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Kenay – Müde Pioniere (Tua RMX) [Audio]

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Ein weiterer Remix aus dem Hause Tua – dieses Mal hat sich der Reutlinger den Song „Müde Pioniere“ vom Hamburger Kenay vorgenommen. Wie immer lässt Tua seinen charakteristischen ruhigen Vibe einfließen. Atmosphärisch gewohnt dicht. Das Original von Kenay erschien bereits 2015 als Videoauskopplung und ist seit Anfang des Jahres auf dem Album „Rot&Blau“ zu finden.

Seine Remixe-Finger hatte Tua bereits bei Maeckes‘Kürzester Weg zum Glück“ , Tristan BruschsWell well“ , LarysSirenen“ , LaingsNacht für Nacht“ , Kool Savas‘Fick nicht mit uns“ und bei seiner eigenen Crew Die OrsonsLagerhalle“ im Spiel.

Wann man wieder auf neue, eigene Musik vom womöglich musikalischsten Mann im Deutschrap hoffen darf, ist derzeit leider unbekannt. Letztes Solo-Release war die „Stevia“ -EP im März 2014, mit welcher er nicht nur sein Rap-, sondern auch sein Gesangstalent unter Beweis stellte.

Überblick 30. März: Massiv, Disarstar, Fler, u.a.

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Was war am 30. März los im Rap-Game? Einiges. Wer nicht den Überblick verlieren will, kann wie jeden Tag in unserer Tagesübersicht checken, ob er etwas verpasst hat.

Massiv verschiebt „Raubtier“ um eine Woche

Schlechte Nachrichten für alle Massiv-Fans: Die Veröffentlichung von „Raubtier“ werde um eine Woche verschoben, da man die Zeit für die Herstellung der Metallbox benötige, gibt das Raubtier bekannt.

YSL Know Plug aka Money Boy – Sie ist nur 1 bisschen thick [Audio]

YSL Know Plug aka Money Boy setzt sich für Frauen mit normalen Maßen ein, denn „die Bitch ist nicht fett, yoa/ sie ist nur 1 bisschen thick, yoa“.

Fler – Exposed [Hörprobe]

Fler veröffentlicht eine neue Hörprobe aus dem Studio. Ob es sich bei „Exposed“ um einen Albumtrack von „Carlo Escobar“ handelt oder der Song einfach so rausgehauen wird, ist nicht bekannt.

#exposed #track #CarloEscobar #maskulin

Ein von Fler offizielles Profil (@official.fler) gepostetes Video am

Kaas nimmt Solo-EP in Jamaica auf

Kaas begibt sich auf eine neue Reise: Zusammen mit den Jugglerz reist er nach Jamaica, mit dem Ziel, eine Solo-EP aufzunehmen. Dafür fliegt die bunte Truppe in Richtung Montego Bay.

Disarstar – Sturm und Drang (Mixtape) [Download]

Disarstar veröffentlicht sein neues Mixtape „Sturm und Drang“ . Dieses steht zum kostenlosen Download auf seiner Website zur Verfügung.

Edi – Absturzgefahr (prod. Audhentik) [Audio]

Edi veröffentlicht den Song „Absturzgefahr“ als Auskopplung aus seinem anstehenden neuen Album „Ordeal“ . Dieses erscheint am 22. April exklusiv im Rahmen von Chimperator Select, und stellt somit nach Bobby Sayyar & DJ Friction das zweite Release dieses Formates dar. Neben Audhentik ist unter anderem auch Tua als Produzent auf dem Werk vertreten.

ÉSMaticx kündigt Debütalbum „Rot“ an

ÉSMaticx veröffentlicht am 27. Mai ihr Debütalbum „Rot“ . Musik und Cover des über Egolands Label Egoland Musik erscheinenden Albums sind bereits bekannt.Die erste Auskopplung „Frau Schulte“ ist über iTunes, Amazon und Google Play erhältlich.

