HipHop auf dem Hurricane Festival – Das rundum Sorglospaket

Unser Autor Simon besuchte dieses Jahr das Hurricane Festival in Scheeßel. Neben Headlinern wie Billy Talent, Arcade Fire und den Arctic Monkeys, gab es auch den ein oder anderen Rapper zu beschauen. Über seine liebsten Rap-Auftritte will er hier jetzt sprechen.

Ich bin in einer verzwickten Situation. Ein Artikel liest und klickt sich so viel besser mit einer Überschrift wie: „Von SXTN schwer enttäuscht“ oder „Dendemann lässt nach“, aber das entspräche einfach nicht der Wahrheit. Alle Rapper, deren Auftritten ich auf dem Hurricane Festival beigewohnt habe, überzeugten von vorne bis hinten und überstiegen teilweise meine Erwartungen. Über drei will ich jetzt im Detail zu sprechen kommen, aber zuvor noch eine kleine Vorwarnung: Ich bin mir sicher, dass auch RIN, Marteria und Juse Ju abgeliefert haben, jedoch konnte ich mir diese Künstler aufgrund Zeitmangel gar nicht oder kaum anschauen.

SXTN, so viel besser als erwartet.

Böse Zungen flüsterten mir Sätze wie: „Ach komm, lass nicht zu SXTN gehen, die sind Live voll scheiße.“ zu. So war ich wenig überzeugt, die beiden Berliner Mädels zu besuchen, entschloss mich dann aber entgegen den Ratschlägen, es dennoch zu tun. Glück für mich, denn die beiden Rapperinnen lieferten mal so richtig ab. Es war wieder einmal erstaunlich zu sehen, wie groß doch eigentlich die Fanbase von SXTN ist. Zu behaupten, ihre Zuhörer wären doch alles nur irgendwelche vierzehnjährigen Teenie-Mädchen, ist ebenfalls völliger Quatsch: Tausende Zuhörer, weit mehr als bei so manch anderem großen Act, egal ob jung oder alt, ob Mann oder Frau, wohnten dem Spektakel bei. So performten Juju und Nura textsicher ihre Hits wie „Fotzen im Club“ oder „Wir sind friedlich“. Besonders schön mit anzusehen war, dass egal wie viel Spaß die Menge hatte, die beiden Damen ihren Auftritt selbst am meisten genossen. Auch wenn es unfreiwillig komisch war, tausende weiße Männer zu sehen, die bei Nuras „Ich bin schwarz“, mitgrölten und sangen, dass sie „mit ihrem fetten Arsch“ twerken.

Dendemann, konstant wie eh und je.

Dende gleich Legende, so die Redensart. Und, was soll ich groß sagen, stimmt. Das Urgestein des deutschen Raps, abgehärtet von hunderten Liveauftritten, spazierte selbstsicher auf die Bühne, nicht eine Sekunde eingeschüchtert von der enormen Menschenmenge, die ihm zuhörte. Egal ob Hits wie „Endlich Nichtschwimmer“ oder neuere Variationen, wie zum Beispiel eine Art Cover-Parodie auf Bausas „Was du Liebe nennst“: Die Leute sangen mit. Positiv hervorzuheben ist natürlich auch Dendes Liveband die „Freie Radikale“, welche gewohnt versiert die Melodien beisteuerten. So ist Dendemann ein Muss für jedes Festival. Naja, eigentlich keine neue Erkenntnis.

Chefket, der Rap-Geheimtipp des Festivals.

Auf der kleinsten Stage und mit den wenigsten Zuhörern performte Chefket seine Songs. Nicht die beste Grundvoraussetzung, aber im Endresultat völlig unbedeutend. Im Gegenteil:Die etwas kleinere Menge war umso lauter. Chefket, etwas enttäuscht von der mangelnden Begeisterungsfähigkeit seines Publikums beim vorhergegangenen Gig auf dem Southside Festival, kam hier voll auf seine Kosten. Beginnend mit einem starken Song über die Akzeptanz verschiedener Kulturen, folgten viele Tracks aus seinen neuen Releases. Die Zuhörer hatte er dabei voll auf seiner Seite, ihre Zustimmung brachten sie mit textsicherheit und lautem Jubel zum Ausdruck. Begleitet von seiner Band und zwei sehr talentierten Sängerinnen, avancierte Chefket zu meinem persönlichen Lieblings HipHop-Act auf dem Festival.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Rap-Fraktion auf dem Hurricane genau das bekam, was sie wollte. Jeder, der zuweilen von der Menge an lauten Punk, Rock und Metallbands überfordert war, konnte mit melodischem Kopfnicken auf dicken Beats herrlich abschalten.

 

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