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Sido – Ich

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Sido, was hast du dir nur wieder dabei gedacht? Was hast du dir nur dabei gedacht, so lange von der Bildschirmfläche zu verschwinden, dich voll und ganz auf deine Arbeit zu konzentrieren, die Leute warten zu lassen, alle gespannt auf das Produkt zu machen, um im Anschluss mit einem neuen Album wieder für Furore zu sorgen? Viel, sehr viel sogar, das muss man dem Mann mit der Maske lassen. 2004 erschien sein erstes Album mit dem prägnanten Titel „Maske“. Ein unerwarteter Riesenerfolg, nicht zuletzt aufgrund der unvergesslichen Single „Mein Block“. Über 180 000 Exemplare gingen über die Ladentheke, Goldstatus nach wenigen Wochen, Aggro Berlin befand sich auf dem Vormarsch. Sido bekam viel Liebe von seinen Fans, allerdings ließ der Hass nicht lange auf sich warten. „Er ist momentan der umstrittenste Rapper, viele mögen ihn, viele hassen ihn…“, Stefan Raab brachte die Sache perfekt auf den Punkt, daher ist die Aussage des Entertainers auch im Intro von „Goldjunge“, ein Song auf dem neuen Album „Ich“, zu hören. Der Maskenmann hatte etwas Mysteriöses. Auf der einen Seite hatte man den Eindruck einen Vollidioten ohne Gewissen ertragen zu müssen, auf der anderen Seite bemerkte man seine Ironie, schloss den selbsternannten Proll und Proleten irgendwie doch in sein Herz. Ich persönlich hatte nie an seiner Intelligenz gezweifelt. Mir war bewusst, irgendwann wird Sido auch über seine Gefühle sprechen und persönliche Geschichten preisgeben. Es war alles nur eine Frage der Zeit, mit seinem neuen Longplayer „Ich“, der als Normalversion und Premium Edition erscheint, setzt der Lieblingsrapper ein Zeichen.

"Ich“ ist nicht so amüsant und witzig wie „Maske“, dafür aber tiefsinniger, qualitativ hochwertiger, anspruchsvoller und durchdachter. Mit der ersten Single „Straßenjunge“ meldete sich Sido offiziell zu Wort. Das Lied erinnert stark an die Hitsingle „Mein Block“, nicht zuletzt wegen dem Video, das zur Single gedreht wurde. „Ich bin kein Gangster, kein Killer und kein Dieb, ich bin nur ein Junge von der Straße. (…) Wenn ich ein Gangster wär, wärt ihr schon alle tot.“ Endlich bringt er einen wichtigen Sachverhalt auf den Punkt und spricht eine, wie ich finde, absolute Wahrheit aus. Man muss kein Gangster sein, um einen Fick zu geben und das zu machen, worauf man Lust hat. Man muss kein Gangster sein, um sich vor den Leuten zu profilieren und sich Respekt zu verschaffen. Man muss kein Gangster sein, um Musik zu machen, die nun mal nicht gerade an die Fantastischen 4 oder Fettes Brot erinnert. Jeder hat seinen eigenen Musikgeschmack und kann diesen auch repräsentieren, ohne sich gleich als Gangster darzustellen.

„Maske“ war einmal, „Ich“ steht für die Gegenwart. Es ist ein Album mit vielen Facetten. Es gibt typische Sido-Songs wie das schon angesprochene „Goldjunge“, „Ficken“ und „A.I.D.S. 2007“. Gute Songs, aber nicht gerade ein unvergessliches Hörerlebnis, obwohl B-Tight auf „A.I.D.S. 2007“ seinen besten Rap-Part überhaupt zum Besten gibt. Solche Songs ist der Hörer gewohnt, aber immer den gleichen Kuchen es ist auf Dauer auch nicht so bekömmlich. Daher hat sich Sido etwas einfallen lassen, gleich mehrere Torten für seine Hörer gebacken. „Ein Teil von mir“, was ist das für ein Song? Ein Song für seinen Sohn, da steckt Herzblut drin, das merkt man mit jeder Sekunde. „Ich bin so stolz auf dich, ich geh nie wieder weg/ Ich bin jetzt da für dich, ich mach meinen Fehler wieder wett…“. Welcher Fehler? CD kaufen, anhören, nachdenken.

