Zurück zu den Wurzeln: Jazz, Soul, Funk & Disco

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Die Anfänge der HipHop-Kultur und ihre musikalischen Wurzeln haben mich schon immer interessiert. Trotzdem bin ich natürlich kein Experte auf diesem Gebiet. Ich habe die Zeit, in der HipHop in Amerika groß wurde, ja weder selbst miterlebt, noch habe ich mich bisher besonders ausführlich mit anderen Genres beschäftigt, die HipHop beeinflusst haben. Das sollte sich nun ändern, denn ich habe mich auf eine Spurensuche begeben und versuche mit diesem Artikel, das Wissen, das ich mir in der Recherche für diesen Beitrag erarbeitet habe, weiterzugeben. Er ist also möglicherweise nicht sehr lehrreich für diejenigen, die sich ohnehin bereits intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben, sondern mehr für diejenigen, für die das Thema Neuland ist.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang übrigens auch die Netflix-Serie „The Get Down“. Dort wird die Entstehung von HipHop veranschaulicht. Die ersten DJs, die HipHop sozusagen erfunden haben, konnten natürlich nicht auf fertige HipHop-Platten zurückgreifen. Sie erschufen durch das aneinanderreihen bestimmter Stellen von Funk- und Soul-Platten (die Breaks, bei denen der Drummer besonders aktiv war) sogenannte Break-Beats, auf die dann gerappt werden konnte. Aber auch Jazz und Disco zählen zu den musikalischen Wurzeln des HipHop. All diesen Genres ist eine enge Verbindung mit der afroamerikanischen Kultur gemeinsam, deshalb spricht man als Oberbegriff für diese und weitere Genres auch von Black Music.

Am Anfang war der Blues

Man kann (und muss) sogar bis zur Zeit der Sklaverei zurück gehen, um zu verstehen, in welcher kulturellen und musikalischen Tradition HipHop steht. Damals entwickelten die unterdrückten Schwarzen nämlich den Blues. Daraus entstand später u.a. R&B (Rhythm & Blues), aber eben auch Jazz, Soul, Funk und somit letztendlich HipHop. Also kurz gesagt: einfach alles.

Im Jazz gab es bereits ab 1900 eine Gesangsart, die dem Rap sehr ähnlich ist, nämlich das sogenannte Scatten, das u.a. von Louis Armstrong praktiziert wurde.

Kulturelle Wurzeln des Rap sind auch im sogenannten Jive Talk zu finden. Dabei ging es darum, sich in einem Gespräch gegenüber dem Gesprächspartner durch überzeugende oder sarkastische Kommentare durchzusetzen, ähnlich wie im heutigen Battle Rap. Der Jive Talk wurde vor allem von Jazz-Musikern beherrscht. Das mag auch damit zusammenhängen, dass aus dem Jazz ein direkter Vorgänger des Rap, nämlich Spoken Word Jazz Poetry, entstanden ist.

Auch den Einfluss von Disco darf man nicht unterschätzen. Die JUICE hat erst kürzlich in einem Artikel darauf verwiesen, dass Disco ein Wegbereiter sowohl für House als auch für HipHop war.

Am stärksten ist HipHop jedoch wohl durch den Funk beeinflusst worden. Kool DJ Herc, einer der ersten HipHop-DJs, hatte damals die Breakbeats erfunden, indem er die tanzbaren Passagen von Soul- und Funk-Tracks mithilfe von zwei Plattenspielern immer wieder wiederholte. Ein Künstler aus dem Funk-Genre, der besonders großen Einfluss auf die Entstehung der HipHop-Kultur hatte, ist James Brown.

„Gott segne James Brown – ohne ihn gäbe es keinen Hip Hop. Alle Menschen sollten das Wort „Pionier“ nachschlagen, damit sie aufhören, sich selbst Pioniere zu nennen.“ (Grand Wizard Theodore)

Public Enemy verwendeten z.B. ein Sample von James Browns „Funky“ in ihrem Track „She Watch Channel Zero“.

Auch heute noch gibt es unzählige Samples aus den Genres Jazz, Soul, Funk und Disco. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, einige davon rauszusuchen, aber diese Auswahl ist wirklich nur ein kleiner Teil der verwendeten Samples aus diesen Genres. Damit will ich veranschaulichen, wie groß deren Einfluss auf die HipHop-Szene auch heutzutage noch ist.

 

The Sugarhill Gang – Rapper’s Delight (1979)

„Rapper’s Delight“ von der Suggarhill Gang war der erste kommerziell erfolgreiche Rap-Song in den USA. Dort war bereits ein Sample aus dem Genre Disco verwendet worden, nämlich „Good Times“ von Chic.

1 KOMMENTAR

  1. Schön, dass dieser Artikel versucht, einem jüngeren Publikum diese tolle Musik näher zu bringen und mir vorallem zeigt, dass es in in der jüngeren Vergangenheit ja doch noch musikalische Ansätze im Rap gibt. Oh, was wäre es schön, wenn Mainstream rap wieder kreativer würde, sich musikalisch ausprobieren würde und auch mal am Mikrofon herumgeblödelt würde, so wie es damals Dr.Dre oder auch Max Herre und Samy auf Eimsbush bis 0711 getan haben. Nicht falsch verstehen! Ich will keinen Retrotrend (dann höre ich eh viel lieber die Musik von damals) Ich will Innovation….also Musik, die sich vom Ansatz her, von der Experimentierfreude her – nicht unbedingt von der Umsetzung her von Jazz, Blues, Soul und Funk leiten lässtNach dem Motto: Erlaubt ist, was Spaß macht….naja…. und ne Plattenkiste von Papa…äh verzeihung… Opa… zum Samplen vielleicht. Aber allen voran: Kreativität.

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