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Megaloh kündigt „Auf ewig 3“ an

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Megaloh wird einen dritten Teil seiner Mixtape-Reihe „Auf ewig“ veröffentlichen. Das kündigt der Berliner auf Twitter an.

Mit Ghanaian Stallion bei Busy im Studio, „Auf ewig 3“ mixen“ erklärt er dort.

Daraus lässt sich ableiten, dass das Mixtape bereits fertig aufgenommen ist und nur noch gemischt werden muss. Mit einer baldigen Veröffentlichung ist also zu rechnen.

Der erste Teil „Auf ewig“ war im Februar 2013 erschienen, im August desselben Jahres erschien der Nachfolger. Das Motto war in beiden Fällen „Classic Beats – neue Raps“ – oder konkreter: Megaloh rappte über Beats von Deutschrap-Klassikern von u.a. den Beginnern, Creutzfeld & Jakob, Curse oder Azad.

Rap und Islam #2: Tim Pickartz über die Nation of Islam, Antizionismus u.a.

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Spätestens seitdem Denis Cuspert aka Deso Dogg das Rappen aufgab und sich dem IS in Syrien anschloss, wurde das Thema „Rap und Islam“ breit medial diskutiert. Häufig wurde dabei suggeriert, es gäbe einen kausalen Zusammenhang zwischen Rapmusik und Islamismus. Wer in der Debatte meistens nicht zu Wort kam, war die Szene selbst. Äußert sich doch mal jemand, wünscht man sich meist, er hätte es lieber gelassen. Greifen Rapmedien die Thematik auf, kommen Salafisten, Graue Wölfe und DITIB-Mitglieder unwidersprochen zu Wort. Unsere Interviewreihe „Rap und Islam“ will sich dem Thema differenzierter nähern: Verschiedene Gesprächspartner mit unterschiedlichen Zugängen zu beiden Themen kommen zu Wort. Dabei sind Dr. Abdel-Hakim Ourghi, Marcus Staiger, Lady Scar, Tim Pickartz, Ralf Fischer und B-Lash.

Heute: Tim Pickartz, früher selbst Rapper, heute Betreuer des Jugendclubs „Courage“ und Mitglied der Linksjugend [’solid] Oberhausen.

Die HipHop-Kultur und der Islam weisen von Beginn an Koinzidenzen auf. Welche Rolle spielte der Islam in den 80er/90er Jahren im US-amerikanischen HipHop?

Vorab: Wir müssen einige Begriffe klären, das wäre mir schon sehr wichtig. Es gibt nicht „DEN“ Islam. Es gibt sehr viele verschiedene Islamverständnisse und Auslegungen. Ob es nun Sunniten, Shiiten, Ahmadiyya oder eben eine Nation of Islam in den USA ist, die Unterschiede sind teilweise gravierend.

Welche Auslegung des Islams war denn in den USA zu der Zeit dominant?

Die Nation of Islam. Ihre Ideologie gab vielen farbigen Rappern in den USA die Möglichkeit ihrer alltäglichen rassistischen Diskriminierung ein sogenanntes gottgewolltes Programm entgegenzusetzen. Rassismus und die schwarze Gegenbewegung konnten so als eine Art apokalyptischer Kampf begriffen werden, der einem Plan folgt. Dieser Plan mag auf den ersten Blick erstmal unbedeutend für Außenstehende sein, doch wie in Deutschland in der salafistischen Szene, gibt es natürlich auch in den USA Menschen, die „sinnsuchend“ sind und die nicht alles als Zufall hinnehmen wollen – schon gar nicht die systematische, jahrhundertelange Unterdrückung einer Volksgruppe. Der Übertritt zum islamischen Glauben wird zu einer politischen Botschaft und Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins entrechteter Menschen. Ein Zeichen gegen soziale Ausgrenzung.

Und wie sieht die Programmatik der Nation of Islam aus?

