RAF Camora – T.N.D.T.

By Anna Gmeiner
In REVIEW
Sep 26th, 2012
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Ah! Raphael Ragucci zieht in den Krieg: “Therapie vor dem Album” und “RAF 3.0” waren gestern, jetzt gibt’s die “Therapie nach dem Tod“. Wie bereits im Vorfeld angedeutet, zeigt sich der Österreicher hierbei von seiner dunklen Seite und tritt wieder unter seinem Namen RAF Camora in Erscheinung. Was können wir von diesem Album erwarten? Düstere, langsame und schleichende Beats? Check. Für die düsteren Instrumentale ist übrigens hauptsächlich Hamudi von The Royals verantwortlich. Punchlines mit mystischem Touch? Auch check.

Doch von vorne: Mit “KDL“, dem ersten Track des Albums, welcher auch gleichzeitig die erste Singleauskoppelung darstellt, wird das Album angemessen eröffnet. “Wenn ich will, fick ich Rap bis auf die Knochen“, stellt RAF gleich zu Beginn aggressiv klar, und zeigt was Sache ist. Die besagten Punchlines, welche die düstere Atmosphäre noch unterstreichen, kommen gleich beim ersten Track nicht zu kurz und ziehen sich durch das ganze Album: “RAF Camora, Sohn vom Mond / Bin Kind des Lichts / Meine dunkle Seite kommt nachts / witter ich die 1000 Raben unter meim´ Balkon“. Klingt fast wie ein Fantasy-Roman, der beim Track “Rabe“ feat. Massaka seinen Höhepunkt findet, zumindest was Anspielungen und düstere Wortbilder angeht. Massaka ergänzt den Track mit seiner heiseren, tiefen Stimme perfekt. Zeilen wie “Mein Leben lang sah ich den Friedhof vor lauter Gräbern nicht” oder “Schwarzer Rabe, wenn du fliegst, sag deinem Herren, dass das Licht mich umgibt und mein Clan ihn besiegt“, kommen dabei so authentisch rüber, als befände man sich direkt in einem mittelalterlichen Hexenkessel.

Raben scheinen es dem Österreicher überhaupt angetan zu haben, gelten sie doch in Europa aufgrund verschiedener Kulten in der Vergangenheit hauptsächlich als böse Tiere. Allerdings symbolisiert der schwarze Vogel auch Weisheit und Intelligenz. Auch bei  “Ssslos?“ finden die Vögel ihre Erwähnung. “Anfang 20 war ich wild, ich fand Party machen cool, heute bin ich im Club ganz hinten, schwarze Raben auf den Schultern“. Klingt als würde auch RAF sich heute für reifer und somit weiser halten. Die Hook ist gesungen (“Was looooos?“). Insgesamt kommt der Track, in dem RAF seine Karriere und seinen Erfolg behandelt, mit einem ironischen und witzigen Beigeschmack daher. Etwa, wenn RAF rappt: “Ich habe nichts, sag warum denn so neidisch / Und wenn es tropft, Jungs, dann piss ich vom Flugzeug“.
 
Dass RAF Spaß am Fame und den damit verbundenen Vorteilen hat, verschweigt er dennoch nicht. Auch hat er absolut keine Scheu, seinen teuren Lifestyle an die große Glocke zu hängen:  “Ich chille hart wie ein Rockstar / tanke meinen Alfa mit dem teuersten Vodka /  Genieße jeden Tag / denn meine Zeit ist kostbar“. Er kommt auch noch mal auf die neu gewonnen Weisheit zurück: “Gib mir das Pergament / ich inhaliere Weisheit.” (“Top“) “Perfekt“ basiert auf derselben Story, eigentlich ist alles in RAFs Leben perfekt, doch im Gegensatz zu “Top“ kommen ihm aufgrund des Erfolgs auch Zweifel. Er hat mehr Frauen, als er liebt und mehr Gras, als er raucht. Doch wo bleibt der Haken? “Kann es wirklich so sein wie es scheint / Perfekt?“  

Absolutes Album-Highlight ist “Der Wald“, in dem die Erfahrung mit gewissen illegalen Substanzen beschrieben wird.  In den Strophen liegt der Fokus auf RAFs Stimme, der Beat erinnert an Filmmusik und  dient eigentlich nur zur Untermalung der Stimmung. Ein schlechter Trip kann nicht besser beschrieben werden.  Der Dirty South Einfluss ist auch nicht zu überhören. Großartig.

Sind die ersten Tracks von “T.N.D.T.“ von eher düsterem Gedankengut geprägt, so verspricht  die LP gegen Ende hin stimmungsfreudigere Musik. Bei “Spaceman“ feat. Joshimizu wird es schneller, rythmischer und lockerer. Auch ein Track mit Dubstep-Beat darf derzeit nicht fehlen, “Solange alles gleich bleibt“ erinnert von der Stimmung her an den Track “Jeder Tag“ von 2010 mit Silla. Die Liebe zu Berlin ist nicht zu überhören, auch bei “Ich zähle sie ab“ wird sie noch mal bekräftigt: “In Berlin sind die Sterne am hellsten.“ Auch ein Song über die geliebten, doch natürlich verachteten Groupies ist dabei. “Groupie Handy“ wird vielleicht nicht das neue Lieblings(g)lied der weiblichen RAF-Fans, allerdings nimmt sich der Österreicher auch selbst nicht so ernst, und ist am Ende selbst “die Schlampe.“ Und anscheinend darf sogar auf einem atmosphärisch eher dunklen Album auch kein Kommentar zum aktuellen Dauerbrennerthema  Hipster fehlen.  “Mein Croko ist Hipster“ bedient alle Hipster-Klischees.  Hoffentlich ist das Thema damit ein für alle Mal geklärt,  wir haben’s langsam kapiert. RAF ist jedenfalls ganz sicher kein Hipster.

Insgesamt ist “T.N.D.T.“ ein stimmiges Album mit rotem Faden, wohl überlegt und sauber produziert. Eine Mischung aus ironischem Storytelling und poetischen Lines mit ernstem Hintergrund. Nochmal hervorzuheben sind die Beats, welche dem Album einen unverkennbaren und einzigartigen Stempel aufdrücken.

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