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FBI beobachtet Rap

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Rap ist gefährlich und somit nichts für Bitches und Kinder, rappte mal ein gewisser Kool Savas vor etlichen Jahren. Es ist zwar nicht anzunehmen, dass das Federal Bureau of Investigation (FBI) davon jenseits des großen Teichs etwas mitbekommen hat. Trotzdem scheinen die Herren Kriminalbeamten dort diese Auffassung zu teilen.

Wie sonst ist es zu erklären, dass im aktuellen Jahresbericht des FBI nicht nur Stammkunden der Ermittler wie die Hell's Angels, die Bloods und deren Freunde von den Crips auftauchen, sondern auch die Fans der Insane Clown Posse, die unter dem Namen Juggalos firmieren?

Das FBI bezeichnet die Juggalos als "lose organisierte Hybrid-Gang", die "schlecht organisiert, sporadisch und individualistisch" vorgehe. Also eigentlich nichts, was man nicht auch über die Piratenpartei sagen könnte. Das FBI zählt zudem nur vergleichsweise harmlose Vergehen wie Schlägereien, Sachbeschädigungen und Drogen (für den eigenen Gebrauch wohlgemerkt) auf. Einige Mitglieder sollen in Gangaktivitäten verwickelt sein.

Und was lassen sich die Juggalos noch zu Schulden kommen? Sie tragen bunte Kleider und malen sich Clownschminke ins Gesicht. Tja, vielleicht sollte sich der deutsche Verfassungsschutz mal ein Beispiel an den US-amerikanischen Kollegen nehmen und ein Auge oder zwei auf die Atzen werfen…

Savas bei Rap Am Mittwoch

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Das Berliner Freestyle-Battle Rap am Mittwoch hat sich den anderthalb Jahren seit ihrem erneuerlichen Bestehen zu einer der interessantesten und bestbesuchten Veranstaltungen dieser Art gemausert. Im Mai vergangenen Jahres fiel der Startschuss für die Wiederbelebung der einstmals legendären Freestyle-Reihe, die zu den Gründerzeiten des Berliner Battleraps einmal wöchentlich in der UFA-Fabrik stattfand. (rap.de berichtete)

Seit eineinhalb Jahren findet Rap Am Mittwoch nun zweimal im Monat im Calabash Club im Berliner Acud statt, unter der umsichtigen und stets auf Fairness und Ausgleich bedachten Moderation von Ben Salomo (bekannt durch seine Rapkarriere mit den Illuminaten bzw. der Kaosloge). In einem ausgeklügelten System battlen die Rapper nach dem K.O.-Prinzip in mehreren Finalrunden und in verschiedenen Kategorien (Freestyle, Text, Acapella) um die Krone des besten Freestyle-Rappers.

Für die gestrige Veranstaltung hat man sich etwas ganz besonderes einfallen lassen. Schon vorher waren Gerüchte und Andeutungen gestreut worden, dass ein echter "King" zu Gast sein werde. Viele hatten 1 und 1 zusammengezählt, waren auf 2 gekommen und hatten kapiert, dass niemand anderes als Kool Savas sich bei Rap am Mittwoch die Ehre geben würde. Und so kam es dann auch.

Der Saal war mit 450 Menschen prall gefüllt. Nach der Vorrunde betrat Savas unter dem Jubel der Fans zum ersten Mal die Bühne, um seine fachmännischen Kommentare zu den einzelnen Battles abzugeben. Der spätere Sieger TightAmMic überzeugte den King of Rap zum Beispiel anfangs zwar nicht durch sein Auftreten und seine Delivery. Vielleicht gefiel Savas ja einfach der eher brave Look von TightAmMic nicht, der mit Brille und Bubischnitt ziemlich normal rüberkam. Seine Punchlines jedoch saßen, das musste auch Savas neidlos anerkennen: "Ich fick deine Freundin anal/ sie nennt mich Papi/ und blutet mehr als die Fresse von Gaddafi" – "Du hast einen Hit wie Lou Bega? Bist dreist wie Kollegah? Doch ich schwing meinen Säbel und du bist geteilt wie Korea!"