An sich könnte man die Nation of Islam dem sunnitischen Glauben zuordnen. Nach 1930 entwickelte sich dort in Kernfragen auch ein orthodoxes und dogmengebundenes Islamverständnis. Trotzdem muss man sagen: Wenn man Muslime aus Europa mit den Inhalten der Nation konfrontiert, stoßen diese eher auf Ablehnung und werden als sektenähnlich empfunden. So muss man klar feststellen, dass die Nation of Islam einem rassistischen Kernprinzip folgt: Der weiße Mensch sei das Ergebnis eines „bösen“ farbigen Wissenschaftlers namens Yacub, der auf einer griechischen Insel in einem Experiment verschiedene Rassen erzeugt hat. Dabei wird der weißen Rasse das Attribut „von Natur aus schlecht“ zugeschrieben. Wenn man sich solche Theorien anguckt, muss man schon zu der Erkentnis kommen, dass die Nation of Islam Rassismus mit Rassismus bekämpfen wollte.

Die Situation in den USA war und ist also nicht mit der europäischen oder deutschen Situation vergleichbar. Welche Rolle spielen denn die verschiedenen Islamverständnisse in der deutschen Rapszene?

Glücklicherweise kann man in Deutschland im sogenannten „Mainstream-Islamverständnis“ oftmals beobachten, dass Muslime so genau die Unterschiede zwischen Sunna, Shia und anderen Islamverständnissen oder Strömungen gar nicht kennen. Glücklicherweise sage ich deshalb, da sich viele Muslime daher erstmal „nur“ als Muslim sehen und hier keine Trennung vornehmen. Entscheidend ist, dass sich in der muslimischen Community in den letzten Jahrzehnten ein konservatives, teils orthodoxes, dogmengebundenes Islamverständnis bei vielen durchgesetzt hat, das besonders durch die islamischen Dachverbände und die dazugehörigen „Kultur-Cafes“ und Gemeinden gefördert wird. Ein Islamverständnis, das patriarchal, hierarchisch, teils anti freiheitlich-liberal und leider auch stark politisch, also islamistisch, fundiert ist.

Kurzum: Islam fungiert hier also weniger als Religion denn als Ideologie?

Wie gesagt: Es gibt nicht „DEN“ Islam. Leute, die von sich behaupten „den wahren“ Islam zu kennen, sind in der Regel die, die oftmals zu Extremisten werden, weil sie zwangsläufig ja die bekämpfen, die „den“ Islam nicht nach ihren Vorstellungen leben. Aber man kann sagen, dass ein konservatives Islamverständnis in Teilen der islamischen Community als „DER“ eine Islam verstanden wird. Und dieses konservative Islamverständnis ist leider eng verknüpft mit einer politischen Ideologie.

Lässt sich so auch erklären, dass sich diverse Rapper während des Gaza-Konfliktes im Sommer 2014 dazu berufen sahen, antisemitische Kommentare und Tweets loszulassen?

Es ist eine Erklärung von vielen. Das Problem des Islamismus, aber auch des Antisemitismus innerhalb großer Teile der islamischen Community, hat verschiedene Quellen und sollte niemals unabhängig von sozialen Fragen und der individuellen Biografie einer Person losgelöst gesehen werden. Aber wenn man Facebook-Seiten diverser Rapper mit muslimischen Background beobachtet, so stellt man nicht selten fest, dass eine antiisraelische Grundhaltung besteht, oftmals losgelöst von historischem Wissen rund um den Nahost Konflikt. Israel wird als Fremdkörper in einem islamischen Umfeld wahrgenommen, als Teil einer Verschwörung des Westens gegen die islamische Welt. Dabei taucht dann auch immer wieder die Begründung auf, dass man ja angeblich gegen Juden gar nichts habe, sondern nur den Zionismus verabscheue. Schaut man sich aber dann mal die Kommentare unter den Postings dieser Rapper an, wird ganz schnell klar, dass dort klassische antisemitische Stereotype vertreten werden. So kontrollieren Juden angeblich die Finanz- und Medienwelt. Gerade dieses Vorurteil kennt man ja aus Hitler-Deutschland. Und auch das sogenannte antizionistische Argument vieler Rapper hinkt so stark, da sie nicht selten auch Israel das Existenzrecht absprechen und auch nicht davor zurückschrecken, über eine Beseitigung des israelischen Staates zu Gunsten eines muslimisch-palästinensischen zu philosophieren. Dass hier der Übergang vom Antizionismus zum Antisemitismus fließend ist, ist einigen gar nicht bewusst, andere nehmen es wissentlich hin. Denn was passiert, wenn der Israel Staat aufgelöst werden würde? Dann wären sieben Millionen Juden in diesem Gebiet praktisch vogelfrei. Und denken diese Rapper wirklich, dass Hamas oder Hizbullah sich mit sieben Millionen Juden an einen Tisch setzen, um über einen humanitären Verbleib der Juden in Nahost zu verhandeln? Das ist schon arg blauäugig und weitergedacht auch gefährlich.

