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32 Tracks – 32 Countries – All For Free!

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Für alle, die auch Fußball mögen, ist das hier genau das richtige! Checkt einfach mal die Links über der News und zieht euch die Rap-Tracks. Während der Weltmeisterschaft gibt es täglich einen Song, der zum Gratis-Download angeboten wird.

Außerdem läuft derzeit noch ein weiteres Special. Es werden nun am Finaltag nicht nur 32 Songs aus 32 Ländern zur Verfügung stehen, sondern auch 32 Artikel mit Interviews und Berichten zu den Ländern, Fußballmannschaften und HipHop-Szenen der jeweiligen WM-Länder veröffentlicht.

Kool DJ GQ

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Die Situation im Musikgeschäft hat sich in den letzten Jahren ebenso zum Negativen verändert wie die Lage in Deutschland. Die Zeiten sind härter geworden.
In der Politik geht es fast nur noch um Schulden und deren Tilgung in Form von Mehrwersteuererhöhung und auch im schnelllebigen Musikgeschäft spielen Verkaufszahlen und goldene Schallplatten die zentrale Rolle. Wer es wagt zu Träumen, findet sich rasch auf dem harten Boden der Realität wieder.

Dennoch gibt es immer noch Leute wie Kool DJ GQ. Dieser kam in den frühen Neunzigern zum Plattendrehen, rockt seither die Partys von Stuttgart über Frankfurt bis Köln, tourte mehrmals mit Curse durch die Republik und hat neben all dem ein Album produzieren. Und das ohne Budget, ohne Label, aber dafür mit einer Vision. Bevor sich diese Vision in der Realität beweisen musste, traf ich den DJ aus Wiesbaden im Frankfurter Club Unity, wo er immerhin Resident ist und stellte ihm die üblichen Fragen, die man so stellt, wenn der Release des Debutalbums bald ansteht…

„Obwohl ich ja schon vorher Vieles gemacht habe, hatten mich die Leute nicht auf dem Schirm. Mit „Birth of Kool“ soll sich das ändern. Ich trete aus dem Schatten in das Licht der Öffentlichkeit.“
Für diesen Schritt hat er sich jede Menge Zeit genommen. Drei Jahre hat es gedauert, bis das Album erschien. In dieser Zeit hat er mit fast der gesamten Deutschen Rap Elite gearbeitet. Dabei kontaktierte GQ alle Künstler selbst und zahlte- wie er betont, für keines der Features auch nur einen Cent.
Die Gästeliste, die von Savas über Grand Agent bis zu Dendemann reicht, führte zu ungewöhnlichen Kollabos. So hört man nun Tatwaffe, Harris, Bintia und Flipstar gemeinsam auf einem Track. Aber nicht nur mit den ungewöhnlichen Kollabos, die auf seinen Wunsch hin entstanden, hat der Wahl-Wiesbadener seine eigene Vision von künstlerischer Arbeit umgesetzt. So erhielt jeder Künstler keine Beat CD, sondern jeweils einen maßgeschneiderten Beat, der für ihn bestimmt war und der auch in den meisten Fällen gerne genutzt wurde.
Am Ende hatte Kool GQ sein komplettes Album alleine geplant, umgesetzt und er war auch nach den Aufnahmen war dann auch er der Einzige, der alle Tracks kannte.

Mit Alles Real fand GQ dann ein Label, das bereit war, das Album zu veröffentlichen und nach mehreren Nachpressungen dürfte man dort glücklich sein, einen Erfolg errungen zu haben, mit dem im Vorfeld so nicht zu rechnen war.

Zeitsprung. Nachdem sein Album seit 3 Wochen auf dem Markt erhältlich ist, treffe ich GQ abermals und führe mit ihm noch mal ein Gespräch, in dem es um Reviews, die Fans und nicht zuletzt Verkaufszahlen geht.
„Alles in Allem bin ich sehr zufrieden, die Künstler mögen die Platte und bis auf wenige Ausnahmen sind auch die Kritiken sehr positiv. Klar kann man nicht nur Lob für sein Produkt erhalten, es wird immer jemanden geben, der eben nicht ganz zufrieden ist, das ist normal“, erklärt er mir sichtlich zufrieden.
Sicherlich stellt sich bei dem vorher beschriebenen Artistroaster die Frage, ob die guten Verkaufszahlen der LP nicht auch damit zu tun haben könnten, dass unter den auf dem Album gefeatureten Künstler, durchaus der eine oder andere große Namen zu finden ist?
GQ sieht das anders. Er schreibt den Erfolg seiner LP – ganz bescheiden einer Symbiose aus dem Wirken aller Beteiligten zu:

Nur, die Beats auf CD wären ebenso langweilig, wie die Raps als Accapella. Ich sehe das realistisch: Die Leute kennen mich als Producer noch kaum. Wenn sie also ihren Lieblingskünstler auf der Platte hören und dazu noch ein paar andere Artists, die sie feiern, werden sie die CD mögen. Dennoch spielen die Beats eine große Rolle – auch wenn die Fans hinter meinem Album teilweise vielleicht weniger das Produceralbum sehen, aber das ist OK. Noch bin ich eben keine so krasse Identifikationsfigur.“

Obwohl die Platte durchaus als Visitenkarte verstanden werden kann, hat sich für den Producer und DJ seither die Welt nicht völlig verändert. Die Anzahl der Beatanfragen und DJ-Bookings ist nach dem Album noch nicht ins unermessliche gestiegen, aber dennoch geht es in der Karriere des Allroundkünstlers weiterhin Schritt für Schritt voran. Er ist mittlerweile nicht mehr nur der Tour DJ von Curse, sondern nach dieser LP eben auch ein selbst ständiger Solokünstler, der zunehmend bekannter wird.

