Sylabil Spill äußert sich zur N-Wort-Debatte und DCVDNS

Sylabil Spill hat sich in einem ausführlichen Statement auf Facebook zur aktuellen Debatte um die Verwendung des N-Worts durch Weiße geäußert. Diese war durch eine Textzeile von DCVDNS aufgekommen, in der dieser in Anspielung auf Taktlo$$ vom „letzten tighten N***“ rappt.

Weit davon entfernt, das Ganze zu vereinfachen oder simples Bashing zu betreiben, attestiert Sylabil dem guten DCV zunächst einmal, kein Rassist zu sein. „Ich als Extremkünstler unterstelle dem jungen mann NICHT rassistisch gepolt zu sein. Die Intention ist für mich eine andere.“

Spill betont auch, wie wichtig ihm als extremem Künstler Kunstfreiheit an sich sei. Dennoch habe DCVDNS die Konsequenzen seiner Äußerung nicht bedacht. Denn: „Jemand der unmittelbar im Zusammenhang mit dem Wort persönliche Grausamkeiten verbindet wird die eindeutigen $$ als Hinweis der Referenz Taks weder verstehen noch wird es ihn interessieren.“

Angesichts der Deplaziertheit stelle sich außerdem die Frage, ob es überhaupt notwendig sei, einen Künstler an dieser Stelle zu zitieren. „Deplaziert weil ich genau weiß dass es schnell eine falsche Botschaft von mir an andere senden kann.“

Seine ausgesprochen differenzierten Beitrag beendet Sylabil Spill mit zwei interessanten Fragen: „Fördert sowas das Miteinander in einer Gesellschaft in der nicht alle Rapperfans sind bzw grenzwertige MCs wie dich und mich verstehen??? Ist das Unterhaltung??“

Darüber wird sicherlich weiterdiskutiert werden. Es wäre übrigens auch schön, wenn sich der Auslöser der ganzen Diskussion dieser auch mal selbst stellen würde – bisher belässt es DCVDNS dabei, jedem, der ihn kritisiert, mit einem trotzigen „Dann hast du keine Ahnung von Rap und kennst Taktlo$$ nicht“ abzuwürgen. Wie der Beitrag von Spill zeigt, wird das längst nicht der Dimension der Debatte gerecht.

Weiter unten findest du auch noch mal meinen Kommentar zu der Sache, der sich weniger an DCVDNS, sondern vielmehr an die vielen Kommentatoren richtet, die nach wie vor das vermeintliche Recht des weißen Mannes verteidigen, rassistische Begriffe zu verwenden.

Warum es nicht klar geht, als Weißer das N-Wort zu droppen [Kommentar]

Es reicht einfach.

13 KOMMENTARE

  1. Ach Olli, natürlich hat der Beitrag seine Berechtigung in der Debatte, aber warum ignorierst du die unzähligen rationalen Kommentatoren, die dir Widersprechen?

    • Nur das Angebot einer kleinen Gegendarstellung:
      1. sind von den vielen Kommentaren, die Olli widersprechen, würde ich die Mehrheit nicht als „rational“ bezeichnen.
      2. die widersprechenden Kommentare, die dann noch übrigbleiben (also die „rationalen“), sind recht wenige und selbst wenn wir alle mitzählen würden, wären wir von „unzählig“ sehr weit entfernt.

      peace out

      • Hast du dir seinen letzten Kommentar auf Rap.de angeguckt? Die meisten die ihn kritisieren bringen vernünftige Argumente und legen diese ausführlich dar.

