Fundkiste #20: $erious Klein: Artrap, aber nicht arty

seriousklein
Das Internet ist voller Schätze. Nicht selten stößt man auf einen wenig beachteten Rohdiamanten. Das Format „Fundkiste“ gibt eben jenen Juwelen die Möglichkeit, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden. In unregelmäßigen Abständen werden handverlesene Künstler, Tapes oder Songs vorgestellt. Ob aktuell oder alt – Hauptsache dope.

Heute: $erious Klein

Selten geht es gut aus, wenn deutsche Rapper ihr Können auf Englisch beweisen wollen. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel. Heute haben wir für euch genau so eine Ausnahme.

$erious Klein aka Seri, mit bürgerlichem Namen Kelvin Boakye, wurde am 6. Juni 1991 geboren. Er hat ghanaische Wurzeln, kommt aber aus Bochum, was nicht gerade als Rap-Hochburg bekannt ist. Dennoch fing er schon mit zwölf Jahren an Musik zu machen, damals noch unter dem Namen Key Bee. Beeinflusst wurde er stark von den Künstlern seiner Zeit, von 2Pac bis Luther Vandross. Seine Inspiration zieht er also aus einem breiteren Raum, als nur aus HipHop.

Seine Musik definiert er selber unter der Richtung Artrap, was meiner Meinung nach ein sehr treffender Begriff ist, denn man merkt schnell die diversen Einflüsse von Soul, Jazz, Funk und Trap. Rascal, sein Beatmaker, arbeitet schon lange mit ihm zusammen und nutzt gerne saftige Blechbläser, gospelesque Vocals oder ruhige Melodien, um den Boden für seine Texte zu schaffen.

Das Melodiöse ist in seiner Arbeit so gut wie immer ein Schwerpunkt und hebt sich von den oft benutzten monotonen Beats anderer Rapper ab. Nahtlos fügt sich auch sein Rap an diese Basis an, indem er einen unverwechselbaren, vielseitigen Flow, fast gesungene Parts und Hooks sowie komplexe Reimschemata und gehaltvolle Texte über sie legt.

Wenn es aber mal etwas härter zugehen soll, wissen beide, wie sie sich zu benehmen haben. Die vom Trap uns allzu gut bekannten ratternden 808-Snares, tiefen Basslines und unaufhaltsamen Flows werden meisterlich vereint und zeigen Seris Wandlungsfähigkeit.

Klanglich erinnert der junge Künstler an so manche Rapper aus den USA, etwa Joey Bada$$, wegen seines ähnlichen und vielseitigen Flows oder einen jungen Kendrick Lamar, da er es schafft, guten Inhalt und Sound nicht nur auf einem Album sondern auch auf einem Track zu vereinen. Jedoch entwickelt er zweifellos seinen eigenen Stil, wie man an seiner Entwicklung in den letzten Werken sehen kann.

Seinen heutigen Künstlernamen nahm er erst 2012 mit dem Release seiner zweiten EP „The Serious Outlook“ an, welche komplett von Kid Amos produziert wurde. Die EP ist weiterhin zum freien Stream und Download verfügbar. Man merkt, dass er noch nicht ganz den Stil seiner heutigen Werke angenommen hat, vor allem wegen der Einfachheit der Beats im Vergleich mit Rascals minutiös gebauten Klangteppichen – es ist aber dennoch ein hörenswertes Projekt.

Sehr bekannt wurde $erious durch diese EP nicht, weshalb er vor einem Jahr nachgelegt hat und dieses Mal mit einer drei Tracks kurzen EP den Grundstein seines weiteren Werdegangs legte. „The Introduction“ heißt sie und zum ersten Mal kollaboriert er auf der Platte mit seinem präferierten Producer Rascal, mit dem er mittlerweile zusammen mit seinem Manager und DJ, ein künstlerisches Kollektiv namens „Family Tree/555“ gegründet hat.

Sein für den Sommer angekündigtes Album „States“ musste leider verschoben werden, trotzdem ließ er seine Fans nicht ohne neue Musik hängen, sondern brachte eine weitere EP heraus. Dieses Mal mit dem Namen „Summer 03’s Problem“, welche auch auf Soundcloud zum Hören zur Verfügung steht und auf Bandcamp zum Kauf erhältlich ist. Wiedereinmal wurde das Projekt von Rascal produziert. Hier merkt man seine Entwicklung sowie seine musikalische Flexibilität. Denn er vereint auf einem Album niveauvollen Trap, wie auf „on three“, mit ruhigeren, groovigen Tracks, die zum Hüften schwingen anregen, wie auf „strawberryblues“.

Auch was Videoauskopplung angeht ist Seri schon bewandert: zu „Stageverse“ und dem dritten Verse von „on three“ gibt es schon ein gemeinsames Video, aber auch zu früheren Werken gibt es welche, die es sich lohnt anzuschauen.

Falls du jetzt von seiner Musik angetan bist und nichts verpassen willst, sind hier seine Seiten der diversen Sozialen Netzwerke: Instagram, Youtube, Soundcloud, Twitter oder Facebook.

 

 

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