Corus 86 – Alles ist cool

Vier lange Jahre lang mussten sich Fans des Braunschweiger Reckless Records Künstlers Corus 86 gedulden, ein neues Werk geliefert zu bekommen. rap.de stand er Rede und Antwort, warum er sich auf seinem neuen Album als Rocker sieht und was ihn von einer früheren Veröffentlichung abgehalten hat. Er erzählt, was sich in vier Jahren so alles getan hat und schenkt uns den exklusiven Track „Alles ist cool“, als Appetizer für „Original Ghettoblaster“, das seit dem letzten Freitag in den Läden steht. rap.de:

Wieso musste Rap-Deutschland vier Jahre auf Dein nächstes Solo warten? Kein Bock auf Arbeit gehabt? Corus86: Ich war vier Jahre auf pornhub.com hängengeblieben, da hatte ich keine Zeit für Musik. Okay, im Ernst: Ich hatte mir vorgenommen nach dem „Sexurlaub“-Album mal wieder ein Solo-Projekt zu machen. Gesagt, getan. Reckless und ich setzten uns zusammen und setzten uns mit dem Thema auseinander. Schnell stellte sich heraus, dass sich jeder etwas anderes darunter vorstellte. Wir beschlossen, musikalisch erst einmal getrennte Wege zu gehen. Gut, also stand ich allein im großen Wald des Deutschrap… wie eine Eiche! Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, bei diesem Album wirklich alles selber in die Hand zu nehmen, also ran an die Buletten. Die meisten Beats produzierte ich zusammen mit dem Produzenten-Team „Beattronixx“, zusätzlich sammelte ich noch einige von meinem alten Freund Brisk Fingaz ein, dann noch einen hier und einen da. Jetzt ging es an die Texte. Ich habe viel ausprobiert. Eine Zeit lang wollte ich unbedingt tiefsinnige – in der Rap-Sprache glaube ich „deep“ genannt – Tracks machen, musste aber nach einiger Zeit feststellen, dass ich mich in dieser Thematik total verrannt habe. Und wie kommt man wieder raus aus diesem Loch? Am besten einfach auf Reset. Ein Corus bleibt halt ein Corus. Gut, also wieder am Anfang. Der Name des Albums stand von Anfang an fest: „Original Ghettoblaster“, die Mensch gewordene Musik-Maschine. Nun folgte der übliche Hick Hack. Texte schreiben, Texte wegschmeißen, Beats bauen, Texte einrappen, Songs arrangieren, ein Konzept für das Artwork überlegen und umsetzen etc. Nachdem die Songs dann bis auf die Features im Kasten waren… Ah, da sind wir beim Thema des Abends. Hehehe. Manche der Herren, die mich auf dem Album unterstützen, brauchten etwas länger als andere. Nennen wir sie mal “Künstler im Zeitmanagement“. Nachdem dann wirklich alle Tracks im Kasten waren: Mischen, Gegenhören, Mastern und zu guter Letzt den bürokratischen “Zwirbel“. Fertig. Es hat lange gedauert aber: O’zapft is! rap.de: In dem Track “Original Ghettoblaster“ bezeichnest Du Dich selbst als Rocker. Hast Du eine neue Seite an Dir entdeckt und willst Du die Picaldi-Jeans demnächst gegen eine Lederhose tauschen? Corus86: Man könnte sagen, dass Du eine neue Seite an mir entdeckt hast. Der Track beantwortet die Frage eigentlich schon selbst. “Ich bin der, der auf Schlager, Techno und Electro rappt, bin multifunktionsfähig, für mich ist das kein Handicap…“. Um auf den zweiten Teil Deiner Frage einzugehen: Ich habe die Picaldi-Jeans mittlerweile tatsächlich in den Schrank gehängt. Momentan trage ich vorzugsweise Cord-Bundfalten-Hosen von Peek & Cloppenburg – meist in Braun-, Schwarz- und Grüntönen. Es könnte also sein, dass ich bald ein Jäger- oder Förster-Album herausbringe, lassen wir uns überraschen. rap.de: Laut Deiner Internetseite thematisierst Du in Deinen Texten auch gesellschaftliche Missstände. Das würden wir bei titeln wie “Abriss“, “Lass es krachen“ oder “Poppstar“ nicht unbedingt vermuten. Welcher Missstand beschäftigt Dich zur Zeit am meisten? Corus86: Ich bin halt immer für eine Überraschung gut. Tja, da gibt es so viele Sachen. Der wirtschaftliche Aufschwung boomt und wir müssen trotzdem immer mehr zahlen. Im vergangenen Jahr zeigte sich nicht nur bei Euch, dass es in Deutschland mit der Pressefreiheit nicht mehr weit her ist. Die Demokratie geht meiner Meinung nach immer mehr den Bach runter und wir werden zu einem gläsernen Überwachungsstaat. Bis uns die Terroristen tatsächlich angreifen, vertreiben die mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizeibeamte halt ein paar Penner, Junkies oder Skater von den Bahnhöfen. Wir könnten über die Missstände auch noch einmal ein separates Interview führen. Dazu würde ich mir folgende Gäste wünschen:Daniela Katzenberger,Michael Friedmann, Money Boy, Henryk M. Broder und Helge Schneider. rap.de: Wo kann man Dich in nächster Zeit live erleben, wirst Du mit deinem Album auf Tour gehen? Wieder mit den Atzen? Oder machst Du Dein eigenes Ding? Corus86: Eine Tour zu diesem Album wird es definitiv nicht geben, eher einzelne Auftritte. Mit den Atzen… Wäre lustig, wenn ich im ZDF-Fernsehgarten auftrete, mit einem Song, der “Mit dem Schwanz in der Hand“ heißt. Die Atzen sind mittlerweile ein paar Level weiter und das ist okay. Sie haben lange genug dafür geackert. Wir haben uns in den letzten zwei Jahren auch kaum gesehen. Ich denke, dass auch musikalisch eine viel zu große Lücke zwischen uns klafft. Zudem bin ich kein Freund davon, auf der Erfolgswelle anderer mitzuschwimmen. Ich werde also definitiv mein eigenes Ding machen, das habe ich schon immer getan. rap.de: Welche musikalischen Projekte planst Du als nächstes? Müssen wir wieder Jahre warten oder geht es ab jetzt schneller? Corus86: Nein, es wird definitiv schneller gehen. Momentan arbeite ich an zwei Projekten gleichzeitig. An einem Battlerap-Album und an einem Party-Bass-Album mit einem alten Freund. Ich habe auf jeden Fall noch vor, das vor Langem angekündigte Brandsatz-Projekt zu machen – ein Hardcore-Album. Des Weiteren werde ich die Pumper-Reihe, bislang bestehend aus “Pump 2 Proll“ und “Muskeln Gold Bass und Bier“, durch ein drittes Album komplettieren, auch hierzu habe ich mich mit einem alten Freund kurzgeschlossen. Du siehst, es ist noch viel geplant. Bei dem Battle-Rap-Projekt arbeite ich gerade mit dem Bielefelder Produzenten BJET zusammen, den ich im Rap-Bereich für einen sehr talentierten Produzenten halte. Wir sind auch schon relativ fortgeschritten und ich sehe zu, dass ich die Songs fertig habe, bevor wir beim nächsten Interview mit grauen Bärten im Rollstuhl sitzen. In diesem Sinne: Zurück an die Arbeit!

Corus 86 – Alles ist cool by rap.de

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