Rap und Wissenschaft #3: Intertextualität im Rap

Rap und die gesamte HipHop-Kultur sind in den letzten Jahren zu einem beliebten Forschungsgegenstand geworden. Immer mehr Alumnis und Profs wagen sich an das breite Angebot des Sprechgesangs in allen möglichen Sprachen für alle möglichen Untersuchungen heran. Eine Entwicklung, der wir mit unserem Format Rap und Wissenschaft Rechnung tragen. Dabei handelt es sich nicht um eine ausführliche Analyse, da dies den Rahmen sprengen würde, vielmehr soll es als Anregung dienen. Die dritte Ausgabe führt uns wieder in die Linguistik, genau genommen zur Intertextualität.

Rough – Deine Stimme (prod. Kodokubeats) [Audio]

Es gibt Neues aus dem Hause Versunkene Fabrik: Rough veröffentlicht seine Single „Deine Tränen“ . Es handelt sich hierbei um einen Liebestrack, in dem der Hannoveraner vom Trennungsschmerz und dem Loslassen erzählt.

Deutschrap, Satire und Kritikfähigkeit [Gastkommentar]

Unser Gastkommentator Yannick Stracke befasst sich mit Deutschrap, Satire und Kritikfähigkeit anlässlich der Reaktion des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf einen Beitrag des Satire-Magazins „Extra 3″. Doch wie würden wohl deutsche Rapper in einem solchen Fall reagieren, wenn sie die entsprechenden Möglichkeiten hätten? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Kommentator.

Fler – Exposed [Hörprobe]

Fler veröffentlicht eine neue Hörprobe aus dem Studio. Ob es sich bei „Exposed“ um einen Albumtrack von „Carlo Escobar“ handelt oder der Song einfach so rausgehauen wird, ist nicht bekannt. Das Hashtag mit dem Albumtitel lässt allerdings erahnen, dass sich der neue, traplastige Song auf dem kommenden Frank White-Album zu finden sein wird. Ganz offensichtlich handelt es sich um den bereits angedeuteten Disstrack gegen Erzfeind Kollegah, mit dem sich der Berliner in den letzten Tagen einen erbitterten Streit über die sozialen Medien geliefert hat. Ein persönliches Treffen in Berlin am Rande von Kollegahs erstem Konzert in der Hauptstadt seit 2009 scheiterte – die Kontrahenten führen dafür unterschiedliche Gründe an.

#exposed #track #CarloEscobar #maskulin

Ein von Fler offizielles Profil (@official.fler) gepostetes Video am

 

VÖ Datum: 27. Mai 2016
Verkaufsrang: 14
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Deutschrap, Satire und Kritikfähigkeit [Gastkommentar]

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Zuletzt wurde viel über den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gespottet, der als Reaktion auf einen Beitrag des Satire-Magazins „Extra 3“ den deutschen Botschafter einbestellt hatte. Doch wie würden wohl deutsche Rapper in einem solchen Fall reagieren, wenn sie die entsprechenden Möglichkeiten hätten?

Gut, Fler würde sich vermutlich immerhin noch selbst die Mühe machen, dem Satiriker einen Hausbesuch abzustatten. Aber Spaß beiseite: Zeugt sein Verhalten und das vieler seiner Kollegen in ähnlichen Fällen nicht von einem bedenklichen Mangel an Kritikfähigkeit?

Natürlich sind Rapper keine Politiker und als Satiriker sollte man sich vielleicht eher die Reichen und Mächtigen vorknöpfen anstatt Künstlern, die außerhalb ihrer eigenen Szene sowieso von einem Großteil der Gesellschaft immer noch nicht ernst genommen werden.

Aber sie sind nun mal Personen des öffentlichen Lebens und dass man, wenn man sich dafür entscheidet, mit Musik sein Geld zu verdienen, auch damit leben muss, dass man öffentlich kritisiert oder in einem satirischen Kontext erwähnt werden darf, scheint bei vielen noch nicht angekommen zu sein. Das zeigen die Reaktionen auf die Karikaturen von Graphizzle Novizzle sowie die Videos von Stupido schneidet.

