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Jahresrückblick Teil 2

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Die Typen von Universal dachten, sie könnten mich vermarkten“, rappte Prinz Pi auf dem diesjährigen splash!. Dass er das, rein am wirtschaftlichen Erfolg gemessen, viel besser konnte als der Majorriese mit dem größenwahnsinnigen Logo, bewies er Anfang des vergangenen Jahres mit “Rebell ohne Grund“: Rausgebracht über das eigene kleine Label Keine Liebe Records“, ohne die Unterstützung im Rücken, die dem Vorgängeralbum “Neopunk“ auch nicht mehr als knappe Top50 einbrachte, enterte Herr Kautz im Zuge von “Auftrag Studentenrap“ die TopTen. Das war im Januar. Und es war erst der Anfang. Derartige Überraschungen sollten keine Ausnahmen bleiben.

Massiv, F.R., Kollegah, Favorite, Nate57, K.I.Z. und Casper, Bushido, Sido, Savas und Samy sowieso – welcher Rapper der dieses Jahr releaste landete eigentlich nicht in den Top 10?
Klar, alle Jahre wieder geklonte Bushido-Alben wie “Jenseits von Gut und Böse“ nehmen auch jenseits von gut oder schlecht die obligatorische Position an der Chartspitze ein. Wen wundert’s? Vielleicht so manche. Wen juckt’s? Keinen Arsch.
Wirklich freuen durften sich aber die Fans diverser anderer Rapper, die durchaus auch speziellere Nischen besetzen. Die beiden Selfmade-Schützlinge Favorite und Kollegah bescherten dem Pottlabel dieses Jahr die bisher höchsten Chartplatzierungen (“Christoph Alex“, Platz 4, “Bossaura“ Platz 5), deren Düsseldorfer Kollege Farid Bang verfehlt mit Platz 11 nur knapp die TopTen-Platzierung für sein letztes Werk "Banger leben kürzer“. Baba Saad schoss mit "Halunke“ bis auf Platz 15. Und selbst ein doch recht spezieller Fall wie Kaas kuschelt mit “Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ immerhin noch auf Platz 39.

Was war da eigentlich los?

Haben die oft genug selten peinlichen Appelle der Rapper an ihre Käufer endlich Wirkung gezeigt? Man erinnere sich nur an die Upload-Petzenkultur, die bisher fast jedes größere Release begleitete und bei aller wirtschaftsrechtlicher Legitimität doch irgendwie einen faden Beigeschmack hatte – don’t snitch, don’t tell, homie.
Stecken einfach nur glückliche Zufälle und etwaige neue Rechnungsweisen bei der Media Control hinter dem Deutschrap-Chartwunderjahr 2011?
Oder ist die Antwort viel naheliegender, und hören die Leute einfach mehr deutschen Rap als noch vor ein paar Jahren? Und wenn ja, warum?
 
Vielleicht, weil Deutschrap 2011 so formoffen und offen für neue Einflüsse ist ist, wie wahrscheinlich noch nie in seiner Geschichte. Künstler wie Marteria, Tua, K.I.Z. und nicht zuletzt Casper öffnen deutschen HipHop eben auch dem zotteligen Rocker, Streetrap-unbegeisterten Verbindungsstudenten oder sonst zu Minimalbeats abspackenden Clubgänger. Wer sich auf dem diesjährigen splash! mal etwas genauer umschaute, und sich mal nach dem musikalischen Background des ein oder anderen Besuchers erkundigte, dem wird nicht entgangen sein, dass neue Hörerschaften von Mama Deutschrap mit offenen Armen empfangen worden sind.
Die bislang höchste Chartplatzierung der Berliner von K.I.Z. (Platz 4 für “Urlaub fürs Gehirn“) ist sicher auch darauf begründet, dass die Jungs in der Vergangenheit mindestens genauso oft vor HipHop-Publikum als auch auf Rockfestivals begeistern – wobei ihr jüngstes Werk nichtsdestotrotz an sympathisch-asoziale Berlinrap-Tradition anknüpfte.

