Tua – Totentanz im Ska RMX

Tua, einziger verbliebener Künstler neben Samy selbst und Ali A$ bei Deluxe Records, veröffentlichte vor kurzem auf der JUICE CD den Track "Dieser Junge", der durchaus Anklang fand in den einschlägigen Foren und auch beim gemeinen Volk. Umso erfreuter sind wir nun euch mitteilen zu dürfen, dass auch wir ein Exclusive vom Orsons-Mitglied präsentieren können.  Weil uns das aber wie immer nicht reicht, gibt es noch ein Interview dazu mit durchaus nachdenklichen Passagen, passend zu den herbstlich-melancholischen Bildern. Habt Spaß.
Zuerst ein Vorschlag: Noch ist es dafür nicht zu spät. Lass in einem theatralischen Abschiedstrack verlauten, dass du nie, nie, nie wieder rappen möchtest und bring dann das Album doch raus. Wäre das was für dich?
Könnte man natürlich versuchen, aber ich habe meine persönliche, besonders intelligente Strategie gefunden, die ich seit geraumer Zeit durchziehe: Ständig neue Releasedates ansagen und dann solange verschieben, bis auch der Letzte, den es interessiert hätte, schließlich die Nerven verloren und einen verflucht hat.
Andere Möglichkeit: Du steigst bei Deluxe Records aus und erklärst, dass ausschließlich Samy für dein Scheitern verantwortlich ist. Ist Deluxe Records so schlimm, wie alles sagen?
Nein. Es ist nur so, dass (und das kann ich soweit natürlich nur für mich selbst sagen) Deluxe Records anders funktioniert, als ich es mir anfangs erwartet und gewünscht hätte. Man muss einen Haufen Geduld mitbringen und Vieles auch selbst machen. Und angesichts der momentanen Unwirtschaftlichkeit von Deutschrap, kann ich natürlich auch nicht erwarten, dass in mein Projekt 100.000 Euro gesteckt werden, das wäre einfach dumm. Natürlich ist eine solche Situation für einen Künstler nicht immer zufriedenstellend, ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mich zum Beispiel nicht nervt, dass mein Album so spät erst erscheint. Aber wie gesagt: Ich verstehe auch, dass Deluxe Records einfach ein bisschen wirtschaftlich denken muss und dass man sich eben auch selbst keinen Gefallen tut, wenn man "hauptsache schnell" Sachen raushaut, anstatt wenigstens zu versuchen, das in einem anständigen Rahmen zu platzieren. Ich seh das etwa so: Zaubern kann keiner und Milliardär ist auch keiner von den Indielabels. Also muss man als Künstler eine vernünftige Erwartungshaltung einnehmen, sonst kann man ja nur gefrustet sein. Oder man hört halt auf, dann braucht einen das nicht mehr zu interessieren. Ich persönlich kann jetzt eh nicht das Musikgeschäft ändern, also versuch ich lieber das zu machen, was ich kann: Gute Musik.
 
