer der Sänger von Puls030, die "Die Straße geht ewig" von Flers neuem Album "Im Bus Ganz Hinten" mit ihrem kraftvollen, maskulinen Gesang veredelt haben. Während der Puls-Sänger sich genüsslich einer Wasserpfeife mit Apfeltabak widmet, stellt Fler sich unseren Fragen. Zur Wasserfpeife greift er erst nach getaner Arbeit.

?rap.de: Auf deinem Album gibt es eigentlich keinen Song, auf dem du richtig glücklich zu sein scheinst.

Fler: Echt, ja?

rap.de: Ja. Es ist immer diese "Die Welt ist scheiße"-Grundstimmung, so: Okay, ich habe zwar eine teure Jacke an, aber eigentlich ist die Welt trotzdem kalt und scheiße. Auch mein teures Auto kann daran nichts ändern.

Fler: Vielleicht liegt es ja daran, dass ich in gewissen Sachen unzufrieden bin. Eigentlich ist diese Rapszene, wie sie gerade ist, genau nach meinem Geschmack. Das Problem ist nur, dass dieses Business gerade nicht funktioniert, die Musikindustrie. Das ist für einen Künstler natürlich deprimierend. Ich bin nicht nur unzufrieden, ich bin ja auch dankbar. Aber es ist eine Mischung, auf der einen Seite das Geld, das man hat, auf der anderen die Stimmung in diesem Land. Geld macht ja nicht glücklich. Es erleichtert dir vieles, aber als Rapper polarisiert man in diesem Land immer sehr krass. Es ist ja nicht wie in Amerika, wo man akzeptiert wird. Als Rapper bist du voll der Exot, du schwimmst immer gegen den Strom.

rap.de: Und sitzt bei Stefan Raab und musst dir immer noch seine Witze über Rap anhören.

Fler: Genau. Obwohl ich es sympathisch fand, wie er's gemacht hat, aber man merkt halt, dass er sich mit dem Thema nicht wirklich beschäftigt hat. Und das ist traurig. Eigentlich müsste er meine Platte kennen. Ich bin auf 3 gechartet. Das müsste doch für einen wie Stefan Raab ein Grund sein, sich die Songs mal anzuhören. Aber die Zeit nimmt er sich halt nicht. Weil HipHop immer noch so eine Randgruppe ist. Rapper sind immer noch Außenseiter.

rap.de: Kämpft du denn für mehr Akzeptanz gegenüber HipHop in Deutschland?

Fler: Nee, wir haben ja seit Aggro Berlin die Haltung, dass wir nicht versuchen, es den Leuten Recht zu machen. Wir machen einfach unser Ding, bis die Leute es vom Erfolg her akzeptieren müssen. Und dann sitze ich halt bei Stefan Raab. Und dann ist der ja auch nett. Aber wenn du dir ankuckst, wie die Leute in den USA gefeiert werden, wie Rap zelebriert wird und im alltäglichen Leben stattfindet – dann kuckst du dich hier um und denkst dir, oh Mann. Deutschland ist sehr grau. Und das macht natürlich schlechte Laune. Aber an sich, mit meiner Situation und mir selber bin ich zufrieden.

rap.de: Warst du auch mit Platz 3 für das Album und Platz 13 für das Buch zufrieden?

Fler: Ja, ich war zufrieden, habe aber schon die nächsten Schritte im Kopf. Mein persönliches Feeback zu dem Release ist natürlich positiv, aber ich bin ja auch ein Perfektionist und sehr schwer zufrieden zu stellen, weil ich immer alles sofort, hier und jetzt möchte. Man muss die Sache mit ein bisschen Abstand auf sich wirken lassen. Das Album ist ja immer noch in den Top 100 .

