Kwam.E im Interview über „Der Echte Norden”: „Wir sind die Veränderung”

Am 23. April veröffentlicht Kwam.E sein neues Tape „Der Echte Norden”. Die EP thematisiert die Kälte Hamburgs, im direkten und im übertragenen Sinne. Denn laut Kwam zeigt Hamburg keine Liebe. Und genau das muss sich seiner Meinung nach ändern. Viel ist passiert, seitdem Kwam.E als Feature-Gast auf „Bist Du Down” von Ace Tee das erste Mal auf sich aufmerksam machen konnte. Vier Solo- und ein Kollabo-Tape zusammen mit Tom Hengst später, macht er schon lange nicht mehr nur den Phunk, wie der Junge aus Mümmelmannsberg seine Musik früher bezeichnete. Mittlerweile ist der Rapper mit der Han-Stimme breiter aufgestellt und hat sich für seine neue EP Beats von Produzenten wie KazOnDaBeat und Lotuseffekt gesichert. Vor allem die stilistische Vielfältigkeit ist es, was seine Kunst auszeichnet – auch wenn das nicht alle vermeintlichen Zuhörer unbedingt so sehen. Warum es ihn so stört, wenn Fans nur seine alte Mucke hören wollen, wie er selbst seine musikalische Entwicklung einschätzt und wie er die Hamburger Kälte durchbrechen will, hat Kwam.E uns im Interview erklärt. Außerdem spricht er über die Europa-Tour von Future, auf der er zusammen mit Ace Tee den Support spielte, seine Beziehungen zu Berliner Künstlern und was sich Hamburg von der Hauptstadt abgucken sollte. Wie gegenseitiger Support zur größten Stärke werden kann und wie man dieses Ziel erreicht, lest ihr im folgenden Gespräch.

Wen oder was representest du, wenn du vom „Echten Norden” sprichst?

Ich represente straight den Norden. Normalerweise meine ich damit eigentlich nur Hamburg, aber jetzt den ganzen Norden. Das Ganze war voll der Zufall. Ich war mit meinen Jungs draußen und wir haben Fotos gemacht. Ich hatte einen Bape-Schal an, der blau-weiß-rot ist, das sind die Farben des Nordens. Als ich das Bild auf Instagram hochgeladen hab, wollte ich als Location eigentlich nur „Der Norden” angeben, da stand dann aber nur „Der Echte Norden”. Ich dachte mir, dann nehm ich halt den echten. Dann habe ich geguckt, wo das stationiert ist und sehe auf einmal, dass das irgendwo in Schleswig-Holstein ist. Ok, dann nehm ich eben den ganzen Norden mit (lacht). So ist das entstanden.

Der Videograph Nvsavibes hatte ja auch dieses Video veröffentlicht, das „Der Echte Norden” heißt. Diese ganze Idee stammt also von dir?

Genau, wir sind ja auch alle ein Team, wir kommen alle aus Hamburg. Wir hatten das alles zufälligerweise besprochen. Nvsavibes hatte dann dieses Kurzvideo gemacht und das NDR-Logo als DEN – Der Echte Norden – stilisiert. Als ich das gesehen hab, war ich baff, das hab ich direkt so unterschrieben. So fing das an.

Auf dem Tape geht es thematisch viel darum, dass es im Norden kalt ist, dass es rau ist. Was ist das Lebensgefühl, der Vibe, den du damit rüberbringen willst?

Der Vibe von dem Ganzen ist, dass der Norden kalt ist. Was ich damit eigentlich sagen will: Hamburg zeigt keine Liebe, im Sinne von Artist-Support. Hier gibt es viele Künstler, die sich alle untereinander kennen, man sieht sich auf der Straße, man grüßt sich. Aber das war’s dann auch. Ich find das kalt. Ich muss das einfach sagen, weil jeder in Hamburg das weiß, aber keiner spricht das aus. Es wird einfach Zeit, mal zu sagen, dass Hamburg kalt ist und dass sich mal was ändern muss. Solange da nichts passiert, sage ich, dass Hamburg kalt ist. Hier gibt’s keine Liebe, hier supportet dich kein Mensch, du musst alles selber machen. Das möchte ich damit ausdrücken. Du musst dir die Liebe verdienen.

