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review | Lea-Won
Autor: Der Digitale Flaneur
25.02.2010 Lea-Won
Farbe Verleihen

Label: Eigenvertrieb
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Politischer und cleverer Hip Hop hatte in den letzten Jahren und in deutschen Landen ja einen eher schweren Stand. Lag teilweise an den Machern, teilweise an den Adressaten. Mir persönlich sind auch diese ganzen Polithopper mit hoch erhobenem Zeigefinger und schwachbrüstigen Skillz eher zuwider, wer nicht tight rappen kann, sollte in den Printmedien bleiben & Pamphlete drucken, fertig. So läuft es in der simpelgeistigen Welt des Flaneurs. Andere Kandidaten sind dann aber doch zu raffiniert, um von den Kassenwarten der örtlichen Graurückenstammtischrunde im mobilen Basssystem gepumpt zu werden.

Jemand, der auch weiterhin von der breiten Masse ignoriert werden wird, ist der umtriebige Münchener Lea-Won, welcher dem geneigten Hörer wohl schon alleine aufgrund seiner zahlreichen Veröffentlichungen aufgefallen sein könnte. Ob solo oder im Verbund mit Lautleben, hier haut jemand Silberlinge raus wie ein Pontius Pilatus. Bald werden es wohl dreissig sein, auf denen immer wieder Verrat an Staat & Szene geübt wird. Und dies nicht voller Überdruss und ohne Flow, sondern mit spitzer Feder & einem wachen Geist.

Seit dem 16. Februar bietet er seinen neusten Streich "Farbe verleihen" auf seinem MySpace-Profil kostenlos zum Download an, also hin gehen und saugen, denn - zum einen schaut man geschenkten Gäulen nicht in den Rachen, aber man ignoriert auch keine Katze die Geschenke machen. Die fünftrackige EP schlägt in die selbe Kerbe, die wir von Lea-Won gewohnt sind, aber - wer ihn noch nicht lieben gelernt hat, wird ihn aller Wahrscheinlichkeit nach, auch weiter hassen. Für alle anderen gilt: Diffuse Poesie auf umwerfenden Beats ... Lea-Won und Defoos - ziehen, hören, lieben!

Beats, diese Beats - es überrascht nicht, dass der Beatschmied sich Defoos nennt, (wer dieses kleene Wortspiel jetzt nicht checkt, sollte die Finger ohnehin von der EP lassen) denn seine kleinteiligen Skizzen stecken voller Überraschungen. Dieser Gourmet serviert keine reinen Bumm-Tschak-Beats, keine mit mediokren D&B angereicherten Tanzflurhobel und auch keine jazzy Wohlfühlcuts, sondern einen sehr eigenständigen Klangentwurf, den ich in Deutschland bislang eher selten gehört hab. Nackendehnende Beats, Soundscapes für U-Bahnfahrten, leckere Vocalcuts & Filmzitate, weite, atmosphärische Flächen - Defoos zwingt den MC zur Entfaltung  und Lea-Won rechanchiert sich mit Styleabfahrten der anderen Art. Passt!

Und Lea-Wons Lyrics sind echt mehr als nur einem flüchtigen Hinhörer wert, denn die politischen Spitzen sind eher verdeckt, hier kotzt keiner Parolen & Bescheidwisshalbwahrheiten aus, aber hier werden definitiv saftigere Ohrfeigen verabreicht als bei manch einem anderen rappenden Kollegen.

Was mir persönlich an Lea-Won sehr zusagt ist seine komplette Weigerung mich zu belehren, hier werden keine Zustimmungsorgien vertont, keine catchy Reduktionen von komplexen Problematiken auf Beats geknallt, sondern es wird vielmehr Musik zum Nachdenken & Zuhören gemacht. Sein galliges, wunderschön herablassendes "Wo ist das Geld hin?" ist möglicherweise das beste Kommentar zu Finanzkrise, Geheimbundhysterien und andere Schuldzuweisungsorgien, das ich in den letzten Monaten gehört hab. Keine hysterische 23-Suchen-und-Finden-Poesie, wie sie nach dem sehr guten Prinz Pi-Song von sehr vielen, sehr viel schlechteren Adepten des Geheimwissens in Mode kam, keine einfachen Antworten, keine Gewissheiten, sondern einfach nur ein Text, in dem er seine Sicht der Dinge sehr ironisch in dein Ohr tropft.

