Im Rahmen der Coke DJ Tour wird DJ Premier am 09.09. im 2BE-Club Berlin Werbung für sein erstes Producer Album "Man Of Few Words" machen. Das ganze soll voraussichtlich am 01.11.04 über Atlantic erscheinen. Laut noch nicht bestätigten Informationen werden darauf u.a. zu hören sein: Nas, Jill Scott, 50 Cent und Fat Joe. Wer schon mal ein paar Hörprobem zum Album bekommen bzw. den Gang Starr DJ an den Turntables in Aktion sehen möchte, sollte sich am 09.09. für schlappe 9 Euro nach Berlin begeben oder einen der anderen Gigs der Tour besuchen.
LL Cool J – The DEFinition
Wir leben in wahrlich harten Zeiten! Die Halbwertszeit eines Newcomers bewegt sich irgendwo zwischen sechs und neun Monaten, und Alben werden allzu oft um eine Hit-Single herum kreiert, die im besten Fall aus einem Riddim besteht, den im Moment eh alle benutzen. Risikobereitschaft oder gar künstlerischer Anspruch sieht anders aus!
Vor diesem Hintergrund ist man auf ´s Äußerste gespannt, wenn mit LL Cool J jemand ein Album releaset, der bereits seit 1985 gut dabei und seit dieser Zeit obendrein bei ein und demselben Label untergebracht ist. Natürlich erwartet man von LL keine wahren Wunder. Auch wenn er in Interviews gerne das Gegenteil behauptet, ist doch klar, dass „The Greatest Of All Times“ nicht mehr so hungrig wie zu Zeiten von „Mama Said Knock You Out“ sein kann, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass seine Einnahmequellen mittlerweile andere sind. Als einer der wenigen Musiker hat er es geschafft, in Hollywood Fuß zu fassen, und spielte in Filmen wie „Any Given Sunday“, „Deep Blue Sea“ oder „Charlie ’s Angels“ mit. Ja, und was wäre ein Rapper im Jahr 2004 ohne sein eigenes Modelabel? In LLs Fall hört die Clothing-Line auf den bürgerlichen Namen ihres Eigentümers – James Todd Smith.
Doch zurück zur Musik… Da sah es für LL zuletzt nicht allzu rosig aus. Mit seinem letzten Album „Ten“ stellte Cool J nämlich vor allem unter Beweis, dass doch nicht alle Neptunes-Produktionen ohne weiteres als Sure Shot bezeichnet werden können. Doch wem, wenn nicht ihm, würde man einen solchen Ausrutscher verzeihen?
Im Vorfeld zum neuen Album „The DEFinition“ war nun zu hören, dass kein Geringerer als Timbaland an den Reglern zu Gange sein würde. Sechs von elf Tracks gehen dann auch auf sein Konto, den Rest teilen sich brüderlich N.O., Joe und 7.
Den Start ins Album kann man gemeinhin als gelungen bezeichnen. Mit dem allseits bekannten „Headsprung“ hat LL das, was man heute eben so braucht: einen waschechten Club-Hit. Weiter geht es mit „Rub My Back“ – an sich auch recht hitverdächtig für Deutschlands Tanzflächen (die mittlerweile ja konservativer sind als Angela Merkel und Dressur-Reiten zusammen), andererseits dann vielleicht doch etwas zu gewagt und mit zu vielen Breaks.
Was dann folgt, lässt einen die Hände vor dem Gesicht zusammenschlagen! Die Hardcore-Fans werden bei „I´m About To Get Here“ wahrscheinlich in Tränen ausbrechen. Ein Beat wie für Cassidey ’s „Hotel“, ein ähnlich schwachsinniger Text, und das `R´ in R’n’B besorgt den Rest.
Der Rest der Platte entspricht der Reißbrett-Variante eines Hip Hop-Albums mit 2004er Jahrgang. Verses von dünnen Stimmchen vorgetragen, Text so tiefgründig wie das Nachmittagsprogramm der Privatsender, und auch beat-technisch klingen selbst Timbalands Beiträge wie zweite Wahl nach Missys und seinem eigenen Longplayer. Einzig und allein „Feel The Beat“ mag mit seinem knochentrockenen Timbo-Beat und LL Cool J in Goat-Form noch zu überzeugen.