Wie der nächste Schritt in seiner Producerkarriere aussehen wird, weiß GQ allerdings noch nicht genau.
„Ich bin kein Produzent, der am Tag seine 10 Beats macht, ich mache das wirklich nur wenn ich Lust drauf habe. Ich bin da sehr kritisch und es kann sein, dass ich einen Beat, den ich den Tag über geschraubt habe, am Abend wieder verwerfe und am nächsten morgen etwas völlig neues beginne.“

Natürlich wird er für seine kollegen vom Alles Real-Camp den einen oder anderen Beat schrauben, und man wird sich wahrscheinlich über GQ Produktionen auf den neuen Werken von Italo Rino und ebenso Germany freuen dürfen, und auch Stress und Trauma, so wie Curse könnten unter Umständen auf dem einen oder anderen GQ Instrumental zu hören sein, aber der Wahl Wiesbadener bleibt weiter seiner Linie treu und setzt Qualität weit über Quantität und so gibt er keine halbgaren Produktionen heraus.
Wer die Vielschichtigkeit der GQ Produktionen kennt, wird sich vielleicht wundern, dass der Produzent mit seinem Akai S3000XL, einem MAC Powerbook mit Logic Pro und einem Rohland Keyboard auskommt und über selbst sagt, das seine Arbeitsweise recht minimiert sei.
Live wird man GQ dieses Jahr an der Seite von Curse wohl auf dem Splash und auf dem HipHop Kemp antreffen können. Was danach kommt steht mehr oder weniger in den Sternen. „Ich plane da nicht groß, ich bin mehr spontan. Wenn’s passt kommt irgendwann ein neues Album mal sehen, welche Chancen sich bieten, es wäre aber toll, wenn nochmal alles so gut zusammen laufen würde…“

Bald ist es soweit

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Der Us-amerikanische Rapper Common bringt im September sein neues Album "Finding Forever" mit Kanye West, J. Dilla und Kareem Riggins raus. Doch das soll noch nicht alles gewesen sein. Er übernimmt außerdem eine Rolle in dem Film "Smoking Areas", der 2007 in den amerikanischen Kino’s anlaufen soll.

Boykott gegen Cristal

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Nach dem sich der Manager Frederic Rouzaud von Louis Roderer Cristal negativ zu der Hip-Hop-Kultur geäußert hat, boykottiert nun auch Jay-Z die Edel-Champagner-Marke.

In dem Magazin "The Economist" sagte Rouzaud, dass er das steigende Interesse der HipHop-Community an Cristal mit großer Besorgnis beobachte und beschrieb es als eine eher unwillkommene Aufmerksamkeit.

Auch Jay-Z wird den teuren Champagner nun weder unterstützen, noch ihn in seinen 40/40 Bars servieren. Ab sofort gibt es nur noch die Edel-Champagner Dom Perignon und Krug.

Jigga: "It has come to my attention that the managing director of Cristal, Frederic Rouzaud views the ‚Hip-Hop‘ culture as ‚unwelcome attention. I view his comments as racist and will no longer support any of his products through any of my various brands including The 40/40 Club nor in my personal life."

Missy verfilmt ihr Leben

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Rapperin Missy Elliott hat nun vor, ihr Leben in die Kinos zu bringen. Zusammen mit Universal Pictures  steckt sie mitten in den dreharbeiten, Missy wird dabei selbst die Hauptrolle übernehmen.

Robert De Niro und Jane Rosenthal werden Missy´s Bio, über ihre eigene Firma Tribeca Films, produzieren.

Nach vier Grammys und sechs Solo-Alben, des wohl bekanntesten weiblichen Rap-Act, wird sich wohl genug Stoff für einen Film gesammelt haben.

Jacob, the Juweler verhaftet

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Er ist die Anlaufstelle Nummer 1 für alle Rapper, die sich teuren, wertvollen Schmuck zulegen wollen. Doch nun wurde er gestern Morgen in seinem Laden in New York verhaftet. Die NYPD geht davon aus, dass Jacob, the Juweler auch in illegale Geschäfte verwickelt ist. Ihn und 16 weitere Personen beschuldigt der Staatsanwalt aus Michigan der Drogen-, Geldwäscherei mit einem Wert von 270 MIllionen Dollar.

Auf Kaution vorerst wieder aus dem Gefängnis zu kommen, dürfte für Jacob wohl kein Problem werden.

Robird Styles

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Neuer Name, neues Label und neuer Sound. Nach "Uhrwerk Des Zorns" ließ Robird lange nichts mehr von sich hören. Doch nun ist er mit einem neuen Album und vielen Versprechungen bzg. neuer Releases wieder da. "Charterflug" ist am 9.Juni rausgekommen und soll den neuen Robird, den "Flying Eagle" representen.

rap.de unterhielt sich mit einem sehr offenen und redefreudigen Robird Styles über seine derzeitigen Pläne, seinen Labelwechsel, über sein neues Album "Charterflug", Privates und  seine Zukunft.

rap.de: Erstmal zu deiner Person: Aus welchem Umfeld kommst du und wie bist du zu Rap bzw. HipHop gekommen?

Robird Styles: Das war ein ganz unspektakulerer Weg, es ist ja meistens so, dass wieviele Künstler ein bestimmter Track oder ein bestimmter Künstler unglaublich inspiriert. Bei mir war es anders. Ich hab wahrscheinlich wie viele deutsche Standartrapper angefangen. Ich hatte viele Geschwister, Cousins und Cousinen und halt einen großen Cousin, der hat N.W.A und so Zeug gehört, als ich in der dritten Klasse war. Was mir dann wirklich gefallen hat, war die 2LifeCrew. Mein Cousin hat mir dann auch 5 Vokabeln übersetzt, "Pussy", "Fuck", "lick", "suck", "dick" – und mit diesen Worten habe ich dann halt fast alle Texte der Crew verstanden. Ich fand es halt lustig alleine diese Tracks anzuhören und über die Texte zu feixen. Von da an hab ich eigentlich nur noch Rap gehört, Leute wie Cypress Hill, House of Pain – weniger dieses Zeug aus Compton. Es gab immer so ein still, lohderndes Feuer in mir, das immer dabei war. Später, als diese Mixery Raw Deluxe-Battle Sache rauskam, habe ich mit Freunden angefangen zu freestylen, natürlich waren das zuerst Versuche die kläglich gescheitert sind, später wurde es dann immer besser. Es fanden kleine Sessions statt, die sich bis heute gehalten haben, also wir machen das immer noch aus der Tradition heraus. Aber irgendwann wurde mir das halt zu wenig. Ich hatte dann Bock was zu schreiben, oder wollte einen Song machen, den man vielleicht auch im Radio hört. Der Anreiz war halt da, sich mal 5 Minuten länger hinzusetzten, Reime zu schreiben, die auch irgendwie sinnträchtiger sind. Das hat ganz gut funktioniert. Über verschiedene Wege wurde ich dann DJ Maxsta vorgestellt – ihm hab ich dann mein Zeug vorgerappt und er fand sie Sachen halt geil. Damals war Maxsta noch ein Manager von Big Bud und hat mich so halt seinen Jungs vorgestellt. Die Rapper von Big Bud fanden mich halt nicht so cool, ich war ihnen noch zu sehr von Rappern wie Samy Deluxe inspiriert. Aber dem Producer hat es gefallen, und der hat mit mir ein paar Tacks gemacht. So habe ich auch viel über Atemtechnik und überhaupt die Produktion erfahren. Und so hat es dann auch bei  Big Bud seinen Lauf genommen.

rap.de: Apropos Big Bud: Es ist ja bekannt, dass du viele Jahre ein fester Teil dieses Labels warst und nun bist du vor kurzem, mit deinem Labelkollegen Smoke zu Jubeko gewechselt. Wie kam dieser Bruch zustande?