Wenn auch überschattet durch die etwas übertrieben hysterische Berichterstattung in den Feuilletons der bürgerlichen Presse sowie den Musikmedien abseits von HipHop, war DER Charterfolg des Jahres aber zweifelsohne Caspers xoxo“: Ein Sturm auf den ersten Platz, wie bereits erwähnt gefolgt von einem gewaltigem Medienecho und nicht zuletzt ein starkes Zeichen, nämlich für eine neue Generation im Deutschrap, der Genregrenzen soviel Wert sind wie seinerzeit M.O.R. und Savas die Stock-im-Arsch-Kultur der Prä-Berliner Rap-Ära.
Schade nur, dass die gesamte bürgerliche Presse, wenn sie denn den Exil-Bielefelder zur Kenntnis nahm, ihn fast durchgehend zum Juwel im Scheißhaufen hochstilisierte.
Dass das oberflächlicher Blödsinn ist, weiß aber zum Glück jeder, der etwas genauer hinsieht bzw. -hört.

Schließlich und endlich ist aber auch der konventionelle, aber gute Streetrap aus dem Hause Rattos Locos noch lange nicht tot, selbst Nate57s Mixtape “Auf der Jagd“ konnte sich in diesem Jahr einen stolzen Platz 10 erkämpfen.
Denn bei allen musikalischen und irgendwie auch kulturellen Veränderungen in der Hörerschaft – auch klassischer Deutschrap hat lange nichts von seinem Stellenwert eingebüßt. Zahlen gefällig? Wie wär’s mit dem “Aura“-Charteinsteig: ebenfalls Platz 1, übrigens Savas’ beste Chartposition bis dato.

Selbstredend, am sprichwörtlichen Ende des Tages bedeuten diese relativen Zahlen der Media-Control sehr wenig. Sie sind für nichts weiter als einen unterhaltsamen Schwanzvergleich zu gebrauchen. Aber es geht auch nicht nur darum, zu zeigen welcher Künstler dieses Jahr marktwirtschaftlich das größte Stück vom Kuchen erbeutet hat. Vielmehr geht es um einen ziemlich angenehmen Gesamteindruck: Dass deutscher Rap in den Medien, in den Kopfhörern der iPods und auch in den Regalen der Kinderzimmer und CD-Cases der Autos so präsent ist, wie lange nicht mehr. Und das, falls es jemandem aufgefallen ist, sogar ohne großartige Underground vs. Kommerz oder Hipster vs. Gangsta-Diskussionen durchstehen zu müssen. Und, um noch einmal darauf hinzuweisen: Ohne einem bestimmten Modetrend oder einem gehypten Stil zu folgen: Von Savas bis Casper, K.I.Z. zu Prinz Pi, von Nate57 zu den Atzen und weit darüber hinaus, 2011 war für jede Richtung des deutschen Raps ein fettes Jahr. Auf ein Neues!
 

Jahresrückblick Teil 1

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Im ersten Teil unseres Jahresrückblicks widmen wir uns einer eigentlich längst totgesagten Sparte unserer Lieblingsmusik, die sich auch in 2011 wieder ausgesprochen vital und, naja, schlagkräftig zeigte.

Um zu verstehen, was straßenraptechnisch dieses Jahr so alles ging, ein kurzer Blick zurück nach 2010. Man rufe sich nochmal kurz sidos und Haftis Jahresrückblick vor Augen, denn der Beste kam zum Schluss. Egal, was man von Haftbefehl halten mag, man kann ihm wohl kaum absprechen, dass er für den komatösen deutschen Straßenrap wie eine wiederbelebende Maßnahme war, samt Herzmassage und Defibrillator. Musikalisch gab’s dieses Jahr dann leider bis auf ein paar Videos nichts Handfestes vom Offenbacher, lediglich ein paar Skandälchen (Auschreitungen bei der Rheinkultur oder bei Autogrammstunden) und Interviews, um das Image und den Buzz aufrecht zu erhalten.
 