Kool Savas – Wissen, Flow, Talent

0
Ihr habt lang genug gewartet, dass ein Interview… nein. So eröffnet man natürlich keinen Artikel über den King of Rap, zumindest nicht, wenn man sich eine gesunde Grundangst vor allzu abgegriffenen Phrasen bewahrt hat. Also nochmal von vorne: Aus Anlass seines neuen Albums "Aura", das am 11. November erscheinen wird, ludt Kool Savas zur Live-Präsentation ins nicht gerade billige Sofitel am Gendarmenmarkt zu Berlin (rap.de berichtete). Die beiden folgenden Tage gewährte er dann dem wissbegierigen Volk Audienz in seiner Suite a.k.a. Hotelzimmer. Dort empfängt uns ein ob der zahlreichen Termine etwas matter, nichtsdestotrotz gut gestimmter Savas, der auf alle Fragen betreffs seines neuen Albums, seiner früheren Karriereabschnitte, seiner ehemaligen und aktuellen Weggefährten sowie einiges weiteres mehr bereitwillig Auskunft erteilte. Und eine hatte sich auf das Gespräch besonders gefreut: rap,de-Praktikantin Ay?e A, der im Verlauf des Interviews die Rolle zukam, auch eine wichtige Frage zu beantworten – doch dazu später mehr. Jetzt heißt es erstmal: Vorhang auf für den immer noch amtierenden King of Rap. Schließlich habt ihr lang genug gewartet, dass… schon gut.

 


rap.de: Das Album beginnt nach dem Intro mit „Und dann kam Essah“, in dem du ein bisschen deine Geschichte erzählst. 

Kool Savas: Ja, genau. Eigentlich die Geschichte, die ja sozusagen schon gegessen ist, das ist der Anfang. So wie bei einer Serie, wo du am Anfang noch mal kurz siehst, was davor passiert ist. So ein kleiner Rückblick wie bei "Breaking Bad“ – was bisher geschah, das ist ungefähr "Und dann kam Essah".

rap.de: Und dann kannst du so richtig einsteigen.

Kool Savas: Ja, dann sind die Fronten geklärt, jetzt wissen alle Bescheid und dann kommt auch direkt "Aura".

rap.de: Über deine Stimme bzw. deine relativ hohe Stimmlage hast du ebenfalls einen Track gemacht. Denkst du, dass dein Organ ein wichtiger Teil deiner Aura ist?

Kool Savas: (grinst) Dazu muss ich ganz kurz die Vorgeschichte erzählen: Wir waren im Tourbus und Franky, der gute Franky Kubrick, der so eine Tendenz hat, viel zu reden, viel und gerne, was jetzt aber nicht negativ gemeint ist. Franky meinte jedenfalls zu mir: Es ist ja schon so, du flowst geil, du hast auch gutes Songwriting und so, aber ich glaube, der Grund, warum  die Leute deine Musik hören, ist nur deine Stimme. Was ist das für ein Unsinn, meinte ich. Da habe ich mich ehrlich gesagt auch ein bisschen darüber aufgeregt, weil ich das bisschen unverschämt fand. Ich meinte auch so zu ihm: Ey, willst du mich verarschen? Ich reiße mir so den Arsch auf, guck mal, was für eine Bühnenshow ich mache, guck mal, wie ich rappe, das kann doch nicht sein, dass du es nur darauf reduzierst. Aber im Endeffekt war es ein guter  Ansatz, um mal darüber nachzudenken. Und dann habe ich tatsächlich darüber nachgedacht und dabei sind mir auch wieder Sachen  eingefallen, die ich so halt ein bisschen… nicht verdrängt habe, aber die für mich nicht mehr so wichtig waren. Natürlich war es auch schön, was über mich selber erzählen zu können, aber in zweiter Hinsicht ist es auch wirklich vielleicht ein bisschen mein pädagogischer Auftrag, den Kids und Jugendlichen zu zeigen, auch, wenn man mit sich unzufrieden ist oder wenn irgendwas ist, was man nicht so geil findet, muss es nicht immer negativ sein. Im Endeffekt ist das so ein bisschen wie: Spiel mit den Karten, die du bekommen hast und gib nicht sofort auf. Manche werden auch genau das Problem haben, bei anderen wird es was anderes sein. Der eine ist ein langer Lulatsch, der andere liest gerne Bücher und der dritte ist ein Streber, aber das ist ja alles nicht schlimm. Es gab doch diese Doku, war das "Bowling for Columbine“? Wo die Macher von South Park saßen und meinten, in der Schule wurden sie immer gehänselt und waren die Opfers, und jetzt machen wir das tausendfache an Kohle wie die ganzen Quarterbacks. Mit ihren Muckis konnten die nicht viel reißen.  

rap.de: Eine vermeintliche Schwäche kann auch eine Stärke werden.

