Fundkiste #18: Der christliche US-Rapper Lecrae

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Das Internet ist voller Schätze. Nicht selten stößt man auf einen wenig beachteten Rohdiamanten. Das Format „Fundkiste“ gibt eben jenen Juwelen die Möglichkeit, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden. In unregelmäßigen Abständen werden handverlesene Künstler, Tapes oder Songs vorgestellt. Ob aktuell oder alt – Hauptsache dope.

Heute: Lecrae

Normalerweise werden in dieser Rubrik Newcomer vorgestellt. Heute geht es aber um einen Rapper, der bereits in auf Platz 1 der US Billboard Charts gelandet ist. Warum man ihn hierzulande so gut wie gar nicht kennt, hat vielleicht einen einfachen Grund: Lecrae ist überzeugter Christ und thematisiert dies offen in seiner Musik. Doch während auch andere Rapperkollegen religiöse Bezüge haben oder über ihren Glauben sprechen, dies sich jedoch nicht in ihren Videos oder anderen Songs wiederfindet, bleibt Lecrae konsequent und verzichtet in seiner Musik auf derbe Sprache oder leicht bekleidete Frauen im Video.

Da ich mit dem Christentum bzw. der in der USA großen Contemporary Christian Music nicht viel anfangen kann, wusste ich auch nichts von Lecrae, bis mir ein Freund ihn zeigte (s/o an Timon). Kennt man nur ein Video von ihm oder achtet nicht besonders auf die Lyrics, fällt einem der Unterschied zu anderen Rappern überhaupt nicht auf: moderne Beats, hin und wieder ein bisschen Doubletime oder eine gesungene Hook. Aber schauen wir kurz auf die Karriere des gebürtigen Texaners.

2004 gründete Lecrae sein eigenes Label Reach Records, über das er bis heute veröffentlicht. Sein Debütalbum „Real Talk“ schaffte es nach einem Re-Release ’05 in die Gospel Charts. „Rebel“, sein drittes Album und ’08 erschienen, brachte ihm seine erste Platzierung in den offiziellen Billboard Charts. Die folgenden Alben wurden immer erfolgreicher, bis „Gravity“ ’12, wofür Lacrae den Grammy für Best Gospel Album erhielt, auf Platz drei und „Anomaly“ ’14, sein aktuellstes und siebtes Studioalbum, auf die 1 chartete. Für den Song „Messengers“ aus dem Album gab es den nächsten Grammy in der Kategorie Best Contemporary Christian Music Performance/Song. Beachtenswerter ist jedoch die Nominierung in der Kategorie Best Rap Performance neben Rappern wie Eminem, Drake und Kendrick Lamar.

Lecrae befindet sich heute zwischen den Stühlen. Aus der in sich geschlossenen Contemporary Christian Music-Industrie kommend, hat er seinen Weg in den Mainstream gefunden. Auch in seiner Musik zeigt sich diese Veränderung. Während Lecrae auf den ersten Alben sehr offensiv über seinen Glauben gesprochen hat, bildet er mittlerweile eher die Grundlage, auf der der Rapper persönliche oder sozialkritische Themen behandelt. Wer sich für US-Rap interessiert, der inhaltlich in eine andere, heute durchaus unübliche Richtung geht, aber dennoch soundtechnisch auf der Höhe der Zeit ist, der sollte sich Lecrae einfach mal geben.

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