Beide sind keine Außenstehende, die sich über Rap lustig machen, sondern selber Rap-Fans und eben deshalb ist Rap ja auch ein großer Teil ihrer Kunst. Ja, ich bezeichne das jetzt einfach mal als Kunst, auch wenn sicher nicht jeder Leser mit diesem Humor etwas anfangen kann, aber bei Satire und Kunst im Allgemeinen verhält es sich doch nicht anders – man muss z.B. die Zeichnungen von Charlie Hebdo nicht gut heißen oder sogar lustig finden, aber die Freiheit der Kunst darf trotzdem niemals angezweifelt werden, bloß weil man etwas als „geschmacklos“ empfindet oder sich auf den Schlips getreten fühlt.

Wenn Fler Jan Böhmermann bedroht, weil er häufig in dessen Sendung vorkommt, ist das aber nichts anderes als das, was Erdogan macht. Im Gegenteil, er nutzt sogar die Androhung körperlicher Gewalt, wie Erdogan es in der Türkei auch macht, wenn ihn jemand zu lautstark kritisiert.
Erdogan würde natürlich nicht persönlich Gewalt anwenden, dazu hat er seinen Staatsapparat. Die Staatsgewalt ist aber nicht auf Flers Seite. Das hat auch Böhmermann erkannt und produzierte mit „Ich hab Polizei“ einen viralen Hit, der nicht nur Haftbefehl parodierte, sondern sich auch gegen Flers Adresse richtete. Statt seinerseits darauf musikalisch zu antworten, erneuerte Fler lediglich seine Drohung.

Es gehört dazu, dass Rapper sich gegenseitig dissen und solche Auseinandersetzungen auch schon mal persönlich werden. Da werden zwar auch teilweise Grenzen überschritten, aber solange das in der eigenen Szene stattfindet, will ich mich da nicht einmischen. Aber es muss klar sein, dass man auf die Kritik eines Journalisten nicht genauso reagieren kann wie auf einen Disstrack eines anderen Rappers. Wenn Blokkmonsta Staiger auf’s Maul haut, weil der eine negative Review geschrieben hat, ist das kein Zeichen von Authentizität, sondern ein Zeichen von Gewaltbereitschaft gegenüber Andersdenkenden. Nüchtern betrachtet handelt es sich hierbei um einen tätlichen Angriff auf einen Journalisten, auch wenn Staiger gesagt hat, dass er als jemand, der Teil dieser Szene ist, mit so etwas umgehen kann.

Schwierig wird es auch, wenn Rapper Politiker in ihren Songs erwähnen. Wie ich in meinem letzten Kommentar erwähnt habe, darf Rap durchaus politisch sein. Das ganze sollte dann aber eine gewisse Substanz haben und wenn man einen politischen Song schreibt, ist das eben auch etwas anderes, als wenn man einen Disstrack schreibt. Man sollte dann eben nicht versuchen, den Politiker möglichst persönlich anzugreifen, ihn zu dissen, sondern sich kritisch mit ihm und seinen politischen Ansichten auseinanderzusetzen.

Wenn Bushido rappt: „Ich schieß‘ auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“, dann ist das selbstverständlich nicht wörtlich gemeint. Aber es ist eben auch keine kritische Auseinandersetzung mit einem Politiker, sondern eine persönliche Fehde. Bushido hat auch mit seiner Argumentation gezeigt, dass er genau diesen Unterschied scheinbar nicht versteht oder nicht verstehen will, denn er rechtfertigte sich damit, dass Claudia Roth ihn ja auch beleidigt hätte – sie hat ihn aber nicht beleidigt. Sie hat ihn als Antisemit bezeichnet, weil er auf Twitter als Profilbild eine Landkarte verwendet, auf der Israel nicht existierte. Das mag man als harten Vorwurf empfinden, es ist aber keine persönliche Beleidigung.

Und es ist auch unfair, als Rapper einen Politiker in einem solchen Kontext zu erwähnen. Claudia Roth konnte schließlich schlecht einen Antwort-Track schreiben und Bushido so lyrisch die Stirn bieten. Mutiger wäre es also gewesen, auf jemanden zu schießen, der auch zurückschießen kann.