Mit Witz und guter Technik schaffte es TightAmMic schließlich bis ins Finale, wo er auf P-Zak traf. Bevor die beiden Finalisten ihre Skills am Mic kreuzten, war es aber Zeit für den eigentlichen Höhepunkt dieses Abends, auf den viele Zuschauer trotz des gewohnt guten Niveaus der Battles schon sehnsüchtig gewartet hatten: Kool Savas tat um kurz vor Mitternacht das, was er nach allgemein übereinstimmender Überzeugung am besten kann und rappte sich durch ein Mini-Live-Programm. "Rapfilm" und "Futurama" wurden dabei von der begeisterten Masse ebenso dankbar aufgenommen wie der Titeltrack vom neuen Album "Aura" sowie das fiese Spitterbrett "Optimale Nutzung unserer Ressourcen", das im Gegensatz zu den Erwarungen, die der Titel weckt, ziemlich dreckig und asozial daherkommt. Insgesamt wirkte Savas von der Veranstaltung durchaus angetan – ein Eindruck, den diverse Ohrenzeugen auch bestätigten. Ohne Berührungsängste hing er zudem völlig volksnah direkt in der Crowd ab – ein Hauch von Royalbunker lag in der Luft…
 

Das anschließende Finale  konnte TightAmMic dann schlussendlich wie bereits erwähnt für sich entscheiden. Damit war der Abend aber noch lang nicht zuende. Schließlich musste er noch gegen den Endgegner antreten, sprich den Champion der vorhergehenden Veranstaltung, in diesem Falle Fatcap. Doch auch diese Hürde nahm TightAmMic schließlich und wurde somit zum uneingeschränkten Sieger gekrönt. DJ Pete sorgte schließlich an den Plattentellern weiterhin für gute Stimmung und eine volle Hütte bis in die frühen Morgenstunden.

Vasee: Gut zu Fuß

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Eines der interessantesten Alben des letzten Jahres hörte auf den Namen "Evgilia". Darauf war nicht nur der Reutlinger Rapper Tua zu hören, sondern auch der ebenfalls in Reutlingen beheimatete Sänger Vasee.

Von diesem erscheint am kommenden Freitag, dem 4. November, die Single "Lauf" über das Stuttgarter Indielabel Chimperator. Das allein wäre vielleicht noch nicht unbedingt eine Nachricht, bestenfalls eine Ankündigung, doch in diesem Fall steckt hinter dem Song eine wirklich interessante Geschichte.

Denn Vasee hat den vergangenen Sommer weder im Freibad noch am See verbracht. Stattdessen ist er von seiner Heimatstadt Reutlingen am Fuß der Schwäbischen Alb bis nach Ormenio gelaufen. Ormenio liegt übrigens in, genau, Griechenland. Ausgestattet nur mit einem Rucksack, einer Isomatte und einem Zelt hat Vasee zu Fuß die Alpen überquert. Nach etwa 30 Tagen Fußmarsch, die Nächte verbrachte er meist auf Campingplätzen oder im Wald, erreichte er Venedig, von wo er mit der Fähre nach Griechenland übersetzte.

Auf besagter Single "Lauf" sowie im dazugehörigen Videoclip, der heute mittag auf dem YouTube-Channel von Chimperator Premiere feiern wird, hat Vasee diese etwa dreimonatige Pilgertour verarbeitet. In seinem Blog schreibt er dazu: "Ich will jetzt nicht behaupten, aufgrund der Pilgerreise “erleuchtet” zu sein, aber anders laesst sich mein aktueller Zustand nicht beschreiben. Ich habe mich fuer ganze drei Monate aus dem System ausgeklinkt, was mir ermoeglicht hat diese bzw. meine Welt aus einer anderen, neuen Perspektive zu betrachten."

Den gesamten Reisebericht findet ihr hier, rap.de wird außerdem in Kürze ein ausführliches Interview mit Vasee über seine, ja, spirituelle Reise führen.

DMX bleibt sauber

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Echte Arbeit? Mit den Händen und so? Ziemt sich für einen echten Rapper nicht. Hat er nicht nötig, schließlich ist er qua Amt Angehöriger einer neuen Adelsschicht, die gerne Geld ausgibt, aber dafür keinen Finger krumm macht.

Paperlapapp. DMX jedenfalls, 40jähriger Rapper aus New York und bekannt für seine Hundeliebe (allerdings ist er wegen Tierquälerei vorbestraft), ist sich keineswegs zu schade, sich auch der vermeintlich niedersten aller Arbeiten anzunehmen: Dem Putzen. Und das Erstaunlichste daran: Er hat es nicht einmal für Geld getan, sondern aus völlig freien Stücken.

Die Angestellten eines Diners in South Carolina staunten jedenfalls nicht schlecht, als der Dark Man plötzlich anfing, ihnen beim Putzen zu helfen. Einer der Angestellten des Greenville's Waffle House, das Earl Simmons nach einer Halloween-Party besucht hatte, erkannte den Rapper und outete sich umgehend als großer Fan. Diese Offenherzigkeit wiederum animierte Mr. Simmons dazu, seine Dienste als unbezahlte Aushilfskraft beim Putzen anzubieten.