Schön zu sehen, dass er immer weiter aneckt, Leute zu nachdenken anregt & die Stumpflinge (aber auch die selbstgerechten Anderen) dieser Szene einfach alleine weinend im Regen stehen lässt und dass er Anfeindungen aus der Szene kennt, zeigt seine hintergründige, düstere Auseinandersetzung mit schlägernden Trotteln ("Unverletzlich") und die ist selbst für ihn richtig weit draussen!

Welcher Song mir persönlich aber wieder und wieder unter die Haut fährt ist sein Postbeziehungstune "Phantomschmerz". Jede/r dessen/deren Herz gerade heftig tiefrotes Liquid auf den Boden tropft, weil jemand gegangen ist, mit dem man noch Stunden, Tage, Monate teilen wollte, wird ihn lieben. Normalerweise hasse ich Liebeslyrik wie italienische Präsidenten 'ne funktionierende Justiz, aber hier kann ich nur sagen, großes Kino!

Der Flaneur haut soviel Text zu drei von fünf Songs raus, da scheint jemand mit Inhalten zu punkten...Ja, überrascht? Dann komm mal raus aus deiner Punchline/Battle-Nische, aus deiner engstirnigen Politrapecke, aus deiner "Ich such im Ganjanebel nach den letzten Antworten"-Ecke& lern' ihn lieben. Ein MC mit Kante, Wortwitz und einem unglaublichen Gespür für atmosphärische Songs auf den sehr feinen & eigenständigen Beats von Defoos.

Zu den anderen Themenfelder: Szenenhassliebe, Herzbluten, Hass/Liebe, urbane Malerei, Famebitches, Geldgier, Tanz, Messerstechen, Phantomschmerz ... usw. Checkt die EP!
 
+++Der Digitale Flaneur ist Gast-Autor und betreibt einen viel beachteten Blog, in dem er auch Comics und andere Themenfelder der modernen Pop-Kultur bespricht. Mehr auf seinem Blog!+++

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Kommentare:
Summse   25.02.2010
Schöne Review! Lustig, kritisch und auch in offenen Symphatie für Lea bissig. Lasst den Flaneur ma mehr schreiben. Ernsthaft!

man edge a   25.02.2010
LEA-WON & DEFOOS "Farbe verleihen" -> snippet auf youtube: http://www.youtube.com/watch?v=dLwSYE8qXe0 // kostenloser download auf www.Lea-Won.net // songs in voller Länge anhören, downloaden, und wer Geld hat bitte spenden auf http://Lea-Won.Bandcamp.com

Thomas Klavitter   25.02.2010
Schwabenrap braucht niemand

oink.   25.02.2010
@thomas. wenn für dich münchen schwaben ist, dann brauchst du eindeutig mehr schulbesuche. und ansonsten solch grandiose ergüsse gehören eh aufs schulklo, aber bitte nicht hier her. ich muss sagen, ich kenne weder lea noch den schreiber, aber irgendwie macht der text lust auf mehr ... und thomas, geh mal nachsitzen.

tnk   26.02.2010
Lea-Wrong!

Strulle   26.02.2010
Ich hab die EP noch nicht gehört, ab die Review war das bestgeschriebene, was ich seit sehr langer Zeit auf dieser Seite gelesen hab. Props an den Flaneur!