Kool Savas: Kann es definitiv, muss es zwar nicht in jedem Fall, kann auch einfach nur eine Schwäche bleiben. Aber für mich, ich sage das auch in dem Song, brauchte ich halt diesen Impuls von Leuten wie Eazy-E und Adrock, dass ich gesehen habe, krass Alter, die haben auch so ’ne Stimmen, und die reißen damit auch was, also brauche ich meine nicht zu verstellen, ich rappe jetzt einfach mit hoher Stimme, scheiß drauf.

rap.de: Es gab in deinem Schaffen aber auch mal so eine Phase, wo du nicht mehr mit einer so hohen, aggressiven Stimme gerappt hast, diese mittlere Optik-Phase, so zu "One“-Zeiten.

Kool Savas: Das war aber eine Stylesache, da hat sich die Stimme dem Style etwas untergeordnet. Aber stimmt, da habe ich oft ein bisschen geflüstert oder so einen ruhigeren Style gehabt, da habe ich mich einfach ausprobiert. Da habe ich auch das erste Mal gesunge Hooks gebracht und wollte einfach was anderes ausprobieren. Denn andere können sich es ja aussuchen, ob sie die Mucke hören oder nicht, aber ich muss immer wieder meine Musik produzieren und hören. Damals hatte ich locker schon ein paar hundert Songs gemacht und meine eigene Stimme ein paar hundert Mal gehört. Irgendwann will man auch mal switchen und was anderes machen, was anderes ausprobieren. Klar, es kann auch in die Hose gehen, aber in dem Zusammenhang war es tatsächlich so, dass sie dann ein bischen tiefer war, aber nicht, weil sie mir nicht mehr gefiel, sondern weil ich diesen Style zu dem jeweiligen zeitpunkt wollte. Inzwischen, du hörst es ja, rappe ich aber eigentlich wieder ziemlich aggressiv. 

rap.de: Das Album scheint mir sowieso dein freiestes bis jetzt zu sein

Kool Savas: Wirklich? Inwiefern?

rap.de: Weil es einfach das Vielseitigste ist. 

Kool Savas: Ey, ich dachte z.B., dass "John Bello 3“ übertrieben vielseitig wäre, und bei dem war ich so: Oh, das hat keinen roten Faden, das ist voll drunter und drüber. Das merke ich auch daran, dass ich viele Songs von "Bello 3“ live spielen kann, weil die Sachen so unterschiedlich sind. Ich weiß natürlich nicht, wie es für andere rüberkommt, aber bei “Aura“ hatte ich das Gefühl, dass es eigentlich mein depressivstes Album ist. Wenn ich das als eine Farbe beschreiben müsste, würde ich sagen, das ist wie dieses Banner (zeigt auf ein schwarzes Banner), eher düster und traurig. Vielleicht, weil ich es in einer Phase aufgenommen habe, wo ich selber ein bischen düster und traurig war, ich bin mir nicht sicher, aber mir kam's gar nicht so vielseitig und frei vor.

Eminem plant neuen Film

0
Eminem hat es als einer der wenigen von vielen Rappern, die sich als Schauspieler versuchen, geschafft, auf der Leinwand zu überzeugen. Sein erster Film "8 Mile" war nicht nur ein kommerzieller Erfolg an den Kinokassen, sondern hinterließ auch gleichermaßen Zufriedenheit bei Cineasten wie Rapfans.

Nun plant Slim Shady seinen zweiten Streich. Das heißt, eigentlich plant er den schon etwa einem Jahr. Allerdings lag das Projekt zwischenzeitlich auf Eis, weil die ursprünglich vorgesehene Produktionsfirma ausstieg. Nun hat sich aber mit Sony Pictures Entertainment ein neuer Verleih gefunden, der "Southpaw", so der Titel des Films, produzieren will.

In "Southpaw" soll Eminem erneut einen Underdog spielen, der sich durchkämpft. Dieses Mal allerdings keinen weißen Rapper unter lauter Schwarzen, sondern einen linkshändigen Boxer unter lauter Rechtshändern. Der von Em verkörperte Boxchampion hat bereits den höchsten Gipfel des Erfolgs erklommen, stürzt dann aber ins komplette Nichts ab und muss sich alles wieder zurück erkämpfen – Ähnlichkeiten und Überschneidungen mit Shadys eigenem Leben sind vermutlich völlig beabsichtigt.

In einem Statement erklärte der Rapper dann auch: "Ein Linkshänder im Boxsport ist das Gleiche wie ein weißer Rapper im Hip-Hop: Risikoreich, ungewollt und ungewöhnlich. Für einen Linkshänder ist es viel schwieriger, als für einen Rechtsausleger.

Klingt doch nach einem unterhaltsamen Kinoerlebnis, das uns da bevorsteht. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis wir das Ergebnis zu Augen bekommen: Der Beginn der Drehbeginn ist für Anfang 2012 angepeilt.