Auch um Haftbefehl gab es breite Debatten ob seiner „Rothschildtheorien“ und seiner Zeile „Ich vertick das Koks an die Juden von der Börse“. Ist der Antizionismus oder Antisemitismus das verbindende Element, das auch die verschiedenen Islaminterpretationen wieder auf einen Nenner bringt?

Es ist ein wichtiges Element in einem politischen Islamverständnis, das alle Auslegungen zu verbinden scheint. Wichtig ist hier anzumerken, dass der Nahost-Konflikt dem Islamismus die Möglichkeit gab, die radikalsten sunnitischen und shiitischen Gruppen zusammenzuführen. Nachdem sich die ägyptische Muslimbruderschaft (die Mutter-Organisation vieler moderner islamistischer Gruppierungen weltweit) im ersten arabisch-israelischen Krieg (1947-1949) beteiligt hat, gründete sie 1953 einen islamischen Kongress in Jerusalem, in dem alle Strömungen des Islam vertreten sind, die gegen Israel agieren wollten. Ladan Boroumand (Historikerin & Forschungsdirektorin am Abdorrahman Boroumand Stiftung zur Förderung der Menschenrechte und Demokratie im Iran) ist davon überzeugt, dass die Muslimbruderschaft Navvab Safavi (den Gründer der islamistischen Terrororganisation Fedāʾiyān-e Eslām) zu diesem Kongress einlud, welcher vor den islamischen Kongress in Jerusalem trat und gezielt die Fakten des Nahost Konfliktes verdrehte. Safavi beschreibt den palästinensischen Konflikt nicht nur als Konflikt der arabischen Länder, sondern vielmehr als globalen islamischen Konflikt, was sich nun auf die gesamte muslimische Gemeinschaft auswirkt. Seit dem geht es in diesem Konflikt nicht mehr nur um die schlechten Beziehungen der Nachbarstaaten in Nahost untereinander, sondern auch um Gotteslästerung. Denn wenn das Umfeld als islamisches Territorium angesehen wird, muss der Staat Israel als Fremdkörper bezeichnet werden. Dieser Fremdkörper stellte somit ein erhebliches Hindernis für die Muslimbruderschaft dar, die das Kalifat neu erschaffen wollten.

Und der Konflikt hat bis heute genug Symbolwirkung, als dass es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt – und das mitnichten nur in Israel. Vor dem Hintergrund der Kommentare und Tweets diverser Rapper warf der Österreicher Nazar ihnen vor, lediglich „Alibi-Moslems“ zu sein und ihren Glauben als Karriereschub zu nutzen. Handelt es sich wirklich nur um Facebookglauben oder doch manchmal schon um handfeste Wahnvorstellungen?

Ich denke, da kommt alles zusammen. Ich kann es verstehen, dass sich Menschen in unserem System von gewissen Werten verabschieden, wenn sie ihr Leben lang diskriminiert oder benachteiligt wurden. Auch die Heuchelei von Teilen der deutschen Politik ist schwer übersehbar, wenn man sich die guten wirtschaftlichen Beziehungen der Bundesrepublik zum Terrorstaat Saudi-Arabien anschaut. Unser Bildungssystem ist mangelhaft und es herrscht bis tief in die Mitte der Gesellschaft ein Rassimus gerade gegenüber Menschen aus türkischen, kurdischen, arabischen, persischen oder afrikanischen Gebieten und Ländern. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sich Menschen von radikalen Rattenfängern fangen lassen und ein antifreiheitlich-liberales und antiwestliches Denkmuster übernehmen. Das sind leider keine Einzelfälle. Und ja, unter diesen Menschen gibt es auch einige, die die Komponente „Islam“ als Verkaufsstrategie einsetzen.

