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Sound & Video | Morning Glory
Hannover Robust 22.09.2008 Hannover Robust - Morning Glory
Die Jungs von "Hannover Robust" sind mit ihrem Sampler bei unserer Plattenkritik nicht sonderlich gut weggekommen, da wir aber rap.de sind und jeder bei uns die Möglichkeit hat, sich persönlich zum eigenen Schaffen zu äußern, hier ein... interessantes Kurzinterview mit Almighty K, Chillig, Monoe, Fischmann, Skan 91 und Man at Rhymez. Aufbau und Inhalt waren den Niedersachsen selbst überlassen und man könnte das Konzept als durchaus... innovativ bezeichnen.

Des Weiteren gibt es einen exclusive Track von der "C3F"-Crew, namentlich "Morning Glory". Viel Spaß.


rap.de: Hannover hat ja eine recht aktive Hip Hop-Szene. Was ist der Vorteil gegenüber Städten wie Berlin oder Hamburg?

Almighty K (Föderation): Der Vorteil nennt sich „Hannover Robust“. *fährt sich durch’s
wallende Haupthaar, zaubert eine Selbstgedrehte hinter dem Ohr hervor und schiebt 5 Chips in die Mitte des Tisches* Die 500 call‘ ich.

Chillig (C3F): Eine Hiphop-Szene im klassischen, einheitlichen Sinne gibt es hier genauso wenig wie vermutlich in Berlin oder Hamburg. Zarte Zwangsverbrüderungen und ähnliches hinternschnüfflerisches Gehabe wegen der Tatsache, dass man ähnliche Musik hört bzw. macht, sind einfach auch nicht Sinn der Sache. 90 Prozent meiner Freunde haben mit Rap schlichtweg mal nix zu tun. Die meisten Menschen aus diesem Rapzirkus sind zutiefst unsympathisch und meistens auch psychisch nicht ganz beieinander. Am Montag schmeißen sie sich vor dir jammernd in den Staub, am Mittwoch nehmen sie dummbratzig fiese Diss-Tracks gegen dich auf, am Freitag sporten sie ein paar Ehrenrührigkeiten gegen deine Mutter und am Sonntag nölen sie rum, dass du sie arroganterweise nicht mehr grüßt oder sie nicht mal eben auf eine Plattenpressung einlädst. Wenn man diese Art von Hirnurlaub über einen längeren Zeitraum mitmachen würde, käme man zu gar nichts Sinnvollem mehr. Im Großen und Ganzen schafft der Rapkokolores hier also ein ähnlich meidenswertes Umfeld wie in anderen Städten auch. Hannover selbst verhält sich in gewisser Hinsicht auch ab und zu im Verhältnis zu Restdeutschland wie Deutschland im Verhältnis zum Rest der Welt. Aber lassen wir derartige Tiefenphilosophie mal beiseite. *grinst entrückt* Raise 1000.

Fischmann (C3F): *zieht sich den Cowboyhut tiefer in die Stirn* In Berlin oder Hamburg hätte ich vielleicht endlich mal ein vernünftiges Blatt. *wirft die Karten auf den Tisch* Fuck! Ich bin raus! Ich hasse euch alle!

Monoe (Föderation): Call.

Skan 91 (121 Crew): Call.

Almighty K (Föderation): Call.

Man at Rhymez (Dealer): *deckt den Flop auf* What the fuck!? Onkel Pö ist unglücklich.

Monoe (Föderation): Check.

Skan 91 (121 Crew): Was’n Rainbowboard. Check!

Almighty K (Föderation): Check.

Chillig (C3F): Check.


rap.de: Für was steht "Robust"?

