Review: Taimo – Horner Corner

„Ihr wollt Freund und Helfer? Ihr kriegt einen Verbrecher!“ So heißt es treffend auf „Horner Corner“, dem Debüt-Album des Hamburger Nachwuchstalents Taimo. Dieser war bisher lediglich durch das zum vorletzten Jahreswechsel erschienene Free-Mixtape „Washingtonallee“ und als Backup-Rapper und Buddy des Hansestädter Urgesteins AchtVier in Erscheinung getreten. „Horner Corner“ ist das erste Release, das unter Achtis Schirmherrschaft über das vor wenigen Monaten gegründetes Label Steuerfrei Money erscheint.

Die von Darko Beats & 2red produzierte Platte liefert eine zeitgerechte Definition des Begriffs „Straßenrap“, vereint sie doch alles, was direkten, ehrlichen und harten (easy listening-)Gossen-Sound ausmacht. „Horner Corner“ lebt in vollen Zügen vom authentisch vermittelten Lebensgefühl des jungen, perspektivlosen Hustlers mit krimineller Ader, der im Hamburger Innenstadt-Bezirk Horn in den Tag hinein lebt, krumme Dinger dreht, stets auf der Jagd nach hübschen Chayas ist und eher aus Langweile als aus Kalkül ein etwas verkifftes Album aufnimmt, das sich dennoch sehen lassen kann.

Wie schon auf „Washingtonallee“ konnte Taimo mit druckvollen Raps, einem wuchtigen Flow und unvorhersehbaren Hooks auf fülligen, oft mit brummenden Basslines unterlegten Beats, auf technischer Ebene durchaus überzeugen. Jene mechanischen Komponenten liefern, im Gegensatz zum austauschbarem Inhalt, die eigentlichen Alleinstellungsmerkmale seiner Musik.

Auch wenn „Horner Corner“ durch die eben beschriebenen Raffinessen zu glänzen weiß, hat Taimo es nicht ganz geschafft, ein in sich schlüssiges Album auf durchgehend hohem Niveau vorzulegen. Dafür ist es schlicht und ergreifend zu lang, ausschweifend und wenig pointiert. Mit satten 21 Tracks, in denen ganze elf Feature-Parts enthalten sind, findet Taimos Debüt schlichtweg kein Ende und hat damit eher zusammenhanglos anmutenden Mixtape-Charakter. Die immer wiederkehrenden 6 Themen (Frauen, Drogen, Verbrechen, Verhältnis zur Familie, Kiez-Patriotismus, Statussymbole) hätten, gebündelt auf 12 oder 13 Songs, ein deutlich hochwertigeres und schlüssigeres  Gesamtprodukt erzeugt und auch die herausragenden Feature-Parts von Herzog, Said, AchtVier und Estikay wären dadurch besser zur Geltung gekommen.

Lieder wie „Arschtritte“ oder „Kein Plan“ klingen wie billige Plagiate der sehr soliden und bereits vorab ausgekoppelten Tracks „Was würdest du machen“ oder „Frag nach“ und liefern keinen Mehrwert für das Album. Qualitativ besser als die beiden letztgenannten und mit Abstand das originellste Stück des Tonträgers ist nebenbei das durch das altbekannte Spiel „Ich packe meinen Koffer“ inspirierte „Meine Tasche“.

Insgesamt ist „Horner Corner“ ein Album, das Aufmerksamkeit verdient hat. Allerdings muss „der Rapper mit dem T in der Fresse“ und den „Drogen im Gürtel“ auf den nächsten Releases ein paar Schippen mehr persönliches Profil und einzigartige Botschaften drauflegen und im Gegenzug lernen, Ballast auszusortieren, um sich innerhalb der deutschen Rap-Landschaft auch langfristig einen Namen machen zu können. Hier wäre weniger mehr gewesen.

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