„Ace Tee und ich haben mit „Bist du down” die Tür aufgemacht.”

Einige der krassesten Deutschrap-Newcomer kommen im Moment aus Hamburg. Was ist bei euch passiert, dass gerade so viele junge Künstler so heftige Musik machen?

Das sind wir, digga. Das ist mein Team, meine ganze Gang, mit denen ich schon seit kleinauf unterwegs bin. Die kleinen Brüder und Cousins von denen haben wir alle gebrainwashed. Durch gegenseitigen Support können wir richtig krass sein. Wir müssen nicht cool sein, wir müssen nicht unbedingt immer auf Straße machen, um akzeptiert zu werden. Wir machen das in unserem Style. Und Yungpalo, Nana Le Vrai und die ganzen anderen haben das verstanden und die machen das richtig krass. Ich bin total stolz auf die. Wir sind die Veränderung. Sowas gab es vorher noch gar nicht, davor gab’s nur Straßenrap und jeder wollte Straße sein. Wenn du nicht Straße warst, hast du keinen Respekt bekommen. Ace Tee und ich haben mit „Bist du down” die Tür aufgemacht. Wir haben die Tür für schwarze Artists aufgemacht, damit sie sich überhaupt trauen, ans Mic zu steppen und sich zu zeigen. Früher ging das nicht, du hast dafür keinen Respekt bekommen. Mit „Der Norden” will ich genau diesen Künstlern zeigen, dass ich sie unterstütze, wenn sie dafür bereit sind. Ich zeig denen meine Liebe. Wir machen das zusammen, genau wie die das in Berlin machen. Ich bin ja auch einer der ersten jungen Artists, der aus Hamburg rausgegangen ist und sich mit anderen Leuten connected hat. Ich hab gesehen, wie das in Berlin abgeht. Die sind alle zusammen, jeder connected sich mit jedem. Die gehen alle beim anderen ins Studio, weil sie wissen, dass sie zusammen geile Mucke machen können – für die Community, für Deutschland. In Hamburg ist das halt nicht so. Hier gibt es generell wenig Leute, die überhaupt Studiomöglichkeiten haben, und wenn ja, dann bleiben die unter sich. Das muss sich ändern. Hamburg ist zu cool, hier ist es kalt, ich hab’s gesagt. Die Leute sind zu cool, sich zu öffnen. Dafür sind wir da, jetzt gibt es auf jeden Fall Veränderungen.

Du hast nach der Ankündigung dann ja auch viel Support aus Hamburg bekommen.

Ich war sehr stolz, als ich gesehen hab, dass das alle geteilt haben. Sogar die OGs aus Hamburg. Ich war total baff, weil ich nicht gedacht hätte, dass das so viele Leute verstehen und dahinter stehen. Auch Bonez hat das gepostet und unter dem Video kommentiert. Ich bin sehr sehr stolz darauf. Aber Bro, jetzt lass uns einfach genau da weitermachen und zusammen zeigen, was hier abgeht. Normal, Berlin ist ne geile Stadt. Normal, Berlin hat geile Rapper. Aber Hamburg muss mal wieder auf die Map. Hier gibt’s auch viele krasse Artists, die im Untergrund sind und gar keine Recognition von den ganzen Hip-Hop-Plattformen bekommen. Jetzt ist es an der Zeit, dafür steh ich mit meinem Namen.

Auf deiner neuen EP bist du etwas ernster, etwas nachdenklicher als bisher, vor allem die Beats sind mehr mellow als auf deiner vorherigen Platten. War das so geplant oder war das einfach dein Vibe?

Das war überhaupt nicht geplant, das war einfach der Vibe, den ich da aufgegriffen hab. Wie bei jedem Künstler hatte auch ich Tage mit Ups and Downs, an denen ich nicht mehr weiter wusste. Dann habe ich durch den Hamburger Producer Farhot die Jungs von Lotuseffekt aus Münster kennengelernt. Bei der ersten Session, die wir gemacht haben, ist der erste Track „Choppen” entstanden. Die Jungs haben’s richtig drauf. Ich hab mit denen zusammen die Beats bearbeitet und die haben halt meinen Vibe gecheckt.

