Review: Ali As – Insomnia

Nach einer Gedächtnisstörung und einem darauf folgenden Freudentaumel leidet Ali As nun an Schlaflosigkeit. Mit „Insomnia“ schließt Ali As die Trilogie der lateinischen Albumtitel schlüssig und stringent ab. Die einzelnen Titel gehen nahtlos ineinander über und ergeben ein großes Ganzes, das in einem Rutsch runtergeht wie Öl.

Die Hochglanzproduktionen, die hörbar bewusst mit Ecken und Kanten versehen wurden, ähneln einander nicht zu sehr und ergeben ein beeindruckend monochromes Bild. Dieses kommt weniger heiter und bieder daher als noch der Vorgänger, ist aber dennoch recht eingängig und spart auch Pop-Elemente nicht aus, die aber charmant und treffsicher eingesetzt werden.

„Von den Bergen“ mit SXTN erweckt zwar stark den Eindruck, ein zweites „Lass sie tanzen“ landen zu wollen, kommt aber mit anspruchsvoller Thematik daher, die als Trojanisches Pferd im Gute-Laune-Schafspelz verpackt wird. Der fade Beigeschmack, dass hier verstohlen Richtung Radio-Airplay geschielt wurde, bleibt zwar trotz des guten Songs bestehen, bricht aber auch niemandem einen Zacken aus der Krone.

Dabei ist „Insomnia“ ohnehin ziemlich radiotauglich. Ali As, der – das muss man wohl kaum noch erwähnen – einer der technisch brillantesten Rapper dieses Landes ist, rappt kontrolliert reduziert, legt viel Wert auf eine eingängige Phonetik und überfordert den Hörer zu keiner Zeit. So wird „Insomnia“ zwar zur leichten Kost, aber noch lange kein Fast Food-Snack für Zwischendurch. Songs wie „Ich drifte“ mit Prinz Pi, der seinen stärksten Part seit langem liefert und sich auf dem voluminösen, halligen Instrumental sichtlich wohl fühlt, bieten durchaus Tiefgang, überrumpeln aber nicht mit abrupter Schwermut.

Ein bisschen schade ist das in Anbetracht dessen, was Ali ausspart, ja schon. Schließlich kann der Typ spitten, wie kaum ein Zweiter. Sein zielstrebiges Händchen für Beatpicks, das auch eine große Stärke von „Insomnia“ ist, hätte Alis Stärken bei einer anderen Ausrichtung einen noch viel ergiebigeren Nährboden bescheren können. So schwingt zwar immer der Gedanke mit, dass Ali eben noch viel mehr hätte auspacken können, aber das nimmt dem, was er auspackt natürlich nichts an Schlagkraft.

Und was er auspackt ist die technische Finesse der absoluten Oberliga, ein Gefühl für angebrachte Auslassungen und Reduktion aufs Wesentliche und eine Stilsicherheit, die „Insomnia“ trotz ohrwurmiger Pop-Anleihen nicht bieder zu glatt gestaltet. Da, wo es Feinschliff bedarf, wurde Hand angelegt. Da, wo eine rohe Kerbe die nötige Würze verleiht, wird nicht unnötig herumgedoktort.

Lediglich in Sachen Highlights hätte man mehr Akzente setzen können – so richtig herausstechen will hier nichts. „Insomnia“ will als Einheit gehört und wahrgenommen werden, nicht als Aneinanderreihung von Singles, die durch Lückenfüller zum Album werden. So weint der Fan von hartem, skillfokussiertem Rap zwar dem, was Ali As nicht gemacht hat, eine kleine Träne nach, erkennt aber auch neidlos an, dass „Insomnia“ ein rundum gelungenes und schlüssiges Album ist.

Insomnia (Ltd. Designerbox)
  • Ali As, Insomnia (Ltd. Designerbox)
  • Embassy of Music (Warner)
  • Audio CD

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