Er sei guter Laune gewesen und habe sich geradezu verpflichtet gefühlt, dem Angestellten zu helfen, schließlich sei es schon vier Uhr morgens gewesen, erklärte er laut tmz.com. "I was in a good mood and felt that I would do that for him since it was 4am and [the employee] had been working all night."

Außerdem, so der Dark Man philosophisch weiter, in dem Augenblick, wo man sich zu gut sei, auch mal selbst den Wischmob zu schwingen, sei genau der Punkt erreicht, an dem das eigene Leben gefickt sei. "The minute you get too big to mop a floor or wipe a counter, that's the exact minute you have life fucked up."

Denkt an diese Worte, wenn ihr das nächste Mal in eurer seit Wochen nicht mehr gereinigten Küche vor der überquellenden Spüle steht…

Haftbefehl von Schweizer Gemeinde ausgeladen

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Die Gemeinde Flawil dürfte nicht jedem ein Begriff sein. Kein Wunder, die im schweizerischen Kanton St. Gallen gelegene Ortschaft beherbergt nur etwa 10.000 Einwohner und gilt als eher beschaulich.

Der Grund, warum Flawil es nun aber trotzdem mal in die Schlagzeilen der Weltpresse oder zumindest in eine rap.de-News geschafft hat, kommt aus Offenbach und kuckt meist ziemlich böse in die Landschaft. Wer könnte das sein? Genau, niemand anderes als der Offenbacher Rapper Haftbefehl, in letzter Zeit öfter mal im Gespräch wegen seiner teilweise etwas rabiaten Fans (rap.de berichtete).

Die besagte Gemeinde Flawil wiederum wollte Haft eigentlich am 25. November als Gast begrüßen, ein Konzert im örtlichen Lindensaal war geplant. Die Schweizer Tageszeitung "Tagblatt" verweist darauf, dass ein Auftritt dieser Größenordnung "eine kleine Sensation" gewesen wäre. Wäre, wohlgemerkt, denn dazu, man ahnt es, wird es nun doch nicht kommen.

Dabei hatte es zunächst doch so gut ausgesehen. Auf mehrfachen Wunsch der von ihnen betreuten Jugendlichen hatten die Jugendarbeiter Tobias Marti und René Hirschi das Haftbefehl-Konzert in die Wege geleitet. Doch dann kamen den beiden offenbar plötzlich Bedenken. Sie hätten festgestellt, dass Haftis Texte "sehr, sehr extrem" seien. Ob auch die Meldungen über die Ausschreitungen bei der Rheinkultur sowie in München bis nach Flawil vorgedrungen sind und ebenfalls zur Erkaltung der Jugendarbeiterfüße beigetragen haben, ist nicht bekannt.

Zunächst hatte man offenbar noch versucht, aus dem Konzert eine Art Podiumsdiskussion zu machen – allein die Vorstellung davon sorgt in der rap.de-Redaktion für große Heiterkeit. Doch auch daraus wurde nichts, angeblich hatte Haft keinen Bock, sich den Fragen besorgter schweizerischer Pädagogen zu seinen Texten zu stellen.

Die gute Nachricht ist, dass auch der Flawiler an sich nicht auf Haftbefehl live verzichten muss – so er einigermaßen mobil ist, jedenfalls. Am 26. November tritt der Offenbacher nämlich in der Alten Kaserne in Winterthur auf.

Rick Ross hat Schlafmangel

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Inzwischen ist Rick Ross wieder auf dem Damm. Vor kurzem aber hatte der schwergewichtige Rapper aus Miami gleich zwei Herzinfarkte kurz hintereinander (rap.de berichtete).

Nun hat er sich erstmal selbst öffentlich dazu geäußert. In der TV-Sendung "106 & Park" erklärte er, dass vermutlich Schlafmangel der Grund für die Anfälle gewesen sei. Der Doktor im Krankenhaus habe ihn gefragt, wann er das letzte Mal acht Stunden am Stück geschlafen habe, er habe daraufhin zugeben müssen, dass das mindestens fünf Jahre her sein müsse. "I woke up in front of a doctor and he asked me basically, ‘When was the last time you slept eight hours?’ and I said ‘It had to at least been five years."