Unterm Strich lässt einen dieses Album aber doch sehr trostlos zurück. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass jemand nach neunzehn Jahren Karriere im Rap-Biz mit so einem Ergebnis zufrieden sein kann. Wohin das führt kann man unter Amazon.de nachlesen:Kunden, die diese CD gekauft haben, haben auch diese Musiktitel gekauft:
Southside ~ Lloyd
Straight Outta Cashville ~ Young Buck
Sweat ~ Nelly
Suit ~ Nelly
Könnte jemand mit guten Kontakten bitte diese Liste an LL schicken? Auf die Reaktion wäre ich persönlich gespannt!
F.R. – Mundwerk
„Mundwerk“ von F.R. aus Braunschweig ist oberflächlich betrachtet ein ungewöhnliches Album, ist doch der Protagonist erst 14 Jahre alt. Seine Stimme klänge altersbedingt „ein bisschen ill“ kokettiert er im bouncigen Intro. Dies stimmt wohl, aber wer sich auf die Illness ein bisschen einlässt bekommt eine variationsreiche, stets kontrollierte Stimme zu hören, die sehr wohl ausdrucksstark und eindringlich ist. Fehlender Stimmbruch bedeutet alsonicht fehlende Qualität.
Das Album ist zwanzig Tracks stark, und die Beats stammen meist von Team 17 aus Honnef, sowie außerdem von Lu Abzrakk, Bronco und Necrow. Die Instrumentals sind durchweg sehr gut und vielseitig. Elektronische Beats, sowie Instrumentals mit stets gut gewählten Samples aus Klassik und Jazz, oder auch selbst eingespielte Melodien, bilden jeweils den passenden Rahmen, und haben stets dieses eine Quentchen Feeling, dass richtig gute Beats von soliden Beats unterscheidet.
F.R. hat vielseitige Beats auch bitter nötig. Scheinbar spielerisch springter von Subgenre zu Subgenre, kickt originelle Representer, wobei er stets mitAugenzwinkern auf sein Alter verweist (und insbesondere auf die Reaktionender Heads), spittet roughen Battletext mit blitzsauberen Doubletimeparts,erzählt lustige, durchdachte Storys (Ein psychopathischer Psychiater alsRolle…) oder gibt sich nachdenklich. Sehr wohltuend ist die vielseitige,durchaus elaborierte Wortwahl und die durchweg unverschämt guten Reime. Sokickt er über einen ganzen Part hinweg den selben Mehrfachreim, ohne denSinn aus den Augen zu verlieren. Dennoch klingt F.R. niemals corny, weil ersich mit subtilem Feingefühl seinem Alter entsprechend gibt. Aufgefährlichem Halbwissen basierende politische Statements entfallenglücklicherweise. Ein Track setzt sich sehr intelligent mit den Schwächenund Ungerechtigkeiten des deutschen Schulsystems auseinander, in einemanderen Song zeichnet F.R. den sozialen Abstieg eines Jugendlichenmusikalisch und inhaltlich wunderbar eindringlich nach. Gleich mehrereTracks sind als Hommage an sein lieb gewonnenes Hobby zu verstehen, und man nimmt diesem Wunderkind den Spaß an der Sache einfach ab.
Auch die Flows dürften ungläubiges Staunen hinterlassen. Der kleine Mann istso was von on point, dass man ihn als Metronom benutzen könnte, und meistertauch schwierige Beats spielend.