Robird Styles: Das war jetzt keine Ekelsache oder so, also ich wurde nicht rausgeworfen und ich habe auch nicht gesagt, dass ich hier unbedingt weg muss. Es gibt für mich keinen Grund jetzt groß zu haten. Ich habe mir einfach nur eine coolere Labelbetreuung vorgestellt. Meiner Meinung nach war Big Bud personell unterbesetzt, aber von den Künstlern her überbesetzt. So hatten sie halt nicht die Möglichkeit sich um jeden Rapper richtig zu kümmern, für jeden wirklich gute Promotion zu machen. Deswegen hab ich mich ein bisschen woanders umgeguckt, mit Freunden gesprochen – und auch mit Sentino, den ich schon länger kenne – und anderen Rappern. Das wurde mir dann von Big Bud übel genommen, was ich auch etwas verstehen kann, da alles ohne Absprache ablief. Aber es war halt alles unverbindlich. Aber dadurch fühlte ich mich in meiner Entscheidung bestärkt, etwas Anderes zu suchen. Damit waren die Jungs dann auch einverstanden, so können sie auch besser arbeiten, weil sie sich um weniger Künstler kümmern müssen – und ich bin mit der Entscheidung letzlich auch zufrieden.


rap.de: Der Beat zum Intro von deinem Album, "Charterflug" wurde ja von deinem ehemaligen Labelkollegen Michael Mic produziert. Können wir also davon ausgehen, dass du noch cool mit den Jungs bist?

Robird Styles: Ja, ganz ehrlich. Ich bin auch der Meinung, man muss es so ein bisschen trennen. Ich hatte zwar den Eindruck, dass es von Big Bud-Seiten nicht so gut geklappt hat, das Musikalische von dem Persönlichen zu trennen, aber das soll jeder so handhaben, wie er denkt und ich bin auch keinem böse. Bis auf Michael sind mir die anderen Jungs auch komplett egal. Ich wünsch denen  aber auf jedenfall alles Gute und würde mich über ihren Erfolg auch freuen – und mit Micha (Michael Mic Anm. der Red. ) bin ich nach wie vor cool, denn mit ihm war ich am engsten befreundet. Wir haben fast jeden Tag zusammen gechillt. Wir wollten eigentlich auch mal ein Album zusammen machen – das wird in näherer Zukunft wohl nicht mehr stattfinden. Aber nach wie vor feiere ich seine Produktionen. Darüber hinaus habe ich den Beat schon vor dem Weggang von Big Bud gepickt, und Michael war auch einverstanden, dass ich diesen Beat für mein Album verwende.

rap.de: Gut, meine nächste Frage wäre damit auch fast schon beantwortet. In nächster Zeit wird es keine Zusammenarbeit mit den Jungs von Big Bud geben?

Robird Styles: Wenn man sich zufällig mal trifft, gibt man sich auch die Hand und man redet. Mit Michael Mic rede ich auch noch persönlich, aber natürlich seltener als früher. Musikalisch haben wir uns zu weit auseinander entwickelt. Da wird erstmal nichts mehr kommen.

rap.de: Zu deinem Album. Du hast im Vorfeld ja ein 12 Tracks starkes Mixtape zum freien Download ins Netz gestellt, welches du nebenbei aufgenommen hast. Wird das Album "Charterflug" in die gleiche Richtung gehen, oder einen komplett anderen Weg einschlagen?

Robird Styles: Auf jedenfall eine sehr gute Frage. Diese habe ich in anderen Interviews vermisst. Also dieses Mixtape ist jetzt nicht in diesem Exklusiv-Sinn zu verstehen. Es sind nicht die Songs, die es nicht aufs Album geschafft haben. Es war so in dieser Selbstfindungsphase, nach dem ersten Album. So ein Album ist ja immer eine Art innere Reinigung, man hat alles gesagt, was man zusagen hatte. Ich habe versucht den Spagat hinzukriegen, zwischen meinem neuen Sound und dem Sound meines ersten Albums "Uhrwerk Des Zorns". Dabei sind ein paar gute Songs, aber auch ein paar nicht so gelungene Tracks entstanden. So ist dieses Mixtape auch zu verstehen. Es entstand in einer Phase, in der ich nicht zu 100% mit meinen Songs zufrieden war. Es ist einfach ein Sammelwerk dieser Songs. Man hört es ja auch. Dieses Werk diente nur dazu, die Wartezeit auf mein Album zu verkürzen. Der Sound von "Charterflug" ist komplett anders. Dieses Mixtape ist noch für die Leute, die den "Uhrwerk Des Zorns"-Sound cool fanden. Es sind auch mehr nachdenkliche Songs, im Gegensatz zu meinem Album, wo ich wirklich auf Entertainment gesetzt habe. Spaßige Punchlines und geile Beats waren eher das Konzept des Albums. Dieses Freedownload-Mixtape ist als gesammelte Skizze zu verstehen, damit die Leute was zu hören haben. Es ist weder qualitativ noch inhaltlich mit dem Album zu vergleichen.


rap.de: Was hat es mit diesem Zusatztitel auf sich? "Der Coole Von Der Schule" legt ja Paralellen zu anderen Künstlern, wie Bass Sultan Hengzt. War das Absicht?

Robird Styles: Dieser Zusatztitel war mehr so ein Geistesblitz von uns Beiden (Julian von Jubeko und Robird, Anm . d. Red ), und für mich einfach der Untertitel für das Album.

Man kann es auf jedenfall als Leitmotiv bezeichnen, was mein Künstlermotiv umreißt. Es hat nicht viel mit dem "Charterflug"-Album zutun. Dieses Motiv blickt noch weiter in die Zukunft, sozusagen eine Vorschau auf meine kommenden Releases. Meine Persönlichkeit, also "Der Coole Von Der Schule" soll später mehr eingebracht werden. Also die Paralellen zu anderen Künstlern sind rein zufällig. Der Satz war cool und beschreibt meine gesamte schulische Laufbahn. Ich war nie einer der ekelhaften Streber, aber habe für mich eingesehen, dass es sinnlos ist, meine Zukunft wegzuwerfen, nur weil ich keinen Bock auf Lehrer hatte. Ich habe versucht sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Aber wie es oft so ist, ich habe viel Schule geschwänzt, viel gekifft und hatte immer Beef mit Lehrern und viele Tadel kassiert. Aber zu den Klausuren war ich immer da, und hab mich auch angestrengt. So habe ich auch mein 1er Abi hingelegt. Ich habe dann erst später mitbekommen, dass Hengzt dieses "Der Coole Von Der Schule" sagt, was ich aber nicht schlimm finde. Ich glaube, dass wir das Gleiche meinen, aber ganz anders an die Sache rangehen.


rap.de: Features? Was kann in dieser Richtung auf deiner Platte erwarten?