 
Dafür betraten Anfang des Jahres zwei ähnlich illustre Gestalten die Bühne, die, wenig überraschend, nicht nur regional, sondern auch musikalisch aus einer ähnlichen Ecke kommen wie Hafti. Das Duo Celo & Abdi releaste Anfang des Jahres sein “Mietwagentape“ zum Free-Download. Die beiden unterscheiden sich nicht nur äußerlich sehr stark voneinander sondern auch von ihrem Style her. Der robuste Celo rappt immer etwas behäbiger und Offbeat, während Abdi flink und im Takt über die Beats flowt. Sprachlich wird ein interessantes Potpourri aus arabisch, jugoslawisch, französisch und natürlich deutsch-hessisch geboten. Die Skits erinnern teilweise ein wenig an das Mundart-Duo Mundstuhl, bzw. die Alter Egos mit Migrationshintergrund, Dragan und Alder. Die Instrumentals sind ein relativ willkürlicher Mix aus entliehenen Sounds und selbstzusammengeschusterten Synthie-Straßen-Klängen. Textlich streut das ganze dann von Staatskritik über Halbwissen bis Political Incorrectness, dann wieder zu Straßengeschichten, die dank des offensichtlichen Insiderwissens ein Gutteil der Konkurrenz in Sachen Authentizität alt aussehen lassen. Und natürlich ist auch Hafti auf dem Tape vertreten. Um es kurz zu machen, hervorragende Unterhaltung. Enttäuschend allerdings, dass das für Oktober dieses Jahres angekündigte Album “Hinterhofjargon“,  ausschließlich produziert M3&Noyd auf das nächste Jahr verschoben wurde. In Sachen Hype am Laufen halten haben sie auf jeden Fall von Hafti gelernt. Interviews, Making Ofs, Thug Life-Videos und Clips mit Rappern, von denen man vorher noch nie etwas gehört hatte, nehmen locker die Millionen-Clicks-Hürde bei Youtube. Und weil ja eben auch besagter Haftbefehl sein nächstes Album für den Beginn 2012 angekündigt hat, sieht es ganz so aus, als Stünde auch 2012 im Zeichen dieser neuen Frankfurter Schule.
 
Etwas nördlicher, genauer gesagt in Hamburg, befindet sich das Label Rattos Locos, das ebenfalls unzweifelhaft einen beträchtlichen Anteil an der Wiedergenesung deutschen Gangsterraps haben dürfte. Ähnlich wie Haftbefehl war auch Nate57 mit seinem Sound bereits 2010 prägend und auch 2011 änderte sich daran nichts. Technisch versiert auf melodiöse Beats Ghettogeschichten wiederzugeben erfindet das Rad zwar nicht neu, aber Nate macht es halt einfach besser als die meisten anderen und vermutlich spielt auch der sympathische Underdog-Spirit der verrückten Ratten einen Grund für deren Erfolg. Featureangebote von sido, Fler und Co. wurden einfach abgelehnt, man will es ohne fremde Hilfe schaffen. Das Konzept scheint zu funktionieren, denn auch ohne viel virale Präsenz durch Videoblogs, Meine Stadt-Videos und ähnliche Plattformen schaffte Nate mit seinem Mixtape “Auf der Jagd“ den Sprung in die Charts und zwar auf einen sagenhaften 10. Platz. Rattos Locos ist allerdings keine One-Man-Show, darauf legt man in der Hansestadt viel wert. Der Labelkollege Telly Tellz hat sich bereits 2010 mit seinem grimigen “Mischlingskind“-Mixtape ebenfalls eine solide Fanbase erarbeitet. Außerdem wurde der sehr talentierte, aber noch weitgehend unbekannte BOZ vorgestellt, der bereits an seinem Debütalbum schraubt. Somit spricht vieles dafür, dass auch 2012 im Zeichen der Ratte stehen wird.
 
