Kein Interview mit Faschos: Warum Nazirapper im HipHop keine Bühne haben dürfen

Es ist passiert. Ein „NS-Rapper“ hat bekommen, was er seit Monaten forciert: Ein Interview auf einer HipHop-Plattform. Keine negative Berichterstattung über ihn, kein investigativer Beitrag, nein, schlicht eine ausführliche Unterhaltung in gemütlichen und freundschaftlicher Atmosphäre. Vor einem Rap-Publikum. Mit einem naiven Gesprächspartner, der ihm argumentativ nicht im Entferntesten Paroli bieten kann (was auch gar nicht sein Anspruch zu sein scheint).

Interviews mit Nazirappern

Auch wenn der YouTube-Kanal, auf dem dieses Interview vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde, kein wirklich relevantes Format in unserem Medienkosmos darstellt, ist jener Schulterschluss ein verheerendes Signal. Dass dieser Typ, dessen Namen ich nach wie vor nicht nennen möchte, keine Gelegenheit auslassen würde, um Plattformen wie diese zur Imagepolitur zu nutzen, war von vornherein klar. Und wenn die Neue Rechte eines kann, dann genau das: Sich freundlich, nahbar, bodenständig und gesprächsbereit geben. Den Zuschauern vorgestellt als „umstrittener Rapper“, dem – so suggeriert es auch der Interviewer – fälschlicherweise der Nazi-Stempel aufgedrückt wird, inszeniert sich der „NS-Rapper“ als ex-linker Moralist und Rapfan. Als Junge von nebenan, der – wie wir alle – mit der Musik von 2Pac, Eminem und Fler aufgewachsen sei und sich von klein auf mit den Werten der Hip-Hop-Kultur identifiziere. „Politisch aktiv“ sei er nie gewesen, ein „Nazi“ sowieso nicht. Allerhöchstens ein heimatverbundener Pazifist und Amerika-Kritiker, der jungen Menschen mit seiner Musik ein Alternativprogramm zum drogen- und gewaltverherrlichenden Mainstream-Rap anbieten wolle bla bla bla.

Was er an dieser Stelle sehr bewusst nicht erwähnt, ist, dass er im Laufe der letzten Jahren beständig als Führungsfigur im nationalistischen „Bündnis deutscher Patrioten“, einem Tummelplatz einschlägiger rechtsradikaler Kader, in Erscheinung trat und enge Kontakte zur „Identitären Bewegung“ pflegt. Er marschierte gemeinsam mit Mitgliedern der Partei „Die Rechte“ bei „Pegida München“, trat bei Wahlpartys der AfD in München und von Björn (sorry, Bernd!) Höcke veranstalteten Demonstrationen in Thüringen auf. Seine Songtexte sind geprägt von einem chauvinistischen, deutsch-nationalen Weltbild, greifen antisemitische Verschwörungstheorien auf und strotzen nur so von rassistischen Ressentiments und kruden Allmachtsphantasien. Floskeln vom „Heldenkampf“, von „deutschem Blut“, vom „Machtwechsel“ oder vom sogenannten „großen Austausch“ (Eine rassistische und antisemitische Verschwörungstheorie, die besagt, dass die deutsche Bevölkerung durch Migration ausgerottet werden soll. Unter anderem bezogen sich auch die Attentäter von Hanau und Halle auf diese Theorie; Amn. d. Red.) kommen nicht von ungefähr, sondern sind seit Jahren fest im Sprech stramm neurechter Ideologen verankert.

Das hat mit HipHop nichts zu tun…

Dass Meinungsmacher des rechten Spektrums wie Martin Sellner, Oliver Janich oder jüngst Xavier Naidoo diesem Mann öffentlich den Rücken stärken, überrascht wenig. Wer ihm eine Plattform bietet, ihn reden lässt, leistet ihm aktiv Hilfe bei der eloquenten Relativierung seiner Standpunkte und gewährt einem trojanischen Pferd Einlass in die Rap-Szene. Leute wie er wollen in die Mitte der Gesellschaft. Musik als vielleicht wichtigstes Rekrutierungswerkzeug des rechten Sumpfes und eine harmlos-bürgerliche Selbstdarstellung sollen als Brücke dienen. Deshalb sollte es gerade innerhalb der Hip-Hop-Kultur weiterhin Konsens sein, dass diesen Leuten derartige Steilvorlagen verwehrt bleiben, auch, weil sie erfahrungsgemäß selbst von gut geführten Streitgesprächen profitieren.

Rap ist – allein historisch – ein Sprachrohr für Menschen am Rand der Gesellschaft, für sozial Unterdrückte und Opfer von rechtem Hass. Wir sollten „NS-Rapper“ nicht als „kontrovers“ oder „umstritten“ labeln, sondern immer und immer wieder als das, was sie in Wahrheit sind: Nazis. Menschenfeindlichen Positionen keine Redezeit auf unseren Kanälen einzuräumen, hat nichts mit Zensur oder einer Beschränkung der Meinungsfreiheit zu tun. Lasst euch nicht blenden!

1 KOMMENTAR

  1. Das ist der größte geistige Dünnschiß den ich je gelesen habe. Schade um die 2 Minuten Lebenszeit die ich damit verschwendet habe.

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