Cocaine Cowboys – Clip und Interview mit Billy Corben

Nachdem Filmbesprechungen, genau wie LP Rezensionen immer so eine Sache sind, wollten wir die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und haben mit dem Filmemacher von „Cocaine Cowboys“ Billy Corben ein kleines email Interview geführt sowei einen exklusiven Trailer ergattert. Damit Ih wisst, worüber alle immer reden, in ihren Texten. Yeah. Was denkst du über Rapper wie Freeway oder Rick Ross, die sich nach verurteilten Kriminellen benennen? Ich denke, das hat schon mit der Geschichte von Robin Hood angefangen. Dann mit den Wild-West Geschichten, wo Figuren wie Billy The Kid und Jessie James auftauchten. Dann gab es Bonnie und Clayde und natürlich Al Kapone. Gesetzlose, Banditen, Verbrecher, Bankräuber und Diebe wurden schon immer als Vorbilder benutzt, wenn es darum ging Volkshelden zu erschaffen. Die Hip Hop Generation setzt das ganze nur fort, um sich glaubwürdiger zu machen, in einem Bereich, wo es ja sehr auf die Streetcredibility ankommt. Als wir zum Beispiel N.O.R.E., der sich früher Noriega nannte (nach dem ehemaligen General von Panama, Daniel Noriega) für eine Folge unserer Webserie “Streets of Miami: The Cocaine Cowboys Phenomenon” interviewten, erzählte er mir, dass „Cocaine Cowboys“ Einer seiner Lieblingsfilme sei und dass er sich sehr gerne die Dokumentationen auf National Geographic und Discovery Channel anschaut, weil er den „echten Scheiß“ liebt. Und darum geht es ja im Hip Hop, um “keeping it real”. Auch wenn es ein bisschen komisch ist, wenn man den Namen und den Ruf von jemand anderem klaut, um seinen eigenen damit aufzuwerten. Wie war das Gefühl für dich, jemanden wie Rivi zu interviewen, mit dem Wissen, dass er so viele Menschen umgebracht und gequält hat? Was findest du ihn persönlich? Rivi ist sehr warmherzig, freundlich und charmant. Er spricht sehr sanft und insofern ist er eine wahnsinnig einnehmende Person. Er beugt sich in deine Richtung, wenn du mit ihm sprichst, er ist sehr, sehr persönlich und er bringt dich dazu, dass du dich sehr vertraut mit ihm fühlst. Es passiert sehr schnell, dass man vergisst über was er da gerade redet und zu was er anscheinend fähig war, wenn man so Auge in Auge mit ihm spricht. Sogar während des Interviews, als er uns eineige seiner schlimmsten Verbrechen gestanden hat, hat er das so cool und entspannt gemacht, dass ich mich manchmal richtig treten und mich daran erinnern musste, dass der gerade nicht über das Wetter spricht, sondern darüber wie er Frauen und Kinder abgeschlachtet hat. John Roberts wirkt wie ein Gentleman-Gangster, der nie in Morde oder ernsthafte Verbrechen verwickelt war. Kann man das glauben oder ist das so eine Art persönlicher Mythos, den er da inszeniert? Jeder, der im Drogengeschäft drin ist muss sich im Business irgendwie durchsetzen. Rivi war der Mann, der die Sachen für Griselda Blanco durchgesetzt hat und John Roberts hatte auch seine Typen, die das für ihn gemacht haben. Im Koks Geschäft geht es um eine Menge Kohle. Der Wert von einem Kilo Kokain in den 80er Jahren lag ungefähr bei 50.000 Dollar aufwärts und das waren alles Kommissionsgeschäfte, weil natürlich nur sehr wenige Leute im Voraus bezahlen konnten, wenn sie mit mehreren Kilos beliefert wurden. Wenn dann also jemand nicht in der vereinbarten Zeit bezahlt, dann kann man ja nicht zum Gericht gehen und einen Mahnbescheid verschicken, wie bei jeder anderen geschäftlichen Transaktion. Dann hat man eben keine andere Wahl und muss die Dinge in die eigenen Hände nehmen, um dein Business zu beschützen. Ich weiß es natürlich nicht genau, aber ich denke, dass John’s Männer schon ein paar Leute aufmischen mussten, aber ob da auch ein Mord dabei war??? – Darüber kann er natürlich nicht sprechen, weil diese Sachen ja nicht verjähren. Nachdem wir die DVD gesehen haben, hatten wir den Eindruck, dass es am Anfang nur gute Seiten beim Koks Geschäft gab. Die Industrie boomte, alle waren wohlhabend und glücklich. Täuscht der Eindruck? Zu Beginn des Kokain Booms war jeder begeistert von den Einnahmen, die plötzlich möglich waren. Das setzte sich von ganz oben nach ganz unten durch, also angefangen bei den Leuten an der Spitze bis zum einfachen Ladenbesitzer, Autohändler, Juwelier, Restaurator und seo weiter. Außerdem war sich niemand über die negativen Auswirkungen der Droge bewusst. Die Leute, die das Zeug schnupften konnten es sich leisten, weil es ja nicht unbedingt billig war. Das waren Ärzte, Anwälte, Immobielenmakler und ähnliches. Diese Leute haben dann am Wochenende Party gemacht, gekokst und am Montag morgen sind sie dann zurück zur Arbeit gegangen. Es schien also nicht unbedingt mit einem gesundheitlichem Risiko verbunden zu sein plus: jeder machte Kohle damit. Also hatte am Anfang wirklich kein Mensch damit ein ernsthaftes Problem. Für uns sah es so aus, als wäre Griselda Blanco die Person gewesen, die das kleine und friedliche Business zerstört hat. Sie brachte Mord und Todschlag ins Game und sie war dafür verantwortlich, dass der Staat dem Drogengeschäft den Krieg deklarierte. War das tatsächlich die Schuld von einer einzigen Person und warum haben die kolumbianischen Kartelle sie nicht gestoppt? Präsident Ronald Reagen schickte seinen damaligen Vizepräsidenten George H.W. Bush nach Miami, um eine spezielle Steuerfahndungseinheit zu bilden, die sich der Drogen-Epidemie annehmen sollte. Das war seit dem amerikanischen Bürgerkrieg zum ersten mal, dass ein einzelner Staat auf diesem Niveau, militärische und juristische Hilfe bei der Bundesregierung angefordert hat. Leute bei den Strafverfolgungsbehörden, sei es jetzt bei den örtlichen in Miami oder bei der DEA (Drug Enforcement Agency) genauso wie die Staats- und Bundesanwälte, wie auch die Kokain Cowboys selber sind absolut davon überzeugt, dass Griselda Blanco letztendlich für das Blutvergießen, die Bandenkriege und den ganzen Ärger verantwortlich war, der in den 80ern die ganze Zerstörung nach Miami brachte. Die Kartelle haben sie letzten Endes ja doch gestoppt oder es zumindest versucht. Am Anfang haben sie ihr gesagt, dass sie runterkommen und nicht übertrieben soll, dann wurde sie aus Miami nach Kalifornien vertrieben; dann haben sie ihr die Kokainzufuhr abgeschnitten und schließlich und endlich haben sie noch 4 Millionen Dollar auf ihren Kopf ausgesetzt. Und hier ist der Clip:

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here