Aber nicht nur die Newcomer profitieren von dem offenbar ungebrochenen Interesse an deutscher Straßenlyrik, auch ein paar bekannte Gesichter wussten die Nachfrage für sich zu nutzen. Da war zunächst mal Farid Bang. Im März dieses Jahres erschien sein drittes Album “Banger leben kürzer“ und stieg auf Platz 11 der deutschen Charts ein. Ein absoluter Erfolg, nicht nur für den Derendorfer, sondern auch für Ekos Label German Dream. In Interviews vor allem bekannt für seine große Klappe und sein schadenfrohes Siegerlachen, blieb er dieser Mischung auch auf seinen Alben treu. In erster Linie gibt’s auf die Fresse, gerne auch mal namentlich. In zweiter Linie bietet der Banger dann nachdenklichere Kost, Reminiszenzen an das eigene Leben oder Storytelling. Die entsprechende Promo bekam Farid im Grunde gratis, denn konnte man den Rheinländer vor zwei Jahren noch nachlässig lächelnd ignorieren, so reagierten vor allem DJ Desue und Alpa Gun auf die Sprücheklopfereien. Die Folge war ein kurzer, aber intensiver Twitter-Beef, der zur schließlich gar zur (allerdings selbstherbeigeführten) Löschung Farids Twitter-Accounts führte. Aber wie er im Track “Kobrakopf“ an der Seite von Kollegah und Haftbefehl feststelle: “Echte Gangster haben kein Twitter“. Hätten wir das also auch geklärt. Leise wird es so schnell jedenfalls nicht, das nächste Album “Der letzte Tag deines Lebens“ erscheint am 27. Januar 2012. Und Promo hat man dem Guten auch schon wieder kostenfrei angedeihen lassen. Zuerst die Farce um das Gold-Video bei Aggro TV, das wegen angeblicher Berlin-Disses nicht gesendet wurde, dann eine Vorabversion des Covers, auf der vier wohlbekannte Gesichter in Fadenkreuzen zu sehen waren, was laut Farids Darstellung allerdings von einem der Gezeigten auf rechtlichem Weg gestoppt sein worden soll (sido dementierte dies auf Nachfrage allerdings, im Namen aller vier).
 
Ganz ohne inszenierte Beef-Geschichten hingegen schaffte es Fler in 2011, sein neues Label Maskulin zu etablieren. Mit seinen beiden Alben “Airmax Muzik 2“ und “Im Bus Ganz Hinten“, die beide den Fokus auf düstere Selbstbetrachtungen und schonungslose Bestandsaufnahmen legten und zudem beide die Top 10 enterten, legte er eine gute Grundlage, die 2012 mit dem “Südberlin Maskulin 2“-Album gemeinsam mit dem neuen Signing Silla (ebenfalls ein Straßenrapper, der sein Profil 2011 schärfen konnte) sowie weiteren Maskulin-Releases aller Voraussicht nach fortgesetzt werden kann. 
 
Zwei andere Mitbegründer des deutschen Straßenraps hingegen, sido und Bushido, setzten der Aggro-Ära mit ihrem gemeinsamen Album "23" zwar nochmal ein Denkmal, verabschiedeten sich aber mangels härterer Inhalte weitgehend Richtung Mainstream und Chartkompatibilität – auch wenn Platz 3 sicher nicht das war, was sich Musiker und Label erhofft hatten…
 
Aber nicht nur in Deutschland fand man erneut verstärkt gefallen an Sprechgesang der härteren Gangart, sondern auch in Österreich. Nazar war bis dato den meisten hierzulande vor allem wegen seines Kollaboalbums mit Raf Camora ein Begriff. Im Mai dieses Jahres gelang auch ihm der Solo-Charterfolg. Mit seinem Album “Fakker“ konnte er in Deutschland auf Platz 36, in Österreich sogar auf Platz 6 charten. Einen eigenen Film hat er auch schon, denn eine Woche vor Album-Release erblickte die Doku “Schwarzkopf“ das Licht der Kinoleinwände. Der Streifen begleitet Nazar und seine Entourage durch die Großstadttristesse Wiens.
 
Im September trat dann mit Baba Saad ein weiterer alter Bekannter wieder auf den Plan. Lange war es still um den Bremer gewesen. Bei Bushido rausgeschmissen, ob nun wegen künstlerischer Differenzen oder weil er es mit dem Realkeepen einfach zu ernstgenommen und eine Kellnerin geschlagen haben soll (was Saad bestreitet), man weiß es nicht. Sein erstes Post-EGJ-Album chartete jedenfalls auf einen vorzeigbaren 16. Platz der Charts. Baba Saad ist also back in this bitch, ein neues bzw. altes Album ist auch schon in der Pipeline. Dabei handelt es sich um ältere Tracks, u.a. vom dem Album, welches Saads Exlabel wegen überzogener Härte abgelehnt hatte. Der Einfachheit halber heißt die Platte “Abgelehnt“ und wird in limitierter Auflage ab dem Frühjahr 2012 erhältlich sein. Außerdem scheint der Beef mit Bass Sultan Hengzt endgültig beendet zu sein, die zwei Kollabo-Tracks "Asozialster Flow der Welt“ und "Gangbang 2010“ geistern seit kurzem durch das Netz.
 