Mit wem hast du für das Tape sonst noch zusammengearbeitet? Ich weiß, dass KazOnDaBeat, Skew und Isee Julez noch mit drauf sind.

Genau. Skew ist ja mein Main-Producer aus Hamburg. Mit Isee Julez, Isee Franky und ihm haben wir auch das „Concrete Cowboys” Tape gemacht. An einem Tag hat Skew zusammen mit Lotuseffekt den Beat für „Rauchzeichen” und „Sir Capalot” gebaut. Mit Kaz wollte ich schon länger unbedingt mal was machen. Als ich nach „Topfit” die BHZ Jungs kennengelernt habe, wollte ich wissen, wer die Beats macht. So bin ich auf Kaz gekommen. Ich habe ihn dann kontaktiert und er hat mich auch voll gefeiert. Bei der ersten Session mit Kaz in Berlin haben wir „Wie MJ” gemacht. Eigentlich wollte ich sowas Drum’n’Bass-, Jungle-mäßiges machen, wie der Track mit Layla zum Beispiel. Als dann beim Diggen aber dieses Sample kam, wusste ich, dass wir das nehmen müssen. Und dann hab ich diese Hook geschrieben. Irgendwie ist da Michael Jackson in mir hochgekommen (lacht).

Glaubst du, der Vibe auf dem Tape ist auch dem letzten Jahr geschuldet? Was hat diese Zeit generell mit deiner Kreativität gemacht?

Meine Kreativität hat das nicht so beeinträchtigt, aber ich habe dadurch zuerst definitiv weniger geschrieben. Das hat so ein bisschen meinen Hunger gestillt. Ich war immer nur zu Hause, hab mir Weed gekauft und geraucht. Ich hab einfach gar nichts gemacht. Und irgendwann dacht ich dann, ey, ich glaub, das wollen die von uns, dass wir einfach nur chillen und nix machen. Dann hab ich mir meinen Arsch aufgerissen und wieder ein paar Texte geschrieben. Aber trotzdem ist es gewöhnungsbedürftig. Bei mir ist es halt so: Wenn mir jemand einen Beat schickt und der Beat mir taugt und einen gewissen Vibe kreiert, dann schreib ich den Text an einem Tag zu Ende. Wenn ich alte Beats rumliegen habe und auf die schreiben will, verläuft das meistens schleppend.

„Neverland” ist meiner Meinung nach der stärkste Track der EP. Wie schon angesprochen, ist er nachdenklich, persönlicher als viele andere Songs. Was ist die Story zu dem Track?

Ich habe den bei der Session mit den Lotus-Jungs geschrieben, das war der dritte Track, glaub ich. Es war schon voll spät, so drei, vier Uhr morgens. Zuerst wollte ich gar nicht auf den Beat schreiben, aber die Jungs haben mich dann doch überredet. Ich bin da voll in mich eingekehrt. Mein Dad ist 2015 verstorben, zu der Zeit habe ich noch in Mümmelmannsberg gewohnt und diese Gegend hat mich sehr geprägt. Da sind sehr viele Sachen passiert. Ich wollte das auf diesen Beat alles einfach mal raufschreiben und es einfach jeden wissen lassen. Der Scheiß geht auf jeden Fall sehr in mein Herz rein, das ist real shit. Alles was ich sage, entspricht der Wahrheit. Ich habe einfach meinen Pain aufgeschrieben.

Du hast dich stilistisch immer weiterentwickelt. Du hast schon immer gesagt, dass du nicht nur auf Oldschool-Beats rappen willst, sondern dass du Bock hast, divers zu sein. Früher hast du deine Mucke immer als Phunk bezeichnet. Ist das, was du machst immer noch Phunk oder beschreibst du deinen Stil jetzt anders?

