Review: Face – Rot

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Face, das neue Singing auf Vegas Label Freunde von Niemand, veröffentlichte am 11. November sein erstes Album „Rot“. Der Hesse ist kein unbeschriebenes Blatt. Er war 2008 schon bei Butterfly Music unter Vertrag, dem früheren Label des Königs ohne Krone. Über Butterfly Music erschien damals sogar eine erste EP namens „Einer unter euch“. Nachdem es internen Streit im besagten Label gab, machte das Label zu. Nun hat Vega ihn wieder auf sein neues Label geholt. Nach ein paar Featureparts auf anderen Tracks ist „Rot“ nun das erste richtige Lebenszeichen von Face.

Nach eigenen Angaben ist der Großteil des Albums bei seinem langjährigem Wegbegleiter und Produzent Monsta zuhause produziert worden. Mit einem günstigeren Mikrofon eingerappt, um den rohen Sound zu behalten. Roh im Sinne von unfertig sind die Beats jedoch nicht, sie bestehen überwiegend aus Boombap-Beats, die mit Violinen, Pianos bis hin zu Synthie-Klängen ausgestattet sind. Klassischer, glasklarer Sound. Lediglich „Sie schläft net“ nähert sich dem momentanen Zeitgeist an. Statt Monsta hat hier Labelpartner Jumpa den Beat beigesteuert.

Das vorab veröffentlichte „Intro“ des Albums gehört zu den Perlen des Werkes. Ein starker Welcome-Back Verse: „Ey yo der Dresscode ist Leder und Jeans/ Und Monsta bringt den West-Coast-Flavour auf Beats/ Junge hörst du diese Hingabe, Energie und Power im Sound?/ Fünf Jahre kreative Pause gebraucht“. Der Track speist sich aus einem kleinen Doubletime-Part, theatralischen Violinen und einem starken Stimmeinsatz von Face. Beendet wird das „Intro“ mit: „…deshalb sehe ich diese Welt nicht durch die rosarote Brille – ich seh rot.“ Ansage.

Perfekte Überleitung für den nächsten Track des Albums. Der Song heißt „Rot“ und spielt mit Assoziationen rund um diese Farbe. Eingeleitet wird der Song von einem Zitat aus „Matrix“, in dem die rote Kapsel angeboten wird, um im Wunderland bleiben zu können. Im Mittelpunkt des Songs steht die Wut, die bekanntermaßen die klassischste aller Assoziationen, neben der der Liebe ist. Die Lippen seiner Freundin, das Stop der Ampel, die Farbe der Antifa, die nervige Motorlampe seiner Dreckskarre – er sieht rot.

So frei-assoziativ geht Face keineswegs immer zu Werke. „Klar komm ich hoch“ etwa beginnt als klassischer, tendenziell langweiliger Storyteller, der die Geschichte zwischen Face und einer Frau beschreibt. Allerdings kommt in der zweiten Strophe eine unerwartete Wendung in den Track. Die Geschehnisse sind absolut irritierend und lassen einen mit vielen Fragezeichen zurück. Da entschuldigt man schon mal den tristen Synthie-Beat.

Der Track „Lehn dich zurück“ überzeugt mit ähnlich guter Geschichte, krankt aber an einem etwas austauschbaren 2000er Beat sowie einer Hook, die die moralischen Erkenntnisse eines Schulkinds nicht übertrifft. „Wem willst du erzählen, dass du siehst wie es kommt, häufig sind die Pläne die wir schmieden umsonst/ Glaub mir, das Leben macht es so wie es will/ lehn dich nur zurück für die Show und dann chill“. Dadurch fehlt es dem Song an dem gewissen Etwas, obwohl Face seinen heiklen Gerichtsprozess thematisiert. „Lehn dich zurück“ steht durchaus exemplarisch für viele Tracks auf dem Album, oft ist das Thema gut erzählt und sehr persönlich, allerdings sind die Beats ein wenig einfallslos und die Hooks bleiben ausbaufähig.

„Eiskalt“ hingegen beginnt emotional sehr ergreifend, rutscht dann aber ins Geschmacklose ab. Inhaltlich geht es um eine junge Frau, die sich nicht auf einen einzigen Mann und schon gar nicht auf Face einlassen will. Sein angebliches Darüberstehen nehme ich ihm schon nach der vierten Zeile nicht mehr ab. Die Verletzung trieft aus diesem Song und die Wut liegt in der Luft. Die Beleidigungen gegenüber der Angesprochenen sind abgedroschen und beziehen sich unkreativ auf die Anzahl ihrer neuen Geschlechtspartner.

Es gibt aber auch diverse großartige Tracks auf „Rot“„Düsen auf den Tisch“ zum Beispiel, ein starker Representer mit Bosca. Schneller Flow, aggressiv und cool. Der Beat ist eine weitere Ausnahme und wurde statt von Monsta von Brudiloops und Freshmaker produziert. Treffende Lines und ein sportlicher Beat lassen da keine Wünsche offen. Allgemein gilt: Besonders die Tracks, die nach vorne gehen, können sich hören lassen, beispielsweise „Constantine“, „Siedepunkt“ und „Diamant“. Geile Kopfnicker, bei denen Face die Beats mit abwechslungsreichen Flows und typischem Frankfurter Humor zum Brechen bringt.

„Rot“ reiht sich gut in den FvN-Sound ein, der sich durch schwermütige Klaviersounds und tiefe Bässe auszeichnet. Face bleibt dabei aber weniger sozialkritisch und setzt voll auf Emotionen und Humor. Auf jeden Fall frischer Wind für das Label und kein schlechter Einstieg für Face, der am meisten mit seinen Representern überzeugen kann.

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