Auch ohne „Ach ist der süß“-Bonus, unter ganz objektivenKriterien, führt kein Weg an der Höchstnote vorbei. Der Flow, die Texte, dieBeats, ja einfach alles ist weit überdurchschnittlich, und die Tatsache dassdieser MC erst 14 ist, dürfte die gegenwärtige Elite besorgt aufhorchenlassen. Oder vielleicht nimmt sich die Elite seiner an!? Zu wünschen wäre esdem wohl vielversprechendsten deutschen Nachwuchstalent. Ich empfehle nachdrücklich den Kauf der Scheibe, schon allein wegen dem Sammlerwert in 10 Jahren…
DJ Shir Khan – Copyright Candies
Bastard Pop wird ein Phänomen genannt, das im musikalischen Untergrund seit einigen Jahren rumort, und das spätestens mit der MTV-Sendung MTV MASH salonfähig wurde. Das Rezept dahinter: Man nehme das Instrumental und das Acapella zweier verschiedener Stücke, editiere an beidem ggf. noch ein wenig rum, und schaffe daraus einen neuen Mix. Je wechselseitig genrefremder die zusammen gebrachten Elemente sind, je absurder die Kombinationen werden, desto schöner. So wird zusammengeführt, was eigentlich nicht zusammengehört, und schließlich in vielen Fällen doch erstaunlich gut harmoniert.
Too Many DJs (alias Soulwax) aus Belgien heißen die internationalen Größen des Bastard-Remixings, DJ Shir Khan heißt das Messlatten legende Pendant aus Deutschland. Mit der Doppel-CD „Copyright Candies“, die insgesamt 70, teilweise schwer abgefahrene bis durchaus kranke, Bastard-Remixe enthält, liefert der Tiger aus Berlin nun einen ersten amtlichen Überblick über das, was vorstellbar ist. So finden beispielsweise Michael Jackson und Q-Tip in Form des Instrumentals von „Don ´t Stop Till You Get Enough“ und des Acapellas von „Breathe And Stop“ zusammen. Skeelo macht sich mit dem Acapella von „I Wish“ auf Survivors „Eye Of The Tiger“ aus dem Rocky-Soundtrack breit und Missy Elliot geht mit „Get Your Freak On“ auf dem AC/DC-Instrumental von „Back In Black“ ab. Vermutlich hätten sich Lars Ulrich und James Hetfield von Metallica 1991 auch nicht träumen lassen, dass dieselbe Missy Elliot 13 Jahre später mal „She Is A Bitch“ über die Gitarren von „Enter Sandman“ rappen würde.
„Copyright Candies“ ist auf jeden Fall eine Party-Scheibe, zu der man definitiv tanzen kann und sollte. Genauso viel Spaß macht es aber auch, auf dem Sofa sitzend zu raten, wer da nun gerade wieder mit wem… Shir Khan, der natürlich auch eine Menge eigener Edits auf der CD untergebracht hat, zeigt mit „Copyright Candies“, in welche Richtungen man denken kann, wenn man sich entspannt. Das Alles mit der nötigen Portion Augenzwinkern, versteht sich. Jeder, der hier zuschlägt, tut sich einen Gefallen. Mit freundlichen Grüßen.
Ostblokk – Das volle Programm!
Endlich ist es soweit. Nachdem es in der Vergangenheit schon mehrfach angekündigt war, erscheint am 29.9. dieses Jahres definitiv das zwölf Track dicke Ostblokk-Album „Einmal Um Blokk“, von und mit Pyranja, Joe Rilla, Dra Q, Sera und Jamie Whyte. Und für alle die danach Lust auf mehr haben, schiebt Pyranja, keine drei Wochen später, am 18.10.2004, ihren Solo-Joint „Frauen Und Technik“ über Groove-Attack hinterher. Aber nicht nur das! Auch Joe Rilla (Ex-Analphabet) steht mit seinem neuen Solo-Album „Bereit Zu sterben“ schon in den Startlöchern. Des weiteren startet am 4.11.2004 bundesweit der schon auf der diesjährigen Berlinale gefeierte Status Yo-Film, in dem HipHop und Berlin eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen.