„1000 Fragen“ kann man ebenso getrost als originell bezeichnen: „Warum gibt es europaweit noch Zöllner, warum ist Wowereit kein Kölner?“, mal sehen woher Sido seine Antworten bekommt. Weitere Highlights sind „Ich kiff nicht mehr“, „GZSZ“ und „Mein Testament“. Ein Testament mit 26? Intelligent, aber irgendwie auch traurig. Sido hat sein ganzes Leben noch vor sich, da braucht man in meinen Augen noch nicht an den Tod zu denken. Er hat es getan, das Ergebnis ist makellos, genau so wie ein Großteil der Produktionen, die auf das Konto von Paul NZA, DJ Desue, Roe Beardie und Tai Jason gehen. Feature-Gäste gibt es dafür umso mehr. Fler, B-Tight, Kitty Kat, G-Hot, Pierre von Seeed, Alpa, Tony D und Massiv. Das Feature mit Letzterem ist in meinen Augen ein Schwachpunkt der Platte. Kurzgefasst, ich finde den Rap-Part von Massiv richtig mies. Auf der Premium Edition findet man den Song „Get ya paper“ mit Smiff-N-Wessum. Hätte man die Songs nicht einfach tauschen können? Massiv kackt richtig ab gegen die Jungs von der Boot Camp Clik. Mit dem Ami-Feature hat sich Sido einen Traum erfüllt, leider werden nur die Käufer der schon erwähnten Premium Edition in den Genuss dieses Leckerbissens kommen. Dafür bekommt jedermann Comedy vom Feinsten geboten. Das Stichwort „Sarah“ dürfte diesbezüglich genügen.

Abgerundet kann man sagen, Sido hat sein Ziel erreicht. Er meldet sich eindrucksvoll zurück, einige Kritiker werden in naher Zukunft verstummen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Young Buck flippt aus!

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G Unit und The Game kann man wahrhaftig nicht mehr als enge Freunde bezeichen. Letzte Woche überschritt diese Rivalität allerdings eine gewisse Grenze. Was ein Song vom Erzfeind alles bewirken kann, das bekam der DJ von Lil Jon  knallhart zu spüren. Im Vorfeld eines Konzertes von Young Buck lies DJ Will den Song "It’s okay" von The Game laufen. Young Buck fasste dies als Provokation auf und rastete aus. Angeblich ging er sofort auf DJ Will los, der sich jedoch erfolgreich wehrte. Schließlich kamen Young Buck noch weitere Leute zur Hilfe, um sich für die angebliche Provkation zu rächen.
Radiostationen in Atlanta wollen Young Buck in Zukunft boykottieren, auch die Zusammenarbeit zwischen Lil Jon und der G Unit ist in Gefahr. Darüber wird sich 50 Cent ganz bestimmt nicht freuen.

680.000 in einer Woche

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Auch wenn Jay-Z`s neustes Werk "Kingdom come" in den Foren und Redaktionen kontrovers diskutiert wird, scheint das seinen Verkaufszahlen in Amerika nicht geschadet zu haben. 680.000 Mal ging das gute Stück die erste Woche über den Tisch und ist damit das meistverkaufte Rap-Album dieses Jahres in der ersten Woche. "The album was flying off the shelves, man", formulierte es ein amerikanischer Angestellter treffenderweise.
Für die Spitze aller verkauften Alben in der ersten Woche hat es damit leider für Jay-Z nicht gereicht. Dort mußte er sich hinter Rascal Flatt und dem Timberlake mit Platz drei zufriedengeben. Er wird es verschmerzen können.

EMC – Europa-Tour

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Gestern startete die Europa-Tour von EMC in Berlin. Richtig gehört! Masta Ace ist wieder zurück, mit neuer Crew in alter Stärke. Vor einigen Monate wurde die Formation um Masta Ace, Stricklin, Wordsworth und Punchline ins Leben gerufen. Zum Tour-Auftakt gab es aber erst einmal eine unerfreuliche Nachricht für das Berliner Publikum. Punchline verpasste seinen Flug von New York nach Berlin, daher wird er erst heute in Zagreb sein Können unter Beweis stellen können. Das Konzert war dennoch ein voller Erfolg. Klassiker von Masta Ace wie "Beautiful" oder "Take A Walk" liesen die Herzen aller Fans höher schlagen. Auch das neue Material von EMC wurde präsentiert, es kann sich sehen lassen!
Weitere Details wollen wir an dieser Stelle allerdings nicht verraten. In Kürze erscheint ein ausführliches Interview mit Masta Ace und EMC. Was steckt hinter EMC? Was denkt Masta Ace über Deutschland? Wollte er eigentlich nicht seine Karriere beenden?

