Rheinkultur 2012 findet nicht statt

By Oliver Marquart
In NEWS
Nov 9th, 2011
25 Views
Die Veranstalter des beliebten Umsonst & Draußen-Festivals Rheinkultur haben auf ihrer Internetseite bekannt gegeben, dass nächstes Jahr keine solche Veranstaltung stattfinden wird. Die gute Nachricht an der schlechten ist: Rap ist daran nicht schuld.

Bei der diesjährigen Rheinkultur Anfang Juli kam es zu Ausschreitungen, nachdem ein Auftritt von Haftbefehl auf der HipHop-Bühne von den Veranstaltern wegen angeblicher Überfüllung abgesagt worden war (rap.de berichtete). Danach war bereits darüber spekuliert worden, ob es überhaupt noch mal eine Rheinkultur geben werde.

Doch diese Vorfälle scheinen in der Tat nicht der ausschlaggebende Grund für die Absage gewesen sein. Direkt werden die Ereignisse, in deren Verlauf Jugendliche die Bühne gestürmt und schwere Lautsprecherboxen ins Publikum geworfen hatten, gar nicht erwähnt. Etwas allgemein heißt es an einer Stelle lediglich: "Ein weiterer Grund für die Entscheidung sind die Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen, die eine eintrittsfreie Veranstaltung heftiger zu spüren bekommt als andere. Der Anstieg an alkoholisierten und aggressiven Jugendlichen und deren Verhalten bei Anreise und auf dem Gelände stehen im krassen Gegensatz zu unserer Motivation und der Grundidee des Festivals. Auch wenn es sich dabei immer noch um eine kleine Minderheit unseres Publikums handelt und wir diese Erfahrung mit Jahrmärkten, Volksfesten, Sportveranstaltungen und dem Karneval teilen, sind wir nicht bereit, dies einfach hinzunehmen."
Ausdrücklich Bezug nehmen die Veranstalter hingegen auf ein anderes Ärgernis: "Da brauchte es sicherlich nicht auch noch die Brandstiftung, die in diesem Jahr in der Nacht vor der Veranstaltung stattgefunden hat und die in ihrer Sinnlosigkeit ihresgleichen sucht."

Vor allem werden aber organisatorische Begründungen ins Feld geführt. Zwar betont man ausdrücklich, nicht pleite zu sein, gibt aber zu, dass der finanzielle Unterbau des Festivals stets "fragil" gewesen sei. "Die Schere zwischen Risiko und getragener Verantwortung einerseits und dem persönlichen Resultat andererseits ging dabei allerdings Jahr für Jahr immer weiter auseinander."

Auch die aus Sicht der Veranstalter mangelnde Unterstützung seitens der Stadt Bonn für die Rheinkultur wird beklagt. "Darüber hinaus existiert eine kontinuierliche Ungleichbehandlung im Vergleich zu anderen in Bonn stattfindenden Großveranstaltungen. Seien dies nun Auflagen und Anforderungen, die bspw. den ÖPNV oder Lautstärkeemissionskontrolle betreffen, um nur einige zu nennen."
 
Und wieder ein Festival weniger in Deutschland. Schade eigentlich.

Empfohlene Artikel

  • Haftbefehl von Schweizer Gemeinde ausgeladenHaftbefehl von Schweizer Gemeinde ausgeladen Die Gemeinde Flawil dürfte nicht jedem ein Begriff sein. Kein Wunder, die im schweizerischen Kanton St. Gallen gelegene Ortschaft beherbergt nur etwa 10.000 Einwohner und gilt als […]
  • Rapper für MegauploadRapper für Megaupload Die gute, alte Download-Debatte mal wieder. Und erneut zeigt sich, wie schwer die herkömmlichen Plattenfirmen sich im Umgang mit Filesharing noch immer tun. Die Seite Megaupload […]
  • T. I. bedankt sich bei EminemT. I. bedankt sich bei Eminem Der erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassene US-Rapper T. I., welcher wegen eines Verstoßes gegen seine Befährungsauflagen zehn Monate in Haft saß, […]
  • Soprano-Auftritt abgesagtSoprano-Auftritt abgesagt Die Deutschland-Tour des französischen Rappers Soprano steht weiter offenbar unter keinem guten Stern. Bereits zum Tourstart letzte Woche hatte es Gerüchte gegeben, der erste […]