Start Blog Seite 619

Cro und sein Lebenswerk: Sternstunden, Niederlagen und Visionen

0

Cro spaltet wie vielleicht kein zweiter Musiker in Rapdeutschland die Gemüter. Der Künstler aus dem Stuttgarter Raum eroberte seit 2012 die größten Bühnen dieses Landes. Unzählige Musikpreise, Gold- und Platinauszeichnungen später meldete er sich 2017 mit seinem dritten Studioalbum „tru.“ zurück. Das stellte einen kreativen Wendepunkt in der Karriere des Senkrechtstarters dar.

Doch neben all den Erfolgen musste sich Carlo Waibel auch Widerständen innerhalb der Szene und wirtschaftlichen Misserfolgen stellen. Carlito wurde bereits zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere mit alle Seiten des Geschäfts konfrontiert. Grund genug seine bisherige Karriere Revue passieren zu lassen. Vorhang auf für – Cro.

Die Liga der außergewöhnlichen Mcees

Cros Ursprünge führen in den Battlerap. Rapgrößen wie Kollegah, Sun Diego, Pillath oder Casper versuchten sich bereits in der Reimliga Battle Arena. Carlo war von 2006 bis 2008 in der RBA unterwegs (unter dem Namen Lyr1c) und reihte sich somit in dieser illustren Runde ein. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte er mit Doubletime-Passagen und einem beachtlichen Flow-Arsenal überzeugen.

Wer sich heute mit den frühen Werken von Cro auseinandersetzt, trifft auf einen bissig und provokant rappenden jungen Künstler, dessen Hunger und Angriffslust mit jeder Zeile aus den Lautsprechern sticht.

Nicht für den Müll: die Geburtsstunde von Cro

2009 veröffentlichte Lyr1c sein erstes Mixtape „Trash“. Für die Tonne waren lediglich die Bedenken, dass für Carlo der Sprung von der RBA auf den musikalischeren Level eines Mixtapes nicht machbar sei.

Auf diesem Release war Cro künstlerisch sichtbar gewachsen. Die Parts wirkten sauberer eingerappt. Bereits hier waren die Ansätze zu erkennen, die die Musik von Cro später erfolgreich machten: Eingängige Hooks, die er dank seines Gefühls für Melodien harmonisch auf die Beats packte, trafen auf sicher und variabel geflowte Rapparts. So war es rückblickend nur logisch, dass auf dem Cover und den Texten bereits sein Alias Cro zu finden war.

„Aywa“-Review: Alex und Skinny streiten über Schwesta Ewas neues Album

3

Mit ihrem zweiten Album „Aywa“ polarisiert Schwesta Ewa mehr denn je – auch in der rap.de-Redaktion. Skinny und Alex diskutieren über den neuen Langspieler der Frankfurter Rapperin. Besonders an der Produktion scheiden sich Geister.

Skinny: Das neue Album von Schwesta Ewa ist der absolute Wahnsinn! „Aywa“ ist ohne Frage eines der härtesten, authentischsten und spannendsten Deutschrap-Alben überhaupt. Ewas Erzählstruktur ist unglaublich greifbar und kurzweilig, ob es nun um die Wirren ihrer anstehenden Haftstrafe geht oder um ihre beklemmende Lebensrealität: Jedes Wort sitzt, jede Zeile geht unter die Haut, jede Beschreibung wird lebendig. Ich hätte mir nur gewünscht, dass das ganze Album aus diesen Solotracks bestanden hätte. Sobald ein Featuregast dabei ist, weicht dieser unglaublich dichte Duktus nämlich leider auf.

Alex: Ich muss sagen, dass „Aywa“ weit unter meinen Erwartungen geblieben ist. Der Umstand, dass Ewas zugegebenermaßen faszinierende Lebenswelten durchaus authentisch und so breit gefächert wie nie zuvor erläutert werden, wird in meinen Augen von einem ganz und gar nicht zu ihr passenden Soundbild überschattet. Ich frage mich schon seit der ersten Auskopplung „Schubse den Bullen“, warum sie beinahe all ihre musikalischen Alleinstellungsmerkmale vergangener Releases derart leichtfertig über Bord geworfen und gegen einen absoluten austauschbaren Trap-Sound eingetauscht hat, der sich an die derzeitige Top-100 anbiedert. Auf dem wirkt sie nämlich immer wieder unsicher und instabil. Die musikalische Untermalung steht in keinem Verhältnis zu den bärenstarken Inhalten des Albums. Die Produktionen wirken an vielen Stellen belanglos sommerlich und gezwungen leichtfüßig. Deine Kritik am Feature-Overload gehe ich komplett mit, gerade weil beinahe alle Gäste, insbesondere Al-Gear, Vega und Juju Ewa in Sachen selbstbewusst-energischem Flow deutlich übertrumpfen.