Wir haben die Antworten…

Europa-Tour

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All die Jahre mal wieder. Wenn das vor Weihnachen mal keine guten Nachrichten sind. P.Diddy und Snoop Doog bescheren uns im März 2007 mit einer gemeinsamen Tour. Und das nicht nur in einer Stadt:

14.03.2007: Berlin
15.03.2007: Stuttgart
16.03.2007: Hamburg
17.03.2007: Frankfurt
18.03.2007: München
23.03.2007: Düsseldorf

Karten gibt es ab heute, den 1.12.2006 an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Also, wenn das kein schönes Weihnachtsgeschenk ist!

Eko

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Im vergangenen Jahr hatte Eko die Aufmerksamkeit der Medien, Fans, Hater etc auf seiner Seite wie kein Zweiter. Da wurde polarisiert, was das Zeug hielt. Thesen wurden aufgestellt und widerlegt. Es wurde geschimpft, wie sonst nur unter Rohrspatzen üblich, dann wieder gelobt, dann gedisst, wieder gelobt, gebattelt… Großes Verbal-Attacken-Kino in der ersten Hälfte von 2005 – und alle machten mit.

Ein Jahr später blicken wir noch mal zurück: Ist Eko nun zu jung, um sich so weit aus dem Fenster zu lehnen, wie er es vor vier Mal hundert Tagen, nach Ansicht einiger, nicht gerade weniger Leute getan hat? Hat er sich mit seinen diversen, mal mehr mal weniger exklusiven „Abrechnungen“ wirklich so viel mehr im Ton vergriffen, als es vor ihm schon Andere getan haben – und sicherlich nach ihm auch noch Einige tun werden? Oder ist das eine Frages des Alters? Gab es den besagten Einbruch nach dem Höhenflug? War da überhaupt schon ein Höhenflug? Oder kommt der erst noch? Geht da überhaupt noch mehr, als die Story von Dritten ficken? Leben totgesagt wirklich länger? Kommt da noch was? Weißte wie ich mein´?  

Aber lasst uns nach vorn blicken, denn wie ich höre, kommt noch was. Ein zweites Solo-Album nämlich, und nach eigenen Aussagen Eko´s sogar schon recht bald. „Ich habe gerade etwas für den Ersguterjunge-Sampler gemacht, das sollten sich die Leute anhören! Ansonsten werde ich dieses Jahr mein Solo-Album veröffentlichen. Ich versuche es Anfang des Jahres, oder zumindest im ersten Quartal fertig zu haben.“ Und damit ist es 2006 an Eko selbst sich erneut der Opposition, aber auch der Fan-Base gegenüber zu beweisen. Ausgeteilt hat er – eingesteckt ebenso. Die Zeit arbeitet just noch für ihn – weiter im Text.      

rap.de: Ich finde unser Zusammentreffen heute recht interessant – aus folgendem Grund: Als wir uns vor mehr als zwei Jahren das erste Mal getroffen haben – du hattest gerade „Ich Bin Jung Und Brauche Das Geld“ heraus gebracht -, standest du quasi am Anfang deiner Karriere. Ich habe rückblickend das Gefühl, dass du da noch ein völlig anderer Typ warst, als du es heute bist. Als ich dich dann Anfang 2005 wiederum gesprochen habe, warst du schon komplett verändert, fast schon aggressiv. In Videos, die von dir im Netz kursierten kam dies auch ziemlich hervor, wenn nicht sogar stärker, als vor einem Jahr, und erst recht mehr als vor zwei Jahren. Ich habe mich dahin gehend gefragt, ob dir die letzten zwei Jahre vielleicht manchmal wie ein stetiger Rush vorkommen, durch den du einfach nur durchgerannt bist, ohne auch nur im Entferntesten in der Nähe von einem Steuerknüppel gewesen zu sein, und links, rechts mitgenommen hast, was halt so kam?

Eko: Ich weiß genau, was du meinst. Und das mag auch so sein, dass einem das so auffällt. Ich kann dir das ganz leicht erklären. Ich bin in diese ganze Sache geraten, direkt nach der Schule – ich habe ja auch die Schule dafür abgebrochen. Ich hatte direkt einen Majordeal, aber was viele einfach nicht gesehen haben, ist, dass ich ein ganz normaler Jugendlicher war. Man sieht das wohl immer mit einer gewissen Distanz, wenn man das dann durch das Fernsehen mitbekommt, aber im Endeffekt war ich ein ganz normaler Jugendlicher, wie jeder andere auch. Die Deutschrap-Hörer, oder die Leute, die sich dafür interessieren, haben sozusagen, von meiner Jugend bis ich erwachsen geworden bin, alles mitverfolgt, wie du eben auch. Ich habe mich natürlich weiterentwickelt, menschlich – und auch was Rap betrifft. Trotzdem: Ja, ich habe viele Momente gehabt, wo ich einfach ziellos weitergemacht habe. Das war eine verrückte Zeit für mich, in der ich wirklich viel erlebt habe.  

