Review: Capital Bra – Blyat

Ist Capital Bras neues Album „Blyat“ besonders originell oder innovativ? Nein. Ist es in irgendeiner Weise gehaltvoll? Nein. Kann man als Hörer etwas Neues daraus ziehen? Nein. Ist es ein gutes Album? Ja, verdammt!

Capi wandelt zielstrebig weiter in den Fußstapfen des Vorgängers „Makarov Komplex“, verfeinert seine Stärken aber weiterhin und gewinnt an Fingerspitzengefühl und vor allem Unterhaltungsfaktor dazu. Ansonsten ist alles beim Alten. Ein bekannter Kreis an Featuregästen, bei dem lediglich einige Auftritte ersetzt wurden. Ein bekannt wuchtiger Trademark-Sound. Und das Wichtigste: Capitals markant-brachialer Vortrag bleibt erhalten.

Der junge Berliner hat in beeindruckendes Gefühl für präzises Timing und spannungsgeladene Pausensetzung – und das steht auch auf „Blyat“ im Vordergrund. Klar gibt es die obligatorische Widmung an die eigene Mutter und leider schließt sogar ein Dancehall-Afrotrap-irgendwas-Song mit RAF Camora und Joshi Mizu das Album ab, ansonsten besinnt Capital sich aber auf sein Talent für harte Ansagen und angespannte Flowpassagen mit Knochenbrecher-Delivery.

Sein unerschöpfliche Ich-fress-dich-auf-Charisma trägt das komplette Album mit Leichtigkeit. Die hochwertig produzierten Beats, die 808-beladen und mit glasklaren, klug eingesetzten Samples daherkommen, rücken im Angesicht von Capitals einnehmender Präsenz völlig in den Hintergrund. Capi bewegt sich in seinem Gefilde und dort regiert er und Wenn und Aber, das macht schon das fies zischende, ansagengespickte Intro unmissverständlich klar.

Die beschränkte inhaltliche Bandbreite tut dem Album keinen Abbruch. Es ist das klassische „Endlich angekommen“-Album. Capi macht es sich auf dem wohlverdienten Podest gemütlich, wedelt mit Geldscheinen und lacht verächtlich über diejenigen, die ihm Steine in den Weg gelegt oder nicht an ihn geglaubt haben, nun aber von seinem Ruhm profitieren wollen. So weit, so bekannt. Bei alledem schimmert aber trotz eher oberflächlicher Texte einiges von Capitals Persönlichkeit durch. Ein loyaler Junge aus dem Brennpunkt, dem das Wohl seiner Familie und Freunde wichtiger ist als das eigene. Der die Einnahmen fair mit den Brüdern, die von Anfang an dabei waren, teilt und die Hälfte des eigenen Anteils seiner Mutter zukommen lässt. Der Scheiße gebaut und gefressen, aber nie resigniert hat.

Das wird zuweilen recht plakativ zur Schau getragen, ist aber gerade dann interessant, wenn es in den eigentlich kompromisslos brutalen Representern zwischen den Zeilen zum Tragen kommt. An seinen Songwriter Skills hat Capital hörbar gefeilt, das wird nicht nur dadurch klar. Gelegentlich taucht ein verschmitzt unaufdringliches Wortspiel á la „Ich hab keine Zeit zu verlieren! / Ich mein: Ich hab keine Zeit, zu verlieren“, das geschickt in eine Reimkette eingewoben wird, mal wird Bezug auf vorhergegangene Zeilen genommen. Immer wieder blitzt in den Parts ein roter Faden auf, an dem Capi sich locker entlang hangelt.

Letztendlich steht eben aber doch eines im Vordergrund: guter Rap. Garniert mit Featuregästen, die „Blyat“ zusätzlich auflockern und Capital perfekt ergänzen. So bleiben denkwürdige Momente zwar völlig aus, das Album präsentiert sich aber kurzweilig und stilsicher. Und mehr will es auch gar nicht sein.

BLYAT (Limited Fan Edition)
  • Capital Bra, BLYAT (Limited Fan Edition)
  • AUF!KEINEN!FALL! (Chapter ONE / Universal Music)
  • Audio CD

Capital Bra veröffentlicht das Snippet von „Blyat“

Eine Kostprobe aller Tracks

2 KOMMENTARE

  1. guter rap steht im vordergrund? bitte was? der typ is doch die definition von standard…ihr winkt mittlerweile auch jeden scheiß durch, wo sind die bissigen reviews? kann ja verstehen dass ma neien klicks braucht aber dann speitl euch wenigstens nich imemr als „real mudafukkin journalists“ auf

  2. Sind die anti-sexismus-wochen wieder vorbei, dass man wieder promo für sexistische „ich-fick-die-bitches“-Rapper machen kann? Wieder einmal seid ihr dreckige Heuchler. An vorderster Stelle du, Oli. Kommentar kann wieder gelöscht werden

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