Stellungnahme zum Gaza Konflikt – Radikalisierung beider Seiten!

Seit geraumer Zeit wütet nun dieser Gazakrieg erneut und produziert unfassbar viel Leid und Tod. Jeder mischt sich in den Konflikt ein und teilt seine Sicht der Dinge mit. Daran ist auch nicht auszusetzen, solange man sich die Fakten zu Herzen nimmt und differenzieren kann.

Der Nahe Osten als Unruheherd besteht schon seit langer Zeit und eine Lösung des Problems kann nur mit einer Zwei-Staaten-Lösung herbeigeführt werden. Ich möchte mich in meiner Stellungnahme mit beiden Seiten kritisch auseinandersetzen und ein Bisschen mir auch den Frust von der Seele schreiben.

Ursprung des Problems:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten im heutigen Israel hauptsächlich Araber innerhalb einer britischen Kolonie.

Ein Staat Palästina existierte nicht wirklich. Da es leider in Deutschland zum Holocaust kam und 6 Millionen Juden ermordet wurden,

wollten die Alliierten einen Staat schaffen in dem die Verbliebenen in Sicherheit leben können. Da auch das Judentum in Jerusalem seinen Ursprung hat, entschied man innerhalb dieser britischen Kolonie einen Staat Israel zu gründen. Die arabischen Staaten und die arabische Bevölkerung erkannte den UN-Teilungsplan nicht an, weshalb es schon recht bald zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Bis zum heutigen Tag erkennen die Palästinenser die Gebiete nicht an, welche ihnen zugesichert wurden und Israel dehnt sein Territorium mittels Siedler immer weiter aus.

Mehrere Intifadas wurden ausgesprochen und es herrscht ein Waffenstillstand- und Kriegszyklus. Als jüngst drei israelische Gebetsschüler ermordet wurden und als Antwort ein palästinensischer Junge bei lebendigem Leib verbrannt wurde, eskalierte die Situation erneut und mündete in eine israelische Großoffensive mit mittlerweile über 500 Palästinensern und 20 Israelis.

In der deutschen Öffentlichkeit gibt es nun zwei gegenüber unversöhnlich stehende Positionen, die überall ihre Propaganda verbreiten.

Ich möchte zu beiden Seiten Stellung beziehen und hoffe, dass Sie meinen Ausführungen folgen können.

Pro Gaza, Pro Palästina:

Ich bin selber Muslim und habe ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Wir müssen endlich begreifen, dass ein Palästina im Ursprungszustand wie vor 1930 eine absolute Utopie ist. Erstens haben sich die arabischen Staaten damals nicht mit sonderlich viel Ruhm bekleckert in der Verhandlung der ganzen Palästinafrage und zweitens sieht ernsthafter Support bis heute wohl anders aus. Meine palästinensischen Brüder und Schwestern, mehr noch die gesamte muslimische Welt, muss endlich lernen Israel zu akzeptieren. Um es etwas salopp zu sagen ‚Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen‘ nun müssen wir endlich anfangen mit der Situation gut und im Sinne der nachfolgenden Generationen umzugehen. Wir sollten uns immer wieder vor Augen führen, dass wir alle auf den gleichen Stammvater den Propheten Abraham (s.a.s.) zurückgehen. Wie können wir also ernsthaft diese Menschen bekämpfen, wenn wir uns doch in vielen Bräuchen und Traditionen so ähneln.

Weiterhin bin ich der Meinung, dass die Hamas auf keinen Frieden aus ist. Ihre gesamte Art und Weise ist auf Machtpolitik und Gewalt aus. Geschickt hat sie soziale Funktionen wie das Erbauen von Krankenhäusern usw übernommen, damit die Bevölkerung sie noch mehr unterstützt. Ebenso bewusst zieht sie sich aber im Kriegszustand innerhalb der zivilen Bevölkerung zurück und benutzt diese als Schutzschilde. Sie weiss sehr gut, dass mehr zivile Opfer auch den öffentlichen Druck auf Israel und die gesamte westliche Welt erhöhen. Sie nimmt das gerne in Kauf und kalkuliert mit dem Leid der eigenen Landsleute. Die Hamas weiss sehr gut, dass ihre selbstgebauten Raketen kaum was anrichten können und sind somit indirekt am Tod der eigenen Bevölkerung mit schuld, da sie fast immer mit einer Gegenreaktion seitens Israel rechnen kann.

In Deutschland kochen die Gemüter aber auch. Ich war zuletzt auf einer Pro Gaza Demonstration und habe auch viele Posts und Videos hier auf Facebook gesehen. Ich bin in vielen Punkten meiner muslimischen Brüder und Schwestern sehr erschüttert und schockiert. Eine Menge fangen an unbesonnen alles zu vermengen und skandieren anti-israelische, sowie antisemitische Parolen. Meine Freunde mit so einem Verhalten rückt ihr uns in die Ecke der Rechtsradikalen. Das darf nicht sein! Ihr stellt Euch in eine Ecke mit Personen, die Anschläge auf Ayslbewerberheime in Solingen und Mölln verübt haben. Personen wie Beate Tzschäpe der NSU Gruppe, die unschuldige Migranten ermordet haben. Bestien die 6 Millionen Juden klinisch und industriell abgeschlachtet haben. In diese Ecke stellt ihr euch, wenn ihr Adolf Hitler verherrlicht und sagt mit ihm gäbe es keine Probleme in Palästina. Oder wenn ihr auf den Demos „Jude kämpf alleine“-Parolen ruft. Ich schäme mich, wenn ich solche Parolen höre oder lese. Wie können wir von anderen Differenzierung fordern, wenn wir selbst nicht differenzieren. Immer wieder höre ich auch „Kindermörder Israel“. Auch dem stimme ich nicht zu. Ich kann nicht 7 Millionen Israelis des Kindesmordes bezichtigen, weil es einfach so nicht ist.