Sido

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Kurz vor Veröffentlichung des langerwarteten, zweiten Albums "ICH" des Aggro Vorzeigerappers Sido, trafen wir ihn ein Stockwerk über uns im Aggro Berlin-Büro, um mit ihm über sein neues Album, sein Buch und über die Konkurrenz zu sprechen.

rap.de: Irgendwann bist du an dem Punkt angekommen, an dem du eingesehen hast, dass das Textliche eine größere Rolle als die Technik in deinen Songs spielte. Nun bemerkt man schon beim ersten Hören eine enorme Steigerung. Hast du bewusst trainiert?

Sido: Die Sache mit der Technik war mir früher überhaupt nicht wichtig. Double-Time, Triple-Time, das alles hat mich schlichtweg nicht interessiert und daher habe ich auch keinen großen Wert darauf gelegt. Ich persönlich habe die Auffassung, dass bei den Rappern, die sich damals vollkommen auf das Technische konzentrierten, das Textliche extrem darunter gelitten hat. Natürlich haben diese Leute super gerappt, aber inhaltlich konnten diese Leute mir einfach nichts sagen. Vor dem Release von „Maske“ konnte niemand einschätzen wie viele Leute meine Platte kaufen würden. Keine Person konnte damit rechnen, dass es einen solchen Hype um dieses Album und meine Person geben würde, deshalb wollte ich einfach meine Musik machen, ohne mich voll und ganz auf die Technik zu fokussieren. Heute hören mich viele Leute, gleichzeitig erwartet man also viel mehr von mir und meiner Musik. Dem war ich mir bewusst, also habe ich es nun besser gemacht, aber üben musste ich dafür keineswegs.


 

rap.de: DJ Desue und Fler galten vor einigen Monaten als das neue Dream Team. Würdest du dasselbe auch von dir und Paul NZA behaupten?

Sido: Paul NZA und ich sind das übelste Dream Team überhaupt. Bei vielen Produzenten entscheidet man sich für einen Beat von einer Beat-CD und macht dann das Beste aus dem Instrumental. Bei ihm und mir sieht die Sache völlig anders aus. Wir sitzen zusammen, ich überlege mir ein Thema, Paul baut mir umgehend den passenden Beat dazu. Sein Beats sind immer perfekt und komplett fertig, generell müssen keinerlei Feinheiten oder Kleinigkeiten geändert werden. Er gibt mir den perfekten Beat, und zwar genau so wie ich ihn brauche.

rap.de: Ist diese Art und Weise der Zusammenarbeit die Optimallösung für die Produktion deiner Musik?

Sido: Bei nachdenklichen und persönlichen Geschichten ist es auf jeden Fall die Optimallösung. Der Beat wird dem Thema angepasst, dadurch erspart man sich sehr viel Zeit. Natürlich kann es vorkommen, dass sich auf einer x-beliebigen Beat-CD das passende Instrumental befindet, dann ist das aber eher ein Zufall. Für „ICH“ habe ich mir so viele Instrumentals angehört, ich kann nicht einmal eine konkrete Anzahl nennen. Für mich persönlich ist es einfacher, wenn mir Paul NZA genau den Beat gibt, den ich in dem Moment brauche. Bei der anderen Art von Songs spielt dieses gewisse Feeling eine weniger entscheidende Rolle. Dann kommt es darauf an, welcher Beat am härtesten knallt und die perfekte Stimmung übermittelt.

rap.de: Hattest du einen konkreten Plan für dein neues Album? Ist die Platte ein Zufallsprodukt oder das Ergebnis exakt so wie du es dir vorgestellt hattest?

Sido: Ich gehe nie ins Studio ohne vorher zu wissen, was ich da genau will. Ich begebe mich nie dorthin und sauge mir irgendeine Idee aus den Fingern. Nur wenn ich einen konkreten Plan habe, dann bin ich sofort vor Ort. Die ganze Themen und Ideen für das neue Album trug ich schon eine ganze Weile mit mir herum. Das war auch Grund dafür, warum ich mit Paul NZA nach Ibiza geflogen bin, um dort 2 Wochen konzentriert zu arbeiten. Dort haben wir ein Studio gemietet und in der besagten Zeit 11 Songs aufgenommen. Keine schlechte Ausbeute, wie ich empfinde.

