Review: Bushido – Black Friday

Bushidos „Black Friday“ hat keine Rabatte und Sonderangebote parat – dafür einen verdammt übel gelaunten Protagonisten. Der gibt sich deutlich vielschichtiger als auf seinen letzten Releases, hat aber in erster Linie weiterhin vor allem eines im Sinn: Pöbeln.

Dabei fallen zwar immer noch Schüsse aus Luxuskarossen, aber deutlich weniger Namen als erwartet. Statt Namedropping tut Bushido seinem allgemeinen Unmut über das Finanzamt, Rapmedien, überhebliche Bonzen, Travis- und Sonny-Kopien und so vieles mehr kund. Die von „Sonny Black“ bekannte mafiöse Großverdiener-Attitüde paart sich dabei mit privaten und gutbürgerlichen Luxus-Issues, was eine interessante und glaubhafte Mischung und den vielleicht greifbarsten und authentischsten Bushido aller Zeiten ergibt. In der öffentlichen Wahrnehmung ist Bushido ohnehin schon lange genau das, was er auf „Black Friday“ verkörpert: Ein miesepetriger Multimillionär mit kriminellen Connections, der Polizei am Arsch – und spießigen Alltagsproblemen mit der Servicewüste Deutschland.

Der hat natürlich auch standesgemäße Beats am Start: Wohl auch dank der Beteiligung von OZ legt Bu sein wohl bisher bestproduziertes Album vor. Die Mischung aus rumpligem Samplesound und gekonnten Handgriffen, die dem ganzen ein stilvollen Hochglanz-Anstrich verpassen, steht Bushido hervorragend zu Gesicht.

Der ein oder andere Beat verlangt ihm zwar deutlich hörbare Anstrengung beim Einrappen ab. So etwa der harmonische Flötenbeat von „Moonwalk“, das deutlich auf Shindys Gastspiel zugeschnitten zu sein scheint. Auch „Gehen wir rein“ mit EGJ-Neuzugang M.O.030 überfordert Bu hörbar, der zwar wunderbar arrogante Zeilen zum Besten gibt, aber unglaublich gehetzt klingt.

Auf dem atmosphärischen „CCNDNA“ mit Fler in Spitzenform, dessen Beat wie auch der Titelsong klar an die eigenen „CCN“-Produktionen von damals angelehnt ist, klingt Bushido deutlich entspannter – kein Wunder, bei der Routine. Auf dem mächtig bedrohlichen „Sodom und Gomorrha“ läuft Bushido zu Hochtouren auf und schafft es mit beeindruckender Präsenz, nicht von dem monströsen Beat überrollt zu werden.

Die Songs, in denen Bushido eiskalt auf die Fresse geht, sind die Highlights auf „Black Friday“. Dadurch wirken die vielleicht intimsten Songs seiner Karriere allerdings ziemlich deplatziert. Schon oft versuchte Bushido Pöbeleien und persönlichere Einblicke zusammenzubringen, so richtig klappen will das aber nicht.

So zerbrechlich und ehrlich er sich auf dem „Mockingbird“-Abklatsch „Papa“ auch gibt: Für die Atmosphäre des Albums ist das reines Gift. Auch „Oma Lise“, auf dem Bushido sich mit ungewohnt offenem Visier an seine verstorbene Mutter wendet und ihr die aktuelle Lebenssituation seiner Familie schildert, geht zwar unter die Haut, erwischt einen aber unangenehm kalt und verwässert den Eindruck von „Black Friday“.

Irgendwo ist es ja sehr faszinierend, wie greifbar und glaubwürdig Bushido sich mittlerweile präsentiert. Das Leben als Biedermeier-Bandit zwischen „Lass lieber den Anwalt schlichten, immer wenn die Nachbarn snitchen“ und „Ich steh über dem Gesetz, keine Strafbarkeit“ stellt Bushido authentisch dar. Schwarze Zahlen, schwarzes Geld, schwarze Konten in der Schweiz, Gerichtstermine und fünfstellige Ausgaben bei Toys „R“ Us – all das berichtet Bushido unterhaltsam und griffig. Noch mehr davon, weniger musikalische Entgegenkommen für Gäste und Ballast in Sachen Inhalt, dann würde bei „Black Friday“ alles passen.

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3 KOMMENTARE

  1. Finde es ein wenig seltsam, dass ihr das, was für die Mehrheit der Hörerschaft die Highlights des Albums sind (nämlich die persönlichen Tracks) als Dorn im Auge seht.
    Ich finde, dass die persönlichen Tracks das Album extrem aufwerten. Warum soll man in einem 14 Track starken Album 14x den Mafia- und Überboss-Bushido hören, diesen Bu kennen wir doch alle. Meiner Meinung nach zeigt es seine Reife als Künstler und beweist, dass er auch mehr als Pöbeln kann und ohne diese vielschichtigkeit ist ein Rapkünstler heute absolut uninteressant. Es will auch niemand einen Kolle hören, der im 125. Aufwasch seine Zuhälter-Phrasen drescht, sondern auch er hat die Bedeutung realer Tracks verstanden.

    • Recht hat Skinny jedoch. Die Songs wirken sehr deplatziert. Über die Songs selbst sage ich jetzt mal nichts, da es Geschmacksache ist. Ich glaube Bu, dass ihm diese Songs wichtig sind, jedoch hätte ich sie nicht aufs Album gepackt.

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