Und Bushidos Zeile gegen Roth stellt keinen Einzelfall dar: Auf seinem Album „Har(t)z IV“ verunglimpfte Eko Fresh den mittlerweile verstorbenen damaligen Außenminister und FDP-Politiker Guido Westerwelle mit den Worten: „Du bist eine schwule Sau wie Guido Westerwelle“. Unabhängig davon, wie man zu Westerwelles Politik steht, ist eine solche, offen homophobe Aussage völlig inakzeptabel und stellt keine Form der legitimen Kritik dar. Dass „schwul“ in Rap-Texten gerne als Schimpfwort benutzt wird, ist die eine Sache. Jemanden, der tatsächlich homosexuell ist, als „schwule Sau“ zu bezeichnen, hat aber eine ganz andere Qualität. Eko hat seinen Fehler inzwischen auch eingesehen und sich bei Facebook dafür entschuldigt.

Andere Rapper nutzen ihre Popularität in den sozialen Medien, um Kritiker zu diffamieren, so z.B. Swiss, als er den Juice-Redakteur Jakob Paur anrief, der sein Album verrissen hatte, und das Telefonat ins Internet stellte. Dass er damit vor allem sich selbst bloßstellte, z.B. als er implizierte, man könne ihm doch nicht bloß zwei Kronen geben, weil er ja schließlich eine Werbeanzeige geschaltet hatte, hat er offenbar nicht begriffen.

Vielleicht steht es um kritischen Rap-Journalismus in Deutschland deshalb so schlecht, weil es um die Kritikfähigkeit deutscher Rapper so schlecht bestellt ist. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass Rap-Medien (wie Medien im Allgemeinen) oft davon abhängig sind, Interviews zu bekommen. Jedenfalls erkennt man leider oft nicht, dass Musikjournalismus mehr als nur Promotion ist.

Man kann allerdings nicht nur als Journalist Rapper kritisieren, es geht auch andersrum: Koljah von der Antilopen Gang warf Ken Jebsen im Song „Beate Zschäpe hört U2“ ebenfalls eine antisemitische Haltung vor. Daraufhin verklagte Jebsen die Antilopen und scheiterte, da das Gericht zu dem Schluss kam, dass einige Aussagen Jebsens tatsächlich den Vorwurf rechtfertigten und man sich zudem auf die Freiheit der Kunst bezog.

Die Freiheit der Kunst verteidigen manche Rapper jedoch nur dann, wenn es um ihre eigenen Texte geht. Es wird eine gewisse Doppelmoral deutlich, wenn Rapper, die in ihren Songs gerne auf stumpfe Provokation als Stilmittel setzen, Satirikern vorwerfen, Grenzen zu überschreiten. Denn Satire und Rap haben viel mehr gemeinsam als man denkt. Auch Satire ist Kunst, und als Ausdrucksform der kritischen Auseinandersetzung fällt Satire auch unter die Meinungs- und Pressefreiheit. Auch, wenn es dabei um Rapper geht.

Rough – Deine Stimme (prod. Kodokubeats) [Audio]

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Es gibt Neues aus dem Hause Versunkene Fabrik: Rough veröffentlicht seine Single „Deine Tränen“ . Es handelt sich hierbei um einen Liebestrack, in dem der Hannoveraner vom  Trennungsschmerz und dem Loslassen erzählt. Die Produktion für den Track übernahm Kodokubeats. Rough bringt auch bald sein Album „Karma“ raus, das aber noch kein genaues Releasedate hat.

ÉSMaticx – Frau Schulte (prod. Lucry) [Audio]

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ÉSMaticx präsentiert – jetzt auch auf YouTube, die erste Auskopplung ihres Albums „Rot“ mit dem Titel „Frau Schulte“ . In dem Song erzählt die Siegenerin von körperlichen und seelischen Beschwerden, auf die selbst die Ärzte nur mit einem „Frau Schulte, ruhen Sie sich doch lieber aus“ reagieren können. Die Produktion überließ ÉSMaticx dem Egoland-Mitglied Lucry.

Das Album „Rot“ erscheint am 27. Mai.

