Special: Interview mit Spaceboy

Ein Soundentwurf, der zwischen Rap, Indie und Pop pendelt – bei vielen Rapfans läuten da die Alarmglocken. Aber hey. Offenheit an sich nichts schlechtes. Es hat noch keinem Genre geschadet, sich anderen zu öffnen – mal ganz abgesehen davon, dass Rap sich seit jeher in anderen Musikstilen bedient hat. Und nicht nur der gute Spaceboy hat neben Eminem und den Roots auch noch andere Musik gehört. In seiner EP „Wie ich will“, die am vergangenen Freitag erschienen ist, spiegeln sich zahlreiche musikalische Einflüsse. Wir sprachen mit ihm über den Hintergrund dieses Stilmixes, seine Zusammenarbeit mit 7Inch, den Antiopfer-Effekt von Rap und Airmaxmädchen.


Spaceboy — Wie ich will – MyVideo

 
rap.de: Dein Sound zwischen Rap, Pop und Indie entspricht ziemlich genau dem Zeitgeist. Ist das Zufall oder Absicht?

Spaceboy: Weder noch. Es sind genau die drei Richtungen, mit denen ich sozialisiert wurde und in denen ich erfahren bin. Das kommt dabei raus, wenn man wie ich von Anfang an offen war. Ich habe mit 12 Jahren sowohl die Beatles und The Kinks gehört als auch Eminem, NWA, The Roots, The Streets , Oasis, Ryan Adams und ähnliche Künstler. Ich spiele Gitarre und Klavier, ich produziere HipHop Beats, schreibe Popsongs für andere oder singe und rappe. Dieser Bereich, Gesang und Rap, ist sogar eher meine kleine Schwäche. Es ist also relativ logisch, dass es dazu kommt.

rap.de: Wie wichtig war Rap für dich in deiner musikalischen Sozialisation?

Spaceboy: Sehr wichtig. Das Beste an Rap ist dieser Antiopfer-Effekt. Sich nicht unterkriegen lassen, Schultern breit, geradeaus schauen, Haltung bewahren und ab in den Boss-Modus. Es war schon hilfreich im Schulbus mit den ganzen Trotteln eingequetscht zu sein, Biggie auf dem Kopfhörer dabei zu haben und zu denken: Leckt mich alle am Arsch. Rap ist Trost. Hält dich stark, baut dich auf und tritt dir in den Arsch immer wieder aufzustehen. Er ist wie ein guter Vater.

rap.de: Mit welchem Rap bist du aufgewachsen?

Spaceboy: Freundeskreis, Eminem, Eins Zwo, Beginner, Sammy Deluxe, Notorius BIG, Big L, NWA, Jay Z, Run DMC, Beasty Boys und viele mehr.

rap.de: Und welchen Rap feierst du heute so?

Spaceboy: A$AP Rocky auf jeden Fall. Immer noch The Streets, Tyler the Creator und Macklemore. Ich finde aber auch Ace Hood ganz gut, Grimes und natürlich Drake!

rap.de: Du hast 7Inch bei einer Songwriting Session kennen gelernt. Wie unterscheidet sich deine Herangehensweise, wenn du für dich selbst schreibst? Und was nimmst du aus diesen Sessions für dich selbst mit?

Spaceboy: Ich nehme für mich mit: Den Input und die Herangehensweise von mindestens einer weiteren Person, sehr häufig die Sample-Library des anderen Producers (lacht) und, wenn es gut läuft, einen schönen Tag. Der Unterschied ist: Wenn ich für mich schreibe, halte ich mich an keinerlei Regeln und mache, was ich will und das macht auf jeden Fall mehr Spaß.

rap.de: Welchen Anteil hatte 7Inch an „Wie ich will“? War das ein 50/50 Ding oder hast du ihm vorgegeben, wohin die Reise gehen soll?

Spaceboy: Ich weiß schon sehr genau was ich will und bin ja auch selber Produzent. Aber sein Anteil war letztendlich sehr viel größer als anfangs gedacht oder geplant. Ich habe mehr losgelassen als ich anfangs wollte und wurde nicht enttäuscht. Nicht vergessen darf man aber den Anteil, den mein kleiner Bruder G-Rome an meiner Musik hat. Ein aufstrebender Producer und Songwriter und ein sehr großes Talent. Er hat internationales Format. Also würde ich letztendlich sagen: Spaceboy sind drei Producer, drei Autoren (G-Rome, 7inch, Spaceboy). Nur das Texten liegt komplett bei mir.

rap.de: Ein Song auf der EP heißt „Airmaxmädchen“ und ist eine Liebeserklärung. Ist deine Traumfrau ein Airmaxmädchen?

Spaceboy: Sie ist genauso wie das Mädchen im Song, trägt aber keine Airmax.

rap.de: Was planst du als nächstes?

Spaceboy: Ein Livesetup, das ausbaufähig ist und alles wegbombt. Ich würde gerne flexibel sein, bei Rockfestivals mit Band auftreten, im Club mit DJ oder im Radio mit Akustikgitarre. Da will ich hin. Ansonsten ein Album schreiben, produzieren und es spätestens in der ersten Hälfte 2014 zu releasen. Und: Live spielen, live spielen, live spielen!

 

 

 

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