Das, was ich jetzt mache, ist kein Phunk. Wenn ich Phunk mache, dann kommen die Beats von Classic oder von Beat Dude. „Original Rudeboy” ist straight Phunk. „Concrete Cowboys” ist überhaupt kein Phunk, das ist einfach New Izza. Ich kann das gar nicht in ein Genre packen, denn das ist definitiv auch kein Trap. Ich weiß, was Trap ist. Und diese Unwissenden, die immer den alten Scheiß wiederhaben wollen, die haben mich nicht verstanden. Ich kenne die Leute, die mich verstehen und die wissen genau, weshalb ich mache, was ich mache. Bevor ich „Es is Kwam” gedroppt hatte, hab ich sogar auf Autotune gerappt, das wissen die Leute gar nicht. Ich hab schon alles ausprobiert. Deswegen sollen alle die Schnauze halten, die immer sagen, dass ich mal wieder den Phunk machen soll. Das regt mich richtig auf, das macht mich voll kirre. Meine richtigen Fans warten ab. Ich möchte, dass mein Shit auch recognized wird, also dass die Leute die Tracks verstehen. Auf meiner ersten Tour gab es voll viele Leute, die meine Lyrics zwar verstanden haben, aber nicht wussten, was ich sage. Und das trifft einen Künstler, das tut mir richtig weh. Digga, du hörst dir meine Musik an, aber du hörst dir nicht meine Musik an, weißt du? Es gibt Leute, sogar Freunde, die sich meine Musik anhören, aber den Text nicht können. Wenn du meinen Text nicht kannst, dann fühlst du den auch nicht oder du verstehst ihn nicht. Und erst, wenn du das verstanden hast, kannst du auch nach neuem Phunk fragen. Das möchte ich den Leuten weismachen. Ich bin ein Alleskönner. Wenn du mich auf diesem Sound nicht magst, dann mach ich’s trotzdem so. Warte einfach ab, bis der alte Scheiß kommt, ich kann auf jeden Fall alles und ich mach auch alles. Der Beat muss nur stimmen, das ist das Wichtigste. Wenn der Beat stimmt, dann schreib ich drauf. Ich möchte mich austoben, ich möchte zeigen, was ich kann. Ich bin unique, es gibt keinen anderen als Kwam, digga. Es gibt auch keinen anderen mit der Han-Stimme, das möchte ich hier nochmal unterstreichen. Ich bin jetzt schon seit vier Jahren hier.

„Wir sind auf Europa-Tour mit Future gewesen, wir haben so viele Sachen gesehen. Das wissen viele gar nicht.“

Es wäre ja auch langweilig, wenn du immer die gleichen Sachen machen würdest. Das gibt es ja bei vielen Künstlern, dass Leute in die Kommentare schreiben, mach mal die Mucke von früher. Ich bin da ganz bei dir.

Ich war ja früher auch einer dieser Fans. Ich hab mir Joey Bada$$ reingezogen, von seinen Teens bis zu „B4.DA.$$”. Nach dem Tape dachte ich auch, wieso macht der jetzt diese Scheiße, wieso macht der jetzt Trap, das passt gar nicht zu dem. Und das denken die Leute auch bei mir.

Witzig, du wurdest früher ja andauernd mit Joey Bada$$ verglichen.

Ich wollte den Leuten schon immer sagen, dass ich nicht Joey Bada$$ bin. Klar hab ich mich von seinem Style inspirieren lassen, aber die versuchen einen gleich in eine Schublade zu stecken und sagen, Kwam ist der deutsche Joey Bada$$. Fickt euch digga, ich bin Kwam! Ich rappe nicht auf Englisch, ich mach Deutschrap und ich möchte meinen Style representen. Ich bin dann auf die Leute im Untergrund aufmerksam geworden und habe mich da reingefuchst – Retrogott, Eloquent und die ganzen anderen. Und ich war baff, diese Leute ficken mich, was Rap angeht, die batteln mich alle weg. Für mich sind das hundertprozentige Rapper. Bloß habe ich dann gemerkt, dass wenn du die ganze Zeit in diesem Kosmos drin bist, du denkst, du seist DER Rapper. Und alle anderen, die scheiße rappen, verachtest du. Wenn du das dann auch als Message so verbreitest, macht dich das nur schlechter, dann bleibst du genau da, wo du bist. Ich wollte das nicht. Ich bin für alle da und ich möchte mein Geld machen, digga. Ich möchte nicht die ganze Zeit in meiner Wohnung chillen, ich möchte auch mal reisen. Als ich mit Tee das erste Mal auf „Bist du down Tour” war, habe ich Blut geleckt. Das war alles nur wegen diesem einen Song, dieser eine Song hat so viel gemacht. Wir sind auf Europa-Tour mit Future gewesen, wir haben so viele Sachen gesehen. Das wissen viele gar nicht. Wir waren mit Rich the Kid, Stefflon Don oder Zoey Dollaz, mit echten Gangstas aus Amerika, weißt du was ich meine. Die haben mir ihren Respekt gezollt. Das war ein krasses Erlebnis für mich. Danach wollte ich nicht wieder bei null anfangen. Ich kann mehr als das. Ich bin schon vor 17.000 Leuten in London in der o2-Arena aufgetreten. Ich zieh durch, egal in welcher Hinsicht. Und ihr müsst mir zuhören. Jeder, der mich versteht – ich liebe euch. Und jeder, der mich nicht versteht – fickt euch.