FÄLLT AUS! – Joey Starr (Ex-NTM) gastiert erstmalig für 2 Gigs in Deutschland
ACHTUNG: KONZERTE FALLEN KRANKHEITSBEDINGT AUS! Das Ex-NTM Mitglied Joey Starr wird mit seinem B.O.S.S. Soundsystem erstmalig, anlässlich des Francophonic Festivals, für 2 Gigs in Deutschland gastieren. Wer das letzte NTM Konzert aus Paris bei Supreme (Viva 2) gesehen hat, dürfte von den Live Qualitäten der Pariser Hip Hop Ikone überzeugt sein. Nicht nur für Fans des französischen Hip Hop sind der 09.09. (Berlin) und 16.09. (Köln) somit absolute Pflichttermine. Das neue Joey Starr Album "Opus 3" erscheint Ende Oktober in Frankreich.
Neues vom Mainzer MC und Produzenten Shuko und seiner Crew
Anfang 2004 war die Geburtsstunde der Crew „Children Of Soul“ (C.O.S. Squad), die sich aus IDR, JayMo (Creatief), Niro (THM Squad) und Shuko (13.Etage) zusammensetzt. Ursprünglich als reine Produzenten Crew geplant, kamen schnell die MC – Fähigkeiten von Niro und Shuko dazu. Lyrische Unterstützung fanden die beiden beim Front-Rapper von Creatief „JayMo“ der den einen weiteren Verse beisteuerte. Das Ergebnis könnt ihr nun hier, in Form des Tracks Lebenszeichen downloaden. Momentan arbeiten die Jungs hart an Ihrem Debüt Album, das Anfang 2005 an den Start gehen soll und so manche Überraschung mit sich bringen wird. Shuko, der derzeit mit drei Produktionen auf dem Outerspace Album „Blood and Ashes“ für Aufsehen sorgt, sorgt derzeit für den letzten fein schliff an seiner Solo-Single.Wer sich die Zeit bis dahin versüßen will, kann getrost zum Outerspace Album greifen, oder auf die von Shuko produzierte Singleauskopplung „Top Self“ feat. Sadat X zurückgreifen.
Mobb Deep – Amerikaz Nightmare
„Amerikaz Nightmare“ heißt das neue Studioalbum von Mobb Deep, die nach vier Longplayern auf dem legendären Loud-Label nunmehr über Jive veröffentlichen. Elf Jahre ist es mittlerweile her, dass Havoc und Prodigy 1993 mit „Juvenile Hell“ (damals noch auf 4th & Broadway) ihr Debüt releasten, und der Welt das erst Mal über das Street Life in ihrem Queensbridge Housing Project berichteten. Während „Juvenile Hell“ für ihre Verhältnisse kommerziell noch recht bescheiden ausfiel, gelang ihnen der internationale Durchbruch zwei Jahre später mit „The Infamous“ auf Loud. Spätestens auf dem 96 erschienenen „Hell On Earth“ hatten sie ihr Gangster-Image auch visuell perfektioniert und mit und von diesem Image leben sie seit jeher.
Getreu dem Motto „Never Change A Winning Team“ sind die beiden auf „Amerikaz Nightmare“ nun im Stile von Polizeifotos abgebildet, während das Booklet versucht, die Story ihrer Ergreifung zu erzählen. Sicher wird es eine Menge Leute geben, die positiv finden, dass Mobb Deep sich treu geblieben sind. Bei mir überwiegt jedoch der Eindruck, dieselbe Geschichte zum nunmehr sechsten Mal auf weitgehend unveränderte Art erzählt zu bekommen.
Nach wie vor kommen von Havoc, der den Großteil des Albums produziert hat, die hypnotisch, melancholisch, düsteren Beats, wie etwa bei „Get Me“ (der Littles & Noyd featured), „Dump“ (feat. Nate Dogg) oder dem Titeltrack „Americaz Nightmare“. Lyrisch geht es nach wie vor um Geld, Frauen, Mord und Totschlag und so kommt Abwechslung in erster Linie noch durch die Gastproduktionen vom Alchemist, der das für die Platte ungewöhnlich warm klingende „Win Or Lose“ beisteuerte, und von Kanye West, der „Throw Your Hands“ mit einer Prise mehr Funk ausstattete, als er Havocs Produktionen innewohnt.
Trotz anderer Positivausnahmen wie „Flood The Block“ keine wirklich zwingende Platte.