Wobei islamistische Ideologie auch bedeutet, seine eigenen Freiheiten aufzugeben, zu denen in letzter Instanz auch die Rapmusik gehört. Wie geht das zusammen?

Da gibt es auch wieder verschiedene Auslegungen, von eher gemäßigten bis zu radikalen, die dann z.B. die Rapmusik verbieten. Widersprüche gehören da zum guten Ton. Ich denke aber, dass wir unser Augenmerk auch mehr auf den sogenannten „Mainstream“ legen sollten, statt nur auf Salafisten, bei denen so ziemlich jedem bekannt sein dürfte, dass wir es mit Extremisten zu tun haben, die in letzter Konsequenz auch vor Mord, Folter, Verstümmelung und Unterdrückung nicht zurückschrecken. Doch die Gefahr lauert noch ganz woanders. So sehen wir immer häufiger, dass einige Rapper mit muslimischen Background, inzwischen auch öffentlich und von Teilen der Rapmedien kritiklos hingenommen, Attentate und klar antifreiheitlich-liberale Denkmuster verteidigen oder relativieren. So konnte der Rapper Milonair noch vor kurzem in einem ausführlichen Backspin-Interview behaupten, dass die Charlie Hebdo Journalisten selber daran schuld gewesen seien, dass sie von islamistischen Fundamentalisten abgeschlachtet wurden. Frei nach dem Motto: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“. Das muss man sich mal vorstellen. Da setzt sich ein Rapper mit einem angesehenen HipHop-Magazin zusammen und rechtfertigt den Terroranschlag auf Menschen und der Interviewer widerspricht ihm mit keiner Silbe, ganz im Gegenteil, er nickt derartige Thesen noch ab. Das ist ein Skandal. Völlig unabhängig von der Bewertung dieser Karikaturen: Hier wird der terroristische Angriff auf zentrale Säulen der Demokratie und Menschenrechte, auf die Presse- und Meinungsfreiheit, als ganz normale Reaktion abgetan. Welche Signale sendet man damit an das Publikum?

Verweigert sich die Szene einer eigentlich notwendigen und längst überfälligen Diskussion?

Teilweise schon. Definitiv. Sie verweigert sich genauso wie große Teile der deutschen Politik einer notwendigen Diskussion. Wir behandeln Muslime wie Kuscheltiere, die man nicht kritisieren darf. Das ist umgedrehter Rassismus, wenn man viele Muslime als Menschen versteht, die ihren Background in der meist türkischen, kurdischen, arabischen oder persischen Welt haben.

 

Julian Williams feat. Marteria – Brände [Video]

Julian Williams, früher bekannt als J-Luv, hat nun die  Videoauskopplung zur Single „Brände“ veröffentlicht. Der Track stammt von Julians kommenden Album Vergessene Welt , dass am 5. August erscheint.

Haben blindes Verständnis / Uns intressiert das ganze Geld nicht /
Weichen aus dem Gefängnis, fang‘ an, wo alles endet

Im Song, nicht aber im Video, ist Marteria mit dabei. Dafür gibt es Gastauftritte von RAF Camora und Nico K.I.Z.. Diverse freizügig bekleidete Damen haben ebenfalls ihren Auftritt.

Hustensaft Jüngling – High wie der Moon [Audio]

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Hustensaft Jüngling macht es ähnlich wie die Migos Jungs. Wenn er Drogen nimmt, geht er allerdings nicht zum Mond – er fühlt sich direkt selbst wie der Himmelskörper. Auf dem Instrumental von Migos‚ „Cocoon“ performt das junge GUDG-Member seine Interpretation namens „High wie der Moon“ und droppt Autotune-schwangeren Singsang und gewohnt Hustensaft-getränkte Lyrics.

Xatar & Haftbefehl geben alle Produzenten von „Der Holland Job“ bekannt

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Xatar und Haftbefehl geben nach bislang eher zögerlichen Infos nun alle Produzenten bekannt, die an ihrem gemeinsamen Album „Der Holland Job“ beteiligt waren.

Demnach waren Reaf, Choukri, Baibu, Tai Jason, Brenk Sinatra, die Enginearz und die Achse, bestehend aus Farhot und Bazzazian am Werk. Eine Liste, die sich durchaus sehen lassen kann.

