Review: Favorite – Alternative für Deutschland

 

Für das neue Album stand Favorite an einem Scheideweg. Nach der letzten Veröffentlichung „Neues von Gott“ waren zwei Wege für „Alternative für Deutschland“ möglich: weiterhin bergab gehen und auf Rummelbeats mit krampfhaften Provokationen um sich werfen, oder sich auf die alten Qualitäten besinnen und den letzten Fehltritt vergessen machen.

Fav hat es richtig gemacht und haut uns witzige Sprüche (natürlich trotzdem provokanter Natur, aber eben nicht auf Teufel komm raus), schief gesungene und nicht minder eingängige Hooks und eine große Variation an Instrumentals um die Ohren, als hätte „NvG“ nie existiert. Genau das macht die amüsante Mischung aus, die dafür sorgt, dass das 14 Tracks starke Album ein äußerst kurzweiliges Erlebnis ist.

Genauso verhält es sich auch mit der Themenauswahl der Songs, die teilweise wie gewohnt aus den typischen, belanglos zusammengewürfelten Punchlines und Pointen besteht. Im Kontrast dazu gibt es aber eben auch einige Themensongs, bei denen sich der Essener ausgiebig über seine Heimatstadt, die Liebe oder einen heißen Sommertag auslässt. Vor allem die gefühlsduseligen und persönlicheren Tracks kommen dieses Mal nicht zu kurz.

Mit „Baby“ und „Wir beide“ sind gleich zwei Songs dabei, die man durchaus als Liebesballade bezeichnen kann, aber natürlich nicht ohne den Irrwitz des Harlekin auskommen. „Westside Ryder“ treibt das ganze auf die Spitze: in der Zuckerguss-triefenden Schnulze verliebt Fav sich über beide Ohren in eine Frau. Aber nur wegen ihres fahrbaren Untersatzes, so ist der Song eigentlich dem PS-starken Jaguar der Angebeteten gewidmet.

Die Instrumentals reichen vom obligatorischen hyperaktiven 16bit-Synth-Orgel-Gedüdel bei „On the Mission“ über die Klavierballade „Baby“ bis hin zu kratzigen Gitarren auf „If I can’t“. Die große Variation an Sounds innerhalb der Tracklist und über das gesamte Album hinweg sind eine große Stärke der meisten Favorite-Alben, die auch hier wieder zum Vorschein kommt. Der große Ohrwurm bleibt allerdings aus.

Favorite will eine „Alternative für Deutschland“ sein und erfüllt das gewissermaßen schon fast indem er nicht mit der Zeit geht. In erster Linie scheint es sich bei dem Titel aber um Provokation zu handeln. Dennoch: Dass „AfD“ eben nicht mit der Zeit geht, ist seine größte Stärke. Das Album ist ein Anachronismus, der in seiner altbackenen aber noch immer authentischen Art erfrischend ist. Und das obwohl Favorites Humor gerade in einer Zeit von Sexismus- und Rassismus-Debatten fragwürdiger denn je ist, auch wenn er hier ab und zu im Plüschkostüm daher kommt.

Favorite – Westside Ryder (prod. Rizbo)

Abgefahren.

Favorite – On the Mission (prod. Rizbo) [Video]

FAV mit dem Startschuss für seine Mission.

Alternative Für Deutschland (Ltd.Fanbox Edt.)
  • Favorite, Alternative Für Deutschland (Ltd.Fanbox Edt.)
  • Selfmade Records (Universal Music)
  • Audio CD

 

 

1 KOMMENTAR

  1. 16 bit synthi Orgel? Was soll das sein? 16 but ist CD Standard, also nichts besonderes. Ihr meint wohl 8 bit. Synthi und Orgel geht leider auch nicht, sind zwei unterschiedliche Instrumente. Aber was reg ich mich auf, ist ja nur ein Musikmagazin. Da nimmt man das mit den Details nicht so genau.

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