Keine humorvollen Brechungen?

Skinny: Wow, wir sind jetzt schon an einem Punkt angelangt, an dem es wenig zu argumentieren gibt, weil unsere Meinungen komplett auseinander gehen. Bis auf die letzten drei Songs, die fluffig tanzbar klingen, ist absolut hier nichts nichts sommerlich und leichtfüßig. Bleiben wir mal bei „Schubse den Bullen“: Die Bassline drückt brachial nach vorne, die Hi-Hats zischen fies, die Synthieline ist unbequem und dramatisch – das ist astrein inszenierte Action, die präzise an die inhaltliche Klimax angepasst wurde. Dass aus rein produktionstechnischer Sicht wenig experimentierfreudig gearbeitet wurde, stimmt zwar, dass die Beats belanglos sind, sehe ich aber überhaupt nicht. Die gesamte musikalische Aufmachung steht Ewa hervorragend. Der lässige G-Funk von „Kurwa“ wäre auf „Aywa“ absolut deplatziert gewesen. Die Beats sind düster, ernst und entschleunigt, denn gibt es hier keine humorvollen Brechungen oder überspitzten Superlative. Ewas harter, strenger Vortrag passt perfekt zu den Downtempo-Beats. Ihre klare, geradlinige Stimme kommt so hervorragend zur Geltung und ihr bleibt genug Raum, um Emotionen auszudrücken – denn das kam auf den 90 BpM Instrumentalen des Vorgängers viel zu kurz. Klar, die Gastbeiträge stehlen ihr häufig die Show. Das liegt aber nicht nur daran, dass es sich um versiertere Rapper handelt, sondern ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass Ewa sich sehr auf die Gäste einlässt statt andersherum. Belanglose Punchlines und wildes Herumgeflowe sind nicht ihre Prämissen – die starken Momente hat „Aywa“ in den Solosongs, in denen Ewa sich Zeit nimmt und ein dichtes, intensives Bild zeichnet.

Autotune statt Ausdrucksstärke?

Alex: Gut, dass du direkt auf die letzten drei Tracks zu sprechen kommst. Besonders die Afro-Trap-Attrappe „Wahre Liebe“, die im Finale der Platte inbegriffen ist, war in meiner Wahrnehmung nämlich die mit Abstand gröbste Geschmacksverirrung des Langspielers. Trotzdem ist dies nicht der einzige Song, dem ich absolut deplatzierte Sorglosigkeit und fehlende Kreativität in der klanglichen Umsetzung vorwerfen muss: „Es fehlt n‘ Zwanni“ ist ebenfalls ein bitterer Beleg dafür, wie man die wuchtige Aussagekraft eines vielsagenden Tracks durch unsouveränen Stimmeinsatz, fade Highlights und einen unangemessen leichtgewichtigen Unterbau dramatisch schmälern kann. Die langsamen Future-Beats lassen nicht nur Ewas sonst mittlerweile stabilen Flow wacklig erscheinen, sondern beißen sich auch immer wieder mit ihrer bestimmt rauen Sprachmelodie. Es ist fast tragisch, dass lyrisch tiefgehende Titel wie der Album-Namensgeber „Aywa“ so aalglatt und steif umgesetzt und nur dadurch massiv abgeschwächt wurden. Der resiliente und unnachahmliche Charakter der Figur Schwesta Ewa, deren Stärke es stets war, hart, ruppig und prägnant on-Beat zu flowen, wird durch den an den Zeitgeist angepassten Sound unnötig verdünnt. Ewa ist für mich das Paradebeispiel einer Künstlerin, die der Einsatz von Autotune eindeutig in ihrer Ausdrucksstärke dämpft. Sie hat dieses Gadget ganz und gar nicht nötig. Ähnliches gilt für die häufig missglückten Adlibs und die platten Hooks a la „Ich sag‘ ‚ups‘ zu dem Bulle, ‚ups‘ zu dem Bullen“. Hätte sie dieselben Stories aus den letzten Jahren auf deepen und multilateralen Boom-Bap-Beats und ohne den Einsatz von Autotune ausgebreitet, hätte „Aywa“ ein wahrhaftiges Jahrhundertalbum werden können. Mit deiner Theorie zum Feature-Dilemma hast du übrigens recht. Gut analysiert, Kollege!