Chillig (C3F): „Robust“ als Eigenname steht für mich für einen Haufen nach Erfolg duftender, fähiger und eigenwilliger Menschen mit einem Hang zu guter Musik. Die vier Jahre, die mittlerweile seit der Gründung vergangen sind, haben schon einiges an gemeinsamer Geschichte mit sich gebracht. Wir haben uns regional als Größe etabliert, mit der man – ob man das nun will oder nicht - rechnen muss. Jede Band hat dabei ihren eigenen Vibe und Sound herausgearbeitet und es lässt sich dennoch nach wie vor eine Schnittmenge zwischen allen Artists bilden. Und diese Schnittmenge heißt: Liebe zu Detail, Inhalt und Technik. Was „Robust“ als Adjektiv angeht: In musikalischer Hinsicht ist meine Band C3F – als Teil des Labels – deshalb robust, weil wir unkaputtbare Techniker sind, die sich den Spruch „Mit dem Kopf durch die Wand und der Rest wird folgen“ auf die Hinterköpfe tätowiert haben. „Robust“ suggeriert meines Erachtens auch gar keinen Gangsterrap-Bezug; dieses Wort habe ich für meinen Teil noch nie aus dem Munde von Gangsterrappern gehört. In persönlicher Hinsicht sind wir auch deshalb robust, weil uns nach all der Zeit Kritik unbekannter Dritter nun wirklich nicht mehr groß kratzt. Allein wegen putziger Vorwürfe wie „Der flowt wie Blumentopf“ hätte ich bis vor ein paar Jahren noch mit zornigem Unverständnis und Autoaggression reagiert und in der Folge wochenlang Kleinsäuger gequält, bis das Kurzzeitgedächtnis entrümpelt ist. Aber heute leg‘ ich dann doch lieber meinen Flodder-Nachbarn ’ne brennende Tüte auf die Fußmatte und lach‘ weise in mich hinein. *lacht weise in sich hinein und fixiert seine Karten*

Man at Rhymez (Dealer): *deckt den Turn auf und pfeift durch die Zähne* Onkel Pö singt in ’ner Rentnerband.

Monoe (Föderation): Check.

Skan 91 (121 Crew): Check.

Almighty K (Föderation): Bet 1500, ihr Wichser. *fährt sich mit der Hand durch’s wallende Haupthaar und zaubert eine deftige Zwiebelwurst hinter dem Ohr hervor*

Chillig (C3F): *zu K gewandt* Top-Pair getroffen, sachste? Reraise…4500, sag‘ ich mal.


rap.de: Was braucht man für gute Musik?

Chillig (C3F): Für viele gibt es ja zwei Arten von Musik: Mucke, zu der man sich prügeln kann und Mucke, zu der man bampfen kann. Meine Musik soll als eine Art Mischwesen diese beiden Dinge bestmöglich verknüpfen und in einer Art Friedenskrieg neue Visagen auf die Gesichter dieser Welt zaubern. Gute Musik ist Stimmungsmache (schlechte wie gute), aber auch Unverkennbarkeit und Eigenständigkeit. Wenn 90 Prozent aller Leute zum Beispiel dieselben Plug-Ins benutzen, dieselben Midi-Presets hochladen und dieselben bekackten Tom-Toms über die 808-Sounds bürsten, ist DAS zum Beispiel unoriginell. Wenn 90 Prozent der Leute über Rap rappen, kann ich dem auch nix abgewinnen. Wenn 95 Prozent der Rezensenten das schon gar nicht mehr auffällt, sagt das auch einiges über den Sachverstand in Zeiten des Web 2.0. Am Ende des Tages geht es auch mir natürlich einfach um ein grundlegendes Faszinosum, was von einem Song oder Künstler ausgehen muss. Ach, und ja! Ich höre deutschen Rap auch von anderen Künstlern!

Fischmann (C3F): *zum aufgeklappten Schminkspiegel* Ich BIN fasziniert von dir!

Skan 91 (121 Crew): Gute Mucke ist für mich in erster Linie Gefühlstransport. Der alte Designerspruch „Form follows Function“ hat hier für mich absolute Geltung. In erster Linie geht es mir darum, dass Emotionen spürbar werden.

Chillig (C3F): So zu hören zum Beispiel auf dem 121 Crew Debüt "Soulseeker“ für Winter 08.