Ich wünsche mir von meinen muslimischen Brüdern und Schwestern, vor Allem von den Jüngeren nicht zu pauschalisieren und sich vom rechtsradikalen Gedankengut fernzuhalten. Adolf Hitler hätte euch auch vernichtet und in seiner Rassenlehre wärt ihr auch nicht lebenswert gewesen, abgesehen davon dass seine Ideologie in höchstem Maße menschenfeindlich war und ist. Seid kritisch, demonstriert für den Frieden, aber versetzt euch auch in den Gegenüber. Auch der Mensch hat eine Familie, eine Geschichte und ein Leben was es zu erhalten gilt.

Pro Israel:

Das jüdische Volk hat viel Leid erlebt und durchlief eine Tragödie ohne Gleichen. Zahlreiche Dichter, Denker, Wissenschaftler und Intellektuelle verbinde ich mit dieser Glaubensrichtung. Dennoch bin ich über eine Menge an Hardlinern irritiert. Ihrem eigenen Exodus zugrundeliegend bzw. der daraus resultierenden Leiderfahrung sollten Sie nun nicht den gleichen Fehler machen und eine ganze Bevölkerungsgruppe bekämpfen. Die Menschen im Gazastreifen sitzen fest in einem überdimensionalen Gefängnis. Auf der einen Seite können sie nicht über die ägyptische Grenze und auf der anderen Seite liegt die unüberwindbare israelische Grenze. In diesem geographischen Spannungsverhältnis prasseln von oben Raketen herunter ohne Rücksicht auf Kinder, Frauen oder Senioren. Gerne wird erwidert man verteidige sich bloß. Sie fühlen sich doch nicht ernsthaft bedroht von selbstgebastelten Raketen der Hamas, welche zu 99,8% bereits in der Luft abgefangen werden oder in freiem Feld nieder gehen. Ebenso gießen israelische Siedler immer weiter Öl ins Feuer indem sie weitere Flächen innerhalb der Palästinensergebiete beanspruchen. Leider wird von der israelischen Regierung kaum bis gar nichts unternommen um das zu unterbinden. Die Palästinenser verfügen sowieso schon über sehr wenig Land und das bisschen was noch da ist, soll ihnen nun auch noch weggenommen werden? Zeigen Sie dem palästinensischem Volk lieber, dass sie der Mächtigere aber auch der Gütigere sind. Starten Sie Aufbauprojekte. Helfen Sie Krankenhäuser, Schulen usw zu errichten und sie werden merken, wie schnell sie den radikalen Kräften den Nährboden entziehen. Lockern Sie die Sanktionen und packen Sie das Problem an der Wurzel an, damit Frieden endlich möglich ist und es zu einer Koexistenz kommen kann.

Auch in Deutschland radikalisieren sich die Pro-Israel Anhänger zunehmends in einer Art die in einer Islamfeindlichkeit mündet. Schnell werden Dinge behauptet wie die arabischen Staaten sein von geringerer Intelligenz, Israel sei die einzige Demokratie in der Region, man das Problem nur löse wenn die Palästinenser komplett ausgelöscht werden würden etc… Merken Sie was? Manche Positionen sind plötzlich gar nicht mehr soweit wie von den Pro-Palästina Anhängern.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Israelkritik nicht gleich mit dem Antisemitismusargument beantwortet werden sollte. Der Staat Israel ist nicht homogen. Es leben Juden dort, Araber, linksorientierte, mittig und rechtsorientierte Menschen. Man kann also sehr wohl Israelkritik üben und trotzdem ein Freund des Judentums sein oder sich mit Israelis gut verstehen.

Also bitte unterstellen Sie nicht allen Menschen per se die eine Israelkritik üben zwangsläufig antisemitisch zu sein. Der überwiegende Teil der Menschen ist es nicht und viele nehmen das auch als Beleidigung auf.

In dieser hitzigen Zeit fehlen mir einfach die besonnen Stimmen innerhalb der Völker. Personen der Nächstenliebe, der Vernunft und des Gewissens.

Uns eint alle nur ein Wunsch: In Frieden und Gesundheit zu leben und unseren nachfolgenden Generationen eine gute Zukunft zu bieten.

Daher sollten wir endlich aufhören den Hass zu predigen, zu den Waffen zu rufen und den Tod zu promoten. Vielmehr sollten wir das Leben bejahen, nach gemeinsamen Lösungen der schwierigen Herausforderungen suchen und uns alle als eine Einheit verstehen.

Weg mit den Grenzen in den Köpfen, weg mit den Grenzen in den Herzen, weg mit den Grenzen überhaupt.

Dieser Krieg muss endlich enden. Zwei Staaten müssen her, die in Frieden koexistieren. Im Sinne unserer gemeinsamen Propheten und unseren Ursprungs. Amen. Amin.

Euer/Ihr

Malik

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