O.k, ich kann nicht mehr, jetzt muss es raus: die Alte ist doch komplett geisteskrank. Was ich meine? So etwas: “Schwer ist Vergangenheit aufzurollen, wenn verdrängt sie abgehängt in Stollen jener Zeit / Perioden aufarbeiten wollen damit Kernwurzeln frei von Leid / die Rotte durchdringt das Kleid, beschreibt Flotten eines durchdringenden Geleits / Bekämpfst Grollen, knete Schmerz wie Teig, zum Ursprung zu tollen Rückreichs-Epochen“ (“Easy Now“).
So, nachdem ich das jetzt losgeworden bin fühle ich mich “froh und frei von Sorgen wie morgens nach dem Scheißen“ und dazu in der Lage “Skurreal“ von Fleur Earth angemessen zu reviewsieren. Fleur Earth ist ein Sechstel des Fleur Earth Experiment, einer Soulkombo aus Köln, und legt hier ihr erstes, zwölf Tracks starkes Minialbum vor. Und das klatscht mal eben straight so gut wie jedes Klischee weg, dass man von “junge Frau mit Afro singt Soul“ erwartet hätte.
Aber das man sich in Kölle nicht um den Mainstream kümmert, scheint ja in Kölle zurzeit Mainstream zu sein. Word. Siehe Huss & Hodn. Letzterer steuerte den Beat zu “Ausdruck“ bei, einem souligen ich-mach-mir-jetzt-einen-Cappucino-und-bleib-heute-im-Bett-Beat. Und so oder ähnlich klingt jedes der Stücke auf “Skurreal“. Mal kommt wie bei “Away“ noch ein unangestrengtes Vocalsample oder wie auf “Hundesohn“ eine treibende Synthie-Bassline dazu. Eigentlich sollte man zu der zum Großteil von Twit One produzierten Musik morgens auf einem Balkon sitzen, eine Gauloises rauchen und verträumt Richtung Eiffelturm blicken. Und Fleur Earth singt den Soundtrack dazu. Zwar ist im Pressetext die Rede von “Fleurs Texte [...] brauchen mindestens drei Durchgänge bis es klick macht“, aber ganz ehrlich... nein. Ich habe das Album nun achtmal durchgehört, und die kryptischen, fast dadaistischen Lyrics erschließen sich mir immer noch nicht so ganz. Müssen sie, glaube ich, aber auch gar nicht. Fleur nutzt ihre Stimme wie ein Instrument, welches beim Hörer die verschiedensten Assoziationen hervorruft. Dabei geben Tracktitel und Text nur die Richtung vor, die eigentliche Geschichte entsteht beim/im Hörer. Und wenn einem das zu anstrengend ist, kann man auch einfach den Text Text sein lassen und die Musik auf sich wirken lassen. Denn ihre Stimme fügt sich wunderbar wie ein weiteres Instrument in den Klangteppich ein – ohne ihr auf die Füße treten zu wollen, aber von mir aus könnte sie auch “lalala“ oder “Penis“ singen, es würde alles gut klingen.
“Skurreal“ gleich entspannt-gestörter deutscher Soulgesang auf zurückgelehnt-kantigen, samplebasierten Instrumentals. Die Platte erscheint über das ebenfalls in Köln ansässige Melting Pot Music Label, auf die man sich ja im Allgemeinen auch verlassen kann, wenn es mal nur irgendwie Hip Hop sein soll. Mit Fleur Earth haben sie es wieder geschafft, eine interessante Künstlerin zu Tage zu fördern, die für ein bisschen Abwechslung im Rapeinheitsbrei des Plattenregals sorgt. Und dafür bin ich dankbar.
Rock Rausch 18.09.2008 Und hier gibt es die Lady nun auch im Radio Interview:
http://www.mpmsite.com/mp3/fleurearthatsoulsender.mp3
P. aus Berlin 19.09.2008 Album ist so gut wie gekauft !
Sehr geiler Shit- hat was !!!
Understatement... 20.09.2008 Wieso wurde nicht die beste Bewertung gegeben ???
Die EP ist einfach phänomenal !
Das ist mit Abstand der beste Soul,
den ich je aus Germany gehört habe.
dwl 22.09.2008 german georgia ann muldrow in "gerade".habs mir sofort geholt.kurz aber schön.leider stehn die texte nirgendswo...egal.kaufen!
moti 14.01.2009 von einem rap.de-author erwartet auch niemand die texte vollständig zu verstehen... das erwartet man bei keinem review