Der Sampler heißt: "Liebling ich habe das Label geschrumpft." Bist du stolz, den Schrumpfungsvorgang überlebt zu haben?
Ach, ich hab das gar nicht so als "Schrumpfvorgang“ wahrgenommen. Ich hab ja mit dem alltäglichen des Labels kaum was zu tun und mit den anderen Künstlern noch weniger. So Labelabgänge, im Guten oder Schlechten, sind ja immer teils wirtschaftlich und teils persönlich. Weil man zum Beispiel unterschiedliche Erwartungen hat, oder persönlich nicht aufeinander klarkommt. Da für mich bisher weder massig Geld umsonst ausgegeben wurde, noch es persönliche Probleme gibt, gab es auch keinen Grund, mein Album da NICHT rauszubringen. Was „stolz darauf sein“ betrifft, so finde ich ehrlich gesagt dieses liebesbeziehungsartige Verhältnis zu einer Plattenfirma ziemlich albern. Das ist doch Geschäft und kein Fußballverein oder so. Außerdem sollte man sich als Künstler nicht über sein Label definieren, sondern selbst DAS sein, um was es geht. Ob ich persönlich jetzt bei Deluxe bin oder sonst wo, macht für mich keinen Unterschied im Bezug darauf, dass ich finde, dass ich gute Musik mache und eine Daseinsberechtigung hier habe.
Zitat aus einem Forum: "bei dem was Tua in letzter Zeit abgeliefert hat, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht eine Offenbarung auf uns wartet. Hoffe, das Ding findet Beachtung, sowie angemessenen Absatz." Was wirst du uns offenbaren und was wäre deiner Meinung heutzutage angemessener Absatz, beziehungsweise was erwartest du dir realistisch?
Das ist ja ein cooler Eintrag. Danke an den Schreiber. Ob das eine Offenbarung wird, muss ja dann der Hörer entscheiden. Das Album ist aber auf jeden Fall durchdacht, detailverliebt, in der Form noch nicht dagewesen und sehr stimmungsvoll. Man wird es auch ,ohne sich schämen zu müssen, jemandem zeigen können, der sonst eher weniger HipHop-Fan ist.  Es ist sehr ernst, regt hoffentlich den ein- oder anderen zum Nachdenken an und ist zum genau zuhören geeignet. Was ein angemessener Absatz ist, kann ich auch nicht sagen, weil ich mir natürlich eine Milliarde verkaufte Platten wünschen würde. Wenn ich mehr als 2000 Stück davon verkaufen kann, dann ist es heutzutage schon cool. Woah, klingt das furchtbar, wenn man es mal so offen sagt. Tatsächliche Plattenverkäufe sind ja so bisschen ein unangenehmes Thema im deutschen Rap.
Nur mal angenommen Hip Hop würde morgen tatsächlich sterben. Was würdest du an seinem Grab sagen?
HipHop ist tot, es lebe HipHop!
 
"Tua ist kein freundliches oder kluges Schwein. Tua liest keine Bücher. Nie. Er nimmt auf dem Bauernhof, aufgrund seiner Brutalität und seines Alkoholkonsums eine Art Außenseiterrolle ein" oder "Die Flic Flacs haben ein Gangmitglied das etwas aus der Reihe tanzt und Tüa heißt. Tüa ist sehr gefühlvoll. Muss schnell weinen, mag gute Bücher und unterhält sich gerne." Empfindest du dich als Schwein oder Ratte? Warum?
Oh diese Pressetexte. Solche Definitionen töten den Orsonsgeist ab. Wer ein Orson ist, der kann alles sein. Manchmal, wenn ich zum Beispiel Kaas treffe, ist er einfach ein Baum mit herzförmigen Blättern.  Neulich erst war ein großer, starker Bär, der sich an Liebeshonig erfreute. Alter. Schreib doch nicht so was. Na ja und gerade zum Beispiel habe ich gemerkt, dass ich AUS DEM NICHTS heraus eine Verspannung im Nacken bekommen habe. Geil. Das ist zum Beispiel eher FlicFlac mäßig.
Was nervt dich an deutschem Rap am allerallerallermeisten?
Ideenlosigkeit, beziehungsweisen die gleichen Ideen haben wie 10.000 Rapper vor einem und sich dann fühlen, als wäre man die menschgewordene Innovation. Hmm. Wobei, weiß gar nicht, ob das jetzt das Schlimmste ist. Da nervt mich eigentlich Vieles. Aber ich will ja auch nicht immer kotzen. Man kann sich ja mal mein kleines Lied namens "Dieser Junge“ anhören, da rede ich genau darüber. Und im Endeffekt: Gut, wenn alle das gleiche machen, dann hab ich es schon leichter, anders zu sein.
Dein Rückblick 2008? Ein gutes Jahr?
Ein gutes Jahr, ja. Dass unsere Orsons-Spinnerei so große Wellen schlagen würde, hätte ich nicht gedacht. Live hat das Riesenspaß gemacht, haben ja auch recht viel gespielt dieses Jahr. Splash! und HipHop-Open waren wundervoll (so weit ich mich erinnern kann). Dann noch das Minirelease von "Inzwischen". Hätte mir gewünscht, dass Kaas' und mein Album dieses Jahre erschienen wären. Wir warten jetzt echt schon lange drauf. Geld haben wir auch alle nicht wirklich verdient. Aber egal, wir hatten auf jeden Fall eine super Zeit, vielen Dank an all die, die auf die Konzerte gekommen sind, die hammer Feedback gegeben haben und so viele neue Türen geöffnet haben.
 

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