Zum Sound und dem Inhalt von „Der Holland Jobäußerten sich die beiden, die sich als Duo Coup nennen, kürzlich. Außerdem wurde die finale Tracklist bekannt gegeben.

Snoop Dogg veröffentlicht Cover & Tracklist von „Coolaid“

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Snoop Dogg-Fans aufgepasst : Snop Doggy Dogg meldet sich zurück mit einem reinen HipHop Album, das den charakteristischen G-Funk Sound wieder aufgreifen soll. Der Snoop wie wir ihn kennen und lieben ist wieder am Start. In den letzten Jahren hat Mr. Dogg als Snoop Lion und Snoopzilla ein paar Ausflüge in andere Musikgenres gewagt. Nun veröffentlicht er die ersten Infos zum kommenden Album „Coolaid„. Digital ist dieses ab dem 1. Juli und physisch ab dem 15. Juli über das Label Ca$h Machine Records erhältlich.

Hier die aktuelle Tracklist :

01 Legend

02 Ten Toes Down

03 Don’t Stop feat. Too $hort

04 Super Crip

05 Coolaid Man

06 Let Me See Em Up feat. Swizz Beatz

07 Point Seen Money Gone feat. Jeremih

08 Oh Na Na feat. Wiz Khalifa

09 My Carz

10 Two Or More

11 Affiliated feat. Trick Trick

12 Feel About Snoop

13 Light It Up feat. Swizz Beatz

14 Side Piece

15 Kush Ups feat. Wiz Khalifa

16 Double Tap feat. E-40 & Jazze Pha

17 Got Those

18 Let The Beat Drop (Celebrate) feat. Swizz Beatz

19 What If feat. Suga Free

20 Revolution feat. October London

Das Album enthält einige fette Features wie E-40, Swizz Beatz und Jeremih. Das erste Musikvideo zur Single mit Weedbuddy Wiz Khalifa  zum Track „Kush Ups“ wurde bereits veröffentlicht. Harte Gönnung!

Interview mit Phase von Team Avantgarde über „Erwartungen“

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Fotos: Bennie Julian Gay (benniejuliangay.com)

Team Avantgarde kamen schon immer bisschen von Abseits. Zenits melancholische Beats trafen auf Phases verraucht klingendes Organ und kreierten eine manchmal eigenartige, meist einzigartige Mischung. Das neue Album „Erwartungen“ macht trotz langjähriger Releasepause genau da weiter. Wir sprachen mit Rapper Phase über das Leitmotiv des neuen Albums, die titelgebenden Erwartungen. 

„Erwartungen“ ist das erste Album in neuer Konstellation mit DJ s.R.. Warum die Trennung von Zenit?

Es gibt keine Trennung, Zenit ist immer noch bei Team Avantgarde. Der ist nur ins Schmuckgeschäft eingestiegen (Gelächter) Das hört sich lustig an, aber ist er wirklich. Er ist da auch relativ erfolgreich und hat wieder richtig Bock auf Musik. In dem Zeitraum, als wir das Album gemacht haben, konnte er nicht. Er hat aber über alle Sachen drübergeschaut und Tipps gegeben. s.R. war ja schon seit 2012 oder 2013 Teil der Band – obwohl wir gar kein Album gemacht haben, wir haben uns einfach menschlich gut verstanden.

Also eine Erweiterung, kein Besetzungswechsel?

Genau. Als wir mit dem Album angefangen haben, dachten wir, Zenit und s.R. machen jeweils die Hälfte, aber hat er zeitlich dann nicht geschafft.

Hat Zenit auch darauf geachtet, dass das Soundbild das gleiche bleibt? Gibt ja eigentlich keinen Bruch im Klangbild.

Wir wollten schon beim Sound bleiben, wobei s.R. mehr komponiert, wo Zenit früher gesamplet hat. Wir sind uns relativ treu geblieben. War aber nicht so, dass Zenit dogmatisch gesagt hat, das muss so bleiben. Wir haben ihm die Songs gezeigt und er meinte dann super oder da könnte man das und das noch machen.

Auch die Grundstimmung ist noch dieselbe: Du hast immer noch diesen melancholischen Touch in der Stimme.