Ésmaticx – Rot
VÖ Datum: 27. Mai 2016
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Rap und Wissenschaft #3: Intertextualität im Rap

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Rap und die gesamte HipHop-Kultur sind in den letzten Jahren zu einem beliebten Forschungsgegenstand geworden. Immer mehr Alumnis und Profs wagen sich an das breite Angebot des Sprechgesangs in allen möglichen Sprachen für alle möglichen Untersuchungen heran. Eine Entwicklung, der wir mit unserem Format Rap und Wissenschaft Rechnung tragen. Dabei handelt es sich nicht um eine ausführliche Analyse, da dies den Rahmen sprengen würde, vielmehr soll es als Anregung dienen. Die dritte Ausgabe führt uns wieder in die Linguistik.

In-ter-tex-tu-a-li-tät. Was ein Wort. Als Text-Charakteristikum bezeichnet der sperrige Begriff sämtliche Beziehungen, die zwischen verschiedenen Texten bestehen können. Geprägt wurde er von Julia Kristeva 1967, aufgegriffen und weitergeführt von unter anderem Michel Foucault, Roland Barthes und Gérard Genette.

Für meine heutige Rap-Analyse wende ich den Begriff Intertextualität auf jegliche Art von Verweisen auf andere Texte und Kontexte innerhalb eines Textes an. Das heißt direkte, wörtliche Zitate und Samples jeglicher Art, aber auch direkte und indirekte Anspielungen und Bezugnahmen auf andere Texte und Kontexte. Damit sind auch intermediale und diskursüberschreitende Beziehungen der Texte sowie Verweise auf das ganze Große – sprich die HipHop-Kultur – gemeint, die als kulturelles Wissen gelten können.

Um das zu verinnerlichen erläutere ich die Begrifflichkeiten „Diskurs“ und „Kulturelles Wissen“ kurz: Nach Kirsten Adamzik, Sprachwissenschaftlerin aus der Schweiz, ist der Diskurs als „prinzipiell offene Menge von thematisch zusammenhängenden und aufeinander bezogenen Äußerungen“ zu verstehen. Bedeutet: In all dem Zeugs, was so in den verschiedenen Diskursen gesagt wird, spiegeln sich die aktuellen Interessen und das örtliche Wissen einer Gesellschaft. „HipHop“ generell gilt also als übergeordneter Diskurs bzw. als eine eigene Diskurswelt, in der einzelne Diskurse wie zum Beispiel „Rap“ beheimatet sind, unter den dann wiederum Diskurse wie „Battle-Rap“ , „Polit-Rap“ , „Message-Rap“ etc. untergeordnet sind.

Sowohl die verschiedenen Verweise als auch das Verständnis der Diskurse und Unter-Diskurse verlangen eine bestimmte „Gesamtheit kollektiv geteilter und symbolisch vermittelter Annahmen über die Wirklichkeit“ , also ein spezifisches kulturelles Wissen, welches wir alle als Rezipienten der HipHop-Kultur und des Rap besitzen. Raphörer wissen eben mehr.

Im Rap wird die Intertextualität als Stilmittel intensiv genutzt, ob gesamter Song oder einzelne Lines, Szenen in Musikvideos oder Beat-Samples. Ich versuche, das Ganze mal zu kategorisieren, um die Vielfalt und Wirkung aufzuzeigen. Ich beziehe mich dabei auf das kulturelle Wissen von HipHop und bewege mich im Diskurs über HipHop und nicht im „Diskurs um die Eurokrise“ oder „Diskurs um Atomkraftwerke“ oder „Diskurs um Obst“ – das sollte klar sein.

Beat-Samples

Fast alle Songs auf K.I.Z.‘Böhse Enkelz“ (ausgenommen „Freiwild“ ) basieren auf einem bereits existierenden Beat, sogar sich selbst haben sie dabei zitiert. Um dies nachvollziehen zu können, muss man sich in diesem Fall von Intertextualität das Ganze anhören. Falls die folgende Gegenüberstellung und Aufdeckung (bzw. eine Auswahl davon) noch nicht in deinem kulturellen Wissen verankert war, ist sie es spätestens nach den folgenden paar Sekunden:

Intro (Böhse Enkelz)Die ÄrzteSchrei nach Liebe
Hurensohn RMXK.I.Z.Hurensohn
Wir werden jetzt StarsTorchWir waren mal Stars
Bong verkipptKool Savas & AzadMonstershit
RiesengliedDie BeginnerLiebeslied
Was willst du machen?R. KellyIgnition
OutroWhite StripesSeven Nation Army und EurythmicsSweet Dreams

Dies führt zu dem einen oder anderen kleinen oder großen Lacher, aber der Humor im Rap ist ein anderes Thema… Sogar der Titel des Mixtapes ist für sich bereits ein Verweis auf die umstrittene Frankfurter Band Böhse Onkelz.