 

rap.de: Nur ganz wenige Personen haben die Entstehung der Platte mitverfolgen können. Wie hat dein Label und dein Umfeld auf die Lieder nach dem ersten Hören reagiert?

Sido: Die einzige Person, die von Aggro Berlin immer auf dem neuesten Stand war, sogar die Studiosession auf Ibiza hautnah mitverfolgen konnte, war Specter. Er gibt mir auch sehr viel Inspiration für meine Musik. Wir machten zusammen ein Brainstorming und diskutierten über alle Dinge, die noch gesagt werden mussten. So entstehen dann auch neue Ideen und Themen für meine Songs, dafür bin ich Specter als Ratgeber sehr dankbar. Abgesehen von ihm wusste niemand von Aggro über die Entstehung und Entwicklung von „ICH“ bescheid. Alpa war immer auf dem Laufenden, da ich während der Produktionsphase andauernd meine Musik im Auto höre. Massiv, Bass Sultan Hengzt, Harri und auch Olli Banjo kannten ein paar Songs. Alle waren wirklich begeistert, sogar Olli Banjo hat mich für den Flow und Technik gelobt. Wenn Olli so etwas sagt, dann hat das schon was zu bedeuten (lacht).

rap.de: Auf deiner Platte befinden sich nachdenkliche Songs wie zum Beispiel „Ein Teil Von Mir“. War dies ein bewusster Schritt, um die Medien- und Rapszene von deiner Vielseitigkeit zu überzeugen?

Sido: Ich will an dieser Stelle nochmals eine Sache betonen. Ich mache nichts aus Berechung! Zumindest nicht was die Musik angeht, Business ist eine andere Sache. Bei der Musik höre ich einzig und allein auf mein Herz. „Straßenjunge“ ist ganz von allein entstanden, für mich war das ein ganz normaler Song. Erst Aggro Berlin hat daraus die erste Single gemacht, da sie perfekt zum Marketing und den sonstigen Begebenheiten passt. Musik ist meine Sache, das Business machen Specter und Aggro. Die Musik mache ich, einfach weil sie vom Herzen kommt.

rap.de: In den nächsten Wochen wird es dich bestimmt wieder bei TV Total oder Wetten Dass… zu sehen geben. Hältst du es für möglich, dass du nun auf Grund von diversen Songs anders wahrgenommen wirst und es zu ernsthaften Gesprächen kommen wird?

Sido: TV Total ist eine lustige Sendung, da redet man über amüsante und lustige Dinge. Wenn ich bei Stefan Raab sitze, dann werde ich mich sicher nicht über depressive Themen unterhalten. Wäre ich bei Sandra Maischberger eingeladen, könnten die nachdenklichen Themen zum Thema werden. Inzwischen bin ich einfach schon so professionell, dass ich genau weiß, was ich wann und so sagen kann bzw. muss.

rap.de: In dem Song „Goldjunge“ schießt du eindeutig in Richtung Bozz Music, speziell gegen Azad. Warum der erneute Diss?

Sido: Ich habe Azad noch nie wirklich gedisst, lediglich einmal erwähnt. Er hingegen redet sie ganze Zeit von mir und lässt irgendwelche Sprüche ab. Jetzt habe auch mich geäußert, allerdings ist das in meinen Augen kein richtiger Diss…

rap.de: …„jetzt ist er Game Over, er hat es eingesehen, wenn man nichts kann, sollte man nicht am Zeiger drehen!“

Sido: Ok, das ist aber kein Diss, das ist die Wahrheit (lacht). Ich musste das einfach sagen, aber das ist auch nur kurz & bündig, keine ernste Sache. Deswegen soll jetzt auch kein Beef vom Zaun brechen, es hat mich einfach in den Fingern gekitzelt, diesen Satz zu schreiben. Aber wer sich das Album genau anhört, der wird bemerken, dass ich jede Person erwähne, die in der Vergangenheit über mich geredet hat.

 

rap.de: Auf deinem Album befindet sich ein sehr interessantes Feature. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Smiff-N-Wessun?