Das nehme ich selber so gar nicht wahr. Ist ja meine Stimme, die klingt eben so, klang sie schon immer. Bis auf „Nele„, den Song, der von meiner Freundin handelt, die sich erhängt hat, ist keins richtig traurig, finde ich. Von daher…

Melancholie ist ja auch nicht Trauer. Eher die Lust am Vergänglichen…

Kann sein, dass das unterbewusst mitschwingt. Ist auf jeden Fall nicht bewusst. Ich möchte nicht melancholisch schreiben oder dass meine Stimme sich melancholisch anhört. Ich hab auch immer zu Zenit gesagt, gib mir mal was in Dur. Ich wurde von ihm da ein bisschen festgenagelt und von s.R. jetzt auch wieder. (Gelächter) Nach diesem Album werde ich auf jeden Fall was machen, was davon weggeht. Ich will alle Themen abdecken, und dazu gehört es auch, euphorische Lieder zu machen. Ich will mich da gar nicht in so eine Ecke drängen lassen, ich höre die ganze Zeit auch lustige Sachen wie Fatoni.

Interessant – zwischen euch gibt es ja durchaus Parallelen.

Das schon, aber er hat mehr Humor.

Aber er kommt trotzdem auch melancholisch rüber.

Das stimmt, und auch wütend. Obwohl er das nicht so nach außen trägt. Es ist mehr so eine versteckte Wut auf die Welt.

Das Grundthema deiner Texte ist dagegen die Erwartung.

Ja, ich habe das eigentlich auf allen Songs durchgezogen, bei „Nele„, wo es um die Erwartungen geht, die sie in den Tod getrieben haben, bei „Raum 361„, wo es um sexuelle Erwartungen geht.

„Utopie“ natürlich…

Genau, oder bei „Wer bin ich„, ganz stark.

Wie ist es bei dem Song mit Gris, wo ihr sehr intime Anekdoten aus austauscht, die für Außenstehende gar nicht unbedingt nachvollziehbar sind?

Da geht es um freundschaftliche Verhältnisse, also zum einen oberflächliche, wie man sie aus der Szene kennt, wo jeder nur von profitieren will, und dann eben richtige Freundschaften. Gris und ich kennen uns seit 20 Jahren. Davon handelt der Song, dass wir eine gemeinsame Geschichte haben. Also geht es auch um die Erwartungen, die man eine Freundschaft hat.

Was genau war denn der Anlass, gerade Erwartungen als Leitmotiv des Albums zu wählen?

Es war einfach so: Ich hatte in mein eigenes Leben so hohe Erwartungen, dass ich einfach nicht glücklich war. Bestimmt fünf, zehn Jahre meines Lebens.

Erwartungen welcher Art?

Existenzielle, zwischenmenschliche, partnerschaftliche, was mit Kindern zu tun hat.

Du hattest dieses konventionelle Modell im Kopf, dass du viel verdienen musst, um eine Familie zu gründen?

Ich weiß gar nicht, ob das so konventionell war. Es waren ganz viele Dinge, die ich mir im Lauf meines Lebens anhand von Bildern, die mir suggeriert wurden, aufgebaut hatte. Wie ich zu sein habe. Mitte dreißig hatte ich dann ein krasses Erlebnis, als ich richtig zusammengebrochen bin und ab dem Moment hab ich gesagt, jetzt ist anders. Dann habe ich bei Null angefangen. Der Begriff Demut spielt da eine große Rolle, Demut gegenüber dem Leben, im Kontrast zu den Riesenerwartungen, die ich gegenüber dem Leben aufgebaut hatte.

Geht es nur um deine eigenen Erwartungen oder lässt sich das auch auf andere übertragen?

Nein, auch um die Erwartungen der Menschen um mich herum, zum Beispiel der Frauen in meinem Leben, die komplett festgefahrene Erwartungen daran haben, wie das Leben zu sein hat und mit 35 dann den Schock kriegen, weil sie noch keine Kinder haben.

Also geht es schon auch um gesellschaftliche Erwartungen?