        • Ja, habe ich, und auch da habe ich schon auf einen Deiner Kommentare geantwortet… 😉
          Ich sage ja gar nicht, dass es nicht auch Leute gibt/gab, die vernünftig argumentiert haben (unabhängig, ob ich ihnen zustimme oder nicht), aber ich finde Deine Beschreibung „unzählige rationale Kommentare“ halt echt nicht passend. Sorry. Oder ich verstehe dich da komplett falsch – kann ja auch sein. 🙂
          Da ich gerade ein paar Minuten Zeit habe – lass mich kurz die Kontra-Argumente Zusammenfassen (bereinigt von den meiner Meinung nach „nicht-rationalen“ Aspekten der Kommentare):
          1. Was Olli mache sei Doppelmoral, weil er nicht auch bei anderen Begriffe ein Kommentar verfasst hat/verfasst.
          2. Bei Verwendung in Kunst und Satire ebenso wie bei ironischen Verwndungen verliere dieses Wort seinen rassistischen Gehalt/Charakter.
          3. Dieses Wort verliere auch seinen rassistischen Gehalt/Charakter, wenn es zitiert wird.
          4. Schwarze seien in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr benachteiligt und Schwarze in Deutschland ohnehin nicht (so stark) von dem N-Wort ge-/betroffen.
          5. Es sei umgekehrter Rassismus, zu sagen, dass die Verwendung dieses Wortes durch Weiße rassistisch sei.
          6. Es mache für die Beurteilung einer Handlung (z.B. dieses Wort zu verwenden) als rassistisch keinen Unterschied, ob eine weiße oder eine schwarze Person handelt.
          Hinzu kommen etliche Kommentare, in denen Olli als Rassist beschimpft wird, in denen alle, die eine andere Meinung haben, fehlender Verstand oder Intellekt attestiert wird. Außerdem jede Menge Empörung, dass man jetzt ein Wort nicht mehr verwenden dürfe. Diese Kommentare sind doch – Hand auf’s Herz – ziemlich emotional aufgeladen (und zwar im negativen Sinn) und kommen meist mit der eben schon erwähnten Argumentation „Wenn du das nicht so siehst, bist du dumm, weltfremd oder ideologisch verblendet.“ Das ist eher ein „Totschlagargument“ und eine Strategie, die Meinung anderer zu delegitimieren – also meiner Meinung nach eher nicht „rational“.

          Die oben angeführten Punkte (2-6) sind – und ich lege hier bei meiner Bewertung einfach mal die etablierte Rassismusforschung sowie die Positionen von etablierten Antirassistischen Bewegungen (z.B. der ISD) zugrunde – falsch. Dass es zu diesen Punkten also auch andere Meinungen/Positionen gibt, wurde auch in den Kommentaren erwähnt. Dieses Wissen wurde aber von der „Kontra-Seite“ anscheinend nicht ernst genommen bzw. es wurde (bis auf eine Stelle glaube ich) nicht drauf eingegangen. (Ich kann später gerne mehr dazu schreiben, aber ich glaube, mein Beitrag hier ist schon lang genug. 😉 )
          Punkt 1 ist meiner Meinung nach kein inhaltiches Argument innerhalb der „Debatte“, sondern versucht nur, Ollis Position in der Debatte sozusagen „von außen“ zu delegitimieren, indem ihm vorgeworfen wird, inkonsequent zu sein. Und so lange er nicht „perfekt“ sei, würde man sich mit seinen Gedanken, Positionen etc. nicht auseinandersetzen müssen. Für mich: Pure Vermeidungsstrategie.
          Bitte korrigiere und ergänze mich, wenn ich bei der Darstellung der Kommentare zu „Ollis Kommentar“ irgendwas vergessen haben solle.

          peace out

          • Du hast ungefähr die komplette Argumentation gegen Punkte 2-6 weggelassen indem du mit „ich lege hier bei meiner Bewertung einfach mal die etablierte Rassismusforschung sowie die Positionen von etablierten Antirassistischen Bewegungen (z.B. der ISD) zugrunde“ grob vereinfachst ohne wirklich etwas auszusagen. Was hat denn die Rassismusforschung rausgefunden? Gibt es empirische Daten? Wer hat die Forschungen angestellt? Du nennst kein Argument, sondern verweist darauf, dass es Leute gibt die Argumente haben. Selbstverständlich sind die ad hominem gerichteten Kommentare albern, jedoch im Internet nicht zu vermeiden.

          • Wir diskutieren hier parallel unter 2 Kommentaren zu dem Thema, aber ich denke mal das passt schon.

  2. Ums kurz zu machen: Wo Wo Wo soll der Unterschied zu beispielsweise Schwuchtel, Spast, Missgeburt, Behindert liegen? Kommt mir jetzt nicht mit Leid-Mengenangaben. Das liegt nur daran dass Schwarze Hip Hop gestartet haben und dass deren Gegenwehr am meisten gefürchtet wird. Bei Schwuchtel wird schon immer argumentiert es sei ein Hip Hop Begriff, anders gemeint blabla. Das müsste für Nigga noch eher gelten oder genauso. Ich bin gegen diese offensichtliche Doppelmoral. Entweder sollte jemand alle diese Wörter benutzen dürfen oder keines.

  3. Und wenn ein Manuellsen austickt wenn jemand Nigga sagt, aber selbst Schwule beleidigt, wie viele andere im Rap und Reggae…dann ist das ein schlechter Witz und mein Mitgefühl hält sich in Grenzen! Gilt auch für Araber, die nicht als dneckige Kanaken bezeichnet werden wollen und danach Judensau sagen.