Austauschbare Beats – oder passgenau?

Skinny: Hahahaha ich muss das „Ich sag‘ ‚ups‘ zu dem Bullen“ nur lesen und lache wieder – finde ich großartig! Ewas staubtrockene, unbeeindruckte Art, solche kleinen Spitzfindigkeiten platzieren, ist eine der ganz großen Stärken von „Aywa“. Ich resümiere ansonsten mal kurz, weil ich wirklich interessant finde, dass wir uns so uneinig sind – erfahrungsgemäß stellt sich bei solchen Debatten nämlich meistens heraus, dass bei so einer Meinungsverschiedenheit nur auf unterschiedliche Aspekte Wert gelegt wurde, wir haben aber folgendes Problem: Du findest die Beats austauschbar, ich finde sie in ihrer Einfachheit absolut passgenau zu Ewas reduziertem, emotionalem Vortrag – den du wiederum als unbeholfen wahrnimmst. Dass das, was Ewa zu sagen hat, inhaltlich interessant und überaus spannend aufbereitet ist, da sind wir uns zwar einig, dich erreicht es aufgrund des musikalischen SetUps allerdings nicht, während ich mir genau davon noch deutlich mehr gewünscht hätte. Kannst du das unterschreiben und wir sind uns einig, dass du einfach ein Banause bist? Na gut, von mir aus können wir uns darauf einigen, dass wir die gesamte Aufbereitung einfach komplett unterschiedlich wahrnehmen.

Alex: Ja, das hast du gut zusammengefasst. Es gäbe sicherlich noch einiges mehr zu diesem Album zu sagen, aber im Kern bin ich alles losgeworden, was mir beim Hören durch den Kopf gegangen ist. Ich will hier gewiss keine Lobgesänge auf alte Zeiten trällern, aber eine Ewa mit rotziger „Realität“-Delivery auf klassischen AON-Brettern hätte mich auf „Aywa“ deutlich nachhaltiger gekriegt als die, die sich zum vorläufigen Abschied aus dem Rap-Universum spürbar unsicher auf das dünne Eis moderner Trends begibt. Die lyrische Aufarbeitung der letzten Monate, die Aufrechterhaltung ihrer Attitüde und die Veranschaulichung ihrer Situation ist ihr dennoch gut gelungen. Und: Dass viele Punchlines richtig Biss haben, ist auch klar.

[amazon box“B07BQNMTKM“]

Mortel verrät seine Lieblingsalben [Video]

0

Mortel ist ein ganz besonderer Newcomer. Bevor er uns in einem ausführlichen Interview seine Real Rap Stories erzählt, verrät uns der Trierer erstmal seine persönlichen Lieblingsalben.

Das deutschsprachige ist ein wahrer Straßenrap-Klassiker, bis heute oft kopiert, aber nie erreicht. Das gilt soweit auch für seinen US-Favoriten.

Zweimal eine gute Wahl also. Zudem kann Mortel auch sehr gut begründen, warum gerade diese beiden Alben für ihn so wichtig waren.

https://www.youtube.com/watch?v=C0Q1fGOLJ6Q

Adesse & Luciano – Klick [Video]

0

Adesse singt auf seinem neuen Track „Klick“ über Instagram – und das in Begleitung von Luciano.

Man könnte beim Thema Instagram im ersten Moment vielleicht die Augen verdrehen, in Erwartung der nächster Abrechnung mit Hundefiltern.

Doch Sätze wie „Du bist am schönsten, wenn du du selbst bist“ sind da inhaltlich fast schon unerwartet, wenn auch etwas abgedroschen formuliert. Generell kann man sich den Song aber gut geben, natürlich auch wegen des Features von Luciano.

Sylabil Spill – Baki (prod. Choukri) [Video]

0

Sylabil Spill bringt Grime nach Deutschraphausen. Sein neues Video „Baki“, zeigt mal wieder das ein Spill den britischen Trademark-Sound auch auf Deutsch stimmig rüberbringen kann.

„Spill auf Grime macht voll Sinn“

Neben Telly Tellz aus Hamburg ist Sylabil einer der wenigen deutschen Künstler, die sich auf das britische Sub-Genre gestürzt haben – und das auch draufhaben.

In einer Zeit, wo Deutschrap-Playlisten von Afro-Trap-Hymnen regelrecht geflutet werden, bringt ein Spill mit seinem energiegeladenen Flow reichlich Abwechslung in den aktuellen Rap-Kosmos.