Monoe (Föderation): Ich glaube, dass es wichtig ist, sich nicht zu verstellen. Klar ist auch so was wie ein Image wichtig, aber wenn es nicht stimmig ist, dann merken die Leute, die etwas Hirnschmalz haben, das irgendwann. Abgesehen von einem gewissen technischen Niveau, das man als guter Künstler an den Tag legen sollte, liegt es immer im Ohr des Zuhörers, ob ein Song gut ist. Wenn man als Zuhörer einen Song fühlen kann, dann ist er auch gut!

Skan 91 (121 Crew): Riiiight.

Fischmann (C3F): Verliert das Spiel mal nicht aus den Augen. Um zwei brauchen die Polen die Lagerhalle wieder.

Monoe (Föderation): Mir reicht‘s! Ich folde.

Skan 91 (121 Crew): *schleudert die Karten in die Ecke* Ich folde auch.

Fischmann (C3F): Willkommen im Club, ihr Lullies.

Almighty K (Föderation): Ich call‘ den Shyce.


rap.de: Wovon hängt musikalischer Erfolg ab?


Fischmann (C3F): Genialerweise nicht von Staigers Wohlwollen.

Chillig (C3F): Da gibt es ja nun ganz unterschiedliche Arten von dem, was man Erfolg nennen kann…Prinzipiell ist es aber so – und das ist mal nicht pseudokaufmännisch gesprochen -, dass musikalischen Erfolg hat, wer zur Marke wird. Und die Grundlage hierfür lässt sich simpel mit folgendem zusammenfassen: Wer soviel Unverwechselbarkeit mitbringt, dass er – und sei es nur für die Länge einer Popstars-Staffel – die Aufmerksamkeit der Leute auf sich lenkt. Menschen – und so auch ich als Beinahe - bzw. Übermensch - sehnen sich im Allgemeinen ja nach einfachen Wahrheiten und Botschaften. Es gibt aber trotz all dem Nonsens da draußen immer noch Belege dafür, dass sich Dickköpfigkeit plus musikalische Versiertheit plus Eigenständigkeit langfristig irgendwann auszahlen können.

Almighty K (Föderation): Wenn man einfach gute Musik macht, ohne konstruiertes Image und ohne, dass man schockiert, Schwachsinn erzählt oder schwachsinnig IST, hat man es einfach schwerer, Aufmerksamkeit zu erregen. Auch wenn man mit etwas Neuem oder Innovativen kommt. Da muss man sich seinen Weg bahnen durch einen Haufen Menschen, von denen 80 Prozent Idioten sind. 64 Millionen Idioten…Na ja…!

Chillig (C3F): Mittlerweile scheint das Unkontroverse ja auch schon kontroverser zu sein als es das Kontroverse selbst je hätte sein können. Musikalischer Erfolg ist einfach auch nur bedingt kalkulierbar. Da laufen für einen Moment alle Fäden richtig zusammen und schon wird ein Sack draus, den es dann zuzumachen gilt. Mir ist aber auch dieses ganze „Musik ist Produkt“-Gequatsche genauso müßig wie dauernd krampfhaft den Eindruck erwecken zu müssen, dick Kohle einzufahren. Man macht! Fertig.

Man at Rhymez (Dealer): *deckt den River auf* Tadaaa! Onkel Pö macht Männchen. Das Board paart sich!

Chillig (C3F): Pfffff…

Almighty K (Föderation): Kacke! Check.

Chillig (C3F): Geduld zahlt sich aus. Set getroffen. All in!

Almighty K (Föderation): Full House? Niemals! Call!

Man at Rhymez (Dealer): Onkel Pö schiebt den Pott!


rap.de: Wie sehen Eure Liveshows aus?