Robird Styles: Ich wollte mein Album nicht mit Features vollpacken. Das heißt, ich wollte in erster Linie mich, auf meinem Solo-Album representen, und habe dadurch Features aus meinem näheren Umfeld gewählt. Dabei habe ich darauf geachtet, dass sie mit meinem Style vergleichbar sind. Also Taichi ist dabei – ihn kenne ich schon länger, und musikalisch sind wir auf einer Länge. Kobra is drauf, denn ich habe "JetSet" von High Society einfach gefeiert. Diese unglaubliche Ignoranz hat Kobra einfach sehr gut rüber gebracht. Sentino durfte nicht fehlen, da ich ihn schon Jahre kenne und ihn für einen der geilsten Rapper Deutschlands halte. Und von den Punchlines geht er natürlich auch in eine ähnliche Richtung. Smoke durfte alls Labelpartner nicht fehlen – sein Sound unterscheidet sich zwar am Meisten, im Vergleich zu den anderen Features, aber das bringt für mich auch mehr Facetten in mein Album und auf dem Song, mit uns Beiden harmonieren wir sehr gut. Dann gab es noch einen, der wenigen persönlichen Tracks auf dem Album, wo ich halt über die Liebe zu meiner Freundin rappe, dafür wollten wir uns halt eine Sängerin suchen, die diese sehnsüchtige Unschuld vermittelt. Und Vanessa S. war dafür, die erste Wahl. Sie hat eine sehr gute Stimme, aber nicht diesen krassen Soul, sondern noch so einen poppigen Touch in der Stimme. Sie fand den Song auch von Anfang an cool.

rap.de: Zwei Features von deinem Album stechen einem natrülich sofort ins Auge: Der mit DSDS Vanessa S. und S.A.S – die Dipset Eurogang. Könntest du auf diese Features etwas näher eingehen?


Robird Styles: Wie gesagt, mit Vanessa war es die Arbeit sehr harmonisch und problemlos. Sie ist ein nette und sehr kooperative Person. Julian (Management von Jubeko Anm. der Red.) hat eine Mail an ihr Management geschickt, mit dem Song als Anhang, den Vanessa von Anfang an cool fand. Wir haben ihr als Pre-Mix den Song mit einer anderen Sängerin geschickt, sie hat daraufhin sofort zugesagt. Wir trafen uns dann wenig später im Studio von Djorkaeff (Produzent von Jubeko Anm. d Red.) und haben den Song aufgenommen. Mit S.A.S lief es eigentlich ähnlich ab. Wir hatten eine Mail geschrieben, mit einer Featureanfrage, und es kam ein sehr attraktives Angebot zurück, was kaum über die Kostendeckung hinaus ging. Sie meinten halt, dass ich Skills habe und fanden es cool, haben es gefühlt. Verstanden haben sie aber natürlich kaum was. Ein Song, den wir recorded haben, wollen sie auch auf ihr nächstes Mixtape drauf packen, was für mich natürlich eine große Ehre ist. Die Jungs meinten halt, dass die Hörer in England durchaus auch für anderen Sound offen sind. Ich war natürlich extrem aufgeregt, da ich diese Jungs schon länger feiere. Für mich ist dieses Signing eines der wertvollsten von Dipset, seit langem und wenn ich ehrlich bin, hätte ich dieses Feature fast jedem anderen Dipset-Feature vorgezogen – bis auf Cam´ron, den ich auch unfassbar finde. Aber S.A.S hätte ich auf jeden Fall auch Juelz Santana vorgezogen. Andere würden ihn vorziehen, weil er im Moment einfach mehr Fame hat, in Deutschland, aber das war für mich nicht die Überlegung. Wir sind sehr cool mit den Jungs. Und es wird in Zukunft noch mehr Kollabos geben.

rap.de: Die Beats auf deinem Album sind, bis auf ein paar Ausnahmen (DJ Proof, Djorkaeff, Micheal Mic), alle von Yanek produziert, was schätzt du an seiner Arbeit?

Robird Styles: Ein sehr sachlicher Grund ist, dass mein Album eine gerade Linie haben sollte. Yanek ist in der Lage sehr vielseitig zu produzieren, aber trotzdem seinen Sound zu behalten. Also man erkennt seine Produktionen wieder. Ähnlich wie Kanye West, auch wenn ein Beat völlig anders klingt von ihm, wirst du sofort erkennen, dass der Beat von ihm ist. Diese Art durchzieht ja auch meine Laufbahn. Mein erstes Album wurde fast ausschließlich von Michael Mic produziert, da ich mich damals sehr gut mit seinen Sachen identifizieren konnte, und jetzt transportiert Yanek am besten diese Stimmung des Albums. Es hat sich sehr schnell eine freundschaftliche Basis mit ihm entwickelt. Er wusste genau, was ich will und so war es fast wie ein blinde Zusammenarbeit – er hatte immer ein Beat, der genau gepasst hat, zu dem was ich gerade machen wollte. Deswegen kam die Überlegung auch gar nicht auf, sonst wo hin zu gehen. Es hat einfach alles geklappt und so konnten wir auch in einem halben Jahr 30 Songs recorden.

rap.de: Wie wird es in der näheren Zukunft weitergehen? Ist eine Tour oder ein Video zu "Charterflug" geplant? Und wie sieht es mit weiteren Releases aus?

Robird Styles: Natürlich gibt es weitere Releases – eine weitere Platte ist fest eingeplant. Nach diesem Album wird wenige Monate später ein weiteres Album folgen. Viele Songs sind auch schon fertig, es wird also nicht so lange dauern. Circa 11Songs sind recorded, und 17-18 sollen es wieder werden. Es fehlen noch ein paar Features. Mal kucken wen man dafür bekommt. S.A.S. wird natürlich wieder dabei sein, dann wird es wahrschienlich gegen Ende des Jahres ein Kollabo-Album geben, mit einem befreundeten Künstler. Da will ich aber erstmal noch nicht zuviel sagen. Es wird keine unfassbare Überrasschung sein, aber das Album wird auf jedenfall ein Brett werden. Auf den weiteren Teile der Memories-Reihe, von Jubeko, werde ich vertreten sein. Ich werde auch jede Menge Features auf Samplern, Mixtapes usw.. geben. Aber zuerst konzentriere ich mich auf die eigenen Sachen.


rap.de: Wenn ein Video geplant wäre, welchen Song würdest du aus deinem Album, für dieses Video wählen?

