Review: Azet – Fast Life

Aus dem Knast auf die größten Bühnen des Landes: Azets steile „Started from the Bottom“-Karriere kann sich durchaus sehen lassen. Um mehr als ein kurzlebiger Hype zu sein gilt es aber, mit dem Debütalbum „Fast Life“ abzuliefern.

Azets Sound zeichnet sich durch harte Raps gepaart mit eingängigem Gesang aus – Hits von der Straße für die Straße, melodisch, aber nicht weichgespült, harter, kompromissloser OG-Pop in einem zeitgemäßen Gewand fernab von Nate Dogg und R’n’B. Klar, nicht jeder Schuss ist ein Treffer und ein Hit lässt sich nicht immer kalkulieren, aber einige Hooks nisten sich auf jeden Fall als fieser Ohrwurm ein, so etwa das clubbige „Kriminell“, das trotz eher belangloser Parts brutal catchy ist. Das liegt auch nicht zuletzt an der luftigen Produktion, die in ihrer simplen Machart mit nur zwei gefälligen Tonabfolgen leicht zugänglich und ebenso einprägsam ist.

Seine stärksten Momente hat „Fast Life“ aber, wenn Azet einfach straight rappt. Der verbissene Vortrag und das unberechenbare Timing des gebürtigen Albaners verleihen den Parts einen spannenden Drive, der gerade durch seine kluge Pausensetzung immer wieder packend den Flow anzieht und drosselt. Dazu moduliert er gekonnt seine Stimme, lockert den geradlinigen Rap immer wieder auf und beweist ein treffsicheres Händchen für abwechslungsreiche Songstrukturen. Man hört Azet einfach gerne zu, wenn er aggressiv seine Zeilen vom Ticker-Alltag vorträgt.

Dabei sind die meist recht unspektakulär. Gelegentlich brechen Zeilen wie „Kam aus ’nem Kriegsgebiet und da hat man nie gelernt / Leute vorzuschicken mit der Hoffnung, dann alles zu klären“ zwar aus dem monotonen Sumpf aus und geben dem Charakter Azet einige spannende Züge, das Gros der Texte bleibt aber generisch.

Vergleiche mit Robert De Niro, Hinweise auf die Schweigepflicht am Telefon und Schilderungen vom mit Betäubungsmitteln gefüllten Kofferraum locken niemanden mehr hinterm Ofen vor. Die meisten Texte fungieren leider eher als Lückenfüller und sollen schlichtweg den gelungenen Sound transportieren. Das wird besonders in den Passagen deutlich, in denen Azet wahllos mehrsilbige Reime verkettet, die sich einfach stimmig aneinander reihen sollen, aber doch eher sauer aufstoßen.

So heißt es etwa auf „Villa in Weiss“: „Aber lieber hol ich Kilos von Grenze / Bleib auf der Straße und schieß‘ auf Gelenke // Mein Bezirk ist ein Krisengelände / KMN Gang bleibt Familie bis Ende“.

Der Song geht verdammt gut ins Ohr und nistet sich unweigerlich dort ein, die melodischen Parts und die gesungene Hook klingen hervorragend – aber Neologismen wie „Krisengelände“ oder das reimbedingt gezielte Schießen auf – ausgerechnet – Gelenke tun der Atmosphäre doch einen gewissen Abbruch. Das liest sich hier vielleicht arg kleinkariert, stört beim Hören des Tracks aber tatsächlich enorm. Gerade weil es Azet ansonsten weitgehend gelingt, locker und glaubhaft zu erzählen und ebenso unangestrengt zu Reimen – die gelegentlichen Brechungen mit diesem Duktus reißen einen immer wieder unsanft aus dem Hörfluss.

Nichtsdestotrotz geht „Fast Life“ alles in allem ziemlich gut runter. Der Umfang von 14 Anspielstationen tut dem Album gut, das Tracklisting fühlt sich sinnvoll an. Über die marginalen Unbeholfenheiten und den ein oder anderen Filler sieht man gerne hinweg, springt man doch immer wieder zu den zahlreichen Ohrwürmern und wirklich guten Parts.

Die Kinderkrankheiten halten sich für ein Debütalbum deutlich in Grenzen, selbst der obligatorische Afro Trap-Ausflug fügt sich nahtlos ein. „Fast Life“ ist aus einem Guss und überzeugt im Gegensatz zum holprigen Debüt des KMN-Kollegen Zuna mit Stringenz und einer klaren Vision, die treffsicher umgesetzt wurde.

Fast Life (Limited Gang Box)
  • Herausgeber: Kmn Gang (Groove Attack)

Interview mit Azet und Zuna (KMNGang)

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