Auf „Rauchzeichen” ist G.G.B eines deiner Features. Wie ist die Connection zu ihm und seiner Clique zustande gekommen? Ihr hatten vorher ja auch schon „Baywatch” zusammen gemacht.

Benji (G.G.B, A.d.R.) hab ich durch meinen DJ Haaizey kennengelernt. Wir sind zusammen nach Berlin gefahren und er hat mir seine Leute vorgestellt. Ich hab damals schon Shacke One und die ganze Clique gefeiert, die haben auch save den Phunk. Ich wollte mich mit denen connecten, weil die meinen Sound verstehen und wir zusammen bestimmt was geiles machen könnten. Dann habe ich Benji kennengelernt und wir sind Freunde geworden. Als er dann mal nach Hamburg gekommen ist, hat er bei mir gepennt und wir haben eine Session zusammen gemacht. Ich feier seine Flows, er rappt richtig geil Doubletime, der hat’s voll drauf. Er ist mit seinem Produzenten Obeez nach Hamburg gekommen, wir waren zusammen im Studio und Lotuseffekt war an dem Tag auch da. Dann haben wir „Baywatch” gemacht. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so flowen kann. Aber wenn dieser Beat mir diesen Flow gibt, dann rap ich den halt so. Eigentlich wollten wir dazu auch ein Video drehen, vielleicht machen wir das, wenn der Corona-Lockdown vorbei ist.

Und wann habt ihr „Rauchzeichen” gemacht?

Nach „Baywatch” dachte ich direkt, dass wir demnächst nochmal was zusammen machen müssen. Eine Woche später ist Benji wiedergekommen und wir haben „Rauchzeichen” gemacht. Er hatte die Idee zum Track. Er meinte, dass ihm der Track so Nacht-Vibes gibt. Du bist mit einer Alten, ihr geht aus der Bar raus oder von einer Party nach Hause und es ist nachts. Er hat mir seinen Text vorgerappt, ich hab den Vibe verstanden und meinen Part geschrieben. Dann kam ein Kollege von mir vorbei und hat mir dieses Pitaya Kraut gegeben, das ist dieses Cali Weed. Ich hab’s geraucht und das hat mir voll geschmeckt (lacht). Ich hab dann den Part dazu geschrieben und mir währenddessen die Hook überlegt.

„Der echte Norden” ist wieder eine EP. Du hast bisher einige Tapes rausgebracht, aber noch kein Album. Woran liegt das?

Das Album ist schon lange ready, digga. Die Frage ist nur, ob ihr ready seid. Ich hab jetzt drei Tapes gedroppt, mit massivem Phunk und übertrieben kranken Dingern. Über die „Izza EP” wurde zum Beispiel gar nicht berichtet, was ich sehr schade finde, weil da auch starke Tracks drauf waren, die mir sehr am Herzen liegen und von denen ich denke, dass die jeder hören muss. Aber wenn die Leute sich das nicht anhören oder das nicht verstehen, dann geb ich euch das nicht. Wenn ich jetzt ein Album gedroppt hätte, würde das keiner verstehen. Erst wenn jeder das versteht, droppe ich ein Album. „Es is Kwam” hat zum Beispiel noch keine Mio geknackt, was ich auch nicht schlimm finde, aber wenn du was von mir haben willst, dann musst du auch was dafür tun. Und wenn ich immer wieder sage, supportet den Shit, sagt jedem Bescheid, dann mein ich das auch ernst. Digga, wenn ich 50.000 Follower auf Instagram haben, können die auch dafür sorgen, dass das alle mitbekommen.

Eine steile These.