Skeptiker   26.02.2010
Freude, Freude, ist ganz egal, ob es eine Platte, von Kurzer Prozess, Chaoze One, Holger Burner, Schlagzeiln, Tapete, Pyro One ist....viel wichtiger ist, dass endlich mal der intelligente & politische Rap in Deutschland hier auf "Bild.de" statt findet. Traurig & Typisch, dass das Review von einem Blogger eins zu eins übernommen wurde und weder Mr. "Meinungsmacher" Staiger noch Lisa (schreibt wahrscheinlich gerade einen myspace Blog über eine unerfüllte Liebe im Wodkarausch) noch andere Menschen, die hier schreiben, Zeit für diese Musik finden. Traurig

RapbrauchtniemalsAbitur   27.02.2010
Denkste du Germanistikstudent weil du weiss was Defoos bedeudet ?

kommentator   27.02.2010
@skeptiker ... was is schlimm drann, dass es ein blogger war, der hier als freier autor zweitveröffentlicht? und seine erste review is knapper, die hier aber deutlich bissiger. also mich kümmert es nicht wer wo schreibt, sondern dass überhaupt wer schreibt & wenn du dir seinen blog anschaust, hat der typ ohnehin talent, plan & viel viel liebe. also kommentiert doch auch mal dort. @rap braucht ... ich glaub du du weisst nicht mal was ein germanist is. sorry, aber in neun worte so viel nonsense zu verbreiten, wäre mir (ich ohne abi und so) echt peinlich.

@oink.   27.02.2010
Ok, sorry oink! Bayern hat nichts mit Schwaben zu tun. Bayern auch nichts mit München zu tun.. Wir können uns ja mal zum Krümelkac*en auf deinem Hauptschulklo verabreden? Für uns hier im Berliner Raum sind Bayern und diese ganzen Stuttgerds nun mal Schwaben, so zu sagen ein Oberbegriff. Wenn du damit in deinem Dörfchen nicht klar kommst, dann macht mich das sehr betroffen.

@thomas   28.02.2010
sorry, ich bin auch Hauptstädter, zwar vor einigen Jahren erst zugezogen & kein Schwabe, keine Angst. Fand deinen Kommentar halt so ein bissl platt, wenn du aber den berliner Sammelbegriff nutzt, gut, was soll ich da sagen, den benutz ich ja auch sehr gerne selber, daher ok. Missverständnis. Aber ich finde er macht trotzdem keinen Schwabenrap ... is bei mir sowas wie Blumentopf oder sowas. Friede? Also lass ma eher treffen und lieber Murmeln spielen, statt Trockenfrüchte auszuscheiden ;).

LW84   28.02.2010
@ "@ oink": was hast du eigentlich gegen hauptschüler und -schülerinnen!? diese feindlichen statements gegenüber menschen, die es aus irgendwelchen sozialen, strukturellen oder sonstigen gründen nicht geschafft haben, sich aufs gymnasium durchzuboxen, finde ich echt zum kotzen. sollte es - in der hiphop-szene zumindest - nicht um was anderes gehen, als in der mainstream rest-gesellschaft!? arbeiterklasse, bilde mal dein bewusstsein! ...genauso beschämend, wenn hier (auf rap.de und im hiphop-netz allgemein) leute, deren eltern genug geld oder die selbst genug zeit und möglichkeit hatten, gut deutsch zu lernen, sich darauf einen runterholen. ihr pappnasen! steppt in die cipher und messt euch auf kreativem wege. spielt mit-einander, statt gegen-einander. "ich dachte, hiphop wäre anders, ihr habt mich n bisschen enttäuscht". // zum rest: ...

@lw84   01.03.2010
du kläffst den völlig falschen Baum an / ich hab nix gegen Hauptschüler, sondern nur was gegen Menschen die sich mit dieser Welt zufrieden geben & in sich ihrer Ignoranz suhlen, obwohl sie wüssten, es könnte besser sein. Kannste jetzt kritisch finden, is aber so. Und als Mensch bin selber Arbeiterklassenkind, dass es dann aufm 2ten Bildungsweg zum Studium brachte, also bitte bitte belehre mich nicht über die sozialen Ungleichheiten in dieser Gesellschaft, nict hier & nicht heute. Ich hatte Brüder Grimm nicht tausendfach auf Tasche, hab mich durchgeboxt & Steine gefressen noch und nöcher ... du auch?

