Review: Johnny Mauser – Mausmission

2013 ist die Maus noch “Der Katze entkommen”, 2017 geht sie auf große „Mausmission“, will die Missstände selbst anpacken und verändern oder zumindest lautstark darauf aufmerksam machen. Für sein Solo-Projekt hat sich Johnny Mauser von seiner Band Neonschwarz isoliert und wie einem schnell auffällt, hat er sich auch inhaltlich und soundtechnisch emanzipiert.

Die positiven Energien werden getrost beiseite geschoben, stattdessen wird ganz in Mauser-Manier die linke Knüppelfahne geschwungen und ernste, teils düstere Töne werden angeschlagen. Themen wie der G20-Gipfel in Hamburg oder die bevorstehende Bundestagswahl werden natürlich angesprochen und auseinander genommen. Dabei werden klare Messages vermittelt und nicht lang um den heißen Brei geredet. Er plädiert für den Waffenexport-Stopp und stellt die Gesellschaft an den Pranger. Besonders harten Klartext gibt es auf „Boomerang“, einem der stärksten Tracks der Platte.

„Aus Bauern werden Bürger und die gründen eine Wehr /
Dann heißt ihr ab jetzt Nazipack, nicht weniger, nicht mehr“ 

Es hagelt berechtigte Kritik, die sich aber nicht auf billige Ansagen und polemische Vorwürfe beschränkt, sondern dem Ganzen eine besondere Tiefe verleiht, die man in so manch anderen politischen Songs vergeblich sucht. „Mir geht es gut“ baut dabei eine Brücke zwischen politischem Wahnsinn und seinem Charakter, indem Mauser seine mittlerweile abgestumpfte Wahrnehmung der Geschehnisse thematisiert.

Neben den vielen politischen Parolen wird auch gegen andere MCs gestichelt. Die Schwanzvergleiche und „Harter Cock“-Reime in „Hör mal wer da hämmert“ wirken da zwar etwas fehl am Platz, entschlacken die Ernsthaftigkeit der Platte jedoch auch auf angenehme Weise. Seine im selben Track angesprochenen Rap-Skills stellt er im Laufe der Platte des Öfteren unter Beweis. In „Krise“ beispielsweise legt er in den Strophen ordentlich an Tempo zu, was für Abwechslung sorgt.

Die Produktionen auf „Mausmission“ bewegen sich weitgehend in klassischen Rap-Rap Sphären. “Daddy” sticht heraus, dort wird in die Trap-Kiste gegriffen und auch das Spiel mit Autotune wird nicht ausgelassen. Das ist jedoch auch der einzige Song, der ein solches Experiment wagt. Insgesamt lässt der Sound deutlich Wünsche offen. Es fehlt ein harmonischeres Zusammenspiel zwischen Beats und Texten, sodass auch die Botschaften nicht im Klang untergehen. Bei harten Parolen kann es ruhig ein bisschen mehr ballern.

13 Tracks liefern in gut 40 Minuten eine geballte Power an politischem Content, der einem viel Stoff zum Nachdenken gibt. Das ist teilweise echt schwere Kost, so liegt die Platte zuweilen schon ziemlich schwer im Magen. Doch auch außerhalb von politischem Aktivismus kann und sollte man Johnny Mauser auf dem Schirm haben. Denn auch wenn einige Songs mit harten Inhalten um die Ecke kommen, geht es grundlegend um Behörden, Kapitalismus, rechte Parteien und den Alltag der Gesellschaft inmitten der aktuellen Probleme. Thematiken, die uns alle betreffen und mit denen wir uns beschäftigen sollten. Warum dann nicht auch in Form von Musik?

Mausmission
  • Johnny Mauser, Mausmission
  • Audiolith (Broken Silence)
  • Audio CD

Johnny Mauser – Boomerang (prod. Stormi) [Video]

„Du willst den Untergang? Dann wirf den Boomerang“

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