Review: Luciano – Banditorinho

Locosquad-Member Luciano konnte durch seine Videos bereits einen beachtlichen Hype um seine Person kreieren. Nun gilt es, diese Vorschusslorbeeren auf Albumlänge zu rechtfertigen. Diese Albumlänge wurde für sein Debüt-Mixtape ordentlich entschlackt: Keine 35 Minuten Spielzeit umfasst „Banditorinho“. Das ist auch gut so, denn auf den letzten Metern erschöpft sich das Album ein wenig. Ohnehin ist weniger meist mehr.

Lucianos große Stärke besteht im aggressiven, spannungsgeladenen Vortrag. Jedes Wort wird derart kraftvoll ins Mikrofon gespuckt, dass man ihm die skrupellose Killerblick-Attitüde einfach abkaufen muss. Seine druckvolle Stimme hat er perfekt unter Kontrolle, schreit an den richtigen Momenten, verfällt mal in sanften, aber unpoppigen Singsang, um im nächsten Moment eine wütende Stakkato-Flowabfahrt über vier Zeilen zu droppen.

Die zwölf kompakten Songs schlagen alle in dieselbe Kerbe, funktionieren aber sowohl eigenständig als auch im Zusammenspiel. Von Anfang bis Ende werden Impressionen von der Straße ausgepackt, die sich nur in Nuancen unterscheiden. Es werden Stiche verteilt, Zeugen bedroht und Päckchen gepusht, wie man es schon unzählige Male gehört hat. Leider fehlt dabei der eine oder andere Überraschungsmoment, der sich vom Rest abhebt.

Auch die Beats sind von Grund auf solide produziert, voll auf der Höhe der Zeit und machen genau das, was sie sollen. Die wuchtigen Trap-Produktionen preschen selbstbewusst nach vorne und drücken und zischen genau an den richtigen Stellen. Einen Preis für Innovation gewinnen sie damit zwar nicht. Doch ohnehin sind weder die Produktionen noch die Texte der Star von „Banditorinho“ – sondern Lucianos sprichwörtlicher Swag.

So bleibt „Banditorinho“ durch die Persönlichkeit des Protagonisten stets spannend, auch wenn eigentlich gar nicht viel passiert. Fürs zweite Album sollte Luciano vielleicht doch noch mal in die Trickkiste greifen und über coole Flows und seine krasse Stimme hinaus überzeugen, aber da „Banditorinho“ als Mixtape ohnehin nicht auf allzuviel Konzept ausgelegt ist, funktioniert es als Debüt hervorragend.

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Luciano zeigt das Snippet seines Mixtapes „Banditorinho“

Berlins stärkster Newcomer.

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