Ohne Fronten – Interview + Live-Aufnahmen

Nachdem sich die Jungs der „Ohne Fronten Crew“ mit ihrem neuen Video zum Track „Wir Sind“ zurückgemeldet haben, ließen wir es uns nicht nehmen die siebenköpfige Bande mit konkreten Fragen zu ihrem, für unsere Ohren, speziellen Sound zu konfrontieren. Anbei haben die Jungs uns übrigens noch einen exklusiven Mitschnitt ihres Auftritts bei der „Deine Mama hört Rap X-Mas Jam“ zukommen lassen. Viel Spaß!  rap.de: Ihr seid schon ziemlich lange dabei und konserviert ja so ein bisschen den Oldschool Flavour. Versucht ihr bewusst so unmodern zu klingen? Muha: Wer sagt, dass wir unmodern klingen? – Scheiß auf modern und unmodern, in erster Linie muss es uns gefallen! Wir richten uns nicht nach irgendwelchen Richtlinien. Die einzige Regel lautet: Es muss der Crew gefallen! KonTakt: Wir versuchen überhaupt nicht irgendwie zu klingen. Wir klingen, wie wir klingen, weil es so aus uns rauskommt. Wir machen das, worauf wir Bock haben und nicht um irgendwie zu klingen, damit es irgendwem gefällt, der es irgendwie haben will. MSK: Es gibt mittlerweile Gangster-Rap, Emo-Rap, Punk-Rap, Electro-Rap, Street-Rap, Dies-Rap, Das-Rap. Irgendjemand muss ja auch noch Hip Hop-Rap machen. Ich verstehe auch nicht ganz, warum immer gleich von „Oldschool“ die Rede ist, wenn Jemand über einen Sample-Beat rappt und noch ein bisschen Inhalt in seinen Texten hat. Das ist nun mal Hip Hop. Klingen Huss & Hodn, Kamp, JAW oder Morlockk Dilemma unmodern? rap.de: Was haltet Ihr von Images? Ist Euch so etwas wichtig? Ist Imagelosigkeit nicht auch schon wieder ein Image?   Muha: Klar ist Image wichtig, vor allem wenn man Geld mit seiner Mucke machen will. Aber es darf nicht aufgesetzt sein, so wie bei den meisten MCs. Das Image muss den Charakter des Menschen widerspiegeln wie es z.B. bei Haftbefehl der Fall ist. MSK: Mir sind Images egal. Trotzdem weiß ich, dass Leute sich ein Bild von mir machen sobald ich mich auf eine Bühne stelle. Die Frage ist, ob das Bild, das die Leute sich von mir machen, wahr ist oder ob ich das Bild bewusst verzerre, um die Leute in dem Glauben zu lassen, ich sei so oder so. Von letzterem halte ich nichts. Heutzutage verkaufen Rapper nicht mehr ihre CDs sondern sich selbst. Oder sie werden von anderen verkauft und merken es nicht mal. Klar kann man als Rapper sein Image verkaufen, dann sollte man sich aber darüber bewusst sein, dass man nichts anderes ist als eine rappende Version von Britney Spears oder Justin Bieber. rap.de: Was haltet Ihr generell von Deutschrap in seiner jetzigen Verfassung? Gibt es kommerziell erfolgreiche Sachen, die Euch gefallen? KonTakt: Mir gefallen da schon einige Sachen, ob die allerdings kommerziell erfolgreich sind, bezweifle ich sehr. Gibt es überhaupt noch Deutschrap, der kommerziell erfolgreich ist? Keiner verdient doch mit CD Verkäufen noch so viel, dass er sich irgendetwas außer der Miete und Lebensmitteln leisten kann. Oder bin ich da völlig falsch informiert? Und das würde ich dann nicht als kommerziell erfolgreich einschätzen. MSK: Sehe ich genauso. Natürlich gibt es 3-4 Künstler, die wirklich sehr gut davon leben können. Aber wenn du dir mal überlegst wie viele Rapper und Releases es gibt. Mir gefallen auch immer wieder Sachen. „Du Bist“, die neue Single von Prinz Pi, finde ich