Vocal-Samples

Einen Schritt direkter geht es mit expliziten Vocal-Samples, die in die eigenen Lines eingebaut werden. So findet zum Beispiel Kool Savas eine Stimme im Intro und Outro von „Pääh“ von Xatar und SSIO mit „Deutscher Rap ist schwul und gegen reale Beats“ aus „King of Rap“ .
Genauso wie in „Dies Das“ von Dexter, Audio88 und Yassin mit „Was du machst ist nicht korrekt wie Behindertenwitze“ aus „Das Urteil“ , sowie mit „Dies das einfach so verschiedene Dinge“ aus „Bitte Spitte“ wird er direkt zitiert.
Kool Savas selbst lieferte das Paradebeispiel der Intertextualität im Rap mit „Rapfilm“ , bei dem nahezu alle Lines aus Verweisen bestehen:

LMS, die Übersetzung: „Suck my dick“DMX – Party Up
Und „keep them shook crews runnin‘ like they supposed to“ → Mobb DeepShook Ones Part II
Diese Spinner sind hohl, denken: „Let’s get it on“ → DMXGet it on the Floor
Kiffen sich tot, Karriere? „Whoa“, griff in das Klo → Black RobWhoa!
„You don’t know me and you don’t know“ wie ich bin → Wu-Tang ClanMethod Man
Lernst du was und wenn nicht, „you hella dum-da-dum-dum“ → LunizI got 5 on it

Und so weiter. Für die Intention des Songs ist dieser Intertextualitäts-Gebrauch unabdingbar.

Nach einem ähnlichen Prinzip ist Liquit Walker bei „Mein DJ“ vorgegangen:

Und ich sag: „A-HA!“ als wär der Part von Jada → Lachen von Jadakiss
Mein DJ sagt: „Get the fuck up!“ Pharoahe MonchSimon Says
„I ain’t going nowhere, I own this shit right now, man“ → Cam’Ron, Jay-Z und Juelz SantanaWelcome to New York City
„Now here’s a funky introduction“ → A Tribe Called QuestCheck the Rhime
„And that’s a fact, I can never be wack“ → Tim DogsBitch with a Perm

In der kleinen aber feinen, jüngst releasten EP von EnoqWie ich do“ ist auch was zu finden: In „Bisschen für den Fame“ wird mit „This is how we do it“ in der Hook der gleichnamige Track von Montell Jordan zitiert, sowie mit „Simsalabim für’n Arsch, heute bin es ich, früher war’s Savas“ ein Verweis auf Kool Savas hergestellt. In „Egoist“ interpretiert er die Hook-Zeile „Die ganze Welt dreht sich um mich, ich bin nur ein Egoist“ aus Falcos gleichnamigen Song aus 1998 neu.

Nachahmen

Ein durchaus amüsanter Gebrauch der Intertextualität ist das, was Alligatoah in seiner zweiteiligen „Kunst des Bitens“ macht. Er äfft nämlich andere Rapper und ihren Stil nach. Auch das muss man sich anhören, um es zu verinnerlichen. Unter anderem sind diese Rapper als Imitationen vertreten: Massiv, Samy Deluxe, King Orgasmus One, Farid Bang (mit seinem aberwitzigen, kreativen Reimgebrauch) und Haftbefehl.