Sido: Smiff-N-Wessun war mein absolutes Traum-Feature und das nicht aus dem Grund, weil ich ein Ami-Feature auf dem Album haben wollte, denn das Feature gibt es auch nur auf der Premium-Edition zu hören. Ich wollte mir selbst einen Kindheitswunsch erfüllen. B-Tight und ich hören Duck Down schon seit unserer Jugend. Schön einen kiffen und dann Duck Down hören, egal welcher Künstler und egal welches Lied. Eigentlich stehe ich ein bisschen eher auf Buckshot, aber Smiff-N-Wessun sind der Shit. Ich denke auch, dass dieses Feature für jede Menge Gesprächsstoff sorgen wird. Viele werden sich über den Song freuen, andere werden sich ärgern und sich fragen „Warum gerade er?“. Auch wenn es nicht teuer war, die beiden sind einfach Legenden. Einen Tag vorm Splash haben wir die Jungs einfliegen lassen, den Song haben wir dann bei uns im Studio geschrieben und aufgenommen.

rap.de: Wolltest du mit diesem Feature ein Zeichen setzen?

Sido: Nein, absolut nicht. Ich mache keine Musik, damit andere Leute irgendetwas davon halten. Ich wollte Smiff-N-Wessun auf meinem Album haben, ich wollte Smiff-N-Wessun bei mir im Studio haben, genau darum haben wir das Feature gemacht.

rap.de: Wäre eine Zusammenarbeit mit Buckshot auch möglich gewesen?

Sido: Smiff-N-Wessun waren so oder so in Deutschland, darum haben wir die gleich abgegriffen und die Zusammenarbeit unter Dach und Fach gebracht. Buckshot wäre sicher auch möglich gewesen. Teuer sind die ganzen Leute auch nicht mehr.

rap.de: Harri ist nicht auf der Platte vertreten. Kannst du uns etwas über die Gründe erzählen?

Sido: Harri ist auf der Platte, allerdings auch nur auf der Premium-Edition. Wir haben sogar zwei Songs zusammen gemacht, allerdings hat es nur ein Song auf die Premium-Edition geschafft. Für das eigentliche Album waren die Songs zu schwach, da gab es einfach heißere Joints.

rap.de: Wie viele Lieder hat du denn insgesamt für das Album gemacht?

Sido: Ungefähr 50 Stück. Wir hatten also eine größere Auswahl.

rap.de: Am 24.11 erschien deine erste Single „Straßenjunge“. Bist du mit der Wahl der Single zufrieden? Wie ist die bisherige Resonanz auf die Single und das Video?

Sido: Die Leute feiern das und betrachten den Song als eine legitime Fortsetzung von „Mein Block“. Man sieht wieder die Häuser und die gleiche Stimmung wird in gewisser Weise aufs Neue übermittelt. Manche Leute denken zwar noch, dass wir noch Material vom „Mein Block“-Video mit in die Produktion haben einfließen lassen, doch es wurde tatsächlich alles neu gedreht. Allgemein bin ich mit der Resonanz sehr zufrieden. Auch was ich von der Straße mitbekomme, macht mich sehr stolz, weil ich mich in deren Augen so gebe, wie ich bin, und keinen auf Gangster mache. Wie gesagt, Sido ist ein Straßenjunge, das finden die gut.

 

rap.de: Kannst du schon etwas zur zweiten Single sagen?

Sido: Es gibt ein paar heiße Kandidaten, aber eine Entscheidung haben wir noch nicht getroffen.

rap.de: Am 1.12.06 wird dein Album veröffentlicht. Die Konkurrenz ist zu diesem Zeitpunkt sehr groß. In welcher Position siehst du dich?

Sido: Den neuen Labelsampler von Ersguterjunge betrachte ich weniger als Konkurrenz. US 5, Juli, Silbermond, Xavier Naidoo,Take That sind die wirkliche Konkurrenz. Egal ob diese Künstler am selben Tag erscheinen, manche Leute sind nur schwer aus den Top Ten zu verdrängen. Nickelback, Eminem, diese Leute haben ihren Platz in den oberen Regionen sicher. Ich persönlich bin nicht traurig, falls es nicht direkt in die Top Ten gehen sollte. Ich weiß, dass wir viele Platten verkaufen werden, insgesamt gibt es schon knapp 100.000 Vorbestellungen und das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Ich sehe das Ganze also sehr optimistisch. Vielleicht knacken wir dieses Mal die 200000, aber ich will nicht allzu große Töne spucken.

rap.de: 100.000 Vorbestellungen, dann seid ihr praktisch vor Release schon Gold gegangen?

