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Kennt ihr das, wenn euer Kopf voller Scheiße ist, kurz vor dem Platzen und bereit zu Kacken? Und ihr versucht, eure Gehirnzellen kaputtzusaufen, um nicht mehr so viel nachdenken zu müssen, ein Abführmittel für den Kopf zu finden, um den Inhalt nach draußen zu befördern? Aber ihr wisst nicht, wie es geht, wie ihr das anstellen sollt? Nein? Ondy aber kennt dieses Gefühl sehr gut. Und obwohl auch er nicht weiß, wie es geht, findet er doch eine Lösung: Er presst die Scheiße aus seinem Kopf auf eine CD, und lässt dabei nichts aus. Das zumindest besagt der Text seines ersten Songs "Kacksilo" von seinem Album "Supravital". Mit dieser Ansage nimmt er jedenfalls allen die Möglichkeit, ihn damit beschimpfen zu können, dass er ein Scheißalbum gemacht hat. Props dafür. Eine ekligere Art ein Album zu eröffnen, gab es selten. Perfekter Selbstschutz.
Nun haben wir aber das Problem, dass wir auf dem Album einfach alles vor den Latz geknallt bekommen, was dem 26-jährigen Ulmer so durch den Kopf geht. Und man kennt das vielleicht von sich: versucht man ALLE Gedanken zu Papier zu bringen, kommt ein heilloses Durcheinander dabei heraus. Damit wird es schwierig, einen roten Faden zu finden, etwas, was sich vielleicht durch das ganze Album zieht.
Stattdessen sind die Themen sehr vielfältig: Es geht um Gedanken, um den eigenen Charakter, die Fassade die sich drumherum befindet, um das Verhalten, das Dasein im Allgemeinen und dann auch wieder einfach nur ums Saufen. Um jede Menge Dinge, die manchmal auch ziemlich durcheinander geraten. Ich würde fast sagen, dass es kein Konzept gibt, denke aber eher, dass diese Konzeptlosigkeit das Konzept ist. Und wenn man so Allerlei anbringt, was einen beschäftigt, dann ist die Voraussetzung dafür, dass es jemand gut findet, die, dass derjenige sich damit identifizieren kann. Sonst kann das Hören eines solchen Albums schnell langweilen.
Es ist eben kein Storytelling, das aus den Boxen dröhnt, keine Geschichten, die man surreal, witzig, langweilig, gruselig oder was auch immer finden kann. Es ist eher rappen, um sich selbst zu sortieren und zu therapieren.
Die Sprache im Album ist, entgegen dem Eindruck, den man beim Hören des ersten mit Fäkalsprache geradezu überladenen Tracks gewinnt, sehr gemäßigt. Standardsprache, ohne Kanaken-Deutsch, ohne vulgäre Ausdücke nur mit ein klein Bisschen schwäbischem Akzent, der ab und an durchblitzt. Gerade weil die Sprache aber im Grunde genommen so gemäßigt ist, wirkt es durchaus aufgesetzt, wenn einem dann doch plötzlich "Arschloch im eigenen Saft" entgegenschlägt. Das sind dann aber wiederum genau die Zeilen, die hängen bleiben. Was natürlich nicht heißt, dass Fäkalsprache die Lines besser macht, aber es ist etwas Markantes. Und das ist genau das, was dem Album ansonsten fehlt: markante Lines. Denn so sehr ich etwas zitieren wollen würde, wüsste ich auch nach dem fünften Durchhören des Albums nicht, was?
Ondy ist auf jeden Fall der Sprache mächtig und rappt auch ganz gut. Anders kann man es nicht sagen, die Reime sind solide. Die Beats sind vielfältig, oft tanzbar und manchmal ziemlich poppig. Die Stimme im Vergleich ist hell und kratzig und wirkt eher rockig. Es passt alles recht gut zusammen und die Musik nervt nicht. Das ist als Kompliment gemeint, denn man kann sie sich anhören, ob beim Kochen oder beim Chillen. Man kann es aber auch lassen. Womit ich sagen will: Man muss es nicht tun, denn vom Hocker reißt es einen dann leider auch nicht.
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