Sein Label Maybach Music sei eben eine der am schnellsten wachsenden Firmen, da sei keine Zeit zum Schlafen gewesen. Er habe also oft nur zwei Stunden geschlafen. "Being the fastest growing label in the game, it comes with a lot of sacrifices. And in my case, it was sleep. I would get two hours of sleep and keep moving, me being a hustler."

Außerdem erklärte Officer Ricky, er habe von den Infarkten fast nichts mitbekommen. Er habe sich Herzanfälle immer ganz anders vorgestellt, sehr schmerzhaft und mit Schaum vor dem Mund. Er sei bei seinem ersten Infarkt dagegen einfach nur ohnmächtig geworden und habe sich danach ein bisschen müde gefühlt, aber durchaus bereit, weiterzumachen. Deshalb sei er auch gleich ins nächste Flugzeug gestiegen, wo er dann den zweiten Infarkt erlitt. "I boarded a flight, and on the flight, I had a seizure and when I snapped out of it, they told me what had happened. I was like, you buggin', call a jet, we finna keep it moving. Because I understand me growing up and hearing about seizures, they can be violent, you bust vessels and bite your tongue up and this and that and in my case, it wasn’t none of that. I felt a little worn out, but I felt I could keep going."

rap.de wünscht Rick Ross jedenfalls einen schönen Urlaub und vor allem: mehr erholsamen Schlaf. Und angenehme Träume.

Internationales HipHop-Festival

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HipHop ist eine globale Angelegenheit – diesem Umstand Rechnung trägt ein Festival, das nächste Woche in Berlin stattfinden wird.

Vom 10. bis 12. November 2011 findet im Berliner Haus der Kulturen der Welt das Festival Translating HipHop statt. In Rahmen des Festivals finden nicht nur Konzerte, sondern auch Workshops, Lesungen, Diskussionen, Filme und Vorträge statt. Die Konzerte werden gehostet von niemand anderem als Prinz Pi. 16 MCs aus fünf Ländern und vier Kontinenten performen ihre Songs im Original und in den Übersetzungen, anschließend legt unter anderem DJ Werd (Ex-Sekte) auf.

Im Vorfeld, nämlich vom 7. bis 9. November geben die Rapper Workshops an drei Berliner Gymnasien. Zur Eröffnung sprechen die renommierte HipHop-Forscherin Tricia Rose (Brown University, Providence, USA) und Joe Conzo (HipHop-Fotograf aus New York, USA). Weitere Details der Veranstaltung und mehr Informationen zum Programm findet ihr hier.

Eine Videoansage gibt es auch, und zwar mit Prinz Pi:
 

Das Projekt Translating HipHop gibt es mittlerweile bereits seit einem Jahr. In Kooperation mit dem Goethe-Institut wurden in Manila, Nairobi, Beirut und Bogotá Workshops mit Rapperinnen und Rappern veranstaltet, die aus diesen Städten sowie aus ganz Deutschland kommen. Es wurden ausgewählte Songtexte der jeweiligen Kollegen in die eigene Sprache übersetzt – darunter nicht nur Spanisch, Englisch und Deutsch, sondern auch ausgefalleneres wie Tagalog, Sheng und Arabisch. Dadurch entstand eine Vielzahl neuer Versionen der ursprünglichen Songs und gleichzeitig ein Netzwerk, das für die Musiker über das Festival hinaus als Plattform fungieren soll.

Unsere geschätzten Kollegen von der Juice haben dazu vor einiger Zeit schon mal ein Filmchen gedreht, das wir euch nicht vorenthalten wollen:
 

 

Eine ganz besondere Halloween-Party

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Gestern war Halloween, das Fest also, an dem nach dem keltischen Mythos die Seelen der Toten an ihre Heimstätte zurückkehren. Wo also könnte man dieses Fest passender verbringen als mit einer Horde verrückter Kids, die meisten davon mit Sturmmasken, einige auch wahlweise als Anonymous, Massenmörder, Bunny oder Schwein verkleidet? Genau, nirgends.

Also auf zum Berliner C-Club, wo sich die Elite des Berliner Untergrunds gestern Abend die Ehre gab, um unter dem Motto "Free Blokk" die Freilassung der Berliner Rapper Blokkmonsta und Hässlich Rap zu fordern. Blokk sitzt seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft (rap.de berichtete). Das pompöse Line-Up umfasste u.a. Frauenarzt & Manny Marc, Silla, B-Tight, Orgi69, Schwartz von Hirntot, Trailerpark, Splittergruppe, MC Bogy und Basstard.
 