Rückeroberung der Charts

0
Nach einigen mageren Wochen, in denen wir keinen hohen Charteinstieg für einen deutschen Rap-Release vermelden konnten, ist nun wieder eine fette angebrochen.

Die ersten fünf Plätze der deutschen Albumcharts werden diese Woche von gleich zwei Ra-Alben bereichert. Kollegahs drittes Soloalbum "Bossaura" erreichte Platz 5, es ist die erste Top 10 Platzierung des Selfmade-Rappers.

"23", das gemeinsame Projekt von Sido und Bushido, erreichte sogar Platz 3, was angesichts der schier unfassbaren Erwartungen an diese Kollabo der zwei kommerziell erfolgreichsten deutschen Rapper allerdings schon beinahe eine Entäuschung darstellt. Bushido verwies in seiner über Facebook und Twitter verbreiteten Danksagung dann auch auf die ungewöhnlich starke Konkurrenz, die man in dieser Woche gehabt habe (u.a. Peter Maffay, Rosenstolz, Udo Lindenberg, Andrea Berg und Helene Fischer, letztere konnte sich Platz 1 sichern).

Dafür hat es "23" auch in den Nachbarländern Schweiz und Österreich in die Albumcharts geschafft. In Austria erreichte man ebenfalls den dritten Platz und im Land des löchrigen Käses und der lochfreien Bankkonten sogar glatt die #1.

rap.de gratuliert allen drei Chartstürmern und hofft auf einen weiterhin heißen Herbst für HipHop in den deutschen Charts.

Samy und Massiv über Deutschland

0
Der Hamburger Rapper Samy Deluxe hat in einem Interview mit der Tageszeitung taz harsche Worte für sein momentanes Heimatland gefunden. Auf die Frage des Reporters, was gegen Deutschland als Wohnort spreche, versetzte er unwirsch: "Das ist auch ein Scheißland."

Noch auf seinem vorletzten Album "Dis wo ich herkomm" hatte Samy sich ausgiebig mit seinem Verhältnis zu Deutschland auseinandergesetzt und war dabei ob teilweise recht deutschlandfreundlicher Töne von einigen besonders eifrigen Antifa-Altivisten gar der Deutschtümelei bezichtigt worden.

Die Erfahrungen mit diesem Album scheinen ihm ziemlich auf die Nerven gegangen zu sein. "Ich habe noch versucht, mit meinem vorletzten Album "Dis wo ich herkomm" zu helfen. Ist aber alles nach hinten losgegangen. Ich glaube, die Menschen hier wollen nicht, dass man ihnen hilft. Ich habe viel Energie in Musik investiert, die viele positive Denkansätze hat, habe aber nur so mittelmäßig viel Aufmerksamkeit dafür gekriegt", erklärte Samy weiter. "Da muss nur ein Sarrazin herauskommen und sagen "Alles ist scheiße, die Welt wird untergehen", und dann hört dem jeder zu."

Auch der Berliner Rapper Massiv nahm im Interview mit rap.de Bezug auf die Sarrazin-Debatte und erklärte sie bei dieser Gelegenheit gleich mal für beendet. "Sein eigener Sohn bezieht Hartz IV –  damit wäre die Sache ja schon geklärt und vom Tisch. Warum sollte man weiter diskutieren?"

Zwar benenne der Ex-Finanzsenator von Berlin auch Fakten in seinem Buch, insgesamt sei es aber "sinnlose Hetzerei". "Das ist einfach nur ein Buch, um Krieg zu stiften."

Im Gegensatz zu Samy betonte Massiv allerdings, gerne hier zu leben – und begründete dies durchaus pragmatisch. "Ich bin wirklich froh, hier in Deutschland zu sein. Ich habe auch schon viel von der Welt gesehen und diese Infrastruktur, die wir hier in Deutschland haben, haben die woanders nicht mal ansatzweise, noch nicht mal in den Ländern, wo du denkst, die sind reich."
Kritik übte Massiv allerdings an der seiner Meinung nach stark ausgeprägten Unfähigkeit der Deutschen, große Stars als solche zu akzeptieren. "Wir in Deutschland können uns einfach nicht selbst feiern. Wir sagen immer gleich zu jedem: Schwuchtel! Möchtegern! Was ist das denn schon wieder für einer?!"

Das ganze Interview mit Massiv findet ihr hier. 

Featured