Gzuz macht’s richtig: Kein Bock mehr auf QVC [Kommentar]

Gzuz kommt auf den Punkt. Kein Bock auf langatmiges Vorspiel. Der 187 Strassenbande-Rapper ist innerhalb kurzer Zeit schon der Dritte, der ohne konkrete Vorankündigung, ohne lange Verkaufsgespräche sein Album droppt. „Ebbe & Flut“ , das morgen erscheinen wird, kommt zwar nicht – wie bei Kollege Sierra Kidd – völlig aus dem Nichts. Trotzdem hat auch der Hanseate sich den mittlerweile eingeübten Ritualen der Produktanpreisung fast völlig entzogen.

Dabei ging er es im Prinzip eher an wie Weekend. Es war klar, dass ein Album erscheinen wird – aber eben nicht wann. Es gab den Titel, es gab ein Cover. Und es gab ein herrlich rotziges Fanfragen-Video, in dem Gzuz gerne mit einem Wort, am besten gleich nur mit einer Silbe antwortete.

Das alles passt natürlich bestens zur 187 Strassenbande allgemein und Gzuz im besonderen. Die Jungs haben einen Hype, den sie sich vernünftig aufgebaut haben und der weiter stetig und gesund wächst. Sie haben ihre Fans offenbar richtig erzogen: Diese brauchen keine geheuchelte Verbundenheitsbekundung und keine aufgesetzte Wir-sind-alle-zusammen-eine-Bewegung-Scheiße. Nein. Sie mögen es trocken, ehrlich und kompromisslos.

Somit war das Risiko vielleicht sogar geringer als bei den beiden Vorgängern. Trotzdem gebührt Auf!Keinen!Fall! großer Respekt für den Move. Ein Label hat schließlich immer die geschäftlichen Interessen im Blick. Und jeder kann sich denken, dass ständige Kauferinnerungen letztlich immer ein paar verkaufte Tonträger mehr bedeuten. Darauf zumindest zum Teil zu scheißen und stattdessen dauerhaftere Werte in den Vordergrund zu stellen – beste.

Damit ist der Gegentrend endgültig da. Kann man nicht mehr als Einzelaktion abtun. Drei so unterschiedliche Künstler wie Gzuz, Weekend und Sierra Kidd haben mit ihren Aktionen neue Standards gesetzt. Nicht vergessen darf man dabei, dass zuvor auch bereits ASD, Liquit Walker und Bushido deutlich reduzierte Promophasen zu ihren jeweiligen Veröffentlichungen absolviert haben – womit man vier weitere sehr heterogene Rapper zu den Pionieren zählen darf.

Denn Pioniere sind sie alle: Indem sie ein Zeichen setzen, den Fokus weg von Nebenkriegsschauplätzen hin zum wesentlichen, zur Essenz lenken: Rap. Weitere werden folgen. Soll uns nur recht sein.

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here