  4. „das vermeintliche Recht des weißen Mannes verteidigen, rassistische Begriffe zu verwenden“
    Das Problem ist doch das schwarze in Amerika sich gegenseit so nennen und es cool für die ist untereinander. Aber mit dem Export von HipHop wird das Wort halt Weltweit anders wahrgenommen als noch in den Zeiten vor HipHop. Das wort hat im HipHop doch mehr einen coole komponente als eine rassistische. Das ist doch genau der punkt wo es komisch wird.
    Der eine sagt es ist cool, der andere sagt es und ist Rassist? Das klappt auch nur solange man die hautfarbe beider seiten kennt – das ist doch scheiße? 🙂

    Styles P – White Niggaz
    https://www.youtube.com/watch?v=WLhD-VX-oIQ

    Warum geht es eigentlich klar jemand wegen seines Aussehens zu verbieten ein Wort auch nur auszusprechen?
    Rassismus ist scheiße! Egal von welcher Rasser er ausgeht! Ich verstehe die Argumenation auf grund der grausamen Geschichte schon, kann es sogar fühlen und bin voll dabei das wort nicht zu benutzen im Alltag.
    Die Argumentation ändert doch aber nix an der Tatsache das hier weiterhin eine Rassentrennung statt findet. Was Menschen trennt kann doch nicht gut sein!
    Schwarze US-Rapper benutzen das wort inflationär und sind vorbilder für kidz. Aber mit rappen? Einen Künstlernamen aussprechen? Ein Track Titel? Ein Album name? Erst nach check der Hautfarbe legetim? Wie nennt man das nochmal?

    Absolut keiner von uns allen hier hat sich ausgesucht welche Hautfarbe, welche Religiösen Hintergrund oder welche Nationaliät wir aufgedrückt bekommen haben bei Geburt.
    I dont want any off that shit man! fuck that! you are you not any of that shit above! you are you, be yourself, be free!

    SMT: Paper Platoon means get your mask on. It means let them stop judging you by the color of your skin, your religion, how you wear your pants, how you smoke your weed, or how you fuck your bitches man. I ain’t insane man, I smoke a lot

    • Genau das ist das, was ich sagen wuerde, wenn ich meine Worte besser filtern koennte und mich nicht so in diese bescheuerte debatte hineinsteigern wuerde. Danke dafuer.

  5. Von was fuer ner Dimension faselt der da eigentlich?
    Irgend ein idiot hat ne hommage an taktloss gemacht. Und? Das Lied ist uebrigens richtig kagge.

  6. Sehr geehrte Redaktion,

    Es wuerde mich sehr freuen, wenn euer lieber Skinny das Wort „behindert“ in einem weniger negativen Kontext aussprechen koennte. Ich habe selber eine Behinderung und fuehle mich dadurch gekraenkt. Ich bin auch sicher nicht der einzige Behinderte, der sich durch so etwas diskriminiert fuehlt.
    Vor einigen Tagen habt ihr einen Riesenaufriss wegen des Wortes „Nigga“ als Zitat seitens des Rappers „DCVDNS“ gemacht und nochmal deutlich darauf hingewiesen, wie daneben es sei, als weisser dieses Wort ueberhaupt in den Mund zu nehmen. Wieso erhaelt das Wort „Nigga“ eine so hohe Wichtigkeit, waehrend ihr schwulenfeindliche und sexistische Rapper noch promotet und eure Mitarbeiter, in dem Fall Skinny, sich noch nicht einmal politisch korrekt ausdruecken koennen. Hip Hop steht fuer Toleranz und ist DIE Musik der Jugend schlechthin und auch ihr als Internetmagazin tragt eine Verantwortung dieser Gesellschaft gegenueber. Meiner Meinung setzt ihr hier zweierlei Massstaebe an und verhaltet euch ziemlich heuchlerisch. Ich glaube es geht euch gar nicht um Toleranz und Gleichberechtigung. Es geht euch darum „cool“ und „Hip Hop“ zu sein. Setzt man sich fuer Schwarze ein, was auch nicht falsch ist, ist das echt cool. Bei Schwulen, Frauen und Behinderten muss man das aber alles im Hip Hop-Kontext sehen, nicht war? Eindeutg Doppelmoral. Ausserdem frage ich mich warum mein Kommentar dazu wiederholt nicht veroeffentlicht wurde. Darf ich meine Meinung nicht sagen? Was soll das Rap.de?
    Zur Sicherheit habe ich diesen Text dieses mal kopiert. Solltet ihr ihn wieder loeschen, werde ich ihn wieder online stellen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ein Mensch mit Behinderung, der sich diskriminiert fuehlt und gerne ernst genommen werden moechte.

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