Robird Styles: Es wird eine Menge Videos von mir geben, dieses Jahr. Einige Internetvideos, es wird zu dem S.A.S Song eine kleine London-Doku geben. Einfach Robird Styles in London. Wir waren zwar nur 2 Tage da, haben aber sehr viele Impressionen von dort mitgenommen. Und der Song mit den S.A.S Diplomats wird auch in diese Doku eingebettet sein. Es wird ein Videosnippet geben und ein Internetvideo, "Alles Ist Vorbei",  mit Taichi und Kobra kann man ja bereits runterladen. Für die Sendestationen wird es auch ein Video geben – das wird der Song mit Vanessa S. sein. Es ist ein sehr cooler Song und ich denke, die Songs mit Gesang kommen bei den Leuten am besten an, natürlich auch, weil es eine Thematik ist, mit der sich jeder identifizieren kann. Ich hoffe damit Hörer zu erreichen, die halt nicht nur die Juice lesen oder auf rap.de gehen. Ganz normale Kids, die halt auch diese Erfahrung mit der Liebe machen.

rap.de: Wie sieht es bei dir privat aus: Hat Rap deine gesamte Freizeit in Anspruch genommen oder sind dir andere Sachen noch wichtiger?

Robird Styles: Viel auf jeden Fall, aber um ein ausgewogener Künstler zu sein, und um etwas zu erzählen zu haben, muss man sich auch mit anderen Sachen beschäftigen. Ich studiere Psychologie, habe eine Freundin, die ich sehr liebe und natürlich sind da noch meine Eltern. Also… man spielt halt verschiedene Rollen im Leben. Meine Famile ist mir sehr wichtig, meine Freunde, die mit Rap nix zutun haben sind wichtig, die Uni ist wichtig. Aber es ist schon so, dass Musik in letzter Zeit sehr viel Raum eingenommen hat. Musik ist das, was ich am liebsten mache, und was ich am besten kann. Es gibt halt immer Phasen in denen Rap mehr in den Vordergrund gerät, und dann wieder Phasen, z.B. nach einem Album, wo man sich wieder auf andere Sachen  besinnt. Erstmal wieder zu Kräften kommen muss, um neue Gedanken zu fassen, und über dies und jenes nachdenkt, wie, was man als nächstes machen will. Im Moment wäre das halt viel Studioarbeit, Videodrehs in Deutschland und in London, Interviews geben, was auch immer. Was ich aber alles sehr gerne mache. Ich verstehe solche Künstler nicht, die ihre Musik machen, aber mit dem ganzen Drumherum, nichts zu tun haben wollen.

rap.de: Du hast es schon angesprochen, dass du Psychologie studierst. Wo siehst du dich in 10 Jahren? Als Therapeut in einer Klinik, oder willst du weiter auf der musikalischen Ebene arbeiten?

Robird Styles: Naja, ich studiere Psychologie aus ganz anderen Gründen. Ich bin kein krasser Idealist, ich werde auf keinen Fall in die klinische Psychologie gehen, dafür bin ich viel zu sensibel, das geht mir einfach zu nah. Ne, viele wollen ja Therapeut werden, und es ist unter Kommilitonen, also Mitstudenten, ja auch krass verachetet, wenn man gar nicht in die therapeutische Richtung gehen will. Aber ich hab mehr Bock etwas in der Richtung Werbepsychologie zu machen. Diese Sache werde ich auch definitiv weiterverfolgen – es sei denn, dass ich musikalisch so ausrasten werde, dass dafür keine Zeit bleibt und ich wirklich meinen Lebensunterhalt damit gut bezahlen kann. Das Studium leitet schon jetzt darunter, dass ich soviel Musik mache. In 10 Jahren will ich also entweder Multimillionär als Rapper (lacht) sein, oder Werbepsychologe in der Medienbranche. Aber Rap wird immer ein Teil meines Lebens bleiben. Klar.


rap.de: Willst du den rap.de-Lesern sonst noch etwas auf den Weg geben?

Robird Styles: Auf jeden Fall dran bleiben. 2006 wird viel rauskommen. Robird Styles wird auf vielen Releases zu hören sein. Die London-Berlin-Achse wird weiter ausgebaut. Ich hoffe einen neuen Wind nach Deutschland zu bringen, auch wenn viele Leute sagen, dass ich eine Richtung einschlage, die es schon gibt, bin ich der Meinung, dass das so nicht der Fall ist. Ich habe mich letztens mit einem befreundeten Künstler unterhalten und er brachte den MatissePicasso-Vergleich – also nur Leute, die keine Ahnung haben verwechseln Matisse mit Picasso. Je ferner man differenziert, desto mehr merkt man, dass jeder Künstler seine eigene Ader und sein eigenes Lebensgefühl vermittelt. Und ich denke schon, dass Robird Styles für Deutschland eine Bereicherung ist.

 

Martin Jondo

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Nach Jahren musikalischer Präsenz als Support von Gentleman und der Veröffentlichung diverser Tunes ist soeben Martin Jondos EP "Are You Really Waiting" veröffentlicht worden, in Kürze gefolgt von dem am 30.6. erscheinenden Debütalbum. "Echo & Smoke" – so der Titel des Longplayers – hat sich auf jeden Fall den oft benutzten, doch selten zutreffenden Titel "lang erwartet" verdient. Und das Warten hat sich gelohnt! Auf den folgenden Seiten erklärt der Sohn einer koreanischen Mutter und eines deutschen Vaters, warum es so schwierig ist auf Deutsch schön zu singen, woher Rastas ihre Dreadlocks haben und warum er eine Zeit lang nichts mit der Reggaeszene zu tun haben wollte.

rap.de: Hallo, erzähl doch bitte erstmal für die Leser von rap.de, die dich vielleicht nicht so gut kennen, wer du bist und was du machst.

Martin Jondo: Ich bin Martin Jondo und ich mache Reggaemusik. Ich habe mit Gitarrespielen angefangen, bin irgendwann auf Reggae gekommen und das hat mich total gecatcht. Irgendwann habe ich begonnen, selbst Musik zu machen und das ist dann immer größer geworden, so mit 18/19 Jahren habe ich mir die ersten Geräte gekauft, dann das erste Keyboard mit einem 16-Spur Sequencer. Bin total drauf abgefahren, dass man da Schlagzeug so billig einspielen kann und so was alles. Dann ist das immer größer geworden und jetzt ist es so, dass ich ein Album fertig habe, einen Produzenten habe, ein Label und ein Management habe.

rap.de: Du hast es gerade schon erwähnt, man hört es auch in jedem deiner Songs, dass Reggae dich gecatcht hat, dass du wirklich addictet bist. Mit welchem Song hat alles für dich angefangen? 