Erwähnungen

Im Death Note-Style verleiht Marsimoto einem fiktiven Hater namens Jack Hate eine Stimme, damit dieser Größen des Deutschrap auf eine „Todesliste“ setzen kann. Mal abgesehen von der wahren Intention des Songs (nämlich kein Diss- sondern ein Props-Track) ist dieser bespickt mit Verweisen, Verweisen, Verweisen… Vorrangig durch Namedropping:

(Bushido) Du bist Schuld, dass alle Kinder scheiße baun
Chakuza es sind alles deine Kinder, und das weißt du auch!
(Marsimoto) Du stiftest die Jugend zum Kiffen an
Mein Bruder starb, weil er durchs Kiffen von der Klippe sprang!
(Curse) Und damals dieser Track, wie hieß er? Gangsta Rap?
Du bist kein Gangster, du bist StudiVZ!
(Savas) Du bist cool und verdienst die Scheiße auch
Ich hab LMS geliebt, doch deine Beats macht eine Frau!
(Eko) Damals hast du die Flasche ins Gesicht bekommen
Warum hast denn du danach kein neues Gesicht bekommen?
(Orgi) Diese Lache! Und immer so sorglos
Wegen dir bekommt Cindy 50 Euro für ein Porno!

Umformungen

Manchmal werden bereits existierende Lines nicht nur direkt übernommen, sondern umgeformt, indem lediglich die Satzstruktur übernommen wird. So erklingt noch der Originaltext im kulturellen Wissen des Rap-Ohrs. In „Radiowecker“ starten Huss und Hodn eine Relation in Richtung Stieber Twins:

Klar, es gibt verschiedene Rapgeschmäcker, doch bei Grundschultexten ziehen mein Bruder und ich den Stecker

wurde zu:

Klar, es gibt verschiedene Rapgeschmäcker doch bei Homoraps ziehen Hulk Hodn und ich den Stecker

und:

Scheiße, jetzt bimmelt mein Radiowecker!

zu:

Scheiße, jetzt klingelt mein Radiowecker“ und zu: „Scheiße, jetzt klingelt mein Telefon“ .

Abschließend will ich zusammenfassen, was diese Intertextualität für eine Wirkung und Funktion hat. Sicherlich hast du schon beim Lesen bemerkt, wie dir Erinnerungsfetzen in deinen Kopf geschossen kamen.
Die Intertextualität funktioniert bereits beim Lesen, das heißt, dass Texte nicht nur untereinander in Beziehung stehen, sondern eben auch mit der Kultur, der Gesellschaft und dem ganzen übergeordneten Diskurs. Der „Leser“ , der sich auskennt oder auch nicht auskennt wird nun im „Lernprozess“ immer wieder auf Stellen stoßen, für deren Verständnis er sich mit entsprechenden Mitteln informieren muss. Somit wird er aktiv gefordert, sich mit der Kultur, auf die sich dieser oder jener Text bezieht, auseinanderzusetzen.

Zudem bekommt der Text durch die Intertextualität einen neuen Sinn. Wenn einem zum Beispiel die ganzen Namen, die Marsimoto in „Todesliste“ erwähnt, nichts sagen, oder man nur „Wir werden jetzt Stars“ von K.I.Z., aber nicht den Song von Torch kennt, dann versteht man den Inhalt des Textes als individuelles Stück. Ist dies aber nicht der Fall und das kulturelle Wissen ist bespickt mit allerlei Informationen aus dem Diskurs um HipHop und Rap, so erhält der Text im Kontext jenen Diskurses noch mehr Bedeutung bzw. einen neuen Sinn.

Massiv verschiebt „Raubtier“ um eine Woche

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Schlechte Nachrichten für alle Massiv-Fans: Die Veröffentlichung von „Raubtier“ werde um eine Woche verschoben, da man die Zeit für die Herstellung der Metallbox benötige, gibt das Raubtier bekannt.

Dementsprechend erscheint das elfte Soloalbum des palästinensisch-pfälzischen Löwen am 10. Juni. Als kleine Entschädigung erscheint am Sonntag die erste Single aus dem neuen Langspieler. „Tyson & Ali“ soll laut Massiv für „Gesprächsstoff sorgen“ .

Unter anderem beinhaltet die Metallbox einen Glaszahn mit Blut. Diesbezüglich haben wir fünf praktische Anwendungsmöglichkeiten zusammengestellt. Hier gelangst du zur Glosse.

Hallo Löwen 2 Nachrichten eine gute eine schlechte aber nicht so schlecht alles im grünen Bereich1.Am Sonntag um…

Posted by Massiv on Mittwoch, 30. März 2016

Massiv – Raubtier
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