Ich glaube, Erwartungen haben unsere Gesellschaft im Griff. Viele sehen das gar nicht, weil es so subtil abläuft. Das bezieht sich auf viele Aspekte, zum Beispiel Liebe. Was ist Liebe? Die erste Vorstellung davon hat mir der Teeniefilm „La Boum“ vermittelt. Und dann wurde aus Liebe, was ja eigentlich was recht praktisches ist, etwas immer sentimentaleres, immer größeres – und irgendwann kann man gar nicht mehr lieben, weil die Erwartungen viel zu groß geworden sind. Und so ist es mit ganz vielen Dingen.

Etwas erwarten und nicht bekommen – scheiße. Etwas erwarten und bekommen – okay. Etwas nicht erwarten und nicht bekommen – scheißegal. Aber etwas nicht erwarten und bekommen – unglaublich.

Und während man sich von diesen Erwartungen steuern lässt, verpasst man alles, was sich einem tatsächlich an Möglichkeiten bietet.

Das hört ja auch nicht auf! Du erwartest etwas, und wenn du es hast, kommt sofort die nächste Erwartung, immer schneller, immer größer. Das hat nichts mit Demut zu tun. Demut heißt, man erfreut sich an einer Sache richtig lange. Man lebt sie richtig aus und giert nicht schon auf die nächste. Das hat auch was mit Ruhe zu tun. Um es in ein Bild zu packen: Etwas erwarten und nicht bekommen – scheiße. Etwas erwarten und bekommen – okay. Etwas nicht erwarten und nicht bekommen – scheißegal. Aber etwas nicht erwarten und bekommen – unglaublich.

Werden diese ganzen Erwartungen deiner Meinung nach von jemand gesteuert? Oder passiert das einfach so?

Es ist natürlich auch eine Masche, um was zu verkaufen. Ob das jetzt jemand bewusst lenkt – es ist einfach ein Prinzip, große Bilder zu erschaffen. Wie viele Frauen sind unzufrieden mit sich selbst, weil sie nicht so aussehen wie das Ideal. Und dann kommt noch die Verteilung der Bilder dazu, die die Wirkung nochmal verstärkt, Instagram, Facebook – guck mal, wie glücklich ich bin! Und alle anderen sehen es dann und fühlen sich schlecht, machen auch Bilder, auf denen sie glücklich aussehen. So verteilen sich diese Bilder.

Fazit: Erwartungen machen unglücklich.

Ja, weil alles, was dir passiert, nicht ausreicht für dieses Bild, das du von deinem Leben hast. Und so ging’s mir. Ich hatte sehr viele unzufriedene Jahre. Obwohl ich eigentlich voll viel erreicht hatte.

Hilft da nur eine Katastrophe, eine Krise?

Ich glaube, dass es für den Neuanfang tatsächlich hilft. Dass man so einen Moment hat, wo man denkt, verdammte Scheiße, jetzt ist alles zusammengebrochen, ich muss mein Leben wieder neu anfangen. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch und dann ging es mir längere Zeit ganz schlecht. Danach musste es ja irgendwie weitergehen. Und ich wusste, mit dem Ballast, den ich mit mir rumtrage, geht es nicht. Und dann kamen die Dinge von alleine zu mir und waren schöner, als ich sie mir je vorgestellt habe. Total anders, meine Partnerin ist total anders, als ich sie mir vorgestellt hatte, mein Kind ist total anders, meine Arbeit – alles total anders, als ich es erwartet hatte. Aber alles besser. Ich bin ein sehr glücklicher Mensch geworden.

Ist ein tolles Schlusswort. Danke dir.

Ja, hat Spaß gemacht.

Mosaic Boyz veröffentlichen „Full Fledged Demon 2“ [Stream & Download]

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Die Mosaic Boyz veröffentlichen das Album „Full Fledged Demon 2“ zum kostenlosen Download. Das Duo, bestehend aus Spook Da Plug und Lord Sesshomaru, war auch für die komplette Produktion des neun Songs umfassende Releases verantwortlich, die die das Herzstück des ganzen darstellt.

Die verspulten, trippigen Trap-Skelette kommen mit wenigen Vocals aus, erzeugen so eine experimentelle wavy Atmosphäre und eine ganz eigene Ästhetik. Das Artwork tut sein übriges und komplettiert das weird-nerdige Erscheinungsbild der offensichtlichen Manga-Fans.

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