Sexismus im Deutschrap? Ein Kommentar zu Helen Fares, Visa Vie & Jule Wasabi

Sexismus im Deutschrap? Der ist doch ausgestorben, oder? Schön wär’s. Leider gibt es einen aktuellen Fall, der das Gegenteil belegt.

Die Moderatorin Helen Fares begründete gestern ihren Abgang bei hiphop.de unter anderem mit – genau, Sexismus im Deutschrap. Dabei bezieht sie sich vor allem auf Kommentare im Netz.

Sie sagt: „Ich versuche mich mit aller Macht solchen Kommentaren zu widersetzen, darf dann aber sogar aus den eigenen Reihen hören, dass das eben allen Frauen so geht und man damit leben muss. ‚Das ist nun mal HipHop.‘

Nein. Das ist Bullshit und Müll in den Köpfen. Ich liebe HipHop. Aber diese beschissenen sexistischen, opportunistischen und respektlosen Subgesellschaften, die sich im HipHop gebildet haben, sind für mich nur Armutszeugnisse, und damit will ich nichts zu tun haben“.

Ihr Kommentar macht wütend – und fällt zeitlich zufällig mit einem sehr lesenswerten Artikel von Salwa Houmsi in der JUICE zusammen. Dort kommt unter anderem Visa Vie zu Wort, die feststellt, „dass Männer sich in der Szene zusammentun und Frauen nach Oberflächlichkeiten bewerten, ist fast schon wie ein fünftes Element von HipHop“.

Eine weitere Parallele: Bei ihrem Abgang bei 16bars hatte auch Visa Vie explizit sexistische Kommentare als Grund angegeben, keinen Bock mehr auf diesen Rahmen zu haben. Zwar wirkt sie nun in ihrer aktuellen Rolle als Radiomoderatorin und mit ihrem eigenen Format „Problemzone“ ausgeglichen und glücklich wie nie – was großartig ist. Aber ist es nicht auch gleichzeitig schade, dass Deutschrap mit ihr eine der fähigsten und kompetentesten Interviewerinnen verloren hat? Genauso wie jetzt wieder bei Helen?

Aber nicht alle sehen darin ein Problem. Auch nicht alle Frauen: Jule Wasabi etwa scheint sexistische Kommentare als Kompliment aufzufassen. Das sagt sie in einer YouTube-Talkrunde namens „Der stabile Diskurs“, wo sie erzählt, dass sie sich gefreut habe über Kommentare über ihre Brüste. „Bei netten Sex-Kommentaren hab ich das Gefühl: Nice“.

Sie fühle sich sogar „geschmeichelt, weil das ja eigentlich heißt das dieser Mann mit mir schlafen will“.

Update: Jule Wasabi legt Wert darauf, dass ich sie in diesem Punkt falsch verstanden hätte und sie kein Freund von Sexismus in irgendeiner Form sei. Lies hier ihr komplettes Statement:

Jule Wasabi stellt klar: Ich bin kein Freund von Sexismus

Mir geht’s so, dass ich’s im Internet nicht so schlimm wie im echten Leben finde. Aber das macht mich nicht zum Freund von Sexismus.

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Traurigerweise haben wir immer noch sowohl im Netz als auch in der Öffentlichkeit mit unangebrachten Kommentaren zu rechnen. „Geiler Arsch“ oder „Dir würde ich auch mal gerne einen reinhämmern“, sowas hat wohl jede Frau schon mal gehört, ob sie will oder nicht.

Aber muss man das als Frau einfach hinnehmen? Argumente à la „Aber die Frau ist ja selbst Schuld wenn sie sich so anzieht..“ einfach stillschweigend, womöglich lächelnd ertragen? „Komm schon, du willst das doch auch…“ Nein! Überhaupt nicht! Kein bisschen!

Traurig, dass viele Sexismus im Rapgame als normal empfinden, als etwas, womit man rechnen und gerade als Frau klarkommen muss. Es ist auch ein Irrtum, dass das zu Rap dazugehört. Es gehört nur dazu, weil Rap – genau wie unsere Gesellschaft – bisher viel zu sehr von Männern und deren Vorstellungen geprägt wurde. Aber das ändert sich trotz des bedauernswerten Rückzugs von Helen und anderen Frauen gerade. Und daran kann niemand mehr etwas ändern.

Nochmal an alle Typen: Die meisten Frauen freuen sich nicht, durchgehend irgendwelche Sprüche zu hören und aufs Aussehen reduziert zu werden, auch wenn ihr es vielleicht nett oder als Kompliment meint. Als ein Stück Fleisch degradiert zu werden freut vielleicht einige wenige Frauen, warum auch immer, die meisten macht es wütend. Weder im Rapgame noch sonstwo sollte das überhaupt ein Diskussionsthema sein müssen.