Monoe (Föderation): Live war für uns schon immer ganz wichtig, weil man hier direkt das Feedback der Leute hat. Wir legen großen Wert auf ausgefeilte Shows, sowohl bei der Auswahl der Tracks als auch bei der gesamten Ausgestaltung des Programms. Wie das Wort Show schon sagt, stellen wir uns nicht einfach auf die Bühne und rappen, sondern ballern auch die ein oder andere Einlage raus. Was aber nicht heißt, dass wir so `ne alberne Möchtegern-Comedy-Show bringen. Im Laufe der Jahre hat sich bei uns eine große Professionalität entwickelt und das merken die Leute. Egal, ob es irgendwelche Hip Hop-Dudes oder das „Laufpublikum“ bei städtischen Live-Gigs sind. Sie alle kriegen unsere Energie und den damit verbundenen Vibe mit.

Chillig (C3F): C3F sind ja um einen halben Punkt am ersten Platz der letzten Jam Session vorbeigeschrappt. Ich denke, dass Robust nicht zuletzt dadurch die Qualität seiner Livegigs hat klarmachen können. Monoe hat schon recht: Liveshows sind ein wesentlicher Teil unserer musikalischen Arbeit. Da gibt’s kein Vertun. Ein ganz wichtiger, wenn nicht der wichtigste Punkt!

Man at Rhymez (Dealer): Onkel Pö will den Showdown!

Chillig (C3F): *dreht die Karten um* Ja ja. Ich hab‘ nichts.
Almighty K (Föderation): *dreht seine Karten ebenfalls um* American Airlines, ihr Bitches! *fischt gekonnt die Chips vom Tisch und fährt sich durch’s wallende Haupthaar*

rap.de: Was ist das Ziel mit Hannover Robust und der einzelnen Künstler? Charts? Goldene Schallplatten? Platin?

Chillig (C3F): Es ist ja nun keine wirklich neue Erkenntnis, dass Mucke in konservierter Form unablässig Wertigkeit einbüßt. Das ist halt ein Wandel, der nicht mehr groß rückgängig zu machen ist. Da wird gesogen, was die Breitbandverbindung hergibt. Keiner von uns macht sich etwas vor: Rap ist häufig ein Minusgeschäft. Musik als Produkt begreifen zu müssen habe ich mir an- und wieder abgewöhnt. Das Ziel maßlosen materiellen Reichtums realisiere ich auf anderen Wegen als via Mucke; „Pfandflaschen-Hustling“ oder „Mumien-Pimping“ wären da passende Stichworte. Ich kann da, denke ich, für all unsere Acts sprechen, wenn ich sage, dass es uns vornehmlich darum geht, live zu spielen. Das oberste Ziel: Auftreten, auftreten, auftreten! Das ist das, was auch am meisten Spaß macht und direkte Verständigung zulässt. Das Gefühl eines Livegigs kriegt man auch nicht aus dem Netz auf die heimische Platte gewuppt. Das ganze Geschehen im Netz entwickelt sich ja schon beinahe zur Parallelgesellschaft. Der Fokus liegt beim Großteil aller Rapper immer darauf, auf Platte zu glänzen. Das „Schein vor Sein“-Prinzip hat hier voll durchgegriffen. Aber wenn du eben nicht achttausend Takes machen und nächtelang rumschnibbeln kannst, sondern vor einer Crowd stehst, wird überhaupt erst wirklich klar, wer was kann und wer nicht. Man muss sich da diesbezüglich auch im allgemeinen nur mal die Bookingzahlen von Rap im Allgemeinen angucken, die ja nun auch genauso rückläufig sind wie die Verkaufszahlen.

Fischmann (C3F): Im Rahmen meiner Workshops verdiene ich mit Rap bereits ein schönes Sümmchen.

Almighty K (Föderation): …welches aber gleich seinen Besitzer wechseln wird. *zaubert ein Snickers hinter dem Ohr hervor und fährt sich mit der Hand durch’s wallende Haupthaar* Ich setze 700.

Skan 91 (121 Crew): Danke für das Interview.

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Kommentare:
Fikkurrr   24.09.2008
yo krass viel text.schon irgentwie durch

Fikurrr   24.09.2008
aba der track is geil

ebre   25.09.2008
finde das interview kreativer als den track ;)

Excel Rose   26.09.2008
find den beat ganz gut. iv geht auch klar

OJaY   11.02.2010
fischmann is best der dialog der kultur is lengst