DerdigitaleFlaneur   01.03.2010
Also ich schreib jetzt auch mal was. Was bitte macht ihr hier fürn Strohfeuer? Das war ne Review und keine Plenumssitzung. Also lasst mal eure Diskurse hier raus. Bildungspolitik diskutiert man eh nicht in Foren. Ich hab auch auf dem 2ten Bildungsweg mein Abi/Studium gestemmt & kam vor der Hauptschule zur Uni als Arbeiterkind - und? Soll ich jetzt vor Stolz platzen & mir einen auf meine Biografie klöppeln? Soll ich jetzt Fahnen nähen oder sagen ich kann als Studentenrapper & "Hauptschüler" (was auch hier damit meint) sprechen ... weil ich so authentisch & echt bin? Sag ma - hackts? Es gibt Leben ausserhalb des Planeten Rap, denen dieses Trueness-Gefassel sicherlich nix bedeutet & zwar zu recht. und nochmal zu den Bildungsgrenzen zurück: Ich kenne Leute ohne jeden anerkannten Bildungsgrad die viel viel mehr Wissen besitzen, als die Experten der Unis, natürlich. Und nein dass sind keine Mutanten ... was ein Hasengespräch. Der Abiturient als Übermensch oder wie? Nee - nicht für mich, is mir echt zu albern, aber ich muss auch sagen, ich hör mir lieber klugen Rap an als dummen, egal ob der Typ nun Abi oder nicht hat, Schwabe ist oder Berliner ... ein MC muss per Botschaft überzeugen & nicht durch sein Image, fertig. Vielleicht bin ich ja ein ewig gestriger Oldschoolschädel, aber auch wenn so ist, so gefällt mir Rap einfach besser ... und damals, da hat LW84 ganz recht, trat man auch mit dem Gedanken an each one teach one & nicht each one diss one - kooperation keine konkurrenz & wenn dann sportlich, aber hier spucken alle dem anderen in die Suppe, nur um zu zeigen, dass sie es können. Traurig was hier manche von sich geben & rapbraucht ... ich hab zwar abitur, aber germanistikstudent war ich nie - tut mir leid. Und wenn dass du auf so eine klitzekleine Spitze schon so rasend reagierst, sagt viel aus über dich. Ich disse keinen durch hochnäsiges Gehabe, triff mich vis-a-vis und wirst es feststellen, aber onlinehaten is so cheap! @die lober. Danke.

bin ich s nochmal!? vielleicht.   01.03.2010
@ "@ LW84" -> erstmal: cooler name. zweitens: in deinem dritten satz muss es "das" statt "dass" heißen. drittens: wenn du nichts gegen hauptschüler hast, dann hör auf, dich über hauptschüler/innen lustig zu machen, indem du jemandem, der nicht deine Meinung vertrittst, vorschlägst, dich auf dessen hauptschulklo zu treffen. ich hab auch ne andere meinung als die meisten, aber egal, ob die auf ner hauptschule oder auf nem gymnasium sind. oft zeigt sich, dass "bessere" Bildung Kinder nicht unbedingt zu schlaueren oder lieberen menschen macht. und was der digitaleflaneur hier unten noch kommentierte: ich hör mir meistens auch lieber schlauen rap an als "dummen". aber was dabei auch nicht fehlen darf, ist doch die emotion. und selbst jemand, der auf der hauptschule ist (ob selbst "verschuldet" oder nicht), muss deshalb noch nicht zwangsläufig ungebildet sein, und davon unabhängig schon gar nicht dumm usw usw. Als würde nur die Schule dafür sorgen, was wir für Menschen werden... ist nicht so. usw... komische diskussion. gebt feedback zu den tracks, schaut euch das (echte) cover mal in groß an, und spendet mal 2 euro oder so, wenn ihr n bisschen geld übrig habt. http://Lea-Won.bandcamp.com

nönönö   02.03.2010
also zurück zur ep: ich find se nich so. lea-won ist bestimmt wirklich einer von denjenigen, die am meisten veröffentlichen, aber was hat das denn schon zu sagen? ich mag die aussagen, vor allem die politischen, aber so wahnsinnig feingeistig sind sie nun wirklich nicht.