Nazar – Kinder des Himmels

Vor ca. einem Jahr griff Nazar selbst zum Mikrofon und erkannte schnell sein Talent.“ – das steht auf der MySpace Support-Seite des Künstlers, welcher wirklich sehr schnell sein Talent erkannt haben oder einfach schon vor dem Entdecken von ebendiesem mit den Aufnahmen zum mir hier vorliegenden Album angefangen haben muss. Vielleicht war der Ideenfindungs- und Schaffensprozess zu "Kinder des Himmels“ aber auch relativ kurz, was einiges erklären könnte. In jedem Fall ist der erste Longplayer jetzt da und ja, vermutlich haben wir alle darauf gewartet. Solche Sätze stehen nämlich normalerweise in den CDs beiliegenden Pressemitteilungen. In dieser hier nicht, was die Herren von Assphalt Muzik spontan sympathisch macht. Dafür werden einem „16 authentische und qualitativ seines Gleichen suchende Tracks“ versprochen. Gut, wir werden sehen. Das Label selbst gibt es auch erst seit einem Jahr, anscheinend entdeckten die Gründer ihr Musikindustrie-bezogenes Talent ungefähr zeitgleich mit Nazar. Der wurde in Wien als Sohn iranischer Einwanderer geboren, eventuell fühlt er sich deshalb auch "Fremd Im Eigenen Land“. Hierbei möchte ich anmerken, dass ich nie, nie mehr auf irgendeiner Tracklist diesen Titel lesen will. Zumindest nicht mehr dieses Jahr. Dankeschön.

Genug zur Person, kommen wir zur Musik. Um eins von vorneherein klar zu stellen: dies hier ist ein absolut typisches Straßenrap-Album. Von Vorne bis Hinten werden genau die Themen behandelt, die man erwartet. Raptechnisch bewegt sich das auf solidem unterdurchschnittlichem Niveau, auch bei Cover und Artwork hat Assphalt Muzik alles richtig gemacht: genau so gestaltet man derartiges bei einem weichgespülten Gangster-Poeten. Für die Musikliebhaber, die auf witzige Wortspiele, abgedrehte Flows und innovative Beats wert legen, ist diese Platte absolut uninteressant. "Kinder des Himmels“ will aber auch nichts sein, was es nicht ist. Viel mehr stellt es ein ehrliches Debüt eines leidlich talentierten Künstlers dar, der Musik als seine Chance sieht, aus dem österreichischen Ghetto zu entkommen. Es ist ein harter Struggle zwischen Gangs und Germknödeln.

Beattechnisch gesehen machen alle 16 Tracks (inklusive In- und Outro) im Rahmen der vorgegeben Düster-Thematik durchaus Spaß. Egal ob Beatzarre, Woroc oder Beatlefield – dramatisch, mitunter orientalisch angehaucht, wird eine bedrückende wie berührende Atmosphäre geschaffen. "Fahrt In Die Hölle“ ist so ein Track, wäre da nicht die absolut unerträgliche Hook. Diese singt, nein, viel mehr schluchzt der Künstler Tarèèc und erinnert dabei an eine Karikatur von Enrique Iglesias. Nur schrecklicher. Unser Freund aus Frankfurt, Jonesmann, darf dann bei "Wenn Es Nacht Wird“ ran und beeindruckt ebenfalls nicht übermäßig. Viel mehr vermittelt sich der Eindruck, das Lied solle den Hörer einschläfern, was beim Tracktitel nicht unbedingt so total an den Haaren herbei gezogen sein muss. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass weder Nazar selbst, der uns mit Zeilen wie „Ich steige auf, als würde ich jetzt auferstehen“ und „In der Großstadt bist du reich oder ein Flohsack“ beschenkt, noch die anderen geladenen Featuregäste, namentlich Raf Camora, Godsilla, MC Bogy, Deso Dogg und Labelkollegen Emirez und Ezai sonderlich unterhalten. Wie gesagt, ein Straßenrap-Album, wie es sie zuhauf gibt. Man muss es mögen. Ich persönlich erwarte mir von einem Künstler allerdings mehr als bloßes Phrasendreschen und selbstgerechte Sozialkritik.

Schlussendlich ist "Kinder Des Himmels“ ein Genre-Album allererster Güte. Ein bisschen wie bei einem guten Splatterfilm: wenn man diese Stilrichtung mag, definitiv zu empfehlen, ansonsten nur geringfügig unterhaltend bis schlichtweg entbehrlich.

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