Interview mit BEO: „Hallo zu der Szene“

BEO ist ein junger Rapper aus Bremen, der seit dem Sommer 2015 mehrere Tracks veröffentlicht hat. Unter anderem präsentiert er dort sein Album „Willkommen im Leben“. „Hallo zu der Szene“ rappt er nett in seinem Track „Hier bin ich“ und begrüßt so das Game mit offenen Armen. In seinen Texten übermittelt er den Inhalt auf eine selbstbewusste, aber nicht überhebliche Art. Überwiegend bedient sich der Bremer Rapper an gesellschaftliche Themen und versucht mit verschiedenen Beats die Stimmung seiner Tracks zu supporten. In „Monoton“ oder „Smartphone“ ist es ihm durchaus gelungen, Aggressivität und Ironie sowohl durch textlichen Inhalt, als auch durch Beats zum Ausdruck zu bringen.

Warum BEO, wie bist du zu dem Künstlernamen gekommen? 

Ich heiße mit bürgerlichem Namen Sebastian Owsianka, mein Spitzname ist Basti und aus den einzelnen Buchstaben habe ich dann diesen Namen erschaffen.

Was hat dich dazu bewegt Rapper zu werden?

Ich fand irgendwie die Attitüde, sich damit ausdrücken zu können und eine Message verbreiten zu können, cool. Das hat sich halt irgendwann so entwickelt. Am Anfang war das alles eher nur Spaß, aber dadurch, dass ich am Ball geblieben bin, kann ich inzwischen Sachen, die ich fühle, ausdrücken und anderen hoffentlich auch vermitteln.

Kannst du dich noch erinnern, wer der erste deutschsprachige Rapper war, den du gehört hast?

Ja ich denke das war Bushido. Bushidos Carlo Cokxxx Nutten II. Das habe ich als aller Erstes gehört.

Dein Album heißt „Willkommen im Leben“, warum?

Ich hab mich mit Lebenslagen und Lebenssituationen beschäftigt, mir darüber Gedanken gemacht und dementsprechend hat der Titel einfach gepasst. Das Album enthält Gesellschaftskritik, ist aber gleichzeitig auch eine Aufforderung Lebenslagen einfach mal locker zu sehen, was mir mit dem Song „Kopf aus“ glaube ich auch ziemlich gut gelungen ist.

 

Der Track „Hier bin ich“ klingt nach einem Befreiungsschrei – oder ist es eher der Mittelfinger an alle Pessimisten und Hater?

Rap ist ja auch oft viel Interpretationssache. Ich habe das für mich persönlich dann eher als Schritt gesehen, angekommen zu sein. Endlich das erste Projekt zu starten und ich bin da mit voller Vorfreude und Motivation rangegangen und da finde ich, das passt im Intro mit „Hier bin ich“ am Besten.

Auf deinem Album hast du ein Feature mit niemand Geringerem als JoKa – wie kam es dazu?

Ich habe mir irgendwann mal gedacht, dass ich einfach den Manager von JoKa anschreibe und ihm ein paar Hörproben schicke. JoKa hatte auf jeden Fall Bock und sogar so Bock, dass er zu mir ins Studio gekommen ist. Das war krass.

Der Track, auf dem ihr beide zu hören seid, heißt „Deutschraps Ideal“ – ist ja schon ne Ansage.

Ja definitiv. Es war mir aber auch wichtig, dass es einen Battle-Rap-Song auf dem Album geben sollte. Und JoKa ist ist auf jeden Fall eines meiner Vorbilder, wenn nicht sogar das Vorbild in der Deutschrapszene.

Im Vergleich zu JokA stehst du ja noch in den Startlöchern. War eure Zusammenarbeit für den Track ein Schüler-Lehrer-Ding?

Ja klar. Er ist ja auf jeden Fall weiter. Weiter was Business angeht, seine Skills und so weiter. Also von daher war er für mich schon der Lehrer, der mir gesagt hat wie ich was machen kann. Das war auch gut so, denn er ist ja nicht nur zwei Meter groß, sondern für mich auch wirklich einer der Größten.

Hast du von JoKa auch ein Feedback auf dein Album bekommen?

Ja, er hat sich das angehört. Er meinte es ist lyrisch alles sehr gut, wobei er so Kleinigkeiten einfach anders gemacht hätte. Aber das ist dann ja auch wieder diese Lehrerfunktion von der wir eben gesprochen haben. Ja und er hat mich auf jeden Fall motiviert und mir gesagt, dass ich weiter machen soll. Also einfach krass, wie sympathisch er dabei war. Dieses real bleiben, das war ja immer so das, wo ich gesagt habe, das ist wichtig und mir persönlich halt auch wichtig und das strahlt er halt einfach alles aus. So will ich das auf jeden Fall auch angehen. Hoffen wir mal, dass das alles so klappt.

Mit JoKa hast du ja schon ein großes Vorbild als Feature. Gibt es noch jemanden aus der Szene, den du irgendwann mal gerne als Feature haben möchtest?

Also ich glaube nach JoKa wäre der nächste Schritt, falls sich das überhaupt realisieren lassen würde, MoTrip. Ich hab beide Alben, also „Mama“ und „Embryo“, mittlerweile schon so oft gehört. Das ist lyrisch für mich einfach oberste Klasse. Also „Mama“ mittlerweile noch extremer als „Embryo“.

Wie stehst du zum Ghostwriting?

Ich hab gar nichts gegen das Ghostwriting, weil so das Business läuft. Oder anders gesagt, ich habe es gar nicht anders kennengelernt. Wenn jemand das Geld hat und dann den anderen dafür bezahlen kann, dann denke ich, ist es ja ein Geben und Nehmen. Aber wo ich dann manchmal in den Zwiespalt gerate ist, dass vielleicht nicht so viel Herz und Leidenschaft wie in den eigenen Texten steckt. Das ist natürlich kacke, aber für das Business an sich und wenn die Mucke stimmt, wen interessiert dann wer den Text geschrieben hat.

Ghostwriting ist ja eigentlich schon immer ein Teil von HipHop. Manche sehen es sogar als eine Art Ausbildung für jüngere Talente. Würde das für dich auch in Frage kommen?

Ich denke, das ist gar nicht so verkehrt. Ich wäre ja ein richtiger Idiot, wenn ich so etwas ausschlagen würde. Fabian Römer und MoTrip haben ja auch mal ein ganz cooles Interview gegeben. Die haben ganz offen über das Thema gesprochen.

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here