Jaysus – Jay Kommt Vorbei

Während sich sein ehemaliger Chablife-Kumpane Kay One an der Schulter seines neuen Labelbosses Bushido im Blitzlichtgewitter sonnt, beschränkt sich Jaysus auf das, was er am Liebsten tut: Rap machen. „Macht Rap“ heißt auch sein frisch gegründetes Label, über dass der Musiker am 15. Januar sein neues Album „Narzischwein“ veröffentlicht. Die mit dem Release verbundene Promomaschinerie in Form diversester Videoaktionen und -ansagen kam bei den Fans eher geteilt an, wir bieten dem mitunter missverstandenen Künstler ein Sprachrohr. Zusätzlich haben wir für euch auch noch den Exclusive-Track „Jay Kommt Vorbei“ am Start. Viel Spaß damit.
Das Wortspiel bei deinem neuen Album „Narzischwein“ haben wir verstanden. Was macht dich zu einem Narzissten? Was hast du für ein Bild von dir selbst?

Mich haben die Jahre im Musikgeschäft zu einem Narzissten gemacht. Aber nicht etwa wegen der vielen Komplimente, die ich ununterbrochen bekommen habe, sondern eher wegen der vielen Menschen, die meine Aufmerksamkeit wollten. Das hat mich zur Erkenntnis gebracht, dass ich der einzige Mensch bin der meine Aufmerksamkeit und Liebe verdient hat. Ab sofort leben in meinem Universum nur noch ich beide und ich.

 

Im Track „Was Für’n Mann“ rappst du augenzwinkernd darüber, dass du ein Geschenk für die Frauenwelt bist. Was war die bisher absurdeste Groupie- oder generell Frauengeschichte deiner Künstlerlaufbahn?

 

Also geschockt bin ich natürlich immer wieder von den üblichen Geschichten wie dass ein Mädchen sich letztens vor laufender Webcam meinen Namen mit einer Nadel selbst auf den Arm tättowiert hat, aber die absolut absurdeste Geschichte war vor ca. zwei Jahren. Ich wurde auf einer Social Network Seite geaddet von einer durchaus attraktiven Dame. Schnell wurde ich von einem gemeinsamen Bekannten darauf aufmerksam gemacht dass es sich bei besagter Dame um die feste Freundin eines namhaften Rappers handelte.
Als ich sie darauf ansprach, reagierte sie völlig entspannt und meinte, dass das mit ihm nicht wirklich ernst für sie sei, aber sie schon lange darauf gewartet habe mich kennen zu lernen. Als wir uns das erste Mal trafen gingen wir direkt danach in ihre gemeinsamen Wohnung mit ihrem Rapperfreund, der zu diesem Zeitpunkt auf Tour irgendwo in Deutschland war. Überall standen Bilder von den beiden und so war schnell klar, dass das mit den beiden wohl doch etwas ernster war. Aber das reizte mich sogar eher, denn ich fand die Mucke von diesem Typen sowieso scheisse.
Während ich und die Dame im späteren Verlauf des Abends zum körperlichen Beischlaf im Doppelbett übergingen, sah ich neben dem Bett auf dem Boden ein Kleidungsstück/Accessoir ihres Rapperfreundes liegen. Ich wusste dass dieser Gegenstand den meisten Raphörern in Deutschland ein Begriff ist und er sofort mit unserem Rapperfreund in Verbindung gebracht werden würde.
Kurz überlegte ich mir ihn zu klauen, aber dann fragte ich einige Stunden später die erschöpft neben mir liegende Dame einfach danach und die Dreistigkeit siegte. Sie übergab mir den Gegenstand zum Abschied mit den Worten: “Hoffentlich merkt der Loser das“. Und das wird er. Denn in einem der Videos zu meinem neuen Album trage ich diesen Gegenstand ganz offen. Wer aufmerksam hinguckt bemerkt es vielleicht auch.
Du hast ein Label namens „Macht Rap“ gegründet. Gibt es aber nicht auch Leute, die deiner Meinung nach keinen Rap mehr machen sollten? Wenn ja, wer und vor allem warum
Ich weiß, du möchtest mir mit dieser Frage jetzt einen Diss entlocken, aber ich habe mir fest vorgenommen Kollegah nicht mehr zu dissen.
Es gab vor Längerem Stress mit Kollegah. Du hast einen Blog geschrieben, in dem du dich auf seine Aussage bezogst, alle Griechen würden von Ziegen abstammen. Gab es da noch irgendein Nachspiel? Ist jetzt alles cool?
Also kurz nach diesem Blog von mir hat Kollegah ebenfalls ein Statement gebloggt, in welchem er sich bei allen Griechen für seine Aussage entschuldigte und erklärte, dass es sich dabei um ein Missverständnis gehandelt habe. Ich persönlich habe seine Entschuldigung akzeptiert, woraufhin er mich total euphorisch angerufen hat und mich gefragt hat, ob wir nicht zusammen ein paar Cocktails schlürfen gehen wollen.
Im Rahmen der Promo zu deinem neuen Album hast du mehrere Videos gedreht, unter anderem hast du eine Verhaftung deinerseits inszeniert. Stimmt der alte PR Leitsatz, dass es keine schlechte Promo gibt oder bereust du den ein oder anderen Move, nachdem er von der Öffentlichkeit eher zwiespältig aufgenommen wurde?
Also zum einen: Ja, dieser Leitsatz stimmt. Denn wäre das nicht der Fall hätten schon unzählige deutsche Rapper das Handtuch werfen müssen. Aber zum andern: Nein, ich bereue keine der Aktionen, die wir zum Album gebracht haben. Und ich werde auch zukünftig keine Aktion dieser Art bereuen, denn egal wie sehr sich die Leute aufgeregt haben, sie haben mir zugehört.
Und das was ich vermitteln wollte war nie Schwachsinn, sondern immer mit einer sinnvollen Botschaft verknüpft. Wenn der kleine Fritz beim Arzt die Impfspritze bekommt, findet er das auch scheisse und hasst den bösen Doktor danach vielleicht. Aber später wird er ihm einmal dankbar dafür sein, dass er gesund ist.
Ich will damit nicht sagen, dass ich von mir glaube, Deutschrap gesund machen zu können. Ich will damit sagen, dass ich von mir glaube, mich selbst gesund machen zu können. Und damit Deutschrap.

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