Auf den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter kündigt Dexter seine neue EP an.
„Nicht auf Arbeit sondern Tour“ heißt das gute Stück und kommt am 16. Januar. Außerdem ist der Stuttgarter Produzent und Rapper ab dem 31. Januar auf Tour und fährt insgesamt elf Städte an.
Zuletzt war Dexter mit seinem Song „20 in dem Whip Fahrtwind Pt. 2“ am Start. Dieser stammt von seinem Album „Haare nice, Socken fly“, das 2017 erschienen ist.
Spätestens seit ihren aufsehenerregenden Youtube-Cyphers muss man kein spleeniger Kenner des Berliner Untergrunds sein, um die Abkürzung „BHZ“ einigen jungen Gesichtern zuordnen zu können. Mit der „Monk EP“ erscheint am morgigen Freitag das erste Solo-Tape aus den Reihen der sechsköpfigen Schöneberger Crew. Ein guter Zeitpunkt also, um dem talentierten Südberliner ein paar Fragen zum Stand der Dinge zu stellen …
Du droppst am 12.1. dein erstes Solo-Release, die „Monk EP“. Du bist das erste BHZ-Member, das eine derartige Veröffentlichung vermeldet, oder?
Ja, das kann man so sagen. Allerdings haben wir bisher ja insgesamt nur ein richtiges Projekt gedroppt, unsere Crew-EP „Banana SHAKE“. Die meisten Tracks – ob in Crew-Formation oder Solo – sind bisher unveröffentlicht. Der Großteil meiner Sachen ist auch einfach so entstanden, gar nicht in konkreter Aussicht auf das Tape oder so. Die „Monk EP“ lässt sich also wirklich nur schwer von den anderen Projekten abgrenzen, zumal ja auch alle Jungs aus der Crew eigene Parts beigetragen haben.
Sucht man nach älteren Sachen von dir, stößt man auf den Solo-Track „BHZ Squad“ aus dem Sommer 2016. Im Gegensatz dazu ist der Sound der neuen Sachen sehr Trap-orientiert.
Ja, voll. Jedoch muss man bedenken, dass der Track samt Beat sogar noch ein dreiviertel Jahr vor dem Upload des Videos entstanden ist, schätzungsweise also im Herbst 2015. Sprich: In einem ganz anderen Lebensabschnitt. In der Zwischenzeit hat sich mein Sound definitiv mehr in Richtung Trap entwickelt, aber auch insgesamt gefestigt. Auf Trap beschränkt ist er dadurch dennoch nicht: Erst vor wenigen Tagen ist beispielsweise ein ziemlich deeper Oldschool-Track entstanden … Ich würde sagen, dass es eher meine Zielvorstellung ist, einen frischen Sound mit vielen verschiedenen Einschlägen zu kreieren, als lupenreinen Trap.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, die EP spielt sowohl inhaltlich als auch Sound-technisch ziemlich bewusst mit dem Spannungsbogen zwischen chilliger Atmosphäre und unterschwelliger Hektik. War das beabsichtigt?
Ja, auf eine gewisse Art schon. Ich habe bei der Auswahl der Tracks aus einem ziemlich großen Pool an Material natürlich darauf geachtet, dass im Gesamtbild eine gute Balance zwischen fiesen Bangern und ruhigeren Dingern entsteht. Die Mischung, die sich dadurch herausgebildet hat, ist am Ende auch der Grund für dieses hektische Klima.
Ich finde, dass sich die EP insgesamt nicht wie ein übliches Debüt-Tape anhört. Statt plumper Representer werden überdurchschnittlich viele traurige Impulse und ernüchternde Themen angepackt. Enttäuschungen, Betäubung und Ausgebranntsein spielen eine zentrale Rolle …
Ja, das Tape hat sicherlich einen eher dunklen Vibe und passt gut zur kalten Jahreszeit. Mit der persönlichen Ebene ist es so eine Sache. Das ist etwas, mit dem viele nicht gut umgehen können: Weil ich erst 19 Jahre alt bin, werde ich zum Beispiel oft mit dem Vorwurf konfrontiert, dass ich ja eigentlich noch gar nicht so viel erlebt haben kann, wie ich in meinen Texten erzähle. Die Leute können sich nicht vorstellen, dass deepe Sachen wie „Vertrauen“ ganz einfach beim Arbeiten im Callcenter entstanden sind, weil mir dort Gedanken durch den Kopf geschossen sind, die ich direkt aufschreiben musste. Ob diese Geistesblitze jetzt auf einer krassen Lebenserfahrung beruhen oder nicht, ist da doch eigentlich zweitrangig, oder?