Sido: Tendenziell ist dieser Fall sehr realistisch. Wir werden sehen, was sich in den nächsten Tagen noch ändern wird, spätestens in 2 Wochen wissen wir dann in jedem Falle bescheid.

rap.de: Vor zwei Wochen wurde im Aggro Berlin Büro eingebrochen. Verdächtigst du irgendwelche Künstler aus der Szene, die etwas mit dem Vorfall zu tun haben könnten?

Sido: Natürlich haben wir einen Verdacht, allerdings keinen Spezifischen. Ich verdächtige die Konkurrenz, eine Crew oder einen Rapper, genauer genommen aus Berlin. Die Angelegenheit wird sich aber nur schwer aufklären lassen. Jedenfalls ist vieles unklar und sehr kompliziert. Natürlich wollten die Leute an die CD oder das Master kommen, aber warum wurde nicht wirklich randaliert oder uns aus den Tisch gekackt? Wir wissen es nicht, das ist eine heikle Geschichte.

rap.de: Durch diesen Vorfall bekamst du durch die Medien sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Glaubst du, dass der Einbruch in gewisser Weise etwas zur Promo von „ICH“ beigetragen hat?

Sido: Dieser Einbruch war der Jackpot für mich. Dieser Opfer haben sich doch ins eigene Fleisch geschnitten. Sie haben nicht, was sie wollten, uns hat es nicht geschadet und dazu habe ich noch diese ultimative Promo. Die Medien sind aufmerksam auf den Vorfall geworden, ich konnte vor laufenden Kameras Promo für mein Album machen, besser geht es nicht. Nicht mal einen Cent hat uns diese Promo gekostet, das war natürlich ein absoluter Glücksgriff. Auf der anderen Seite wurde uns vorgeworfen, alles sei von uns inszeniert. Dazu kann ich nur eines sagen. Hätten wir das alles inszeniert, dann hätten wir das eine Woche vor dem Releasedatum gemacht, dann wäre die Werbung noch effektiver gewesen.

rap.de: Warum wirst du dein Buch „Ich Will Mein Lied Zurück“ auf den Markt bringen, obwohl es dort nach deiner Aussage nichts „Spektakuläres“ zu lesen gibt?

Sido: Da der Leser trotzdem etwas über meine Person erfahren wird. Das Buch handelt von meiner Kindheit, der Entstehung von Aggro Berlin, sogar ein Interview mit Staiger von Royal Bunker gibt es zu lesen. Es hat einen leichten biographischen Ansatz, allerdings ist es keine richtige Biographie. Die Leute können sich schon auf das Buch freuen, allerdings werden sie nicht erfahren, was ich über Verona Feldbusch’s Schamhaare denke (lacht). Es gibt Kinderfotos von mir, Backstage-Reporte von der Bravo Super Show, meine Mutter hat über mich geredet und es enthält Berichte über das Gerichtsurteil, welches zum Verbot von „Endlich Wochenende“ führte. Darum heißt das Buch auch, „Ich Will Mein Lied Zurück“.

 

rap.de: Welches Ziel verfolgst du mit der Veröffentlichung des Buches?

Sido: Bücher verkaufen (lacht). Mit dem Verkauf von CDs kann man das nicht vergleichen. In Deutschland bist du mit 5000 verkauften Büchern in der Spiegel Topsellerliste in den Top 5. Ich rechne schon mit mehr als 5000 Büchern, wir verkaufen auch mehr als 5000 T-Shirts. In meinen Augen ist dieses Buch ein besonderer Merchandise-Artikel. Für einen echten Fan ein absolutes Muss.

rap.de: Weltweit geht die Anzahl der Leser von Büchern stetig zurück. Glaubst du deine jungen Fans bevorzugen eher den Fernseher, um sich von Informationen über deine Person berieseln zu lassen, oder werden sie sich das Buch kaufen und sich Mühe geben es zu lesen?

Sido: Viele werden sich die Bilder anschauen und ein paar Zeilen lesen. Ich denke auch, dass viele Fans ihre Sammlung erweitern wollen und daher nicht auf das Buch verzichten können. Auf jeden Fall wird der Fall eintreten, dass manche Menschen ihre Meinung über mich ändern wenn sie bestimmte Dinge über mich und meine Person erfahren. Garantiert wird sich ein geringer Prozentsatz mein Buch kaufen, weil sie es fälschlicherweise mit meiner Biographie, die ich irgendwann veröffentlichen will, verwechseln. 

rap.de: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für das Album und die Zukunft!

