Favorite beendet seine Karriere: Gute Besserung!

Vor einigen Tagen veröffentlichte Favorite ein kurzes Video, in dem er angab, seine Karriere fürs Erste beenden zu wollen. Laut eigener Aussage stimme das Fundament derzeit nicht und er müsse private Sachen klären. Die Hintertür für ein Comeback ließ er sich dabei offen – in nächster Zeit wird man wohl aber nichts mehr von Favorite hören.

Wer rap.de und Favorite in den letzten Jahren verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass wir seit der Trennung von Selfmade Records nicht mehr über Fav berichtet haben. Dies liegt vor allem daran, dass seine Karriere seitdem eher einem Trauerspiel gleicht. Favorite wirkt seit Jahren beinahe schon unzurechnungsfähig und machte in erster Linie durch rassistische Zeilen auf sich aufmerksam. Da wir derartigen Aussagen und Ideologien keine Plattform bieten und der Rapper darüber hinaus nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein schien, der weder musikalisch überzeugen konnte, noch den Eindruck erweckte, dass man ihn in seinem Zustand bestärken sollte, entschieden wir uns, nicht mehr über sein Schaffen bzw. den Verfall des einstigen Selfmade-Zugpferds zu berichten.

Karriere nach Selfmade Records

Nachdem Favorite „Selfmade Records“ im Jahr 2018 nach 13 Jahren Zusammenarbeit und vier Soloalben den Rücken kehrte, kündigte er zunächst an, das Label „Upperclass Movement“ mit seinem langjährigen Freund Luthifah starten zu wollen. Die Kooperation hielt jedoch nur einige Monate und seitdem gestaltet sich die gesamte Situation um Favorite recht konfus. Immer wieder ist der ehemalige Nummer-Eins-Rapper für mehrere Monate spurlos verschollen. Dass Fav ein massives Drogenproblem hat, ist weder eine neue Information noch ein Geheimnis. Schon zu Selfmade-Zeiten stellte Fav selbst immer wieder humorvoll fest, dass Labelchef Elvir Omerbegovic ihn regelrecht ins Studio zwingen müsste, damit er überhaupt arbeiten würde. Mit dem Weggang von Selfmade scheint aber auch das letzte Maß an Disziplin weggebrochen zu sein und Favorite wirkt in seinen Videos zunehmend verwirrter und verlorener.

Seine Musik veröffentlichte er zwischenzeitlich über Buy or Die Records – zuletzt dann bei 45 Records, mit denen Fav mittlerweile im Streit zu sein scheint. Auf die kürzliche Ankündigung, nun über Versunkene Fabrik releasen zu wollen, folgte schon bald erwähntes Rücktritts-Video. Die Storys, welche in den letzten Jahren aus seinem Umfeld zu hören waren, glichen sich oft: Fav erscheint nicht zum Videotermin. Fav ist besoffen im Studio. Fav ist verschwunden. Zuletzt bettelte er seinen alten Labelpartner Kollegah über Instagram förmlich an, ihn bei seinem Label „Alpha Music Empire“ unter Vertrag zu nehmen. Alte Weggefährten beschreiben, dass der Rapper quasi nicht zurechnungsfähig und in einem realitätsfernen Zustand sei.

Rassistische Entgleisungen

Hinzu kam, dass Favorite Ende 2018 Kool Savas rassistisch beleidigte und in mehreren Songs mit dem N-Wortregelrecht um sich schmiss. Nachdem ihn mehrere Hörer auf diese Geschmacklosigkeit hinwiesen, reagierte er auf absurde Art und Weise. Anstatt sich zu entschuldigen, rechtfertigte Favorite den Gebrauch des Wortes damit, dass er von Dr. Dre einen N-Wort-Pass erhalten habe. Auch hier wurde in den Videoaufnahmen deutlich, dass sich der Rapper offenbar in einer psychisch angeschlagenen Verfassung befindet.

In Favorites vorerst letztem Song „Ich box Michael Jackson“, welcher vor einem Monat erschien, droppte er erneute das N-Wort und rappte darüber, dass er mit Nazis chillen würde. Inwiefern sich Fav tatsächlich mit rechten Ideologien identifizieren kann oder ob es sich dabei nur um plumpe Provokationen handelt, bleibt zwar unklar, ist jedoch letztlich auch kaum von Bedeutung. Wer solche Aussagen tätigt, stellt sich zwangsläufig gegen antirassistische Bewegungen und normalisiert rechtes Gedankengut – Favorite wirkt allerdings nicht, als wäre er sich dessen bewusst. Ob er überhaupt im Bilde darüber ist, welche gesellschaftlichen Entwicklungen auch die Rapszene in den letzten Jahren vollzogen hat, ist allerdings fraglich – während Favorites künstlerischer Blütezeit war eine derartige Wortwahl zu Provokationszwecken noch nicht so verpönt wie heute. Die offensichtlich jeden seiner Lebensbereiche dominierende Suchterkrankung macht es schwierig, Fav für die eigentlich unentschuldbaren Aussagen voll in Haftung zu nehmen.

Nun scheint es so, als wolle sich Favorite vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen, um sich Hilfe zu suchen. Das knapp einminütige Statement wirkt recht durcheinander und verwirrt, doch Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Wir hoffen, dass Favorite seine Drogensucht und psychischen Probleme überwinden kann und wünschen ihm auf diesem harten Weg viel Kraft.