Überraschende Trennungen, neue Beziehungen und haufenweise gute Musik – Skinnys Wochenrückblick

Heute klammern wir US-Rap mal komplett aus, diese Woche war nämlich ziemlich viel los. So gab es etwa zwei Trennungen zwischen Künstler und Label, wobei ich über eine davon nicht zu viele Worte verlieren möchte.

Gemeint ist die Trennung zwischen Capital Bra und Team Kuku. Ist irgendwie schade, dass es da jetzt im Argen liegt, aber Capis Musik werden die neuen Strukturen wohl eher nicht schaden. Wer jetzt wen unten hält oder verrät oder was auch immer da im Raum steht, geht mich nichts an. Unterhaltsam finde ich die Lowkey-Schlammschlacht auch nicht.

Die andere Trennung zwischen Künstler und Label könnte aber positive Folgen haben: Favorite und Selfmade Records gehen nach 13 Jahren getrennte Wege. Ich mochte Fav, der das erste Selfmade-Signing überhaupt war, immer sehr, aber in den letzten Jahren klang er doch ziemlich satt und uninspiriert. Das eigene Label Upperclass Movement und der Schützling Luthifah könnte ihm vielleicht neuen Wind unter den Flügeln verschaffen – ich hoffe es! Nobler Move von Selfmade übrigens, das bestehende Vertragsverhältnis ohne Erfüllung aufzulösen. Wobei der mittlerweile überaus überschaubare Künstler-Kader und die Gründung von Elvirs Zweitlabel Mutmaßungen über eine Schließung von Selfmade nicht sonderlich weit hergeholt erscheinen lassen.

Als Gegengewicht zu den beiden beendeten Arbeitsverhältnissen gibt es auch einige neue Unterschriften: Eno steht fortan bei Xatars Label Alles oder Nix unter Vertrag, was mich wirklich freut. Entgegen vielen Kollegen halte ich den Kerl für ein großes Talent, das es auf Spur zu bringen gilt. Als die Pforten von Kopfticker schlossen, befürchtete ich, dass sich dieses Talent nun leider im Sand zu verlaufen drohte – aber jetzt kriegt Eno offenbar eine sogar noch höhere Priorität in Xatars Künstlerpool – top!

PA Sports nimmt auch einen ersten Künstler auf seinem neuen Label Dreamseller unter Vertrag: Den ehemalige Battlerapper und Partner in Crime von Capital Bra, der auf den klangvollen Namen Z hört und zwar jede Menge Power hat, sich aber bisher leider auf tanzbare Songs mit Fußballernamen als Titel beschränkt. Mal schauen, ob da noch mehr kommt. Nicht mehr brauche ich vom neuen Alpha Music Empire Signing Jigzaw. Ich hatte echt gehofft, dass der Junge was drauf hat – schon aus dem einfachen Grund, dass man mir nicht nachsagen kann, Kollegahs Moves ja schon aus Prinzip scheiße zu finden. Leider taugt mir sein Debüt „Realtalk Unchained“ kein Stück.

Dann gibt es noch ein Comeback unter neuer Flagge: Ebenfalls Ex-Selfmade-Künstler Shiml kehrt unter dem Dach von Universal zurück (Ein Schelm, wer das auf Tag-Team-Partner Montana Max zurückführt). Der Titelsong des angekündigten Albums „Agora“ wurde direkt als Video ausgekoppelt und wirkt zwar etwas aus der Zeit gefallen, stellt aber durchaus einen würdigen Schritt zurück ins Rampenlicht dar. Eigentlich ziemlich cool, dass er sich mit seiner Rückkehr nicht an Trends anbiedert. Ich mochte Shiml sowieso immer ziemlich gerne und freue mich aufs Album.

Das war natürlich nicht die einzige gute Single. „Dope“ von Skinny Finsta ballert wie immer übertrieben. „Crew“ von Summer Cem klingt zwar ziemlich nach Trae Tha Truth, gefällt mir aber (oder deshalb) echt gut. Degenhardt liefert mit „Ausser mir“ ein gewohnt beklemmendes Atmospäre-Biest. Gringo und Bausa bleiben mit „Pussy Kush“ zwar etwas hinter meinen erwartungen zurück, der Song ist aber trotzdem nicht schlecht und das Video amüsiert mich und AK Ausserkontrolle macht weiter wie bisher – also gut

Der beste Song der Woche stammt in meinen Ohren aber von Bushido und Samra. „Hades“ ist ein richtig dickes Ding mit stimmigem Bushido-Signature-Beat, vollmundigen Ansagen und zwei hörbar hungrigen Protagonisten. Ein erfreulich vielversprechender Vorbote für „XX“.

Wie immer schließen wir diese Kolumne mit Empfehlungen in eigener Sache ab. Es gibt eine neue Folge „Realtalk“ mit Musti, Alex, Nazar und Teesy! Den Mammut-Artikel „Deutschrap: 10 wegweisende Untergrund-Klassiker“ sollte man sich auch nicht entgehen lassen, ebenso die Review zum neuen Album von Danger Dan. Die Video-Premiere „Berliner Rap“ von Lokke bringt feinste Retro-Fühls im zeitgeistigen Gewand. Außerdem hat Mortel mir einige unterhaltsame Geschichten erzählt – kann man hier anschauen.

Leute, habt noch eine schöne Woche! Adieu!

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