Und auch Massiv haute dieses Jahr wieder beträchtlich auf die viel zitierte Kacke. So erschien Anfang des Jahres sein musikalischer Actionfilm “Blut gegen Blut 2“ der auch dank, haha, massiver Unterstützung von Aggro TV souverän die 22 in den deutschen Charts eroberte, wenig später allerdings von der BPjM auf den Index gesetzt wurde. Im November dieses Jahres ludt der waffennärrische Wahl-Berliner dann mit “Eine Kugel reicht nicht“ nach, das einen respektablen 58. Platz machte. Im Vergleich zu vorangehenden Werken freilich ein Rückschlag, wobei man ihm freilich zugutehalten muss, dass er mit gleich zwei Platten in einem Jahr charten konnte. Sein Schützling Beirut fiel zwar durch einige respektlose Ansagen an Savas in Interivews und Videos auf, konnte aber keinen Überaschungserfolg hinlegen.
 
Im Rheinland ging es dafür nicht nur dank Farid Bang umso mehr zur Sache. Zugegeben, richtig neu ist der Erfolg des Felix Blume alias Kollegah nicht, aber dennoch mischte der Zuhälterraper auch dieses Jahr wieder ordentlich die Szene auf. Sein Album "Bossaura“ entertete erstmals trotz oder vielleicht auch gerade wegen des sogenannten Sun Diego-Sounds die Top 5 der deutschen Album Charts. Mit Autotune Hooks und Eurodance Instrumentals dudelte sich Kolle weit nach oben, nur zwei Plätze hinter sidos und Bushidos "23“. Bis hierhin der größte Erfolg für Kollegah. Für 2012 ist bereits  eine Fortsetzung des Kollaboprojekts “Jung, Brutal, Gutaussehend“ mit Farid Bang angekündigt.
 
Und dann ist da ja noch der Homie Fard, ebenfalls aus der Rhein-Area. Ihm gelang im November ein 11. Platz mit seinem Album „Invictus“, wenn auch mit etwas nachdenklicheren Tönen als zuletzt. Ähnlich wie sein Kollege MoTrip steht Fard für einen durchaus gesunden Mittelweg zwischen glaubhaftem Straßen-Background und intelligenten Texten. Besagter MoTrip ist, ausgestattet mit einem Major-Deal bei Universal und mit einem schier unglaublich großen Vertrauensvorschuss seitens der Fans, einer der großen Hoffnungsträger des Genres, der möglicherweise auserkoren ist, Straßenrap auf ein neues Level zu bringen. Man darf – 5 Euro ins Floskelschwein – gespannt sein.

Es zeigt sich mal wieder, dass das alte Sprichtwort stimmt: Totgesagte leben länger. Es sieht nämlich allen Unkenrufen zum Trotz ganz danach aus, dass auch 2012 wieder jede Menge Opfaz abgezogen, Mütterz rangenommen und bewusstseinsverändernde Substanzen an den Kunden gebracht werden. Den Realkeepern läuft es gerade kalt den Rücken herunter, der Autor dieser Zeilen hingegen freut sich schon darauf.

 

MoTrip-Album im März

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Da hat sich MoTrip kurz vor Weihnachten noch etwas ganz besonderes einfallen lassen: Im Zuge der Videopremiere seines neuen Songs "Was mein Auto angeht" kündigte der Aachener gleich noch Titel und Erscheinungsdatum seines neuen Albums an. "Embryo" soll das gute Stück heißen und am 2. März 2012 veröffentlicht werden.

Na, wer will alles ein Baby von MoTrip?

Das Video "Was mein Auto angeht" siehst du hier (zum kostenlosen Download des Songs):

 
Im Interview mit rap.de sprach der junge Rapper über seinen Aufstieg im Jahr 2011, seinen Universal-Deal, seine persönlichen Higlights sowie seine Pläne und Wünsche für 2012. Hier geht es zum Interview mit MoTrip

Xatar verurteilt

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Der Prozess gegen Xatar und seine Mitangeklagten, der sich lange eher schleppend dahinzog, ist gestern zuende gegangen. Xatar erhielt für seine Beteiligung an einem Überfall auf einen Goldtransporter im Dezember 2009 eine achtjährige Haftstrafe. Die Beute im geschätzten Wert von 1,7 Millionen Euro bleibt aber verschwunden.