… Finde ich auch! Zumal du ja gerade auf das Jungsein an sich ziemlich oft eingehst … Auf einem Track beschreibst du, dass das Ziel deiner Reise ziemlich undefiniert und vage ist, die Zukunft eher dem Zufall überlassen ist. Stimmst du mir zu, wenn ich sage, dass du damit stellvertretend für einen großen Teil der Leute unserer Generation sprichst?
Klar, ganz bestimmt! Der Song „Kein klares Ziel“ ist aus einem Beweggrund entstanden, den viele andere junge Leute bestimmt nachvollziehen können. Ich habe vor eineinhalb Jahren Abi gemacht, bin aber irgendwie immer noch auf dem gleichen Modus wie in der zehnten Klasse: Wie damals kann ich mir nichts anderes vorstellen, als einfach nur Mucke zu machen. Die Art und Weise, wie ich die Sache angehe, ist bestimmt nicht besonders vernünftig, über Konsequenzen denke ich selten nach. Das ist ein Punkt, der übrigens auch auf mein Klangbild bezogen hundertprozentig zutrifft. Auch deshalb habe ich zwischenzeitlich mit dem Gedanken gespielt, die ganze EP „Kein klares Ziel“ zu nennen, fand „Monk EP“ dann aber doch noch überzeugender.
In einigen Passagen bemängelst du, dass dir der deutsche Rap von heute nicht innovativ genug ist. Was vermisst du konkret?
Ich kann ja nichts vermissen, was noch nicht da war (lacht). Nein, im Ernst: Ich beobachte eine Menge neuer Künstler, die nach und nach an den Start kommen. Ich habe oft das Gefühl, dass sie ziemlich gefangen sind … Sowohl in ihren Denkweisen, als auch in ihren Genres. Oft spüre ich, dass sie ihren Fans gegenüber verpflichtet sind, einen bestimmten Sound abzuliefern, was die Qualität ihrer Musik dämpft. Oftmals fehlt mir da die nötige Portion ‚nen-Fick-drauf‘-geben‘, die Motivation etwas zu starten, dessen Ergebnis noch unklar ist. Insgesamt muss es um das gelungene Gleichgewicht zwischen guten Aussagen und einer guten Tanzbarkeit gehen … Und um das zu erreichen, könnte in Deutschland ruhig ein bisschen mehr experimentiert werden.
Im Berliner Untergrund wird doch zur Zeit aber recht kreativ experimentiert, oder?
… Ja, ich glaube auch, dass da gerade einiges gedeiht. Neben uns sind da – nur beispielhaft – sicherlich Leute wie Rapkreation, Zeki Aram oder Mista Meta zu nennen. Allgemein empfinde ich die Entwicklungen der letzten Monate und Quartale innerhalb Berlins als sehr positiv: Nachdem Berlin jahrelang wenn überhaupt nur von Leuten repräsentiert wurde, die eigentlich gar nicht aus Berlin kamen, wird die Szene zur Zeit endlich wieder breiter.
Wenn ich an deine Crew BHZ denke, habe ich immer sofort eine zyklisch springende, ausgelassene Crowd vor Augen, die schweißgebadet den Laden zersägt. Wie sehr spekulieren Tracks wie „Popo“ oder „Kein klares Ziel“ auf das kollektive Live-Erlebnis?
Die Live-Tauglichkeit ist kein Kriterium, mit dem ich an einen neuen Track ran gehe, aber während den Arbeiten an neuen Liedern kommt trotzdem früher oder später der Moment, in dem mir klar wird, dass das Ding in der Live-Situation brettern könnte (lächelt). Neben „Popo“ und „Kein klares Ziel“ könnte übrigens auch „Bin in der Stadt“ ziemlich krassen Pogo verursachen (lacht).
Apropos: Am 10. Februar werdet ihr im Lido in Kreuzberg 36 auftreten. Was ist das für ein Gefühl, die gleiche Bühne zu bespielen, die in den letzten Monaten auch Trettmann oder RIN gerockt haben?
Ein verrücktes! Mit diesem Konzert geht ein Traum für uns in Erfüllung … Das wird das bis hierhin mit Abstand größte BHZ-Konzert seit unserem Bestehen und auch erst die zweite reine BHZ-Show überhaupt.
Kurzes Update zum Ende: Was steht 2018 noch so bei deiner Crew an?