Martin Jondo: Das war "Under Me Sleng Teng". Das war ganz witzig, da war ich so 14, 15 und hatte null Perspektive. Ich habe auf jeden Fall echt derbe Probleme gehabt irgendwie was zu finden, womit ich mich identifizieren kann. Mit meinen Kumpels war alles cool, aber ansonsten, mit dem Rest der Schule, mit den Leuten, die sind immer krass rassistisch zu mir gewesen. Ich habe halt nie einen Punkt gehabt wo ich gesagt habe "Da fühle ich mich Zuhause". Und dann meinte ein Kumpel zu mir „Ach komm, lass mal jetzt hier Drogen schlucken“, und ich meinte „Na gut, ich habe nichts zu verlieren …“

rap.de: "Drogen" heißt? 

Martin Jondo: LSD wollte er nehmen. Einen Tag bevor wir das gemacht haben sind wir bei einem anderen Kumpel gewesen, der hatte ältere Brüder die viele Reggaeplatten hatten. Dann hat der eine aufgelegt und das Lied "Under Me Sleng Teng" kam. Das war das erste, was er aufgelegt hat, und ich habe sofort den Text verstanden. Wie der Typ singt, er nimmt kein Koks, weil das ihn kaputtmacht und verrückt macht, und er raucht keine Zigaretten, weil das Scheiße ist. Alles was er macht ist Gras rauchen. Das haben wir da ja auch schon gemacht, in der Zeit, als Jugendliche. Und dann war das für mich so "Bamm!", krass. Ich habe witzigerweise sofort verstanden, was der gesagt hat, in einer Sekunde ist das Ganze so ins Rollen gekommen, und danach war es für mich total klar. Dann habe ich mir Bücher geholt, die Musik angehört, mir Platten überspielt, und halt wirklich intensiv zugehört, was die Leute zu sagen haben. Besonders die Roots-Leute, wie Peter Tosh mit "Bushdoctor", die halt richtig in die Tiefe gegangen sind, auch von der Philosophie her. Und damit habe ich auf jeden Fall mein Rettungsboot gefunden. Da habe ich mich extrem viel mit auseinandergesetzt und bin dann auch dabei geblieben. 

rap.de: Du machst seit vielen Jahren Musik, du hast vor ungefähr 6 Jahren deinen ersten Song auf den "Elemental" Riddim professionell aufgenommen, hast aber bis heute relativ wenig veröffentlicht. Eine 7", eine handvoll Samplerbeiträge, eine EP und erst jetzt kommt dein Album. Was hat dich so lange von dem Gang ins Studio abgehalten? 

Martin Jondo: Das war schon immer so. Als ich mit Reggae damals angefangen habe war klar, dass es RootsReggae, ConsciousReggae war der mich erwischt hatte, und das ist, finde ich, noch etwas anderes. Da geht´s nicht nur darum, Musik zu machen, sondern es geht um eine Lebenseinstellung. Es war für mich damals nicht wichtig, sofort eine Platte raus zu bringen oder berühmt zu werden oder sonstiges, sondern es war wichtig eine Lebenseinstellung zu finden und diese zu leben. Ich habe immer lange gewartet, mir war es nie wichtig berühmt zu sein oder jetzt hier Killergeld zu machen oder groß zu sein, sondern mir geht´s wirklich um die Sache an sich. Da wollte ich mir wirklich Zeit für lassen, wollte keinen Schnellschuss raushauen. Aber das ist natürlich auch schwer, ich musste viel Geduld haben. Zwischendurch hat man das Gefühl "Ahh, jetzt will ich schnell was machen" und dann dauert es dann doch wieder länger. Es ist aber eine gute Lehre gewesen. Es war auch schwierig für mich, jemanden zu finden, mit dem ich Musik machen wollte. Ich wollte die Musik selber machen, ich wollte das ganze in der Hand halten. Und eben nicht irgendwelche Musiker haben, die irgendwelche Riddims für mich einspielen, ich wollte die Lieder wirklich selbst schreiben. Das hat einfach seine Zeit gedauert und jetzt mit meinem Produzenten Kraans de Lutin sehr gut geklappt.

rap.de: Du hast inzwischen auch eine Band gefunden mit der du dauerhaft zusammen spielen willst. Wie habt ihr euch kennen gelernt?  

Martin Jondo: Den Keyboarder kenne ich noch von damals von der Far East Band von Gentleman. Der Drummer und der Gitarrist sind von der alten Mellow Mark Band. Der Bassist ist auch hier aus Berlin. Uwe, der Drummer, wollte unbedingt mit mir spielen, weil er auch die Drums auf der Albumproduktion eingespielt hat. Er wollte aber auch eine neue Band für sich haben, eine Riddim-Band, eine Backingband. Das haben wir jetzt halt aufgezogen und es läuft richtig gut gerade. Also auch sehr viel Glück gehabt, weil das ist immer das nächste Ding: Man hat immer viele Möglichkeiten mit irgendwelchen Leuten Musik zu machen, aber für mich ist das etwas sehr persönliches. An meinem Tisch sollen nur die Leute sitzen dürfen, die ich wirklich mag und die ich auch wirklich respektiere. Das ist sehr schwierig, man lernt immer Leute kennen die gut Gitarre spielen, das ist natürlich cool aber vielleicht ist er gar nicht der richtige um auch mit ihm zu reisen. Da habe ich Glück gehabt, dass das jetzt alles so auf einmal passt, dass die hier in Berlin sind, das ist richtig perfekt.

rap.de: Du hast es eben schon einmal kurz angesprochen: Du und die Reggaeszene, das scheint ein schwieriges Thema zu sein. Du wirst von der Presse ja auch oft als der deutsche Nachwuchskünstler gefeiert, aber siehst du dich selbst als Teil der deutschen Reggaeszene oder siehst du dich irgendwo ein Stück weit daneben? 