Seine EP „Drauf sein“ ist heute über das Label Kopfticker Records erschienen und vereint genau den richtigen Sound auf fünf Tracks. Zuletzt veröffentlichte er das Video zum Titelsong.

Rich the Kid feat. Ufo361 – Plug Walk (Remix) [Audio]

Ufo361 droppt den Remix zu „Plug Walk“ von Rich the Kid. Man hört Ufo an, dass er sich auf dem Instrumental von The Labcook wohlfühlt.

Diese Kombo funktioniert! Es wäre interessant, in Zukunft noch mehr von den beiden Rappern zu hören. Vielleicht ja schon auf dem nächsten Ufo-Release?

Denn zuletzt informierte Ufo mittels seiner Instagram-Story die Follower darüber, dass er bereits 15 neue Tracks und eine Bonus-EP fertiggestellt habe.

P L U G W A L K REMIX @richthekid 🔌🔌⚡⚡ jetzt online!!! #ufo361 #richthekid #stayhigh #richforever #plugwalk #remix

Ein Beitrag geteilt von STAY HIGH (@ufo361) am

Telly Tellz – Uh wir sind frisch (prod. Camarbeats) [Video]

0

Telly Tellz veröffentlicht seinen neuen Track „Uh wir sind frisch“. Die Produktion hat Camarbeats übernommen.

„Die Nacht ist heiß, die Nacht ist Feuer, die Nacht ist lit“ – und wir sind natürlich alle frisch.

Telly bringt mit seiner neuen Single chillige Sommer-Vibes und gesunde Frische in Deutschrap rein.

Telly Tellz – Mir steht es besser [Video]

 

Interview mit Samadhi:„Ich bin nicht der linke Ostbotschafter.“

0

Am 25. Mai haute der Rapper Samadhi aus Gera seine „Himalaya“-EP raus. Auf den fünf Tracks zeigt er seinen ganz eigenen Sound, der stark zwischen representen und storytelling steht. Kürzlich besuchte er uns in Kreuzberg. Im Interview spricht über seine früheren Drogenprobleme, seinen Auftritt bei Method Man und Redman, die Zusammenarbeit mit Bausa, die Projekte neben seiner Musik und die Verantwortung als ostdeutscher Rapper in der aktuellen, politischen Situation.

Du bist der breiten Hörerschaft noch gar nicht bekannt, stell dich doch erstmal vor.

Mein Name ist Samadhi, was der Erleuchtete bedeutet. Ich komme ursprünglich aus Gera, arbeite und studiere aber gerade in Mittweida. Neben meiner Musik kümmere ich mich um Consulting und Management für andere Artists. Wir machen viel für Chimperator, Warner oder Universal, zum Beispiel. Ich hab aber auch viele eigene Projekte in Mittweida selbst, wie eine eigene Fernsehsendung und außerdem ein kleines Festival, was von mir  gegründet wurde. Aktuell mache ich noch meinen Master dort.

Warum der Erleuchtete?

Ich hab mich viel mit Buddismhus beschäftigt und fand die Idee einfach cool, das ein Rapper den Samadhi-Zustand erreicht. Also, dass die Seele seinen Körper verlässt und er aus der Vogelperspektive über die Geschehnisse berichten kann. Fand ich irgendwie geil.

Du bist jetzt schon seit 2002 dabei und hast weit über 200 Konzerte gespielt, richtig?

Ich hab 2002 einfach zwei kleine Alben aufgenommen, kopiert und mit ’nem Drucker das Cover gemacht. Hat sich so 500 mal verkauft. Das waren schon verrückte Zeiten. Es sind auch mittlerweile über 300 Konzerte die ich gespielt habe. Ich war einfach nie der Studiomusiker sondern hab immer lieber auf Jams gespielt. Ich musste mich auch echt umdenken für die ganze Studioarbeit, hab da auch mittlerweile voll Spaß dran, obwohl mein Herz immer noch für die Bühne brennt.

Aber dein wohl wichtigster Liveauftritt war die Supportshow für Method Man und Redman, oder?

Das war echt wie ein Ritterschlag. Dako von Out4Fame hat mich mal live gesehen und hat mich noch am Morgen vor der Show gefragt, ob ich Bock hätte, vor den Jungs zu spielen. Die mochten anscheinend meine Sachen.

Hattest du Lampenfieber?

Davor war es auf jeden Fall krass. Der Act vor mir wurde ausgebuht und mit Bechern beworfen, da dachte ich nur: Scheiße, wie kommst du hier raus? Aber es war dann echt geil, die Leute haben meinen Sound gefeiert.

Featured