Ich war auch draußen und hab mir Fans angeschaut, und ein paar sind nicht auf meinem Mindset. Die checken mich nicht. Ich weiß, wer meine richtigen Fans sind. Meine richtigen Fans sind stramm und die wissen, was zu tun ist. Ich will keine Fans haben, die mit mir diskutieren. Ich brauche die, die auf mich hören und die sagen, Kwam weiß was er tut. Nicht die, die sagen, auf Boombap hast du mir besser gefallen. Das ist meine Musik, digga, was los bei dir. Wer bist du, dass du mir sagen kannst, was ich zutun hab. Und wenn die den Scheiß supporten, dann kommt auch ein Album. Das ist schon lange ready, ich will es nur zum richtigen Zeitpunkt droppen, damit es den richtigen Wert, die richtige Resonanz bekommt. Denn wie gesagt, es ist hart, sich als Künstler gegen den ganzen Mainstream durchzusetzen, gerade in der jetzigen Zeit. Die habe alle was-weiß-ich für Deals, ich bin independent unterwegs. Mein Team, mein Management und ich machen alles selber und wir versuchen, uns den Arsch aufzureißen, um da oben anzukommen. Bis dahin drop ich auf jeden Fall Tapes, und außerdem wollen die Leute heutzutage sowieso nicht so viele Songs haben. Jeden Freitag werden viel zu viele Songs released, in die man reinhören kann, also geb ich euch meine Sachen einfach via einer kleinen EP. Ich mach einfach klein für klein, bis ihr ready für ein Album seid. Und wenn ich ein Album droppe, dann ist es ein Album, mit einer Geschichte, das ihr von Anfang bis Ende hören müsst.

Was hast du in der nächsten Zeit denn so geplant? Kommen wieder Sachen mit Tommy Hengst? Kannst du schon was verraten?

Ich kann auf jeden Fall verraten, dass was mit Tommy kommt – man munkelt „Concrete Cowboys 2”. Dann kommt vielleicht ein Tape, das „Snares & Brecheisen” heißt. Das wird wieder eine ganze Menge Phunk haben, ich lasse wie gesagt niemanden hängen. Ich mach’s für die Echten, aber die müssen auch verstehen, dass sie mich auf jeder Art von Sound hören werden. Bei mir ist für jeden was dabei. Ich bin ein Typ, der alles hört und auch gerne alles macht, deswegen tob ich mich gerne aus. Ihr werdet auf jeden Fall noch alles mitbekommen – bis dahin, stay tuned. Es wird ein Abenteuer, ihr werdet noch sehen, es wird wicked (lacht).

Die wichtigste Frage kommt diesmal zum Schluss: Wann kommt der Kwam.TV Fernseh-Deal?

Uuuh digga (lacht). Das frag ich mich auch. Ich hab mir echt schon überlegt, vielleicht einen Twitch-Account zu starten und da einfach die ganzen Videos zu posten. So hätte ich dann da meinen eigenen Kwam.TV-Channel. Man kann ja gerade sowieso nichts machen. Ich muss mir noch ein paar Sachen dafür holen, einen Laptop zum Beispiel, dann mache ich das richtig präsent. Richtig mit Intro und allem Drum und Dran (lacht).

Gibt es noch irgendwas, was du den Leuten da draußen mitgeben willst? Eine Message von Kwam höchstpersönlich?

Eine Message von Kwam höchstpersönlich, Leute: Ich liebe alle meine Fans, nehmt mir das nicht übel, wenn ich solchen disrespect rede, das ist einfach meine Art. Und wenn dir das nicht passt, sag dem Pisser wo ich wohne. Ihr kennt den Reim, digga. Und ja, freut euch auf neuen Shit. Für die Leute, die unbedingt den Phunk haben wollen, freut euch auf neuen Shit und haltet alle die Schnauze. Ich liebe euch (lacht)! Und kauft die Tickets für die Tour! Eigentlich hatten wir die Concrete-Cowboys-Tour schon letztes Jahr geplant, aber leider wurde sie auf Dezember 2021 verschoben. Wenn wir Glück haben, können wir die Tour dann starten. Also kauft sich jeder, der noch ein Fünkchen Hoffnung und ein Fünkchen Glück in sich trägt, diese Karten.