Martin Jondo: Na ja, ich bin hier in Deuschland und so gesehen bin ich auch ein Teil der deutschen Reggaeszene. Da muss man dann fragen, was versteht man unter „deutscher Reggaeszene“? Versteht man darunter nur deutsch singend oder auch einfach nur aus Deutschland stammend? Wenn es darum geht, dann bin ich natürlich ein deutscher Reggaeartist, aber das was ich mache ist international. Auch das, was ich damals bekommen habe, von der Musik aus Jamaika, war international. Das waren Themen, die die Welt damals, natürlich auch extrem Jamaika und Afrika, beschäftigt haben. Es gibt viele Künstler die wirklich auch über die Welt geredet haben. Von daher würde ich selbst mich auch eher als internationalen Reggaesänger bezeichnen, weil auch meine Inhalte eher die Welt betreffen als ein Land. Ich habe zwar diese Lieder, „Der Rebell“ und „Wunderlampe“, gemacht, das sind ja auch die ersten Sachen gewesen, die dann so mehr in die Öffentlichkeit gekommen sind. Vorher habe ich nur englische Sachen gemacht und habe dann irgendwann angefangen auch deutsche Sachen zu machen. Aber ich habe auch recht schnell gemerkt, dass das Deutsche mir nicht so recht zusagt und das es sehr schwer ist, in Deutsch schön zu singen … Es gibt ein paar Leute, die sind richtig gut, aber es gibt auch viele deutsche Sänger und Sängerinnen wo ich sagen muss, das klingt einfach nicht so gut. Ich höre zum Beispiel auch französischen HipHop supergerne, das ist einfach Killer. Das ist zwar eine Sprache, die ich kaum verstehe, ich habe noch so ein bisschen „Restefranzösisch“ aus der Schule, aber wenn ich das höre, habe ich sofort Bilder und gute Gefühle. Deutsch ist eine schwierige Sprache, da muss man wirklich ein Profi sein, alleine schon das Wort „Deutssssssssssssch“, das zu singen ist einfach schwierig. Und ich habe auch gemerkt, dass ich dahin gehen muss wo ich herkomme, ich bin mit englischer Musik aufgewachsen und es ist auch meine Ambition auf Englisch Musik zu machen. Es ist cool wenn man als deutscher Artist deutsch singt und dann ist es auch lokal, hier für Deutschland, richtig gut. Aber wenn man Musik macht und internationale Themen hat und international spricht, dann sollte man auch eine Sprache wählen, die möglichst viele verstehen, weil es sonst einfach ungerecht wird. So weiß ich, dass die Leute in Korea, die Leute in Afrika, auf Jamaika, aus Amerika mich verstehen können.

rap.de: Mal von der Sprache abgesehen sind auch deine Texte im Vergleich mit denen anderer deutscher Artists wesentlich rootsiger, spiritueller geprägt. Worin wurzelt diese Spiritualität? 

Martin Jondo: Das wurzelt echt in dem Reggae, und im dem Bewusstsein dass wir haben. Wir waren damals so 14, 15 Jahre alt und es ist gemeinsam entstanden. Ich habe so 7, 8 gute Freunde, das sind richtig meine Brüder geworden. Wir sind gemeinsam nach Frankreich getrampt und haben da in den Pyrenäen gelebt, in den Bergen. Und anstatt auf Partys zu gehen sind wir im jugendlichen Alter draußen am "Streifen" gewesen, das ist ein Naturgebiet – da, wo die Mauer damals war. Das ist halt totale Natur da. Da haben wir Lagerfeuer gemacht, Djembé [aus Westafrika stammende Trommel, Anm. d. Red.] und Didgeridoo gespielt und uns mit anderen Sachen auseinandergesetzt, Geschichten erzählt, Bücher gelesen. Das war extrem für uns, weil wir auch in der Schule immer die Gruppe waren, die abseits stand von den ganzen Leuten, weil wir uns spirituell interessiert haben, und die anderen halt nicht. Für die waren Partys und Mädchen und Make-Up und so ein Zeugs wichtig, für uns war halt etwas anderes wichtig. In "Gringo" singe ich auch, dass ich in der Bibel lese, im Koran lese, in der Bhagavad Gita [eine zentrale Schrift des Hinduismus, Anm. d. Red.] lese und das war für uns auch die Grundlage. Wir wollten wissen was der Anfang ist, was das Ende ist und wo wir hingehören. Wir haben uns damit oft auseinandergesetzt. Besonders mein bester Freund hat extrem viel gelesen und wir haben viel darüber geredet und geforscht und überlegt. Zum Beispiel über Jesus, was war das für ein Typ? Für uns war irgendwann klar, dass das ein Sadhu [Hinduistischer Mönch, Anm. d. Red.] war.

Oder warum haben die Rastas auf Jamaika eigentlich ihre Dreadlocks und warum rauchen die Gras? Und da war für uns ganz klar, das kommt nicht von Haile Selassie oder von ihrem Reggaetum oder so. In Afrika selbst ist Gras rauchen ja oft total verpönt, kaum einer trägt Dreadlocks in Afrika. Aber Auf Jamaika waren Afrikaner, Chinesen und vor allem auch Inder, da gab es auch viele Sadhus, die diese Dreadlocks hatten und Haschisch in ihrem Shillum geraucht haben. Da sehen wir diese ganzen Parallelen, wie diese ganzen Kulturen ineinander wirken und sich voneinander bedienen und einander geben. Wir haben einfach viele Bücher gelesen und ich glaube das machen nicht so viele Leute. Wenn ich auf Reggaepartys gehe und sehe, bei welchen Songs die Leute die Arme hochreißen. Wenn so Sachen kommen wie "Kill em all, kill em all", "Sag einmal, dass die dem nicht einen bläst", und ich denke mir immer nur (verzweifelt): "Ach, oh Gott, Alter, wenn ihr wüsstet, was die da sagen, ihr würdet euch wirklich schämen, ihr würdet euch wirklich schämen dafür, dass ihr dazu tanzt!" Aber darüber kann ich ja nicht richten, das werden die eines Tages lernen. Haben sie jetzt ja auch, die meisten verstehen immerhin die schwulenfeindlichen Texte. Und jetzt meckern sie alle, weil sie heute zum ersten Mal auf die Texte hören. Wo ich einfach sagen muss: Hey, das ist ein ganz schöner Diss an die ganzen Reggaeartists, dass ihr euch einen Scheißdreck für die Texte interessiert und einfach immer nur mitmacht. Immer nur Grün-Gelb-Rot und Rasta und Müsli fressen, alles super, aber überhaupt nicht in die Tiefe gehen. Und das war halt unser Aspekt, dass wir zumindest versucht haben, in die Tiefe gehen. Bei jeder Musikrichtung, auch bei HipHop, da hast du die, die damit angefangen haben, für die das wirklich ihr Lebensgefühl war und dann hast du die, die jetzt aufspringen und mitmachen und nicht wirklich wissen worum es mal ging. Das ist natürlich immer ein schwieriges Thema.  

rap.de: Das Video zu deiner Single "Are You Really Waiting" läuft jetzt auf MTV, das ist ein ein gewaltiger Schritt in Richtung Mainstream, für Reggae allgemein, aber auch für dich persönlich. Bist du glücklich über diese Entwicklung? 

