Releaseparty von Bausa – es wurde offensiv getwerkt

Stellt euch vor: Da war ich Donnerstag auf der Releaseparty von Bausas Debütalbum „Dreifarbenhaus“. Wo einen die Wege der Berufsfindung nicht überall hin verschlagen!

Von Bausa spricht momentan ja so ziemlich alles und jeder in den höchsten Tönen. Signing bei Warner. Tour Support für Bonez und RAF. Und natürlich die zauberhafte Geschichte über den kleinen Ort Bietigheim im Schwabenland, dem, neben Bausa selbst, auch Modefetischist Rin und der Mann mit dem hochwertigsten Textilprodukt der deutschen Deluxebox-Geschichte persönlich -the one and only Michael Shindy Schindler – entspringen. Märchenhaft. Alles in Allem ein Lauf, den sich so manch ein Rapartist (ich) sicher ebenso für sich wünschen würde.

Das Erfolgsrezept Bausa in Kurzform: Catchy Melodien, atmosphärische Beats mit trappigem Unterbau, modernes Vocaldesign auf verrauchtem Barriton. Und ja, Charme und Charisma hat er auch, der Baui. Nicht mein Fall, aber zurecht erfolgreich.

Auf die Releaseparty hab ich mich jedenfalls sehr gefreut. Was liefert jemand ab, der so gehyped ist? Ist Playback noch angesagt? Jüngste Ami-Trends zeigen ja das Gegenteil. Erwarten mich geschmacklose Interaktionen zwischen Bausa und seinen weiblichen Fans à la Ssio (Splash! Auftritt 2016…)? Das Drei-Farben-Haus ist immerhin ein Puff.

Der Abend beginnt für uns mit einer riesigen Schlange. Zum Glück sind wir Gästeliste. Gehen an der Schlange vorbei bis nach vorne. Vorne: „Können wir durch, wir sind Gästeliste?“. „Hier sind alle Gästeliste“. Lol. Stellen uns hinten an. Vor uns steht Nura (SXTN) und macht Selfies. Will aber nicht so richtig gelingen. Naja. (Anm. d. Red.: Nura selbst stellt auf Twitter fest, dass das nicht sie, sondern Melbeatz war. Das Erinnerungsvermögen des Autor war vermutlich durch Einfluss gewisser Getränke etwas getrübt.)

Drinnen ist es dann überraschend groß und ca. 500 Leute füllen die Räumlichkeiten. Die ganze Party ist echt gut besucht, bin beeindruckt. Zwischendrin immer wieder bekannte Gesichter: Marvin Game, der den 4:20 Hotbox-Marathon offensichtlich überlebt hat, Cosmo Gang CEO Rrari Paapi (same story), Samson von SAM, Nachwuchslegende yung Geilem, Melbeatz, DJ Craft und viele mehr. Der Hype ist real. Selbst der kommende Videomogul Timo Milbredt gibt sich die Ehre.

Dann geht’s los. Bausa steppt auf die Stage, inklusive E-Gitarre. Der Raum ist voll, die Leute haben Bock. Bausa auch. Und was soll man sagen: Die Musik klingt fantastisch. Bausa liefert, weiß, was er macht und die Songs sind absolut bühnentauglich. Kein Playback, sauber getunete Vocals, Bass und Gitarre werden live gespielt. Das ist alles richtig gut ausgesteuert. Könne man so als Livekonzert mitschneiden und rausbringen. Hut ab.

Bausa holt sich dann im Laufe des Auftritts immer wieder Gastauftritte auf die Bühne. Zuerst darf Reezy Supreem, Nachwuchskünstler. Wenig später dann Marvin Game, der nicht nur lebt, sondern tatsächlich auch noch Stimme hat (ist das ein Mensch?). Das vorgezogene Highlight des Konzertes findet sich dann gegen Ende der Show im Überraschungsauftritt von Rin, gefolgt von KMN Klickgenerator Miami Yacine. Die beiden nehmen die Bude auseinander – komplett Playback, aber das ist total egal. Das ballert richtig und mein ambitioniertes Künstlerherz zerspringt in kleine, demütige Stücke.

Danach passiert das, was ich schon im Vorfeld bei einem spekulativen Gastauftritt von Rin vermutete: Da kommt Bausa nicht mehr ran; „Blackout“ und „Kokaina“ sind Hits, die auf der Bühne vergeblich ihresgleichen suchen. Das Ende der Show ist dennoch gelungen, eine erste Zugabe wird von den Fans gefordert, eine zweite vom DJ. Muss nicht, aber tut auch nicht weh.

Wir tanzen aftershowmäßig noch ’ne Runde zu einem HipHop Set, das so auch in Kiel, oder Dinslaken, oder irgendeiner Dorfdisco laufen könnte. Ist jetzt nicht schlecht, aber ich hätte von der Hauptstadt weniger Massenmusik und mehr Feinsinn für Underground und Geheimtipps erwartet. Kollege Peer wird offensiv angetwerkt. Seine perplexe Reaktion ist für alle eine wahre Freude. Gegen 05:00 ist es dann Zeit für uns. Am nächsten Morgen geht’s ja weiter in der Redaktion – rap.de schläft bekanntlich nie.

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