Nachdem meine EP draußen ist, werden in näherer Zukunft auch die anderen Crew-Mitglieder ähnliche kleine Solo-Dinger online stellen. Wie bereits erwähnt, schmoren auf den Festplatten dutzende noch nicht veröffentlichte Sachen. Zum Glück sind wir bei BHZ soundtechnisch breit aufgestellt, sodass wir gerade mit den Solo-EP‘s Leute mit verschiedensten Vorlieben ansprechen werden. Nebenbei arbeiten wir natürlich schon an der nächsten großen Crew-EP, 2018 könnte also einiges kommen!
Den Liveauftritt von Ahzumjot auf dem splash! 2017 gibt es nun in voller Länge online zu sehen.
Zwar ging der Auftritt nicht allzu lange, aber dafür gibt es die geballte Power vom gebürtigen Hamburger. Nachdem Ahzumjot die Stage verlässt, will die Crowd noch mehr hören und dann gibt es noch eine fette Extraladung. Live ist der energiegeladene Künstler sowieso ein Highlight und zeigt sich hier auch wieder nur von seiner besten Seite.
Diesmal stellt sich der mutige Silla den gehässigen und boshaften Kommentaren der User. Ob es nun Äußerungen über sein Aussehen, seine Musik oder über seine letzte Beziehung sind – der Berliner nimmt es sportlich und mit Humor.
Zuletzt war der Blockchef mit seinem Song „Keine Tränen“ am Start, auf dem er sich stilistisch experimentierfreudig gab.
John Known veröffentlicht seinen neuen Track „Auf der Reise“ inklusive Video. Der Krekpek-Künstler wartet mit einem ungewohnten, experimentell-futuristischen Low-Fi-Soundbild auf. Auch das Video kann sich sehen lassen.
„Auf der Reise“ ist eine Singleauskopplung von der kürzlich erschienenen EP „S01E02“. Genau wie „Auf der Reise“, wurde auch die gesamte EP von Yunis produziert.
Zuletzt war John Known mit seinem Song „M3“am Start, den er live bei YoSamTVRaps gerappt hat.
Zugezogen Maskulin veröffentlichen ihren Song „Der Müde Tod“.
Der Titel verrät schon, worum es in dem Track geht. Im Videoclip sind die beiden erst sehr spät zu sehen – während den Parts und der Hook gibt es eine Zusammensetzung von vielen einzelnen Schnittbildern. Teilweise sind die Bilder mit Unterschriften versehen, die im Zusammenhang mit dem abgebildeten Ort stehen.
„Der Müde Tod“ ist allerdings kein wirklich neuer Song, nur die visuelle Umsetzung ist neu. Der Track war bereits auf dem Album „Alle gegen Alle“. Die aktuelle Platte des Duos erschien im Oktober letzten Jahres.
Bitcoin, Etherium und co stehen momentan verdammt hoch im Kurs. Das tun sie sowohl redensartlich als auch wirtschaftlich gesehen. Doch wer investiert eigentlich in die anonymisierten Kryptowährungen? Informatiker? Börsenmakler? Kann sein. Auf jeden Fall tun es Kool Savas, Sido, Trailerpark-Kopf Basti, Frauenarzt, Manny Marc, Yassin, Felix Krull und der seit Jahren verschollen geglaubte Sera Finale.
Wer hätte diesen Mammut-Track vor einigen Jahren kommen sehen? Wohl niemand. Doch jetzt rappt ebendiese überraschende Supercrew übers „Hodln“, also quasi das vom Kursverlauf unabhängige, langfristige Halten von Coins zur Wertsteigerung, Forks und andere Fachbegriffe, die für Außenstehende ebenso kryptisch erscheinen mögen, wie die Währung selbst es ist.
Unabhängig davon, kommt nicht nur die Hook mit Hitpotential daher, der ganze Song besticht durch eine erfrischende Unbefangenheit und hörbaren Spaß an der Sache. Aus jeder Pore des Songs strahlt eine jugendlich lockere „lass einfach machen“-Attitüde, die auch beim Zuhören jede Menge Spaß bereitet. „Hodln“ stellt den letzten der 23 Tracks auf dem gemeinsamen Tour-Mixtape „Wasch den Thron“ von Sido und Kool Savas dar.