Martin Jondo: Na klar, mir bringt das auf jeden Fall was und das bringt, hoffe ich, auch der Szene was. Zumindest würde ich glücklich sein, wenn ich es könnte. Das ist für mich auch ein Aspekt, warum ich Musik mache und warum ich es auch gut finde, dass Leute wie Sean Paul gezeigt werden. Die sind zwar viel mehr Dancehall, was es natürlich dem Roots-Sänger viel schwerer macht, auf den Markt zu kommen, aber immerhin wird dieser Dancehall gespielt. Und die Jugendlichen, die jetzt auf die Partys gehen, die lesen oder erfahren so vielleicht mehr über Jamaika, wenn sie ein bisschen älter geworden sind. So öffnet sich das ganze, über so einen Typen der Dancehall macht, kommen die Jugendlichen dann auch wieder zu den Roots. Sonst würden die da vielleicht überhaupt nicht hinkommen. Im Mainstream sehe ich aber auch ein Problem: Ich glaube, dass man den Jugendlichen wirklich alles stecken kann, was man will. Und wenn man jetzt einfach nur noch Countrymusik spielen würde und denen klarmacht dass das jetzt der neue Hype ist, würden alle im Countryoutfit rumlaufen. Insofern bin ich extrem glücklich, dass ich mit meiner Musik, handgemachter Musik aus dem Herzen, da rein darf.

rap.de: Aber du hast keine Angst vor einem "Sellout"? Viele Leute schreien ja schnell, dass Reggae wieder klein werden muss, zurück in die Szene und auf die Dances gehört, und eben nicht auf Viva und MTV 

Martin Jondo: Es ist ja die Frage, was es bedeutet. Es holt ja die Leute auf die Dances. Die Videos von Gentleman haben auch Nicht-Reggae-Publikum dahingeholt, die sich jetzt dafür geöffnet haben, und ich glaube damit hat er einen extrem großen Schritt gemacht. Das könnte eine Dancehallparty niemals leisten. Gerade wenn du von Dancehallparties sprichst muss ich sagen: Die Parties, die wirklich gut sind, die sind ja meistens so klein und so versteckt, da findest du dann auch wirklich die Szene. Ich finde es aber eigentlich besser wenn die Menschheit miteinander kommuniziert und nicht alle nur auf ihrem eigenen Acker hinter ihrer Mauer sitzen und sagen "Bis hier und nicht weiter". Ich finde das schon ganz gut dass sich das alles ein wenig öffnet. Es ist ja auch eher die Frage, was danach passiert. Also nicht jetzt, mit den ersten Videos und allem, sondern was es in 10 Jahren gebracht hat. Ich würde das eher als einen Langzeiteffekt betrachten als so kurzfristig zu sagen "Die Reggaeszene ist jetzt gerade Mainstream". Wer wird ein Fundament hinterlassen? Bei Gentleman war ja auch irgendwann die Gefahr, dass es jetzt auf einmal riesig groß wird und danach wieder abflacht. Das ist aber nicht passiert, weil er seine Leute wirklich catcht mit der Sache, er gewinnt die Leute dazu die davon dann überzeugt sind. Und das ist ja was Besonderes. Und da sehe ich dann schon, dass das einen Langzeiteffekt gehabt hat und insofern würde ich da keine Angst vor einem Sellout haben.

rap.de: Das Bob Marley dein großes Musikalisches und auch spirituelles Vorbild ist, ist kein Geheimnis. Mal von Bob abgesehen, mit welchem Artist, lebend oder tot, würdest du gerne mal eine Show performen? 

Martin Jondo: Ich habe ja schon viele von den ganzen Roots-Artists gesehen, als ich mit Gentleman unterwegs war … Bei Burning Spear mal mit auf der Bühne stehen zu dürfen, das wäre extrem. Das wäre das Oberste für mich, der ist wie ein Großvater für mich. Wir waren noch so jung, da hat der das schon gemacht. Wir haben die Bilder von ihm gesehen wo er noch so ganz kurze Dreadlocks hatte, bei Interviews in Jamaica. Wir haben das richtig aufgesogen und diese Videos immer wieder angeguckt. Das ist für mich ein großer Mann, bei solchen Leuten bekomme ich richtig Gänsehaut, da würde ich das Gefühl haben ich bin gerade gestorben und direkt danach wieder neu geboren worden. Und dann gibt es natürlich Musiker, mit denen ich auch gerne was machen würde. Wyclef Jean, der hat natürlich auch viel poppiges gemacht, aber den halte ich musikalisch für einen großen Typen. Der hat damals echt gute Texte gehabt und gute, rootsige Sachen gemacht. Das ist jetzt natürlich ein Riesenartist, an den man nicht rankommen würde, aber das würde mir auf jeden Fall gefallen, mit dem mal was zu machen. Oder Tracy Chapman, das wäre eine große Ehre.

rap.de: Du bist auch ohne Album schon recht viel getourt, jetzt ist dein Album da – geht´s wieder auf Tour? 

Martin Jondo: Ja, wir hoffen das alles klappt mit der Tour, die für den Herbst geplant ist. Dann sind wir von September bis Oktober komplett auf Deutschland-Tour. Wir haben auch ein paar Dates in Österreich, und auch in der Schweiz. Da freue ich mich auch drauf. Das ist die erste Headliner-Tour, jetzt geht’s los (lacht).

rap.de: Mit wem wirst du unterwegs sein?

Martin Jondo: Mit den "Ruffcats", so heißt meine Band. Außerdem denken wir auch noch über einen Support nach, da müssen wir mal gucken ob wir jemanden finden. Da ist noch nichts konkret.

rap.de: Gibt es noch etwas, was du den Lesern von rap.de mitgeben möchtest? 

Martin Jondo: Ich finde auf jeden Fall wichtig dass Menschen sich gegenseitig achten, respektieren. Das man aufmerksam ist, dass man mitbekommt was in der Welt geschieht. Und das man eben nicht immer nur für sich mit seinen Scheuklappen alles umrennt, sondern dass man hochguckt, den anderen Menschen registriert, die ganzen Geschöpfe und alles. Und mehr Respekt und Demut zeigt, auch der Erde gegenüber.

rap.de: Vielen Dank für dieses Gespräch.

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