Jay-Z – Kingdome Come

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Wir erinnern uns an das Jahr 2003: Jay-Z spielt sein Abschlusskonzert im legendären Madison Square Garden in New York City. Das restlos ausverkaufte Konzert, welches unter dem Motto „Fade To Black“ lief, überwältigte jeden Rap-Fan und machte Jay-Z zur lebenden Legende. Zwei Wochen zuvor erschien sein letztes Album mit dem prägnanten Titel „The Black Album“. Obwohl das Album erst wenige Tage erhältlich war, brannten sich die Lyrics des Ausnahme-Rappers in die Seelen der Fans. „Encore“, „What More Can I Say?“, „Best Of Both Worlds“, „Dead Presidents“ und viele andere Klassiker wurden zum Besten gegeben. Eine große Ära ging zu Ende, im Grunde genommen ein sehr trauriger Moment für den HipHop, eigentlich hätte man Jay-Z noch viele Jahren als Helden angesehen, der die Fahne jederzeit hochhält. Jay-Z gab jedoch seinen Rücktritt bekannt und wollte sich auf seine Arbeit als CEO bei Def Jam und all seine weiteren Business-Projekte konzentrieren. Und was ist jetzt?

Wir schreiben das Jahr 2006, drei Jahre nach dem Rücktritt von Jigga, und es soll sein Jahr werden. Seit Monaten war „Kingdome Come“ den Leuten ein Begriff, nun ist aus dem Begriff ein weiteres Solo-Album geworden. So schnell kann es gehen, aber eigentlich war es jeder Person bewusst. Jay-Z kann es nicht lassen, H.O.V.A wird sich zurück melden, einzig und allein über die Qualität seines neuen Produktes wurde heftig gestritten. Jedermann erwartete beinahe unmenschliches von Sean Carter. „The Blueprint“, „The Dynasty“ und „The Black Album“.in einem, am Besten noch besser, noch durchdachter und noch unglaublicher. Nun halte auch ich die CD in meinen Händen, eventuell die CD des Jahres.

14 Tracks umfasst das Gesamtwerk. Produziert haben Kanye West, Just Blaze, Neptunes, Swizz Beatz, B-Money, Syience, DJ Khalil, Chris Martin& Chris Simpson, dazu der legendäre Dr.Dre. Auch die Feature-Gäste können sich sehen lassen. Da wäre zum Beispiel Beyoncé, Usher, Pharrell, John Legend und Ne-Yo, aber auch Chris Martin von Coldplay gab sich die Ehre, um Jay-Z bei seinem Comeback den Rücken zu stärken.

„Ich dachte eigentlich, dass ich meine Karriere beendet hätte, aber meine Leidenschaft hatte wohl andere Pläne für mich. (…) Ich kann’s kaum abwarten, bis ihr alle das komplette Album zu hören bekommt!“ Bei diesen Worten erwartet man Unmögliches. Und ich muss offen gestehen, anfangs hat mich das Album wirklich enttäuscht.

Beim ersten Hören wirkt alles etwas gelangweilt und unfertig, je öfter man die Lieder auf sich wirken lässt, desto schneller ändert man auch seine Meinung. „Oh My God“, ein unglaublicher Banger, erinnert stark an „1-900-Hustler“, den ersten Song, den Just Blaze für Jay-Z produzierte. Seit dieser Zusammenarbeit sind die beiden unzertrennlich. Auch für den Titeltrack „Kingdome Come“ steuerte Just Blaze das Instrumental bei. Hierbei wurde „Superfreak“ von Rick James als Sample verwendet. Ein gelungener Song, genauso wie „Do U Wanna Ride“ mit John Legend. „Anything“, „Dig A Whole“ und „Lost One“ kann man einfach nicht ankreiden, allgemein gibt es keinen richtig schwachen Song, der dem Hörer ein Dorn im Auge sein wird. „Hollywood“ mit Beyoncé ist nicht gerade ein sensationeller Song, allerdings immer noch besser als viele Songs der Konkurrenz. So komme ich zu einem komplexeren Urteil. Das Gesamtprodukt stimmt, aber irgendwie stört mich doch irgendetwas. Jeder sollte sich die Platte zu Herzen nehmen, die Werke von Dr.Dre bestaunen und sein eigenes Urteil fällen. „Kingdome Come“ ist ein wirklich gutes Album, gemäß der hohen Erwartung allerdings nicht das Erwartete. Vielleicht sollte man Jay-Z als Menschen, nicht als Übermenschen und gottesähnliche Gestalt betrachten. Unmögliches kann man möglich machen, Jigga hat seine Arbeit getan, dennoch kann man das Album unmöglich als etwas Unmögliches bezeichnen.

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