Das Landesgericht Stuttgart wertete Geständnis und Sinneswandel von Xatar als strafmildernd, stellte aber fest, die Tat weise auf ein erhebliches Maß an krimineller Energie hin, auch wenn die Täuschung und nicht Gewalt bei der Durchführung im Vordergrund gestanden hätten – Xatar und seine Mitangeklagten hatten sich als Zollbeamte verkleidet, um den Transporter zu stoppen.

Die vier Angeklagten hatten vor der Urteilsverkündung um Verzeihung gebeten und beteuert, sie haben niemandem schaden wollen. Xatar wird außerdem mit den Worten zitiert: "Ich bereue die Tat zutiefst."

rap.de hat über den Überfall sowie den Prozess stets ausführlich berichtet, eine Chronik der Ereignisse findest du hier:

Alibis, Gerüchte und Index (Februar 2010)

Kopfgeld auf Xatar ausgesetzt (März 2010)

Anklage gegen Rapper noch nicht erhoben (Juli 2010)

Xatar "jammert" vor Gericht (Oktober 2010)

2. Prozesstag im Fall Xatar (November 2010)

3. Verhandlungstag (November 2010)

4. Verhandlungstag (Januar 2011)

Der Fall Xatar (Januar 2011)

Xatar vor Gericht (Mai 2011)

Xatar gesteht Goldraub (Mai 2011)

Xatar-Geständnis frei erfunden? (Mai 2011)

Neue Geständnisse im Xatar-Prozess (Mai 2011)

Personalerweiterung im Fall Xatar? (Mai 2011)

Wurde Xatar gefoltert? (Juni 2011)

Neues vom Xatar-Prozess (Dezember 2011)

In drei Teufels Namen

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Wir verraten nichts neues, wenn wir verkünden, dass das Weihnachtsfest direkt vor der Tür steht. Alle braven Kinder werden morgen Abend Geschenke unter dem Baum finden. Doch was ist mit denen, die nicht brav waren? Bzw. nicht brav sein wollen?

Auch an die ist gedacht. Unkraut vergeht nicht, bösen Menschen geht es immer gut. So hat sich zum Beispiel Kaisaschnitt entschieden, Weihnachten dieses Jahr einfach ausfallen zu lassen. "Weihnachten fällt aus" ist die erste Videoauskopplung aus seinem nächstes Jahr erscheinenden neuen Soloalbum "Antichrist":
 

 
Rako und Kralle hingegen setzen statt auf Fröhlichkeit und Seligkeit auf ein anderes Urgefühl der Menschheit: "Angst". Das Teil ist die zweite Auskopplung aus ihrem gemeinsamen Album "Lauter Stärker Besser Härter".
 
 
Und da aller bösen Dinge drei sind, laden euch Schwartz von Hirntot und King Orgasmus One ein, und zwar in den heimeligen, gemütlichen "Folterkeller der Zombienutten", wo sicher auch ein ganz besonderes Fest gefeiert wird. "Großangriff der Zombienutten" heißt das erste Video aus dem gemeinsamen Album.
 

Das HipHop Open ist zurück

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Gute Nachrichten für alle Festival-Freunde: 2012 wird es wieder ein HipHop Open geben. Und zwar dort, wo alles begann: In Stuttgart. Das gaben die Organisatoren gestern auf ihrem Facebook-Account bekannt. Den ersten bestätigten Live-Act gab man auch preis. Es handelt sich um einen alten Stuttgarter Bekannten, niemand anderen als Max Herre vom Freundeskreis.
Update: Inzwischen wurden mit Cro, Mac Miller und Wiz Khalifa weitere Acts bestätigt.

Das erste HipHop Open war im Jahr 2000 veranstaltet worden. Bis 2008 fand es in Stuttgart statt, bis auf die beiden ersten Male immer im Reitstadium in Canstatt. Doch Probleme mit allzueifrigen schwäbischen Polizisten und ein möglicherweise damit einhergehender Besucherrückgang führten dazu, dass das HipHop Open 2009 nach Mannheim umziehen musste. Dort fand es unter dem neuen Namen HipHop Open Minded statt und öffnete sich musikalisch mehr Richtung anderen Stilen. 

Am 14. Juli 2012 wird es nun soweit sein, das HipHop Open wird unter seinem alten Namen wieder im Canstatter Reitstadion über die Bühne gehen. Ob man an gloreiche Zeiten, u.a. mit Auftritten von Wu-Tang Clan, Cypress Hill, Ice Cube, Kool Savas oder Sido anknüpfen können wird, wird man sehen.

