Das letzte Heft: Die JUICE wird digital

Das Ende einer Ära, der Beginn einer neuen: Das JUICE Magazin gibt bekannt, künftig vollständig auf den digitalen Markt umzusatteln und das ikonische Print-Magazin nach der nächsten Ausgabe im November einzustellen. Stattdessen soll der hochwertige Heft-Content künftig online zu finden sein, somit auch nicht mehr an strenge Produktionszyklen und Releasedaten gebunden. Der bisherige Onlinebetrieb soll dafür nicht nur hochgefahren werden – das Modell wird gänzlich umgestellt.

Die JUICE möchte allerdings nicht nur von den Vorzügen des Onlinegeschäftes profitieren. Natürlich sind es auch ökonomische Gründe, die Deutschlands renommiertestes HipHop-Magazin nach 22 Jahren der Heftproduktion zu dieser Entscheidung drängen. Der Markt für bedrucktes Papier geht seit Jahren rapide zurück, auch Anzeigekunden – das täglich Brot eines solchen Magazins – haben längst die Welt des Internets für sich erschlossen. „Eine weitgehend unabhängige Produktion eines Printprodukts angesichts der aktuellen Marktlage gleicht auf lange Sicht einem langsamen, aber sicheren Selbstmord.“ heißt es sogar im Statement der JUICE-Crew.

Die letzte gedruckte Ausgabe der legendären Zeitschrift erscheint am 28. November und soll sich ausnahmsweise nicht primär um Künstler drehen, sondern um die Historie der Marke selbst. Schließlich ist die JUICE beinahe seit Anbeginn deutschsprachigen Raps ein nicht wegzudenkender Bestandteil unserer geliebten Kultur. Ausgabe #195 soll demnach „eine umfassende Abschluss-Issue, vollgepackt mit Anekdoten, spannenden Hintergrundberichten und Interviews mit Künstlern“ werden. Ab Februar 2020 soll es dann mit neuem Konzept online weitergehen. 

Seit seiner Gründung 1997 ist das JUICE Magazin eine unumstößliche Instanz im Deutschrap und auch international von Relevanz. Das begehrte Cover-Foto ist heute noch stets umkämpft, die JUICE-Exclusives legendär. Die letzten 22 Jahre rangen Künstler mit ihren Alben um die sagenumwobene Sechs-Kronen-Höchstwertung, gaben umfangreiche Interviews und tauchten in beliebten Rubriken wie „Kings of HipHop“, „Vs. the Beats“ oder „Behind The Scenes“ auf. Newcomer wie Celo & Abdi, Cro, Rin und viele mehr genossen ihre erste Aufmerksamkeit in der Newcomer-Sektion „HipHope“ und kritische Kolumnen und Meinungsartikel von Koryphäen wie Marcus Staiger, Jan Wehn und Falk Schacht erschienen regelmäßig.

Die gute Nachricht: All das endet gar nicht. Die JUICE macht lediglich den finalen Sprung ins Internet und transferiert macht diese Perlen noch leichter zugänglich.

Also auf (mindestens) weitere 22 Jahre, liebe JUICE!

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4 KOMMENTARE

  1. „Ikonisch“. „Legendär“. Puuuh. Früher hab ich die auch gelesen, aber nach Szillus‘ Abgang war da doch schon ein massiver Qualitätseinbruch zu bemerken, fand ich.

  2. Bin noch mit der Juice aufgewachsen, war in meiner Jugend quasi die #1 Hip-Hop-Quelle, jede Ausgabe über 10 Jahre lang monatlich am Erscheinungstag aufgesogen. Und auch wenn es mir häufig zu Backpack-/Underground-fokussiert war, gab es immer wieder kleine Perlen, die ich in diesem Heft entdeckt habe. Eine wichtige Instanz und gleichzeitig ein nötiger Kontrast, die/der hier die deutschen Print-Medienlandschaft verlässt. Gleichzeitg auch ein Stück Jugend, das sich aus den Kiosken verabschiedet. Ich werd‘ wehmütig…

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