Sag mir deine Nummer: Wofür stehen die Zahlen in Deutschrapper-Namen?

50 Cent21 Savage. 2Pac. Man muss nicht lange nachdenken, bis einem drei Rapper einfallen, die Zahlen in ihren Künstlernamen tragen. Auch in Deutschland gibt es viele Rapper mit Zahlenfetisch. Bei einigen ist klar, wofür die Nummern stehen, bei vielen ist man sich jedoch gar nicht so sicher. Deshalb werde ich dir im Folgenden erklären, wofür die jeweiligen Zahlen in den Namen diverser Deutschrapper stehen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn diese Datenmenge würde nicht mal das Internet verkraften.

Bei meiner Recherche bin ich auf zehn Kategorien von Namen mit Zahlen gestoßen:

1. Postleitzahlen

Die eigene Nachbarschaft spielt im Rap seit jeher eine große Rolle. Um das auszudrücken, wird oft auf Postleitzahlen zurückgegriffen. Beispielsweise Künstler wie Gringo44 (44 ist die ehemalige Postleitzahl von Neukölln) oder Ufo361. Ufo verbindet in seinem Namen mit der 36 sowie der 61 sogar gleich zwei ehemalige Kreuzberger Postleitzahlen (Kreuzberg 36 und Kreuzberg 61) und lässt somit den gesamten Bezirk hochleben.

Aber auch außerhalb Berlins lässt sich der Postleitzahl-Bezug erkennen. So steht das 257 bei den 257ers zum Beispiel für ihre Heimatstadt Essen und die Postleitzahl des Bezirks Kupferdreh (45257). Und Celo385 beziehungsweise sein gemeinsames Label mit Abdi, 385ideal, leitet sich von der Postleitzahl des Frankfurter Bezirks Bornheim ab (60385).

2. Telefonvorwahlen 

Die Liebe zur Heimat wird im Künstlernamen nicht nur anhand der Postleitzahl, sondern manchmal auch mit der Vorwahl der Stadt demonstriert. Wieder sind es vor allem die Berliner, die einem einfallen: M.O.030, Shadow030, Brudi030, Ghazy030 und mit Sicherheit noch der ein oder andere Interpret mehr. Nicht, dass die Erkenntnis besonders neu wäre, aber es zeigt sich immer wieder: Die Berliner sind ganz schön stolz auf ihre Metropole. Oder zumindest auf die Telefonvorwahl.

3. Mein Block

Es gibt auch Künstler, die das Ganze noch weiter reduzieren und sich auf ihren Block beschränken. Ein gutes Beispiel hierfür ist Tiger104er. Der Atze feiert seinen Block 104, einen geschichtsträchtigen Altbau-Komplex mit mehreren Gebäuden in Berlin-Kreuzberg.

4. Herkunft der Familie

Neben der eigenen Hood kann man sich auch auf die Herkunft seiner Familie berufen. Genau das tut etwa Fero47. So stammt die Familie des Youngsters aus der südosttürkischen Provinz Mardin. Dies spiegelt sich auch in seinem Künstlernamen wieder, denn die 47 steht für das Kfz-Kennzeichen der Region. In der Türkei werden die Autokennzeichen der jeweiligen Provinzen mit zweistelligen Nummern unterschieden.

5. Strafgesetzbuch 

Neben der Herkunft spielen auch Gesetzesbrüche eine gewisse Rolle. Eines der prominentesten Zahlen-Beispiele ist mit Sicherheit die 187 Strassenbande. Wofür das 187 im Namen der Rap-Crew steht, ist inzwischen kein großes Geheimnis mehr: § 187 im kalifornischen Strafgesetzbuch befasst sich mit Mord.

6. Sprüher-Zeiten

Sprühen hat im Rap-Mainstream zwar etwas an Bedeutung verloren. Es ist aber nach wie vor ein wichtiger Bestandteil von HipHop. Im Fall der 102 Boyz spiegelt sich genau dies im Gruppennamen wieder. Die dreistellige Zahl habe sich irgendwann beim Graffiti-Sprühen ergeben. Seitdem habe man die 102 beibehalten, so Crew-Mitglied Skoob in einem Interview mit dem splash! Mag vor gut zwei Jahren.

7. Geburtsjahr/tag

Auch das Datum der eigenen Geburt wird mitunter im Künstlernamen verewigt. Während die Nürnberger Rap-Brüder Rokko81 und Atillah78 von Automatikk jeweils auf ihr Geburtsjahr aufmerksam machen, geht der Hamburger Nate57 einen etwas anderen Weg. Bei ihm haben es Tag (5.) und Monat (Juli/7.) der Geburt in den Namen geschafft. Auch ein Weg, um dafür zu sorgen, dass niemand vergisst, am Geburtstag zu gratulieren.

8. Glückszahl

Es gibt Zahlen, die begleiten einen überraschend oft im Leben. Bei Takt32 ist diese Zahl die 32. Der Rapper hat bereits mehrfach in einer Wohnung mit der Hausnummer 32 gewohnt, er hat eine Telefonnummer mit der 32 hinten und auch seine Steuernummer fängt mit der 32 an. Kein Wunder also, dass der Berliner die Zahl irgendwann in seinen Namen einfließen ließ.

9. Stilwechsel/Futurismus

Wir schreiben das Jahr 2011. Es ist Januar und RAF Camora gibt bekannt, dass er künftig keine klassische Rap-Musik mehr machen wird, sondern ein Dancehall-Album in Arbeit ist. Zudem kündigt der Wiener den Wechsel seines Namens zu RAF 3.0 an. Tatsächlich erscheint das Album „RAF 3.0“ kurze Zeit später unter genau diesem Künstlernamen. Nach dem Release wechselt der Künstler dann wieder zurück zum angestammten Namen. Dass der Dancehall-Auflug damals dennoch nicht sein letzter gewesen sein sollte, muss man niemanden erzählen, der Deutschrap in den letzten Jahre verfolgt hat. Später vereinigte der Wiener die beiden Egos zu einem. Halten wir fest: Auch bei einem Stilwechsel kann es hilfreich sein, sich einen Zahlen-Namen einfallen zu lassen, mit dem man die musikalische Weiterentwicklung dokumentiert.

10. Bling Bling

Stärke zu demonstrieren begreifen viele Rapper als einen nicht unwesentlichen Auftrag. Und durch das offensichtliche Präsentieren von Statussymbolen wie zum Beispiel Schmuck lässt sich das durchaus sicherstellen. Manche Rapper gehen sogar noch weiter und erwähnen ihr Faible für Schmuck gleich im Namen. Ein gutes Beispiel hierfür ist 18 Karat, dessen Name auf die Reinheit von purem Gold verweist. Schlauer Move, denn da braucht man dann gar keine Goldkette mehr. Wobei, der Rapper trägt zusätzlich noch eine goldene Maske. Doppelt hält eben besser.

3 KOMMENTARE

  1. Bei RAF Camora gibt es eine genauere Erklärung, warum es gerade 3.0 und nicht z. B. 2.0 ist: RAF 3.0 ist zugleich auch sein dritter Künstlername.
    Raf0Mic (1.0), RAF Camora (2.0) und eben RAF 3.0.

  2. 104 ist halt die Postleitzahl von Prenzlauer Berg (104…), Tiger ist kein Kreuzberger.
    Und 57 ist auch die Postleitzahl von St. Pauli (20357).

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