 

Triumph der Röhrenjeansträger

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Die von konservativeren HipHop-Fans gern als Röhrenjeansträger verächtlich gemachten Jungs – Kollege Falk von Mixery würde es "Die neue Reimgeneration" nennen – haben kurz vor Weihnachten noch einmal Auftrieb erhalten: Ober-Röhrenhosenträger Casper ging mit seinem Album "XOXO" Gold, was 100.000 in Deutschland verkauften Einheiten entspricht. rap.de gratuliert herzlich.

Und als hätten die Jungs, die durch die von Casper (und Marteria, dessen "Zum Glück in die Zukunft" auch schwer auf Goldkurs sein soll) aufgetretene Tür gehen wollen, nur auf diese Erfolgsmeldung gewartet, die die Relevanz neuartiger deutscher Rap-Entwürfe zum Jahresausklang nochmal unterstreicht, wurde gestern bekannt, dass drei der jungen, neuen Hoffnungsträger nächstes Jahr zusammen auf Tour gehen werden.

Cro, Rockstah und Ahzumjot gehen ab April 2012 zusammen auf die Hip Teens Wear Tight Jeans-Tour. Und dieses Ereignis wird mit großem Selbstvertrauen und markigen Worten angekündigt:
"Cro, Ahzumjot und Rockstah sind jung, hungrig und tragen enge Hosen. Sie lassen Rapper von gestern so verdammt alt und vor allem wie Rapper von gestern aussehen. Eine neue Generation ohne Genre-Scheuklappen und mit vielen neuen Ideen legt los. Der Wechsel findet jetzt im Moment statt. Und du kannst mit dabei sein." (Presseerklärung von Chimperator)

Hier die Tourdates:

CROCKSTAHZUMJOT
Hip Teens Wear Tight Jeans 2012 Tour

19.04.2012 Hannover, Musikzentrum
21.04.2012 Münster, Skaters Palace
22.04.2012 Duisburg, High5Club
25.04.2012 München, Feierwerk
26.04.2012 Koblenz, Circus Maximus
27.04.2012 Stuttgart, Schräglage
28.04.2012 Weinheim, Cafe Central
29.04.2012 Köln, Underground
30.04.2012 Augsburg, Schwimmbad
02.05.2012 Frankfurt, Nachtleben
03.05.2012 Trier, Ex-Haus
04.05.2012 Würzburg, Cairo
05.05.2012 Wien, B72
10.05.2012 Berlin, Magnet
11.05.2012 Bremen, Tower
12.05.2012 Kiel, Orange Club
13.05.2012 Hamburg, Uebel & Gefährlich

 

Selfmade signt Genetikk

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Kurz vor Weihnachten – die rap.de Redaktion wollte sich gerade mit Glühwein voll laufen lassen – erreicht uns noch folgende interessante Nachricht: Die beiden hoffnungsfrohen Newcomer von Genetikk haben einen Vertrag beim renommierten wie ambitionierten Düsseldorfer Indie-Label Selfmade Records unterschrieben.

Selfmade, das 2011 mit Favorite und Kollegah gleich zwei Rapper in die Top 10 (genauer sogar in die Top 5) schicken konnte, verspricht sich von den neuen Schützlingen offenbar einiges:

"Genetikk sind Rapper karuzo und Produzent sikk und dürften seit ihrem hochgelobten Erstlingswerk “Foetus” (kostenfreier Download unter www.genetikk.de) bereits vielen ein Begriff sein. Mit einer großen Bandbreite an Einflüssen von Wu-Tang Clan über Outkast bis Lil’ Wayne, karuzos Talent, in jedem Track eine kleine Dimension entstehen zu lassen und sikks Händchen für individuelle, unverkennbare HipHop-Beats stehen Genetikk für einen ganz eigenen, unverwechselbaren Sound und stechen wohltuend aus der Masse der zahlreichen 0815 Rap-Newcomer heraus." (aus der Presseerklärung von Selfmade)

Das Album "Voodoocircus" soll bereits am 24. Februar 2012 in den Läden und Onlineshops stehen.

Das erste Video dazu, "Puls", seht ihr hier:

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