Über 4.400 Filialen auf der ganzen Welt und fast 23 Milliarden Euro erwirtschafteter Umsatz allein im Jahr 2016 – H&M gehört schon seit Jahren zu den absoluten Giganten der Modeindustrie. Und in dieser Zeit wurde von dem schwedischen Konzern kaum ein Skandal ausgelassen: 2013 kam es zu einem Fabrikeinsturz in Bangladesch, bei dem über tausend Menschen ihr Leben verloren, weil sie unter schlimmsten Arbeitsbedingungen Massen an Billigkleidung produzierten. Neben den seitdem zu Recht immer wieder aufkeimenden Protesten gegen die prekären und absolut menschenverachtenden Beschäftigungsverhältnisse scheint nun die hitzige Diskussion um H&M in Form einer Rassismusdebatte einen neuen Höhepunkt gefunden zu haben.
„Coolest monkey in the jungle“ – das steht auf dem Pullover, der in den letzten 24 Stunden in den Medien eine enorme Aufmerksamkeit erregt. Hört sich zunächst eigentlich nach einem ziemlich normalen Slogan auf einem Kinderpullover an, oder? Tiere sind schließlich niedlich und Kleinkinder in der Regel auch. Das Problem an der Sache: Auf der Website von H&M wird das Produkt an einem schwarzen Jungen beworben. Wer sich in seinem Leben schon einmal auch nur ansatzweise mit dem Kolonialismus auseinandergesetzt hat (und das sollte jeder, der die Fähigkeit des Lesens besitzt, bereits getan haben), versteht, warum jeder Schwarze sich davon beleidigt fühlen darf: die selbsternannte „Herrenrasse“ würdigte jahrelang die Bewohner Afrikas und Asiens auf abscheulichste Weise herab, indem sie ihnen zunächst ihre menschliche Intelligenz absprachen, um sie daraufhin gewaltsam ihrer Heimat zu berauben und zu versklaven.
Neben dieser also komplett fehlplatzierten und zurecht kritisierten Bewerbung des „Coolest monkey in the jungle“-Pullovers fand man außerdem an gleicher Stelle des H&M-Onlineshops ein weiteres Kinderkleidungsstück: ein Pullover, auf dem „Survival Expert“, also Überlebens-Experte, zu lesen ist. Der Absurdität der Marketingstrategie des schwedischen Megaunternehmens scheint keine Grenzen mehr gesetzt zu sein.
Und der Eklat erreicht auch die Musikszene: The Weeknd, der bereits eigene Kollektionen mit H&M entwarf, beendete die Zusammenarbeit mit dem Konzern. Er fühle sich von der Werbung zutiefst beleidigt und verletzt.
US-Rapper Diddy postete mit demselben Hintergedanken ein Foto von dem Jungen im Pullover, auf dem nun aber „Coolest king in the world“ steht. Unter dem Bild forderte er seine Follower auf, Respekt zu zollen.
Auch bei den deutschen Rappern erweckt der Skandal Aufmerksamkeit: Mortel, Sylabil Spill und Manuellsen teilten Diddys Post und zeigen, dass sie mit dieser Art von Rassismus keineswegs einverstanden sind. Das umfangreichste und vermutlich auch differenzierteste Statement gab jedoch Megaloh ab, der u.a. Zuspruch von Audio88, Veedel Kasztro, Morlockk Dilemma und BTNG erntete.
Damit zeigt Megaloh mal wieder, dass Rap eben doch politisch sein kann und unterstreicht die wichtige Message, die er bereits 2017 in der BSMG-Kombination mit Ghanaian Stallone und Musa in Form des Albums „Platz an der Sonne“ an die Rapfans gesandt hat: Struktureller Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz finden. Westliche Staaten haben in der Vergangenheit in Afrika so viel Leid angerichtet, dass es für uns alle eine Pflicht sein muss, höchste Sensibilität gegenüber dieser Thematik zu beweisen. Wie es auf „Platz an der Sonne“ so schön heißt: „Gestern ist vergeben, aber deshalb nicht vergessen“.
Egal, ob das Marketingteam von H&M einfach nur blind gegenüber dieser herabwürdigenden Botschaft war oder die Bewerbung des Pullovers sogar Aufmerksamkeit auf das Unternehmen ziehen sollte – eine Respektlosigkeit ist der Slogan so oder so. Und wer den Spruch „Coolest Monkey on Earth“ auf dem Sweatshirt eines schwarzen Kindes verharmlost oder gar als Witz abtut, hat nicht verstanden, dass diese Art von Rassismus, die so tief in den westlichen Gesellschaften verankert ist, eben nur bekämpft werden kann, indem der Finger in die Wunde gelegt wird.