Wer bei
"Mannheimer Dreck“ an ein Lied von
Joy Fleming denkt, der ist schon gut informiert. Wer dann auch noch die Verbindung zu einer Süßspeise aus der Residenzstadt herstellen kann, der ist dann richtig gut. Ein Quartett aus der Quadrat-Stadt hat jetzt beste Chancen, den Begriff
"Mannheimer Dreck“ in aller Mund zu bringen (höhö!). Die Urgesteine
Prinze Low und
Pal One bilden gemeinsam mit
mnemonic und
RCF die Crew "
Mannheimer Dreck", die am 11.12.2009 ihr Album "
Sechsacht" in die Läden bringen. Wir stellten den Vieren fünf Fragen über das neue Jerusalem, Backrezepte und Mannheim als Musiker-Standort.
"Mannemer Dreck" ist eigentlich eine Art Lebkuchen, eine süße Delikatesse, die aus Zutaten besteht, die einzeln nicht so gut schmecken aber gemeinsam gut harmonieren. Glaubt ihr das auch von euch auch?
Prinze Low: Einzeln hat jeder seine eigene Geschmacksrichtung, zusammen ergeben wir etwas völlig Neues. Einzeln sind wir lecker, zusammen sind wir ebenso lecker.
Pal One: Ich denke unabhängig von einer gemeinsamen Harmonie sind die vielen Jahre als Solo Künstler jedes einzelnen wichtig gewesen um diese LP auf die Beine gestellt zu haben. Erst die verschiedenen Eindrücke von 4 MCs machen die Songs vielseitig, und gerade da empfinde ich es als wichtig, dass jeder seinen eigenen Scheiß von sich gibt und nicht das sagt, was Thema ist.
Wie schwieirig ist es, vier unterschiedliche Styles von vier starken Solo-Künstlern in eine Schüssel zu schmeißen und ein Album herzustellen, das jeden zufrieden stellt und nicht klumpt oder klebt?
RCF: Nicht so schwierig als zuvor angenommen, die Unterschiede machen den Unterschied. Und wenn die Parts tight sind, gibts ja nix zu sagen. Da klebt man nur an der Box fest.
Prinze Low: Man muss auf jeden Fall Kompromisse eingehen, was die Beatauswahl, die Inhalte der Texte, das Gesamtbild vom Album etc angeht. Für mich war es in der Hinsicht angenehm, weil man eben nicht 14 komplette Songs schreiben brauchte, sondern lediglich einzelne Parts. Ich habe generell immer gerne Kollabos aufgenommen, obwohl ich ein Dickkopf bin.
Pal One: Bei einem 4 Mann Projekt muss es Kompromisse geben, es würde nicht funktionieren wenn jeder seinen Weg durchzieht, aber im Vordergrund steht für mich so oder so das gesamte Musikwerk, denn was wir alle lieben und machen ist Rap. Toleranz ist auch noch eine Eigenschaft, die man besitzen sollte.
Ist das Album "Sechsacht" eher eine Vorspeise oder bereits das Hauptmenü?
Pal One: Hauptmenü, + 2x Zinn 40
Prinze Low: Definitiv die Nachspeise!
Mannheim hat sich über die letzten Jahre tatsächlich einen gewissen Ruf als Musikstandort erworben. Warum gerade Mannheim?
Prinze Low: Weil hier viele Kulturen zusammenleben, die sich gegenseitig inspirieren. Mannheimer sind unglaubliche Patrioten, die ihre Stadt lieben. Und hey, Mannheim hat das Auto erfunden, wir müssen kreativ sein. Vielleicht ist es aber auch der Geruch von der Schokoladenfabrik.
RCF: Liegt an der Macher-Mentalität... Und an den zahlreichen Lehrinstituten und Förderprogrammen.. Zudem spriessen die Künstler hier reihenweise ausm Boden.
Pal One: Ich denke, dass ganz allgemein Musik einen großen Stellenwert für die Leute hier hat. Dazu kommt, dass ich Mannheimer zu absoluten Herzmenschen zähle, die ihre Schnauzen am richtigen Platz sitzen haben.
Was macht Mannemer Rap zu etwas Besonderem?
RCF: Die Vielfalt... Vom vermeindlichen Rap Gangsta bis zum True Skool MC ist alles vertreten und findet Platz zum Wachsen. Dazu kommt, das es nicht wirklich eine große Community, sondern eher viele Camps gibt. Zum Teil legt sich das schon, aber ein gewisses Konkurrenzgefühl zwischen den Stadtteilen und Crews ist einfach vorhanden. Rap ist Competition. Hier wird das gelebt. Noch ohne Gewalt, zum Glück.
Prinze Low: Es gibt hier viele Egos, jeder will natürlich der Beste sein. Dazu kommt, dass in Mannheim in den 90ern viele GIs waren, die uns mit dem Sound der goldenen Ära geprägt haben, was meiner Meinung nach den "richtigen" Rap widerspiegelt. Was mir allerdings fehlt, ist der Schritt nach vorne, mal etwas Neues zu wagen.
Waldhof oder Hoffenheim?
Prinze Low: SV Waldhof schalalalalaaa. Ich bin seit 1988 Mitglied, hahaha. Das Carl-Brenz Stadion ist 10 Minuten von mir entfernt, letzte Saison hatte ich in der Hinrunde mit Hoffenheim Bundesliga direkt vor der Haustür. Wird mal wieder Zeit, dass der Waldhof nach oben kommt, denn er hat mehr als Regionalliga mit 3000 Zuschauern verdient. Hoffenheim-Spiele schau ich mir aber auch an, weil ich eh ultra Fußball Fan bin.
RCF: Das ist keine ernstgemeinte Frage oder? SVW selbstverständlich.
Pal One: Waldhof (mit der Kohle von Hoffenheim).
Und letzte Frage: Ist Mannheim wirklich das neue Jerusalem?
Prinze Low: Klar, voll. Steht doch in der Offenbarung. Haste nicht gelesen? Frag doch mal
Xavier.
RCF: Wer weiß das schon... Herr
Naidoo, die etlichen Bruderschaften oder die Jesuiten vllt. haha, dauert zu lange, um darauf tiefgründig einzugehen... Gute Frage.
Pal One: Ich verbrenne gerade im Höllenfeuer, kein Plan, Langer.
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