Gegen 19 Uhr ist vor dem C-Club schon ganz gut was los. Die meisten Besucher sind männlich, gerne tättowiert, viele auch im Gesicht, was man aber nur dann sehen kann, wenn sie keine Gasmasken oder ähnliches tragen. Immer wieder brechen kleinere oder größere Gruppen in "Free Blokk"-Sprechchöre aus, ein paar ganz besonders Aufgeweckte wandeln die Parole frech in "Free Eintritt" um. Vergeblich, auch sie müssen bezahlen.
 
Drinnen schwingen zwei knapp bekleidete junge Damen die Hüften und heizen den Zuschauern schon mal gehörig ein. Nach zwanzig Minuten verlassen sie die Bühne, wenige Augenblicke später steht Kaisa auf der Bühne und eröffnet die Show mit einer Salve von Konfettikanonen – lasst die Spiele beginnen. Unterstützt von seiner Band Splittergruppe feuert er dann auch den musikalischen Startschuss ab. "Wisst ihr, für wen wir hier sind?", brüllt er in die Menge. Die antwortet erneut mit "Free Blokk"-Sprechchören – es werden nicht die letzten an diesem Abend bleiben.
 
Schnell wird klar, wegen wem besonders viele Fans heute Abend gekommen sind. "Orgi, Orgi" schallt es immer wieder durch den Saal. Zunächst betritt aber Moderator Stefan Tanz die Bühne und kündigt die 4.9.0 Friedhof Chiller aus Osnabrück an. Direkt danach übernimmt Blokks Hirntot-Kollege Schwartz, der passend zu seinem Namen ganz in schwarz gewandet erscheint und das Publikum gut in Fahrt bringt. Offenbar überfordert sein Auftritt die Technik allerdings etwas. Das Laptop schmiert ab, so dass Stefan Tanz in seiner anschließenden Moderation erstmal eine Weile den Alleinunterhalter spielen muss, bis die Techniker die Sache wieder im Griff haben. Ob da vielleicht irgendwelche bösen Geister ihre Finger im Spiel hatten?
 
Egal, denn nun ist es Zeit für Orgi, wie gesagt einer der heimlichen Stars des Abends. Allerdings wirkt der Erfinder des Porno-Raps an diesem Abend etwas derangiert, mehrmals verpasst er seinen Einsatz. Dem Publikum ist das aber völlig egal, sie feiern den Lockenkopf, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Auch Trailerpark liefern eine gute Show und werden von den Fans ausgiebig bejubelt, besonders ihr großer Hit "Wohnwagensiedlung". Danach kommt nochmal Schwartz zum Zug und nutzt die Gelegenheit, ein paar Seitenhiebe in Richtung Selfmade Records zu verteilen. Und schon geht es weiter mit den nächsten Act, denn aufgrund des immens großen Line-Ups tritt jeder Künstler nur etwa eine Viertelstunde lang auf.
 
Auch der Atzenkeeper Bogy darf sich über geradezu euphorische Reaktionen des Publikums freuen. B-Tight lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, ein paar seiner Hits zum Besten zu geben, darunter eine Acapellaversion von "Der Neger", die fast alle mitrappen. Als wäre das noch nicht genug, reißen nun auch noch die beiden Atzen, Manny Marc und Frauenarzt die Hütte ab. Als die beiden mit "Disco Pogo" loslegen, bebt der Boden, und das ist ausnahmsweise keine stilistische Übertreibung, die der Veranschaulichung dienen soll – der Boden bebt wirklich. Auch ihre beiden anderen Riesenhits "Hey, das geht ab" und "Strobo Pop" dürfen natürlich nicht fehlen. Die Stimmung erreicht jetzt ihren Höhepunkt, der ganze Saal ist am Springen, Pogen, Rumschreien.
 
Das dergestalt durchgewalkte Publikum übernimmt dann ein gutgelaunter Basstard, der ebenfalls lautstark gefeiert wird, besonders den Song "Basstard City". Es kommt schließlich Silla zu, den Schlusspunkt unter ein Konzert zu setzen, das die Bezeichnung denkwürdig durchaus verdient hat. Dabei fällt auf, dass der Maskulin-Soldat gerade auch bei den nicht ganz so zahlreich erschienenen Vertretern des weiblichen Geschlechts sehr gut ankommt, das Kreischlevel erreicht schon fast Take-That-Niveau.
Dann ist der Spuk vorbei, die Halle leert sich so langsam und über allem steht ein schmaler Halbmond, der die Nacht ein bisschen heller macht. Aber nicht sehr…
 

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