Review: Samra – Jibrail & Iblis

Als Samra 2018 mit den Songs „Rohdiamant“ und „Roadrunner“ durchstartete, waren sich die Kritiker einig – der Südberliner hat das Potenzial, der legitime Nachfolger seines damaligen Labelchefs Bushido zu werden. Neben der einzigartig rauchigen Stimmfarbe und dem aggressiven Flow wusste er vor allem durch seine arrogante und zugleich charismatische Art zu überzeugen. Samra brachte alles mit, wofür Bushido jahrelang frenetisch gefeiert wurde: eine markante, unnachahmliche Stimme und das Auge für epochale Beats, die um die 90 BPM messen. Er wirkte wie ein zeitgemäßes Update des in die Jahre gekommenen egj-Oberhauptes. Wäre Samras Debütalbum zu diesem Zeitpunkt und in diesen Strukturen entstanden und erschienen, hätte es eine Blaupause für modernen deutschen Straßenrap werden können.

Unter dem hohen Output leidet die Qualität

„Colt“ gab letztes Jahr den Startschuss für eine fast schon rekordverdächtige Flut an Singles, die Samra zu „Jibrail & Iblis“, das ursprünglich „Marlboro Rot“ heißen sollte, ausgekoppelt hat. Insgesamt sind es bis heute zehn. Schon nach den ersten Singles machte sich ein gewisser Trend bemerkbar, der sich schlussendlich auch beim Hören des 22 Songs langen Albums bewahrheiten sollte – Samra kann zwar packend und technisch einwandfrei rappen, bringt außerdem den Sinn für musikalische Ohrwurm-Hooks mit, doch unter dem hohen Output leidet Samras Kreativität enorm – in musikalischer sowie in lyrischer Hinsicht. Ein Piano-Beat jagt den anderen, unterscheiden tun sich dabei in der Regel nur die Produzenten. Der Monotonie der Instrumentals passen sich Samras zu oft gesungene Hooks maßgeschneidert an, die zeitweilig auch am Anfang einiger Tracks platziert werden. Bei der Albumproduktion wurde das Augenmerk offensichtlich auf den nächsten Hit gelegt und nicht auf einen stimmigen, knackigen Longplayer. Einfach so oft schießen, bis man trifft.

Drogen, Frauen, Reichtum und Selbstzweifel

Thematisch stehen auf „Jibrail & Iblis“ Zigaretten, teure Modemarken, schöne Frauen und der ausufernde Drogenkonsum des Protagonisten im Vordergrund, der sich im ständigen Zwiespalt zwischen dem Leben als Star und seinen Selbstzweifeln befindet. Der Kampf zwischen dem Engel Jibrail und dem Teufel Iblis. In den Momenten, in denen Samra über den Sinn seines Lebens nachdenkt und selbstreflektiert über sein offensichtliches Drogenproblem spricht, liegen die Stärken des Albums:

„Tilidin-Tabletten auf dem weißen Waschbecken
Leider ist die Scheiße viel zu ansteckend
Bitte, lieber Gott, sag mir, krieg‘ ich noch die Kurve?“

Bedauerlicherweise bleiben diese Zeilen eine Ausnahme und werden von den inhaltsleeren, sich immer aufs Neue wiederholenden Lines überschattet. Wenn sich Samra dem Konsum von Tabakwaren und Alkohol widmet, während er mit teuren Schuhen in einem kostspieligen Auto sitzt („MCM-Sneaker, zünd‘ die Cohiba/Und gebe mir den Chivas im BMW Alpina“), fehlen nur noch Drogen und die Anwesenheit einer weiblichen Person („Samra, James Dean, mit Models am zieh’n“), um den Inhalt des gesamten Albums zusammenzufassen. Alles auf Pianobeats. „Jibrail & Iblis“ fühlt sich an, als würde man 22 Entwürfe derselben fünf Song hören.

„Jibrail & Iblis“ gleicht eher einer Playlist als einem Album

Wenn man jeden Song als eine eigenständige Single betrachtet, gibt es zwar musikalisch keinen Einbruch nach unten, aber für die Länge des Albums eben auch zu wenige Lichtblicke, die sich vom Rest abheben können. Hätte Samra das Album um die Hälfte der Songs reduziert, hätte das dem Gesamtwerk auf jeden Fall gut getan. Die Gründe für die Überlänge dürften aber nur bedingt künstlerischer Natur sein: 22 Songs spielen im Streaming-Zeitalter selbstverständlich mehr Geld ein als 13. Passend dazu übersteigen nur fünf Songs die Spielzeit von drei Minuten – der Spotify-Rubel dürfte rollen! Folgerichtig erinnert Samras erstes Soloalbum eher an eine Playlist als an ein Album mit einem roten Faden. Immerhin hat Samra darauf verzichtet, das Album mit Features zu überhäufen, die ebenfalls nur den Zweck verfolgen, die Spotify-Mechanismen möglichst geschickt auszunutzen – wobei ein paar andere Gäste als Capi und Elif vielleicht für etwas frischen Wind gesorgt hätten.

Hoffentlich gelingt es Samra mit einem sicher schon geplanten zweiten Album, sein Potenzial auf Albumlänge auszuspielen. Neues Album, neues Glück – oder wie Samra es formulieren würde: „Es ist nur ein schmaler Grat, zwischen Wahnsinn und Genie / Wieder mal ein neuer Tag, Jibrail oder Iblis“.

Jibrail und Iblis (Ltd. Deluxe Box - Größe M)
  • Audio-CD – Hörbuch
  • Urban (Universal Music) (Herausgeber)

3 KOMMENTARE

  1. „hätte es eine Blaupause für modernen deutschen Straßenrap werden können“ Wir haben doch Haftbefehl? Album halt sehr belanglos weil man mittlerweile andere Zielgruppe bedienen muss. Die alten Samra Sachen waren cool mir aber dann oft zu Bushido mässig. Ich meine wo liegt da der Mehrwert wenn man halt dann auch wieder auf 90 bpm „Elektrofensterheber im Getto kennt mich Peter“ rapt. So etwas nenne ich höchstens Fanservice.

  2. Ihr habt keinen musikgeschmack und könnt es nicht besser gönnt doch ejnfahh hack das Album is viel zu wild

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here