gut. Der zählt ja mit seinem Top-10-Charteinstieg als kommerziell erfolgreich, oder? (lacht). Savas oder Banjo machen auch immer wieder freshe Sachen. Wenn ich mal die MTV Urban Charts als Indikator für kommerziell erfolgreiche Rap-Musik nehme, gab es da im letzten Jahr schon einige gute Songs. Vor allem waren da mit Tefla & Jaleel oder JAW auch Artists dabei mit wirklich guten Beats und Texten. Allerdings glaube ich nicht, dass die damit reich geworden sind. Mein Problem ist, dass mich mittlerweile die meisten Sachen auf Albumlänge nicht mehr flashen. Bei Newcomern schwanken die Skills oft so, dass du drei Songs hast, die du feierst und dann wieder drei, die schlecht sind. Bei Leuten, die länger dabei sind, ist es das xte Album und die Lieder werden oft belanglos oder zu experimentell oder die Beats bzw. Texte flashen mich einfach nicht. Es fehlen Sachen, die straight sind und gleichzeitig durchgehend Skills und Kreativität haben. Alben, die du anmachst und von vorne bis hinten durchhörst, weil sie fett sind. Die Skills sind heutzutage eh so ein Problem. Wenn ich Leuten, die seit ein paar Jahren keinen Rap mehr hören, weil ihnen die Essenz verloren gegangen ist, neue Releases zeige, dann sagen sie fast immer: „Ja, ist ok, aber der kann doch nicht rappen.“. Daiwel: Es gibt wenige Künstler, die mich ansprechen. Huss & Hodn, Tufu, Index sind Künstler die mir aktuell gefallen. Bestimmt gibt es auch erfolgreiche Sachen, die mir gefallen. Solange Groove, Vibe und Inhalt stimmt, ist mir egal aus welcher Zeit es stammt. Sogar egal aus welchem Genre. rap.de: Angesichts Eures oldschoollastigen Sounds, der nach eigenen Angaben fern von Popklängen und Electrosounds ist, fragen wir uns: Wie wichtig ist Euch Authentizität? Muha: Das ist uns sehr wichtig! So wichtig, dass wir uns darüber keine Gedanken machen und auch nicht müssen, solange jeder das macht, was ihm und der Crew gefällt. MSK: Wer nicht authentisch ist, hat im Hip Hop nichts verloren! Rap ist eine Ausdrucksform. Ich drücke aus, wer ich bin, wo ich herkomme, was ich denke und was mir wichtig ist. Natürlich ist es auch eine Kunstform, daher kann man gewisse Stilmittel einsetzen, wie z.B. Sachverhalte bewusst zu überzeichnen, um eine Message klarer auszudrücken wie beim Storytelling. Wenn ich mich aber hinstelle und sage: „Ich bin MC xy, ich komme da und da her und habe dies und das erlebt“, dann muss das der Wahrheit entsprechen. Andernfalls verarscht man schlicht und einfach seine Fans. Alles, was wir rappen, ist auch so gemeint! rap.de: „Ohne Fronten“ scheint ja Programm zu sein bei Euch. Kommt man überhaupt ohne Disses aus im Hip Hop Geschäft? KonTakt: Ohne Fronten hat ja nichts mit „ohne Disses“ in dem Sinn zu tun. Wobei man auch auf Disses verzichten könnte. Ich glaube schon, dass das gehen würde. Aber da hab ich persönlich keinen Bock drauf. Battle-Rap gehört dazu und das ist auch gut so. Macht ja auch Spaß. Nur wenn es übertrieben wird und zu eindimensional praktiziert wird, dann wird es langweilig. Muha: Ganz im Gegenteil, man darf nicht vergessen, wo Hip Hop herkommt! Obwohl wir uns Ohne Fronten nennen gibt’s bei einigen von uns ziemlich viel Disserei! Nur der Unterschied ist, dass wir wissen, wen wir dissen und warum, im Gegensatz zu den Schmocks da draußen, die entweder nur über sich rappen oder einfach nur drauflos dissen. Ein paar von uns haben auch Features mit Haftbefehl. Nicht weil er gerade gefeiert wird, sondern wahrscheinlich weil er der einzig wirkliche Gangster-Rapper ist. MSK: Das ist auch eine Frage der Authentizität. Wenn ich Probleme mit jemandem habe, steht es mir frei, eine Line oder sogar einen Track gegen ihn zu releasen. Das gab’s schon immer. Competition treibt Hip Hop schließlich voran. Wenn man aber als gezielten Business-Move Beef startet oder gleich mal alle Rapper Deutschlands disst, nur um sein Album zu promoten, ist das fake. Ich finde es faszinierend, dass das überhaupt noch funktioniert und die Leute das nicht durchschauen bzw. sich langweilen, wenn ihr Lieblings-Rapper mal wieder pünktlich vor Album-Release einen Disstrack droppt. rap.de: Steht „Ohne Fronten“ auch für „Ohne Grenzen“? Airy: Klar, sogar in erster Linie. Das war damals, als wir uns Zusammengefunden haben der Grundgedanke. Wir sind sieben Leute mit verschiedenen Religionen und verschiedenen Nationalitäten und Wurzeln. Wir rappen auf Deutsch und Türkisch. Wir featuren Franzosen und Italiener. Wir sind down mit B-Boys wie der Sorrow Crew und A Footwork Orange oder Writern wie Rake und Blaze. Wir setzen uns selbst keine Grenzen. Im Zentrum steht die Musik und die gemeinsame Leidenschaft für Hip Hop. Alles andere ist zweitrangig. rap.de: Wie klappt das eigentlich mit all den verschiedenen Sprachen? Gibt es da auch mal Verständigungsschwierigkeiten? Muha: Also wenn wir untereinander reden, sprechen wir Deutsch, das macht die Sache einfach. (lacht) Die Frage nach den Sprachen wird uns oft gestellt nur etwas anders. Ich persönlich höre gern Französischen Rap, obwohl ich kein Wort verstehe. Trotzdem feier ich die Scheiße. Ich rappe nicht auf Türkisch, weil ich schlecht integriert bin, da muss ich den Vogel Sarrazin enttäuschen! Ich mache es, weil ich dann ich selbst bin, weil ich meine Leute besser erreiche und weil es mir gefällt. rap.de: Inwieweit ist Euer kommendes Album eine Fortsetzung von „Unterwegs“? Wo liegen die Unterschiede? Airy: Wie genau unser nächstes Album aussehen wird, verraten wir noch nicht. Es ist ja auch noch im Entstehungsprozess. Natürlich wird es an „Unterwegs“ anknüpfen aber man hat in vielerlei Hinsicht dazu gelernt, neue Ideen gesammelt und sich verbessert. Wir nehmen uns die Zeit, ein Brett zu produzieren und die Erwartungen der Hörer und vor allem unsere eigenen Erwartungen zu erfüllen! rap.de: Wer ist eigentlich für die markanten Beats verantwortlich? H-Mann: Für die Beats sind DJ Daiwel und ich verantwortlich. Er arbeitet am Rechner während meine Beats direkt aus derMPC 1000 kommen. Wir machen eigentlich von Anfang an die Beats selbst. Das ist am unkompliziertesten. Von Außen haben wir immer sehr wenig gepickt und wenn, dann auch nur aus dem direkten Freundeskreis. Für das neue Album müssen wir mal schauen, ob und wen wir noch ins Boot holen. Wichtig ist, dass auch bei verschiedenen Produzenten eine klare Linie zu erkennen ist.

Eine klare Linie ist bei den Jungs auch live auf der Bühne zu erkennen. Hier performt die OF Crew auf dem „Meine Mama hört Rap Vol. 2“ vom vierten Dezember im Frankfurter Batschkapp die Songs „Mosaik“ und „Forever HipHop“. Enjoy.

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